Kopenhagener Restaurants: Drei Küchen, ein Look

07.10.2016 | Susanne Scheffer
Höst Restaurant Kopenhagen

Kopenhagen hat in Skandinavien die Nase vorn, was eine beeindruckende Architektur, eine angesagte Küche und funktionale Designklassiker angeht. Warum? Weil die Dänen all dies gern in einem Restaurant vereinen. Davon können Sie sich etwas abschauen für Ihre eigenen vier Küchenwände: Wir stellen drei angesagte Lokale vor, die das weltberühmte dänische Design in ihren Küchen leben – und verraten Ihnen, wie auch Sie diesen Stil nach Hause holen.

 

Kopenhagens Küche hat sich still und heimlich zum weltweiten Liebling gemausert - dank simplem, skandinavischen Essensstil und passendem nordischen Interior. (Foto: Höst, Kopenhagen; mit hauseigenem Geschirr "New Norm")

Kopenhagens Küche hat sich still und heimlich zum weltweiten Liebling gemausert – dank simplem, skandinavischen Essensstil und passendem nordischen Interior. (Foto: Höst, Kopenhagen; mit hauseigenem Geschirr “New Norm”)

Kopenhagen tritt aus Stockholms Schatten

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen war schon immer so etwas wie die kleine Schwester von Stockholm. Der skandinavische Stil – oft kopiert, nie erreicht – wurde vor allem rund um die schwedischen Schären kreiert und landesweit übernommen. Doch in den letzten Jahren ist Kopenhagen still und heimlich dank regionaler Spitzenküche, klugen Designern und spektakulärer Architektur immer stärker aus dem Schatten Stockholms getreten.

Dänische Restaurants wie das Noma, das Bæst oder das Höst zählen zu den Besten der Welt; dänische Designer wie Arne Jacobsen, Finn Juhl und Hans J. Wegner werden für ihre Designklassiker immer noch gefeiert. Und Stelton, Rosendahl oder Bang & Olufsen sind große Namen anspruchsvoller Designmarken, die auf der ganzen Welt gefragt sind. Blickt man auf die Gemeinsamkeiten dieser Stilikonen, fällt auf: Besonders das Essen, aber auch der Gemeinschaftssinn wird von den Dänen hochstilisiert und zelebriert. Was liegt also näher, als beides unter einen Hut zu bringen? Die Idee gefällt: Dänische Restaurants zählen zu den Besten der Welt und werden regelmäßig ausgezeichnet – auch für ihr Design. Und das wiederholt sich.

 

Kühler Minimalismus, warme Kontrasttöne: Holen Sie sich Dänemark nach Hause

Das Besondere an dänischer Spitzenküche: Sie ist auf dem Boden geblieben. Nicht nur kulinarisch greift man auf heimische Gemüsesorten, dänische Zuchttiere und saisonale Rezepte zurück; auch die edel bis spießig angehauchte Atmosphäre deutscher Sternerestaurants vermisst man hier – oder auch nicht. Altholz, rußiger Stahl, Betonböden und offen gelegte Backsteinwände dominieren die Lokale; große gold-schwarze Industrielampen und reinweißes Tischgeschirr bildet einen warmen Kontrast.

Was können wir davon für unser Zuhause abschauen? Wie wird unsere Küche so gemütlich und stilvoll, wie es uns die Dänen vorleben? Wir haben uns umgesehen und gesammelt. Besonders jetzt, zur kühlen und grauen Jahreszeit, passt das klare, simple Design Dänemarks ideal in unser Zuhause. Kühle Konturen, Mut zum Minimalismus, Kupfer, Eisen, Stahl und Ziegel – aber stets aufgefangen durch warme Materialien aus Holz, Wolle und Leinen.

 

3 Kopenhagener Spitzenrestaurants: Dominiert von Genuss und Design

Das Noma in Kopenhagen ist auf den ersten Blick kaum als Restaurant zu erkennen. Tatsächlich soll es aber das Beste der Welt sein - zumindest bis Silvester 2016 noch. (Foto: e-architekt.co.uk)

Das Noma in Kopenhagen ist auf den ersten Blick kaum als Restaurant zu erkennen. Tatsächlich soll es aber das Beste der Welt sein – zumindest bis Silvester 2016 noch. (Foto: e-architekt.co.uk)

1. Das Noma
Das bereits viermal zum besten Restaurant der Welt gekürte Noma, dänisch für „nordisk“ (nordisch) und „mad“ (Essen), setzt in der Küche auf nordische Gerichte mit viel Fisch, Wurzelgemüse und Kräutern – und benimmt sich optisch so gar nicht wie ein piekfeines Restaurant. Zu Hummer und pochiertem Ei gibt es einen kühlgrauen Holzboden, dunkle Holztische auf schwarzen Stahlstreben, schlichte Betonwände und warme Lammfellüberzüge auf den Stuhllehnen. Ein beeindruckendes Holzgebälk, helle weiße Papierleuchten und meterhohe runde Bücherregale erwärmen die nordische Atmosphäre. Es wirkt nicht familiär, aber herzlich. Wenn Sie sich für einen industriellen und puristischen Stil interessieren, sollten Sie hier vorbeischauen. Aber bitte zügig – das Restaurant pausiert ab Januar 2017 für ein Jahr und wird umgebaut.

Was Sie sich für Ihr Zuhause abschauen können: Weniger ist mehr. Statt auf gestärkte Tischdecken und Kronleuchter setzt das Noma auf blanke Holztische, Stahlstühle und verträumte Pendelleuchten. Farbige Akzente werden durch Bücher und Menschen gesetzt.

 

 

Das Höst in Kopenhagen wurde so eingerichtet, wie man sein Zuhause auch gern sehen würde: Simpel, urig, gemütlich und hip. Dafür gewann es bisher auch bereits zwei Restaurant-Designpreise. (Foto: Höst Restaurant)

Das Höst in Kopenhagen wurde so eingerichtet, wie man sein Zuhause auch gern sehen würde: Simpel, urig, gemütlich und hip. Dafür gewann es bisher auch bereits zwei Restaurant-Designpreise. (Foto: Höst Restaurant)

2. Das Höst
Das hübsche Designrestaurant Höst wurde bereits zweimal mit dem angesehenen „Restaurant & Bar Design Award“ für seine einzigartig nordische, stilvolle Atmosphäre ausgezeichnet. Verantwortlich zeichneten sich hier die Architekten von Norm, einer Gruppe innerhalb der Menu-Designfamilie. Die entwarfen mit der Geschirrserie „New Norm“ auch gleich mal das passende Geschirr für Höst, als distinktives Alleinstellungsmerkmal. Das Höst ähnelt in seinem Stil ein wenig dem Noma, wirkt aber deutlich familiärer und einladender: Neben rustikalen alten Holztischen und schwarz lackierten Industrieleuchten leuchten weiß gestrichene Backsteinwände und aufgehängtes Altholz von der Wand, grüne Pflanzen in hellen Terrakottatöpfen drängen sich vor den Atelierfenstern, dicke dunkle Tierfelle wärmen Besucher auf einfachen schwarzen und weißen Holzstühlen. Das Restaurant ist hell und freundlich und eine kleine Hipsterperle zwischen konventionellen Spitzenrestaurants. Dafür sorgt nicht zuletzt das individuelle Keramikgeschirr, das mal groß, mal flach, mal schwarz lackiert oder in taubenblau daherkommt.

Was Sie sich für Ihr Zuhause abschauen können: Spielen Sie mit Licht und Pflanzen, allein das erzeugt eine gemütliche Atmosphäre. Wagen Sie bei den Materialien öfter mal einen harten Schnitt: Beton und ungeschliffenes Altholz haben Charakter und werden durch Wolle, Keramik und helle Steine abgemildert. Beides zusammen ergibt den unverwechselbaren nordischen Charakter.
3. Das Bæst
Das Bæst begrüßt Besucher auf seiner Homepage mit einem großen, toten Schweinekopf und erklärt, der Fokus der Speisekarte läge mit Nachdruck auf Fleisch in all seinen Formen – damit fällt das Restaurant bei vegetarischen Foodikonen rund um die Welt schon mal raus. Die Ansage lautet aber weiter: Man lege Wert auf regionale Spezialitäten und biologischen Anbau bzw. Aufzucht. So kommt man in den

Im Bæst lächelt Barack Obama von der Wand - und auch sonst ist der Einrichtungsstil des Kopenhagener Restaurants ziemlich lässig. (Foto: Per Anders Jörgensen)

Im Bæst lächelt Barack Obama von der Wand – und auch sonst ist der Einrichtungsstil des Kopenhagener Restaurants ziemlich lässig. (Foto: Per Anders Jörgensen)

Genuss von regionalem Weizenmehl (in der Pizza), regionaler Bio-Milch (im Mozzarella) und dem besten Schweinefleisch Dänemarks (oder Europas). Dieser barsche Ton mit versöhnlichem Abschluss schlägt sich auch im Design nieder: Die Atmosphäre ist entspannt und informell, das Interieur aus einfachen kleinen Holztischen und schwarzen Stahlstühlen sowie einer glänzenden Messingbar mit Mosaiksteinchen zusammengewürfelt, Barack Obama grüßt lächelnd in einem stilisierten Bild mit Whiskey in der Hand von der Wand. Eine durchgängige, meterhohe Wand aus alten Holzlatten bringt Stallfeeling auf; hinter der Bar wiederum leuchten glasierte rote Ziegel, die an den Übergang von der Landwirtschaft zum industriellen Zeitalter erinnern. Wer einen gemütlichen Abend unter Freunden mit bestem Essen und einfachen Ansprüchen kombinieren will, ist hier genau richtig.

Was Sie sich für Ihr Zuhause abschauen können: Eine Reminiszenz an früher, zum Beispiel durch offen gelegte Holzwände, Dachbalken oder Stallfenster, wirkt immer auch ökologisch und regional. Wenn Sie an alpines oder auch maritimes Flair anknüpfen wollen, versuchen Sie, diese Komponenten in ihrem ursprünglichen Zustand mitzunehmen. Dann trägt Ihre Küche nicht nur auf dem Teller Ihren Charakter, sondern spiegelt eine bewusste Lebenshaltung im Interieur wider.

 

Die drei dänischen Spitzenrestaurants zeigen uns, wie unkompliziert nordisches Design mit hochwertigem Interieur vereinbar ist: Man nehme die Grundkomponenten, etwas Altgedientes, etwas Gemütliches und viel Licht – und mache, was einem gefällt.

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.