Interview zum Kochfeldabzug: „Mittlerweile erlebe ich einen regelrechten Hype“

27.06.2017 | Susanne Scheffer

 

Gabriele Rapsch leitet seit über 30 Jahren das hochwertige Küchenstudio Rapsch Küchen im oberbayerischen Benediktbeuern. Ihrer Leidenschaft für Küche und Kochen sowie ihrer jahrelangen Erfahrung beim Thema Kochfeldabzug ist es zu verdanken, dass den Kunden des Küchenstudios Rapsch nichts empfohlen oder verbaut wird, das Gabriele Rapsch nicht selber vorher getestet und für gut befunden hat.

Und so findet sich im Studio in Benediktbeuern ein Kompetenzzentrum mit neun verschiedenen Kochfeldabzügen, sogenannten Downdraft-Systemen oder Two-in-One-Kochfeldabzügen. Gabriele Rapsch hat sich tief in die Materie des „Dunstabzugs nach unten“ eingearbeitet – nur so kann sie ihren Kunden Erfahrung und Sicherheit mit auf den Weg geben, das richtige Produkt auszuwählen.

Wir haben sie zum Interview getroffen.

 

Gabriele Rapsch in Ihrem Studio Rapsch Küchen in Benediktbeuern. Die Expertin für Kochfeldabzüge testet regelmäßig jedes neue Modell in ihrem eigenen Studio. (Foto: Neumann/Rapsch)

Gabriele Rapsch in Ihrem Studio Rapsch Küchen in Benediktbeuern. Die Expertin für Kochfeldabzüge testet regelmäßig jedes neue Modell in ihrem eigenen Studio. (Foto: Neumann/Rapsch)

 

10 Fragen zum Kochfeldabzug

 

(1) KDM: Frau Rapsch, Sie leiten seit vielen Jahren ein florierendes Küchenstudio in Bayern. Seit wann existiert der Trend zum Dunstabzug nach unten – und wie schnell hat er sich durchgesetzt?

GR: Ich verkaufe seit über 30 Jahren Küchen, und tatsächlich gab es damals schon das erste Modell zum „Dunstabzug nach unten“. Gaggenau hat es im Jahr 1976 auf den Markt gebracht.

Durchgesetzt hat es sich vor acht oder neun Jahren, als BORA den Kochfeldabzug dank starkem Marketing überall bekannt machte. Dann zogen auch alle anderen Hersteller mit ihren Downdraft-Abzügen nach. Mittlerweile erlebe ich einen regelrechten Hype darum.

 

(2) KDM: Wie schnell hat Sie das Prinzip Downdraft selbst überzeugt?

GR: Die Idee des Kochfeldabzugs hat mich schon lange überzeugt – nicht nur optisch, sondern auch physikalisch. Bei hochwertigen Marken wie BORA oder Gaggenau wird der Kochdunst mit ca. 4m/s abgezogen, während die Wrasen selbst nur mit ca. 1m/s Geschwindigkeit aufsteigen. Es funktioniert also.

Mittlerweile teste ich alle Kochfeldabzüge selber aus. Das Expertenwissen kommt also nicht von ungefähr.

 

Gaggenau hat bereits im Jahr 1976 die erste Muldenlüftung auf den Markt gebracht. Seither wurde der Downdraft kontinuierlich weiterentwickelt - bis zum heutigen Modell, das im Flex-Induktionskochfeld integriert ist. (Foto: Gaggenau)

Gaggenau hat bereits im Jahr 1976 die erste Muldenlüftung auf den Markt gebracht. Seither wurde der Downdraft kontinuierlich weiterentwickelt – bis zum heutigen Modell, das im Flex-Induktionskochfeld integriert ist. (Foto: Gaggenau)

 

Welcher Downdraft-Abzug überzeugt?

 

(3) KDM: Sie haben neun Dunstabzüge in Ihrem Studios verbaut. Welche Marken finden sich hier wieder?

GR: Eigentlich sind es sogar 12 Kochfeldabzüge, aber neun davon sind fest verbaut und angeschlossen und werden somit regelmäßig getestet. Dazu zählen Downdrafts der Marken Gaggenau, BORA, Miele, Siemens, Gutmann und elica.

 

(4) KDM: Warum haben Sie so eine große Anzahl von Downdrafts verbaut?

GR: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen wollte ich alle Geräte vorher selbst testen und mich mit Ihnen auseinandersetzen, damit ich bei auftauchenden Fragen oder Problemen sofort helfen kann.

Zum anderen wollte ich meinen Kunden die größtmögliche Vielfalt bieten, die der Markt aktuell abbildet. Schließlich hat da jeder seine eigenen Prioritäten, was Preis, Größe, Knöpfe oder Touchfeld anbelangt.

 

(5) KDM: Welcher Downdraft-Abzug hat Sie bisher am meisten überzeugt? Gibt es Favoriten bei den Kunden?

GR: Mich persönlich sprechen der BORA Professional 2.0 und die Vario Muldenlüftungs-Serie 400 von Gaggenau am meisten an. Die Haptik, die professionelle Schalterblende und auch die große Vielfalt unterschiedlicher Kochmöglichkeiten überzeugen einfach.

Bei diesen beiden Modellen gibt es beispielsweise – im Gegensatz zu vielen anderen – mehrere Vario-Kochfelder wie Induktion, Teppanyaki, Gas, Induktionswok, Elektrogrill und Dampfgarer.

 

Dank der hohen Saugkraft heutiger Kochfeldabzüge kann der langsamer aufsteigende Kochdunst zügig weggesaugt werden. Für alle Fälle - beispielsweise hohe Topfränder - gibt es den Löffeltrick. (Foto: BORA Professional)

Dank der hohen Saugkraft heutiger Kochfeldabzüge kann der langsamer aufsteigende Kochdunst zügig weggesaugt werden. Für alle Fälle – beispielsweise hohe Topfränder – gibt es den Löffeltrick. (Foto: BORA Professional)

 

So funktioniert der Kochfeldabzug auch mit hohen Töpfen

 

(6) KDM: Wie verträgt sich der Downdraft-Abzug mit hohen Töpfen?

GR: In der Regel funktioniert der Kochfeldabzug dank der schnellen Absaug-Mechanik mit Töpfen und Pfannen aller Art. Jedoch funktioniert bei Töpfen mit höheren Rändern auch der Kochlöffeltrick: Einfach einen Kochlöffel unter den Deckel klemmen auf der entgegengesetzten Seite des Dunstabzugs – nach einen physikalischen Gesetzen wird der Kochdunst dann zur Seite gelenkt und kann dort problemlos abgesaugt werden.

 

(7) KDM: Was passiert, wenn Wasser o.a. Flüssigkeiten in den Downdraft-Abzug hineinlaufen?

GR: Die heutigen Kochfeldabzüge sind gut gegen überlaufende Flüssigkeiten geschützt. Es gibt dafür leicht zu reinigende Einbauteile.

 

(8) KDM: Was muss ich bei meiner Kücheninsel beachten, wenn ich dort einen Downdraft verbauen lasse? (Beleuchtung, Stauraum etc.)

GR: Sehr wichtig ist die erforderliche Höhe und auch Tiefe der Küchenzeile, in der der Downdraft verbaut wird. Die Auszüge lassen sich dennoch bequem installieren.

Ebenso wichtig ist die gute Erreichbarkeit der Umlufteinheit und der weiteren Mechanik, damit die Pflege und Wartung durchgeführt werden können: So muss zum Beispiel der Kohlefilter ausgetauscht oder die Langzeitfiltersysteme gewartet werden.

 

Kochfeldabzüge sind in puncto Geruchsbeseitigung, Geräusche und Planungsfreiheit einfach unschlagbar, findet Gabriele Rapsch. (Foto: Siemens Hausgeräte Induction Air)

Kochfeldabzüge sind in puncto Geruchsbeseitigung, Geräusche und Planungsfreiheit einfach unschlagbar, findet Gabriele Rapsch. (Foto: Siemens Hausgeräte Induction Air)

 

Kochen ohne Gerüche: Es funktioniert

 

(9) KDM: Glauben Sie, dass sich normale Dunstabzüge wie Deckenlüfter, Wandhauben etc. in Zukunft noch halten können gegenüber dem Downdraft-Prinzip?

GR: Ja, diese Modelle haben noch eine Zukunft. Denn es gibt Küchen- und Raumplanungen, die sich nur mit Deckenlüftern und Wandhauben realisieren lassen.

Dennoch ist für mich der Kochfeldabzug bzw. Downdraft in puncto Geruchsbeseitigung, Geräusche und Planungsfreiheit einfach unschlagbar.

 

(10) KDM: Was war Ihre bisher beste Erfahrung mit dem Downdraft-Abzug?

GR: Wir hatten in unserem Studio eine Premium-Kochveranstaltung mit 20 Gästen. Da wurde der Teppanyaki-Grill bis zum Äußersten belegt mit Entrecôte, das scharf angebraten und in Rotwein abgelöscht wurde. Es folgte Lachs, der auf der Haut gebraten wurde und – theoretisch – intensiven Geruch verbreitet hätte. Zum Abschluss gab es sogar karamellisierten Kaiserschmarrn, welcher ebenfalls viel Gestank produziert und sich in Haar und Kleidung festsetzt.

Was soll ich sagen? Meine Haare und Kleidung waren geruchsfrei und auch im Studio hat man am nächsten Tag nichts mehr bemerkt von der Kochparty.

Nicht nur ich, sondern alle Gäste waren einhellig begeistert. So eine konsequent gute Leistung hätte wirklich niemand erwartet.

 

Frau Rapsch, wir danken Ihnen herzlich für dieses erste Interview zum Thema Downdraft!

 

Der moderne Kochfeldabzug kommuniziert mit dem Induktionsfeld, um die Absaugluft an die Kochleistung anzupassen. Heraus kommt eine wrasen- und geruchsfreie Zubereitung und ein ungestörter Blick auf den Küchenraum. (Foto: Miele 2016, con@ctivity)

Der moderne Kochfeldabzug kommuniziert mit dem Induktionsfeld, um die Absaugluft an die Kochleistung anzupassen. Heraus kommt eine wrasen- und geruchsfreie Zubereitung und ein ungestörter Blick auf den Küchenraum. (Foto: Miele 2016, con@ctivity)

 

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.