Fazit IFA 2017: Viele Neuheiten und ein Gewinner

08.09.2017 | Dilara Suzuka
Den Dialoggarer live erleben: Das war auf der IFA 2017 unzählige Male möglich - und hat neben den Besuchern auch die Köche selbst begeistert. (Foto: Scheffer)

Bereits nach wenigen Stunden auf der IFA 2017 ist klar: Es gibt einen ganz großen Gewinner, und das ist Amazon. So gut wie alle namhaften Küchenhersteller haben sich mit dem amerikanischen Konzern zusammengetan, um von den schnellen Lieferbedingungen und technischen Errungenschaften Amazons zu profitieren. Kein Messestand, an dem „Alexa“, der sprachgesteuerte Assistent des Konzerns, nicht im Mittelpunkt steht – meist ruhiggestellt durch einen abgesonderten Raum, damit das auf Geräusche reagierende Gerät durch die Flut an Messebesuchern auf der IFA nicht durchdreht dank Dauereinsatz.

 

Alexa, der sprachgesteuerte Assistent von Amazon, ist das Zentrum der Smart Kitchen von morgen: Renommierte Hersteller wie Miele, Siemens und Liebherr arbeiten mit dem intelligenten, berührungslosen Gerät zusammen. (Foto: Amazon)

Alexa, der sprachgesteuerte Assistent von Amazon, ist das Zentrum der Smart Kitchen von morgen: Renommierte Hersteller wie Miele, Siemens und Liebherr arbeiten mit dem intelligenten, berührungslosen Gerät zusammen. (Foto: Amazon)

 

Amazon ist der große Nutznießer der Küche 2.0

Miele nutzt Amazons Alexa, um Lebensmittel nachzubestellen, Kochvorgänge kommentieren zu lassen und den Haushalt zu managen („Alexa, sage mir, wie lange die Waschmaschine noch braucht“). Das Gerät lässt sich über WLAN mit Mieles Hausgeräten verbinden und kann dann Inhalte per Sprachsteuerung verkünden oder über einen Knopf im Ohr des Besitzers direkt per Durchsage weitergeben.

Auch Liebherr, der Spezialist für Kühlgeräte und Weinschränke, arbeitet mit Alexa zusammen: Wird die SmartDeviceBox des Kühlschranks mit Alexa verknüpft, kann Alexa auf Wunsch die Kühlschranktemperatur ändern, informiert über Alarmmeldungen oder erinnert an den nächsten Filterwechsel.

 

Mykie, der Roboterassistent von Siemens Hausgeräte, soll zukünftig Kochvorgänge steuern und Küchennutzer daran erinnern, was noch eingekauft werden muss. Die Lieferung erfolgt über Amazon Fresh. (Foto: BSH)

Mykie, der Roboterassistent von Siemens Hausgeräte, soll zukünftig Kochvorgänge steuern und Küchennutzer daran erinnern, was noch eingekauft werden muss. Die Lieferung erfolgt über Amazon Fresh. (Foto: BSH)

 

Lebensmittel bequem nach Hause liefern lassen – natürlich über Amazon Fresh

Siemens Hausgeräte hat für die intelligente Sprachsteuerung hingegen zwar MYKIE, eine Abkürzung für „My Kitchen Elf“, entwickelt, der als selbstlernender Roboter der Küchenassistent der Zukunft werden soll, aber dennoch prangt der Name Amazon am Messestand: Wer seinen Kühlschrank befüllt und alle Lebensmitteldaten auf eine elektronische Vorratsliste setzt, kann den Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh in Kenntnis darüber setzen, wann eine Zutat wieder nachgekauft werden muss – der Konzern liefert dann binnen weniger Stunden bequem vor die Tür.

Amazon ist der große Nutznießer der Küche 2.0 und blickt in eine rosige Zukunft der „Smart Kitchen“. Deutsche Küchengerätehersteller machen sich damit zwar enorm abhängig von dem amerikanischen Lieferkonzern, können sich damit aber auf die Weiterentwicklung eigener Geräte konzentrieren und das bisherige technische Know-How Amazons in vollem Umfang ausnutzen.

 

 

Alle Neuheiten der IFA 2017 im Überblick

 

Miele auf der IFA 2017: Der Dialoggarer steht im Mittelpunkt

 

Der Dialoggarer war das allumspannende Thema der IFA 2017. Auch optisch integrierte sich das Design perfekt in die Ansprüche der Besucher ein. (Foto: Scheffer)

Der Dialoggarer war das allumspannende Thema der IFA 2017. Auch optisch integrierte sich das Design perfekt in die Ansprüche der Besucher ein. (Foto: Scheffer)

 

Die Hauptattraktion der IFA 2017 war zweifellos der prominent als “Revolution in der Küche” angekündigte Miele Dialoggarer. Der mittels elektromagnetischer Wellen arbeitende Backofen, der Lebensmittel aufgrund ihres Garvolumens erkennt und mit bis zu 70% Zeitersparnis auf die Minute genau gart, stand im Mittelpunkt des beeindruckenden Messestandes und war Gegenstand zahlreicher Kochvorführungen sowie begeisterter „Ahs“ und „Ohs“ aus dem Publikum.

Allen, die sich im Vorfeld Sorgen um die elektromagnetische Strahlung des Gerätes gemacht hatten, konnte Entwarnung gegeben werden. Dank eines starken Strahlenschutzes dringen keine elektromagnetischen Wellen aus dem Backofen in die Küche des Nutzers; wird der Dialoggarer geöffnet, schalten sich die zwei Antennen im Inneren des Backofens sofort aus und senden keinerlei „Gourmet/energy units“ mehr aus.

 

Die Köche am Stand des Miele Dialoggarers nahmen Interessenten die Angst vor elektromagnetischer Strahlung - und hatten selbst sichtlich viel Spaß beim zügigen Vorbereiten der servierten Speisen. (Foto: Scheffer)

Die Köche am Stand des Miele Dialoggarers nahmen Interessenten die Angst vor elektromagnetischer Strahlung – und hatten selbst sichtlich viel Spaß beim zügigen Vorbereiten der servierten Speisen. (Foto: Scheffer)

 

Pulled Pork, Lachs, Souffés: Auch die Köche hatten Spaß am Miele-Stand

Die Köche am Miele-Stand hatten sichtlich Spaß, mit dem neuwertigen Produkt zu arbeiten und erklärten: „Wenn der Dialoggarer wie eine Mikrowelle arbeiten würde, dürften wir hier keinen Lachs mit Alufolie reinschieben. Das gäbe ein kleines Unglück.“ Das Missgeschick blieb aus, der Lachs kam unversehrt und wachsweich gedünstet aus dem Dialoggarer heraus und stieß auf geschmackliche Begeisterung beim Publikum.

Seine Koch- bzw. Backzeit inklusive eines knusprig gebackenen Blätterteigmantels: 14 Minuten. Zeit für eine Portion soft gegartes Pulled Pork: 2,5 statt 8 Stunden. Zarte Soufflés im Tontöpfchen: 15 Minuten, in denen das Soufflé tatsächlich gelingt und nicht in sich zusammenfällt. Eine runde Sache.

 

Temperatur, Gourmet Units, Backintensität und Zeit kann beim Dialoggarer händisch eingestellt werden. Man kann dank des "Gourmet-Assistenten" aber auch dem Gerät die Auswahl überlassen. (Foto: Scheffer)

Temperatur, Gourmet Units, Backintensität und Zeit kann beim Dialoggarer händisch eingestellt werden. Man kann dank des “Gourmet-Assistenten” aber auch dem Gerät die Auswahl überlassen. (Foto: Scheffer)

 

Auch optisch kann der Miele Dialoggarer mit dem Designanspruch des Premium-Herstellers mithalten: Das hochwertige Gerät ist in den Farben Weiß, Schwarz und Anthrazit erhältlich und verfügt über ein intuitives Touchfeld zur Auswahl des Kochassistenten, des Profimodus oder der bevorzugten Backintensität. Über 1000 Rezepte sind in der Miele@home-App bereits verfügbar; bis zum Produktlaunch im April 2018 sollen noch mehrere hundert hinzukommen.

Bisher ist es allerdings aufgrund des komplexen Garvorgangs mit den Gourmet Units noch nicht möglich, eigene Rezepte zum Miele Dialoggarer hinzuzufügen. Miele bestimmt in Zukunft also, was auf den Tisch kommt.

 Erfahren Sie hier mehr zum Miele Dialoggarer

 

 

Liebherr auf der IFA 2017: Individuell kreierte Kühlschränke

Liebherr setzt auf die Individualisierung des Kühlschranks: Mit dem Modell "StickerArt" gibt es jeden Tag aufs Neue etwas zu entdecken; mit dem Programm "myStyle" kann der Kühlschrank sogar gänzlich individualisiert werden - beispielsweise mit einem eigens aufgenommenen Bild. (Foto: Scheffer)

Liebherr setzt auf die Individualisierung des Kühlschranks: Mit dem Modell “StickerArt” gibt es jeden Tag aufs Neue etwas zu entdecken; mit dem Programm “myStyle” kann der Kühlschrank sogar gänzlich individualisiert werden – beispielsweise mit einem eigens aufgenommenen Bild. (Foto: Scheffer)

 

Der auf Kühlschränke spezialisierte Hersteller folgt der fortschreitenden Individualisierung im Küchenbereich und präsentiert sein neues Programm „Liebherr MyStyle“. Unter dem Motto „Design your Fridge“ kann man die Außenoberflächen sowie die Innenausstattung des würfelförmigen Kühlgerätes nach eigenem Geschmack designen. So lässt sich ein mit dem Handy aufgenommenes Foto in entsprechender Auflösung sogar als glatte Lackoberfläche auf das Kühlgerät auftragen; jede Würfelseite kann andersartig gestaltet werden.

Zudem lässt sich die Farbe der Kühlschrankbeleuchtung, die Ausstattung mit Edelstahl- oder Holzschienen und die Anzahl an Schubfächern selbst bestimmen. Ganz romantisch wird’s mit Aufschrift: So lässt sich auf dem Kühlkubus das Hochzeitsdatum und ein Bild des großen Tages verewigen.

Eine weitere Verjüngungskur unternimmt Liebherr mit seinem Modell „StickerArt CNst 4813“, das scheinbar über und über mit farbenfrohen Stickern beklebt ist. Tatsächlich wird das Design in einem hochwertigen Druckverfahren dauerhaft auf die Türen angebracht und soll an das in Großstädten populäre „Stickerbombing“ an Bahnhöfen und Haltestellen erinnern. Damit niemand dem Design überdrüssig wird, lässt sich die Schale der Tür und Seitenwände aber auch leicht abnehmen und durch ein anderes Design ersetzen.

 Erfahren Sie hier mehr zu Liebherrs ebenfalls auf der IFA 2017 vorgestellter Kühlschrank-Kamera FridgeCam.

 

Siemens Hausgeräte auf der IFA 2017: MYKIE und Alexa im Duell

Siemens Hausgeräte beeindruckt mit intergalaktischem Messestand - und einem "Smart Food Storage Manager", der auf Wunsch benötigte Lebensmittel per Amazon Fresh ordert. (Foto: Scheffer)

Siemens Hausgeräte beeindruckt mit intergalaktischem Messestand – und einem “Smart Food Storage Manager”, der auf Wunsch benötigte Lebensmittel per Amazon Fresh ordert. (Foto: Scheffer)

 

Siemens Hausgeräte beeindruckt auf der IFA 2017 mit einem intergalaktisch anmutenden Messestand: Dunkles Design, geheimnisvolles blaues Licht, sphärische Klänge. Dazwischen ertönt hin und wieder die Stimme von Mykie, dem Küchenassistenten, der als Prototyp bereits im Januar auf der LivingKitchen vorgestellt wurde und den Küchenalltag für seinen Besitzer organisieren soll.

Der Messestand unterteilt sich in vier Bereiche, die sich alle um den Bereich Smart Home drehen: Connected kitchen, connected cooking, connected living und connected laundry. Während der intelligente „Smart Food Storage Manager“ weiß, welche Lebensmittel im Kühlschrank vorrätig lagern und welche über Amazon Fresh zum Kochen nachbestellt werden müssen, erledigt die iQ700-Serie alle Koch- und Backvorgänge in doppelt so schneller Zeit.

 

 

X-spect von Siemens: Welcher Fleck ist das? Wann ist meine Mango reif?

Das Gerät X-Spect von Siemens kann per Scan das Material eines Kleidungsstücks erkennen, aber auch die Art eines Flecks und den benötigten Waschvorgang. Noch ist X-Spect ein nicht käuflich erwerbbarer Prototyp. (Foto: Scheffer)

 

Im Wohnzimmer ist Alexa erneut die Königin: Sie steuert die Vernetzung aller Vorgänge und kann mit eingespeicherten, „erlernten“ Sätzen wie „Alexa, starte den Guten Morgen-Modusdas Licht anmachen, die Lieblingsmusik auflegen und die Kaffeemaschine anstellen.

Einen besonderen Clou präsentiert Siemens Hausgeräte aber im Bereich Waschen/Laundry: Mit dem Sensor „X-spect“, der einer Fernbedienung mit Codeleser ähnelt, kann sowohl die stoffliche Zusammensetzung eines Kleidungsstücks, als auch Flecken darauf erkannt werden. Gemeinsam mit einer Waschempfehlung wird diese Information dann an die Waschmaschine geschickt, die Kleidungsstücke temperaturgenau reinwaschen soll.

Das Gerät ist bislang ein Prototyp und lässt sich auch im Küchenbereich einsetzen. Hier erkennt X-spect, ob eine Mango bereits reif ist oder den Punkt überschritten hat. Gleiches gilt für die Frische von Eiern. Wann und ob das Produkt jemals Marktreife erlangt, wurde jedoch nicht bekannt gegeben.

 

 

Gorenje auf der IFA 2017: Starkes Design von Philippe Starck

Verspiegelte Geräte, großflächige Griffe, puristisch gewölktes Küchendesign: Die Kooperation von Gorenje mit Philippe Starck ist ein durchschlagender Designerfolg mit hochwertigen Geräten. (Foto: Scheffer)

Verspiegelte Geräte, großflächige Griffe, puristisch gewölktes Küchendesign: Die Kooperation von Gorenje mit Philippe Starck ist ein durchschlagender Designerfolg mit hochwertigen Geräten. (Foto: Scheffer)

 

Der slowenische Hersteller von Küchengeräten hat sich auf der diesjährigen IFA 2017 von seiner designbetonten Seite gezeigt. Mit den französischen Designern Ito Morabito (Marke: Ora-ïto) und Philippe Starck hat Gorenje ein wortwörtlich starkes Duo mit völlig unterschiedlichen Gestaltungsansätzen für Küchengeräte im Team, die Geschirrspüler und Backofen kunstvoll in die Küchenzeile einarbeiten. Große, viereckige Griffe, gläserne schwarze Blenden und großzügige Innenräume sind das Ergebnis der Zusammenarbeit.

Desweiteren stellte Gorenje vier neue Farben seiner Retro-Kühlschrank-Kollektion (orange, grün, neongelb und terrakotta) sowie die beliebte VW Bulli-Edition vor. Die Kühlgeräte können dank Ion Air (ionisierter Luft, die wie ein frischer Sommerregen die Luft im Kühlschrank reinigt) Lebensmittel länger frisch halten. In der unteren „Crisp Zone“ kann Feuchtigkeit durch einen separaten Schalter reguliert werden.

 

 

Zum Autor
Dilara Suzuka
Redakteurin

Die Küche war für Dilara schon immer ein magischer Anziehungspunkt; als Nesthäkchen mit vier Geschwistern drehte sich schon im Familienhaushalt immer alles um den heiligen Ort des Zusammenseins beim Essen, Kochen, Hausaufgaben machen, Malen, Diskutieren, Entscheidungen verkünden. Auch in ihrer WG während des Studiums kreuzten sich in der Küche sämtliche Lebenswege. Die Webdesignerin entschied deshalb, dass es an der Zeit wäre, diesem Altar des Essens und der Entscheidungen auch im Internet ein bisschen mehr Leben einzuhauchen. Los geht’s.