Küchen-Fronten aus Kunststoff: Nur eine ist gut genug

24.05.2017 | Jesper Thiersemann
Eine bulthaup-Küchenfront aus hochwertigem Laminat. (Foto: Stylepark)

Fronten aus Kunststoff werden selbst für sehr hochwertige Küchen verwendet, da sie zum Teil unschlagbare Eigenschaften aufweisen. Bei unseren drei getesteten Kunststoffen erweist sich einer als ideal für Küchenfronten, einer ist mit Vorsicht zu genießen – und vom dritten würden wir dringend abraten.

 

Eine hochwertige Küche lässt sich nicht nur mit Oberflächen aus Natur- oder Kunststein erzielen, sondern tatsächlich auch mit Fronten aus Kunststoff. Laminat, Folie und Acryl können eine günstige Alternative zu Glas, Hochglanzlack, Mattlack, Echtholz, Metall oder gespachtelten Fronten sein, wenn man aufgrund kostspieliger E-Geräte an anderer Stelle sparen möchte.

Jedes Material hat seine Vor- und Nachteile und bei eingängiger Beratung wird der geneigte Küchenkäufer auch erkennen, dass es unter den Kunststoff-Fronten eigentlich nur eine echte Alternative gibt – wir erklären, warum.

 

Fronten aus Kunststoff: Acryl, Folien, Schichtstoff

(1) Acryl-Fronten

Eine Acrylfront wirkt spiegelglatt wie ein Hochglanzlack, ist aber etwas günstiger. (Foto: LEICHT)

Eine Acrylfront wirkt spiegelglatt wie ein Hochglanzlack, ist aber etwas günstiger. (Foto: LEICHT, CHIARA BG-C / LUNA-C)

 

Acrylglas, auch Plexiglas genannt, ist ein transparenter, thermoplastischer Kunststoff, der sich gut einfärben und jenseits von 100°C thermisch verformen lässt. Beide Eigenschaften machen Acrylglas tendenziell gut einsetzbar zur Produktion von Küchenfronten, um eine spiegelglatte Oberfläche ähnlich eines Hochglanzlacks zu erzeugen, aber die Kosten niedrig zu halten.

Acrylglas wird hierzu hauchdünn auf einen Spanplattenträger geklebt und eignet sich dank seines leichten Gewichts im Vergleich zu einer Glasplatte auch in der Montage und Handhabung.

Die Nachteile des Materials Acryl sind dennoch speziell für den hochwertigen Küchenbereich erheblich: Der Werkstoff ist weich und daher kratzempfindlich, zudem werden hohe Temperaturen nur für kurze Zeit getragen, bevor das Material sich thermisch verformt. Überdies lädt sich Acryl elektrostatisch auf, sodass Schmutz enorm schnell angezogen – und auch sichtbar – wird. Wer zu Acrylfronten greift, sollte sich daher im Küchenstudio seiner Wahl umfassend beraten lassen.

 

Vorteile von Acryl-Fronten:

+ ähnelt Hochglanzlack oder Glas (spiegelglatt)

+ leicht im Gewicht

+ günstig

 

Nachteile von Acryl-Fronten:

– kratzempfindlich, über längere Zeit auch hitzeempfindlich

– nur bedingt säurebeständig (nicht mit alkoholhaltigen Lösungsmitteln putzen!)

– elektrostatische Aufladung – Schmutz wird angezogen

 

(2) Folien-Fronten

Eine Folienfront sieht auf den ersten Blick gut aus - leider hält das schnell aufgeklebte Fronten-Glück nicht lange und löst sich schnell ab. (Foto: kuechen-info.net)

Eine Folienfront sieht auf den ersten Blick gut aus – leider hält das schnell aufgeklebte Fronten-Glück nicht lange und löst sich schnell ab. (Foto: kuechen-info.net)

 

Wer seine Küche nicht komplett erneuern, sondern nur renovieren möchte, lässt sich oftmals auf eine halbseidene Verkaufsberatung zum Thema Folienfronten ein. Diese Art der Kunststoff-Fronten für die Küche ist allerdings niemals eine gute Lösung, wenn die Küche auf die üblichen 15-20 Jahre Nutzungsdauer angelegt sein soll.

Anders gesagt: Bei Folienfronten werden echte Fronten billig imitiert, in dem eine thermisch verformbare Kunststofffolie auf eine gerade Trägerplatte aufgezogen wird. Mit der Zeit aber verliert eine Folie die Weichmacher im Kunststoff und löst sich daraufhin vom Trägermaterial.

Stellen Sie sich einen Sticker vor, den Sie auf eine glatte Oberfläche aufkleben – mit der Zeit wird dieser sich lösen oder zumindest unschön abkratzen an den Rändern. Ähnlich verhält es sich bei Folienfronten, die nicht kratzfest oder säurebeständig sind.

Egal, wie günstig eine Küche mit Folienfronten erneuert werden kann: Es ist leider nie eine Wahl, die von Dauer ist.

Vorteile von Kunststoff-Folien:

+ sehr günstig

 

Nachteile von Kunststoff-Folien:

– nicht hitze- und säurebeständig

– nicht kratzfest

– nicht von langer Lebensdauer (wenn sich Folie vom Trägermaterial löst, entstehen unschöne ergraute Ränder an der Küchenfront)

 

(3) Laminat-Fronten

Ein hochwertiger Schichtstoff (Laminat) kommt auch in Premium-Küchen zum Einsatz. Wichtig ist, be Küchenfronten aus Kunststoff auf ein durchgefärbtes Material zu bestehen. (Foto: LEICHT, BONDI)

Ein hochwertiger Schichtstoff (Laminat) kommt auch in Premium-Küchen zum Einsatz. Wichtig ist, bei Küchenfronten aus Kunststoff auf ein durchgefärbtes Material zu bestehen. (Foto: LEICHT, BONDI)

 

Laminat-Fronten, auch verkauft unter den Synonymen Schichtstoff, Resopal oder HPL (= High Pressure Laminate) bestehen aus bis zu einem Millimeter dünnen Papierschichten, die mit Melamin und hitzebeständigem Phenol-Harz durchtränkt und dann sehr hart aufeinander zu Schichten gepresst werden. Die sichtbare Oberfläche der Kunststoff-Platten schließt eine farbige Dekorschicht ab, mit der unendlich viele Farben und Materialien täuschend echt imitiert werden können.

Mit Laminat können Holzfurniere, Betonoberflächen oder Natursteine täuschend ähnlich abgebildet werden und weisen zum Teil sogar günstigere Eigenschaften für den täglichen Umgang mit Lebensmitteln in der Küche auf als diese. Laminate sind pflegeleicht, da sie geruchsneutral, lichtbeständig und unempfindlich gegenüber Säuren sind – wohingegen beispielsweise Beton eine Patina mit der Zeit ausbildet.

Laminat-Fronten können aufgrund ihrer hohen Auswahl an Dekoren, ihrer langlebigen Eigenschaften und nicht zuletzt der günstigeren Anschaffungskosten eine echte Alternative zu Holz-, Glas- und Metall-Fronten in einer dennoch hochwertigen Küche sein.

 

Vorteile von Laminat-Fronten:

+ sehr große Farb- und Dekorauswahl

+ pflegeleicht, säureunempfindlich, strapazierfähig, hitzebeständig

+ günstig im Vergleich zu Lack, Holz, Glas

 

Nachteile von Laminat-Fronten:

– nicht gänzlich kratzfest: daher Laminat-Fronten immer durchfärben lassen und vorsichtig mit spitzen Messern agieren

– kein Naturwerkstoff

 

Tipp 1:

Achten Sie auf durchgefärbte Laminat-Fronten, die vom Overlay über das Dekorpapier bis zum Spanplattenträger eine Farbe aufweisen. Sollten doch einmal Kratzer in das prinzipiell kratzunempfindliche Laminat eindringen, sind diese weniger schnell sichtbar, als bei einer lediglich eingefärbten Dekorschicht.

 

Tipp 2:

Um unschöne Abnutzungen des Schichtstoff-Materials an den Kanten zu vermeiden, wird heutzutage das Laminat wahlweise über die Kante gezogen (Postforming) oder aber – technisch anspruchsvoller, aber dafür wertbeständiger – das Verfahren der Nullfuge genutzt, mit dem sich Laminatkanten rückstandslos verschweißen lassen können. Dabei werden Laser- und Heißlufttechnologien genutzt. Informieren Sie sich HIER zum Verfahren der Nullfuge.

 

Tipp 3:

Einige sehr hochwertige Küchenhersteller arbeiten aufgrund der guten Materialeigenschaften von Schichtstoff (Laminat) ebenfalls mit dem Werkstoff, um besonders schöne Dekore zu erzielen. Dazu zählen u.a. bulthaup, Poggenpohl, LEICHT, SieMatic, eggersmann und rational.

Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.