Die Küche mit Griff oder ohne Griff: Was passt besser zu mir?

18.12.2017 | Jesper Thiersemann
Ob eine Küche mit Griff oder ohne Griff gewählt wird, sollte tatsächlich von der eigenen Lebenssituation sowie dem Grad der Küchennutzung abhängen. (Fotocollage: Scheffer)

Eine zentrale Frage in der Küchenplanung stellt sich – sowohl was Aussehen, als auch Funktion betrifft – beim Thema Griffleisten: Soll ich meine Küche mit Griff oder ohne Griff planen? Bevorzuge ich die optisch klare, grifflose Variante, die ästhetisch aussieht und sich gut ins Gesamtbild einfügt? Oder handele ich praktisch und muss zugreifen können, wenn es in der Küche schnell gehen soll? Wir klären über die Vor- und Nachteile einer Küche mit Griff oder ohne Griff auf.

 

 

Die Entwicklung der Küche vom zweckgebundenen Möbelstück hin zum puristischen Designobjekt hat ihr den Status eines Luxussymbols eingebracht. Ästhetische Küchenräume mit glatten Fronten, die einen fließenden Übergang zum Wohnraum bilden, sind seitdem gefragter denn je. Im gleichen Atemzug sind die äußeren Anzeichen, dass es sich hier um eine Küche handelt – nämlich Griffe, Knebel, Haken und natürlich auch die Geräte – immer öfter verschwunden oder zumindest flächenbündig verbaut.

Der Blick vom Wohnbereich auf die Küche ist nun ungestörter denn je. Dennoch hat diese optische Verbesserung auch funktionale Auswirkungen: Die Art, wie ein Küchenschrank von nun an geöffnet wird, entscheidet auch über seinen praktischen Nutzen im Alltag. Die Art zu kochen oder sich im Raum zu bewegen entscheidet viel darüber, ob für einen Käufer die Küche mit Griff oder ohne Griff besser geeignet ist. Wir sagen Ihnen, welche Vor- und Nachteile die Küche mit Griff oder ohne hat.

 

Grifflose Küchen sind puristisch und makellos. Ein Großteil der modernen Küchen wird heute grifflos geplant. (Visualizer: Artyom Bezfamilniy)

Grifflose Küchen sind puristisch und makellos. Ein Großteil der modernen Küchen wird heute grifflos geplant. (Visualizer: Artyom Bezfamilniy)

 

 

Die grifflose Küche: Alle Vorteile auf einen Blick

Fest steht: Die grifflose (weiße) Küche ist definitiv das Modell, das derzeit am meisten gefragt ist. Puristen lieben die klare, glatte Formsprache, die von monolithisch anmutenden Küchenblöcken ausgeht. Eine Küche wirkt größer, wenn sie ein einheitliches Bild formt, statt, wie durch Griffe oder Knöpfe, in viele kleine Bereiche geteilt ist.

Einen funktionalen Vorteil bietet die Küche ohne Griffe für größere Gruppen, die gemeinsam kochen: Wird es eng zwischen Kochinsel und Küchenschrank, kann sich niemand an hervorstehenden Griffen stoßen oder daran hängenbleiben. Eltern begrüßen das ebenso für Kinder, die sich weder verletzen noch unrechtmäßig an Schränken hochklettern können.

Ob man die Küche mit Griff oder ohne Griff wählt, entscheidet auch über die Pflegeleichtigkeit: Glatte Oberflächen lassen sich mit wenig Aufwand rasch säubern, während Griffe häufig schnell verkleben und Bakterienträger sein können. Zudem können grifflose Küchen dank z.T. elektrisch betriebener Küchentüren auch nur durch ein Anstoßen mit beispielsweise dem Fuß oder Knie geöffnet werden, sodass man beide Hände frei zum Kochen und Hantieren hat.

 

 

Zum modernen Landhauslook oder dem skandinavischen Küchenstil gehören oftmals auch ins Design integrierte Griffe, deren Material und Farben ebenso Akzente setzen. Diese Schubladen sind griffig und leicht zu bedienen. (Foto: LEICHT/ Verve)

Zum modernen Landhauslook oder dem skandinavischen Küchenstil gehören oftmals auch ins Design integrierte Griffe, deren Material und Farben ebenso Akzente setzen. Diese Schubladen sind griffig und leicht zu bedienen. (Foto: LEICHT/ Verve)

 

 

Die Küche mit Griff: Alle Vorteile auf einen Blick

Wer es liebt, in der Küche zu schalten und zu walten, für viele Freunde zu kochen oder gleich mehrere Gänge zuzubereiten, wird die Küche mehr als Werkstatt denn als Designobjekt sehen. Eine Werkstatt hat vor allem den Anspruch, den Kochenden so funktional wie möglich zu unterstützen, was da heißt: Küchenwerkzeuge müssen an Ort und Stelle sein, um zügig gefunden und genutzt zu werden. Küchenschubladen sollten schnell geöffnet und geschlossen werden können. Und das funktioniert eben am besten immer noch: über eine Küche mit Griffen.

Professionelle Köche entscheiden sich daher gar nicht erst zwischen einer Küche mit Griff oder ohne Griff, sondern diskutieren lediglich über die Haptik der Knöpfe, die auch mit fettigen oder schmutzigen Fingern griffig sein muss. Wer zuhause dennoch Anspruch auf eine makellose Optik legt, kann sich für den bequemen Mittelweg entscheiden – und eine Küche mit Griffleiste wählen, die nahezu unsichtbar im Küchenkorpus mittels einer Kerbe verborgen wird, aber dennoch schnellen Zugriff auf die Utensilien garantiert.

 

 

Diese grifflose Küche ist wunderschön - doch nur die in den Oberschrank eingelassenen Griffmulden sind wirklich praktisch. Denn wo im Unterschrank muss man drücken, um die Schubladen zu öffnen? Und wieviele öffnen sich, wenn ich mich aus Versehen dagegenlehne? (Visualizer: Filip Sapojnicov)

Diese grifflose Küche ist wunderschön – doch nur die in den Oberschrank eingelassenen Griffmulden sind wirklich praktisch. Denn wo im Unterschrank muss man drücken, um die Schubladen zu öffnen? Und wieviele öffnen sich, wenn ich mich aus Versehen dagegenlehne? (Visualizer: Filip Sapojnicov)

 

 

Die grifflose Küche: Alle Nachteile auf einen Blick

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wer kocht, hat zwangsläufig mal fettige Finger. Wer dann in der grifflosen Küche nicht elektrisch betriebene Türöffner, sondern die viel gängigere, weil günstigere, Push-to-open-Mechanik verbaut hat, öffnet seine Schränke mittels Fingerdruck – und hinterlässt automatisch Spuren auf der Oberfläche.

Während diese bei Hochglanz-Lackfronten leicht zu beseitigen sind, können sich Fingerabdrücke bei empfindlichen Fronten wie Beton oder Mattlack vielseitig festsetzen und eine neue Patina über die Zeit bilden – ob gewünscht oder nicht. Abhilfe kann hier eine spezielle Beschichtung oder eine Front mit Antifingerprint-Lack bieten.

 

 

Großes Manko: Das ungewollte Öffnen der Schublade durch Gegenlehnen

Das vielleicht größte Manko griffloser Küchen, das bei der Überlegung „Küche mit Griff oder ohne Griff“ bedacht werden sollte, ist die Anwendung im Alltag: Häufig löst allein das versehentliche Anstoßen an die Küchenfront den Öffnungsmechanismus aus, weswegen das Hantieren an der Kücheninsel zur Schubladentortur werden kann.

Außerdem sollten Hobbyköche beachten, dass das Öffnen und Schließen von Schubladen auf Fingerdruck etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, weil der Öffnungsmechanismus langsam und vorsichtig ausgerollt wird. Wer zu Gast in einer Küche ist, muss erst herausfinden, ob im oberen oder unteren Schubladenbereich gedrückt werden muss. Daran gewöhnt sich ein Besitzer allerdings nach kurzer Zeit.

 

 

Damit die blitzblanken Edelstahlgriffe dieser Küche auch so funkelnd bleiben, müssen sie regelmäßig geputzt werden. Außerdem muss man beim gemeinsamen Kochen Acht auf die Kanten geben. (Foto: Decoist)

Damit die blitzblanken Edelstahlgriffe dieser Küche auch so funkelnd bleiben, müssen sie regelmäßig geputzt werden. Außerdem muss man beim gemeinsamen Kochen Acht auf die Kanten geben. (Foto: Decoist)

 

 

Die Küche mit Griff: Alle Nachteile auf einen Blick

Jeder, der eine Küche mit Griff wählt, sollte sich darüber bewusst sein, dass auch Griffe Oberflächen sind und gereinigt werden müssen. Hier können sich sonst leicht Verschmutzungen ansammeln. Das gilt vor allem für die in der Front integrierten Griffleisten, deren Bakterien dann direkt in die nächste kochende Hand wandern.

Zudem stellen Küchen mit Griff eher ein Verletzungsrisiko dar. Abhilfe schaffen hier schmale Knöpfe oder abgerundete Kanten. Wer zum Beispiel den modernen Landhauslook verfolgt, kann hier die Rückkehr der Edelstahlknäufe erleben. Sie sehen elegant aus und sind auch nach langjähriger Benutzung noch griffig.

 

 

Fazit: Die Küche mit Griff oder ohne Griff hängt von Küchenstil und Lebenssituation ab

Ob man für seine Küchenplanung eine Küche mit Griff oder ohne Griff wählt, hängt nicht nur vom individuellen Geschmack und damit dem eingeschlagenen Küchenstil (puristisch, skandinavisch, klassisch) ab, sondern auch von der jeweiligen Kochsituation. Wer gerne groß aufkocht, täglich in der Küche steht oder praktisch veranlagt ist, sollte trotz der aktuellen Trendsituation lieber eine Küche mit Griff wählen. Das spart Zeit und Nerven und kann vom Küchenplaner des Vertrauens modern umgesetzt werden.

Wer dem Trend der grifflosen Küchen folgen möchte, sollte sich über die verschiedenen Alternativen – so z.B. Tip-on-motion, Push-to-open und elektrischer Öffnung – informieren und auch das Material der jeweiligen Küchenfront mit Bedacht wählen.

Ein professionelles Küchenstudio in Ihrer Umgebung finden Sie unter dieser Postleitzahlensuche.

 

Eine Alternative zu beiden Lösungen kann die abgeschrägte Griffleiste in der Küchenfront bzw. Tür sein: Sie ist unauffällig wie eine grifflose Push-to-open-Schranktür, aber dennoch griffig und schnell zu öffnen wie ein Türknopf. (Foto: Valcucine)

 

 

Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.