Grifflose Küchen: Ein nahtloser Übergang

10.10.2016 | Jesper Thiersemann
Die Artematica Multiline von Valcucine kombiniert Holz, Aluminium und Laminat für ihre hochwertigen, grifflosen Küchenfronten. (Foto: Valcucine)

Die Wunschküche der Deutschen sähe im bundesweiten Durchschnitt weiß aus – und seit längerem auch grifflos. Der seit Jahren vor allem im hochpreisigen Luxussegment vorherrschende Trend hat sich mittlerweile auf alle Sparten ausgebreitet; er lässt eine Küche hochwertig, ästhetisch und modern erscheinen. Wir zeigen Ihnen grifflose Lösungen, mit denen Sie dennoch alles im Griff haben.

 

(Foto: Genius Loci; Valcucine)

Grifflose Küchen passen sich nicht nur nahtlos der Raumumgebung an, sondern geben auch als Objekt für sich ein geradlinig-geschlossenes Bild ab. (Foto: Genius Loci; Valcucine)

Offener Wohnraum, grifflose Küche: Nahtloser Übergang

Wir haben 100 Küchenplaner[1] gefragt: Welche Trends machen sich derzeit bemerkbar, was fragen die Kunden besonders häufig nach, wie sieht die aktuelle Durchschnittsküche der Deutschen aus? Die Antwort lautet zu 99%: Weiße, grifflose Küchen. Die seien immer gefragt und der Trend halte wohl auch noch eine gute Weile an, weil weiß eben zeitlos und grifflos zeitgemäß sei. Aber warum?

Das Phänomen genau dieser Kombination liegt an der fortschreitenden Öffnung des Küchenraums. Die (Nicht-)Farbe Weiß steht für Sauberkeit und Reinheit im Umgang mit Lebensmitteln, fügt sich aber auch nahtlos und friedlich in den Raum und seine farbliche Ausgestaltung ein und lässt dem Innenraumgestalter freie Hand für die konzeptionelle Gestaltung des Wohn-, Ess- und Kochbereiches.

Grifflose Küchenschränke wiederum, deren Türen und Ausschübe keine Griffe, sondern z.B. Auskerbungen zum Herausziehen des Schubfachs besitzen oder auf einen Druckmechanismus hin öffnen, geben den unverstellten Blick des Betrachters auf eine perfekte Symmetrie, ja, ein glattes Unterfangen vom Wohnzimmersessel aus frei. Grifflose Küchen stehen ein Stück weit für die Ästhetik, den Minimalismus und die Befreiung von allem Überflüssigen unserer Zeit.

 

 

(Foto: Forma Mentis; Valcucine)

Grifflose Küchen arbeiten mit schrägen Eingriffen oder Mulden, durch die die Tür sanft geöffnet werden kann. Andere Modelle besitzen das “push to open”-System (Foto: Forma Mentis; Valcucine)

Vorteile einer grifflosen Küche

Grifflose Schränke sind ein Phänomen der modernen Küche und des geöffneten Küchenraums. Hersteller von puristischen, simplen, aber hochwertigen Küchen setzen schon lange auf den Trend, ergibt die Küche doch so ein geradlinig-geschlossenes Frontalbild, das wie aus einem Guss wirkt. Der Übergang zum Wohnzimmer erfolgt fließend und dezent; die Kücheninsel bildet eine natürliche Grenze, die nicht einengend wirkt.

Aber auch bei Landhausküchen oder Küchen im skandinavischen Stil werden zunehmend Knaufe, Klinken, Hebel und Drücker weggelassen und zugunsten einer versteckten Griffleiste aus Edelstahl oder Aluminium ersetzt. Diese werden an der Ober- oder Unterkante von Türen und Auszügen angebracht und bieten nicht nur optische, sondern auch ganz praktische Vorteile: Schranktüren lassen sich so viel leichter und schneller reinigen, Kinder können sich nicht an den Griffen stoßen, Erwachsene bleiben beim Kochen nicht hängen und die Abnutzungsspuren sind nicht sofort sichtbar.

Neben versteckten Griffleisten dominieren in grifflosen Küchen auch elektronische Systeme oder die Push-to-open-Mechanik, die sich mithilfe eines Druckmechanismus‘ durch sanftes Antippen öffnen und wieder schließen lassen – ideal für Köche, die gerade keine Hand frei haben oder zügig arbeiten wollen.

 

 

Nachteile einer grifflosen Küche

(Foto: Artematica Vitrum; Valcucine)

Der Nachteil griffloser Küchen, speziell bei Edelstahl- oder Hochglanzfronten: Fingerabdrücke. Der Vorteil: Sie lassen sich ohne Griffe leichter säubern. (Foto: Artematica Vitrum; Valcucine)

Wer über den Kauf einer grifflosen Küche nachdenkt, sollte Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Ein Nachteil der eingebauten Mechanismen, um die Küchenfronten zu öffnen, ist, dass sie etwas mehr Platz benötigen als einfache Griffe und somit den Stauraum der Schränke verkleinern. Dies kann aber auch einfach über die Höhe ausgeglichen werden.

Kaum vermeiden hingegen lassen sich die Fingerabdrücke auf Schränken mit Push-to-open-Systemen. Hier kommt es auf das verwendete Material an: Edelstahl ist sehr empfindlich; auch lackierte Fronten sind schmutzanfällig. Matte Fronten und Farben hingegen können gegen schmutzige Kinderhände und Co. Abhilfe schaffen. Auch neue Antifinger-Printbeschichtungen vermeiden unschöne Fingerabdrücke und Schlieren an Küchenfronten und -oberflächen.

Achja, die lieben Kleinen: Stoßanfälligkeiten werden zwar durch fehlende Griffe reduziert, aber natürlich sind speziell elektrische Öffner, die auf Bewegung reagieren, nicht sicher vor Kindern. Manche öffnen sich bereits durch eine vorüberstreichende Bewegung unabsichtlich. Wer dann doch lieber auf eingebaute Griffleisten zurückgreift, sollte noch beachten, dass dies mit langen Fingernägeln eher ein schwieriges Unterfangen ist. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister.

 

Grifflose Küchen in allen Modellen

Ein kompetenter Küchenfachberater in Ihrer Nähe kann Sie zu aktuellen Modellen und deren raffinierten Lösungen für die Griffleiste beraten. Wenn Sie sich selbst eine Meinung zu Optik, Haptik sowie Praktikabilität einer grifflosen Küche gebildet haben, kann Ihnen der Einrichtungsspezialist dies für nahezu jedes Modell anbieten: Nicht nur puristisch-moderne, warm-moderne oder skandinavische Küchen werden immer häufiger mit Griffleisten und Druckmechanismus ausgestattet, sondern auch klassische Küchen oder Küchen im Landhausstil. Weniger ist eben mehr, selbst bei romantisch verschnörkelten Cottages.

Nicht zuletzt sind grifflose Küchen ja auch immer ein Zeichen des Fortschritts: Erst die heutige Technik ermöglicht uns das feste Verschließen einer Küchenschrankwand und deren gleichzeitige Öffnung zum Wohnraum hin. Und das sei schließlich ebenfalls ein Küchentrend, sagen unsere 100 Küchenplaner.

 

 

[1] Nunja, fast. Der Trend hält trotzdem an.

Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.