Kann ein Dunstabzug schön sein?

26.02.2017 | Andreas Jahn

Sehen oder gesehen werden? Zeigen oder verstecken? Kann ein Dunstabzug wirklich schön sein?

Haben Sie sich schon mal gewünscht, dem Geschirr beim Spülen zuzusehen? Oder wie wäre es mit einem gläsernen Kühlschrank? Vielleicht sind Sie auch schon auf die Idee gekommen, den Abfallsammler offen an der Wand hängend anzubringen…

Die Vorteile sind doch offensichtlich. Sie könnten genau sehen, wann das Geschirr sauber ist. Sie würden schon von außen erkennen, ob Sie noch genügend Bier im Kühlschrank haben. Schließlich könnten Sie den Abfall entsorgen, ohne eine Tür zu öffnen und könnten sogar dabei noch Ihr Basketballspiel optimieren.

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Bei Dunstabzugshauben wird sichtbar, wie der Kochdunst nach oben steigt – aber auch, wie leicht er ablenkbar ist.

Sie finden die Vorstellung abenteuerlich? Es schaut unappetitlich aus? Sie möchten gerne möglichst viel verstecken? In der Küche soll es nicht nach Abfall riechen? Warum möchten Sie dann dabei zuschauen, wie der Kochdunst von dem Fisch, der gerade in Ihrer Pfanne brutzelt, erstmal 1-2 Meter nach oben steigt und dann vielleicht in einem pompösen Abzug verschwindet?

Seitdem es eine Zeit gab, in der es Mode war, möglichst protzige Standgeräte in der Küche zu verteilen, arbeitet man zumindest in Europa seit vielen Jahren schon daran, die Geräte möglichst zu verstecken, die nicht nach Appetit und lecker aussehen. Die Küche soll sich ja in den meisten Fällen in ein wohnliches Umfeld integrieren. Jetzt ist das letzte unnützerweise sichtbare Gerät, die Dunsthaube, drauf und dran, aus dem Sichtfeld zu verschwinden.

 

Heutige Dunstabzugshauben sehen graziler aus als ihre schweren Vorgänge. Dennoch sind die Kochdünste immer noch schnell ablenkbar von offenen Fenstern und Windstößen.

Die Entwicklung der Dunsthaube

In den letzten Jahrzehnten wurde aus einem ganz ursprünglichen Rauchfang über einer offenen Feuerstelle zuerst eine metallene, steinerne oder hölzerne Kochesse, die den Kochdunst in ein Rohr führen und nach außen ableiten sollte. Dieses Abluftrohr wurde zunächst zur aktiven Unterstützung zusätzlich mit einem Motor ausgestattet. Mit den wachsenden ästhetischen Ansprüchen in der Küchengestaltung wurde immer mehr an diesen Hauben optimiert und designt. Mit dem Einzug der offenen Küchenlösungen stand man aber plötzlich vor einem Dilemma. Zum einen funktionierten selbst die besten Hauben über einer Kücheninsel nicht mehr (ich erkläre gleich, warum), zum anderen wuchs trotz stärkster Bemühungen der Dunsthaubendesigner der Wunsch, das monströse Gerät aus optischen Gründen komplett verschwinden zu lassen. Auch wenn es noch immer nicht jeder wahrhaben möchte: Diese beiden gegensätzlichen Probleme führten schon vor Jahren zum Ende der Dunsthaube. Lediglich die Entwicklung der Alternativlösungen hält die Dunsthauben derzeit noch am Leben.

Wo ist das Problem des Dunstabzugs?

Der Kochdunst besteht aus drei Inhaltsstoffen: Wasserdampf, flüchtige Geruchsstoffe und feine Fetttröpfchen. Sichtbar ist nur der Wasserdampf. Dieser hat zwar die Eigenschaft, zuerst nach oben zu steigen, wird aber umso leichter von Querströmungen abgelenkt, je weiter er nach oben steigt. Die zweite Eigenschaft vom Wasserdampf ist es, sich in der Raumluft wieder aufzulösen. Das Problem dabei ist, dass der Wasserdampf auch die Fetttröpfchen umherträgt. Diese legen sich nun überall dort ab, wo ihn der Wasserdampf losgelassen hat.

Fetttröpfchen sind im Wohnzimmer unerwünscht und der Wasserdampf weiß nun mal nicht, dass er nach 2 Meter Höhe in eine Öffnung soll. Die Lösung ist ein Abzug, der den Kochdunst gleich am Kochfeld absaugt, bevor sich das Fett und die Gerüche unerwünscht entfalten können.

Heute setzt auch Gaggenau auf neuere Kochfeldabzüge, hier z.B. mit dem Tischfeldabzug zum Rein- und Rausfahren.

Heute setzt auch Gaggenau auf neuere Kochfeldabzüge, hier z.B. mit dem Tischfeldabzug zum Rein- und Rausfahren.

Kochfeldabzug oder Muldenlüftung?

Der Begriff Muldenlüfter kommt von der Firma Gaggenau und stammt aus dem Jahr 1976. In diesem Jahr entstand die erste Idee, den Dunst nach unten abzusaugen. Vor 40 Jahren kochte man noch in Mulden und wollte die Küche mit dem Gerät lediglich lüften, daher der Begriff. Von Fettfilterung war man damals noch weit entfernt.

Die damalige Idee ging in die richtige Richtung, sie wurde von Gaggenau jedoch lange (auch wegen der Erfolglosigkeit) nicht weiterentwickelt. Es musste erst Willi Bruckbauer mit BORA kommen, damit Gaggenau erkannte, was für ein Potential für die heutigen, offenen Küchen in ihrem Produkt steckte. Zu Anfang wurde die Idee von BORA, das Prinzip des Kochfeldabzugs neu und weiter zu entwickeln, in den etablierten Fachkreisen eher belächelt. In der Zwischenzeit sah sich nicht nur Gaggenau durch den Erfolg von BORA genötigt, seinen „Muldenlüfter“ (aus Tradition heißt er bei Gaggenau immer noch so) zu überarbeiten. Mittlerweile bringt jeder namhafte Gerätehersteller ein eigenes System für einen Kochfeldabzug auf den Markt, um den Anschluss an die Entwicklung nicht zu verlieren.

Auch wenn noch nicht alle Hersteller so vom Ende der Dunsthaube überzeugt sind wie die Firma BORA, glaube ich, dass diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Wenn Sie also weiterhin gerne dem Kochdunst zusehen wollen und gerne das Fett aus Ihrem Wohnzimmer entfernen, dann sollten Sie sich schnell noch nach einer guten alten Dunsthaube umsehen. Lange wird es sie wohl nicht mehr geben.

BORA bietet verschiedene Kochfeldabzüge an, die den Dunst sofort da abziehen, wo er entsteht.

BORA bietet verschiedene Kochfeldabzüge an, die den Dunst sofort da abziehen, wo er entsteht.

Zum Autor
Andreas Jahn
Küchenplaner

Andreas atmet Handwerk und Design seit vielen Jahren: Seit seiner Lehrzeit zum Möbelschreiner beschäftigt er sich mit dem Gestalten von (Küchen-)Räumen und Möbeln und hat ein feines Gespür für Trends und die individuellen Vorlieben seiner Kunden entwickelt.

Als Mann vom Fach kennt er sich zudem mit modernster Küchenelektronik und technischen Raffinessen ebenso wie mit dem entsprechenden Baumaterial und dessen Vor- und Nachteilen aus. Auf seinem Blog kochdunst.de erklärt er seinen Lesern ausführlich die Welt der Küchen und des Kochens und gibt leidenschaftliche Ratschläge zu Geräten, Marken und Materialien.

Hauptberuflich arbeitet Andreas als Küchenplaner bei der “Küche Direkt” und stößt jeden Tag aufs Neue auf architektonische Herausforderungen, ausgefeilte Wünsche und, natürlich: zufriedene Kunden.

In seiner Freizeit liebt Andreas es übrigens auch, in seiner eigenen Küche frisch zu kochen und dabei über neue Möbeltrends oder Verbesserungen im Kochkomfort zu brüten. Seine Favoriten sind der Kochfeldabzug und der Dampfbackofen – die Prestigeobjekte des Mannes von morgen!