Marmor in der Küche

13.04.2017 | Frederik Dix
Ob als Arbeitsplatte, als Wandverkleidung oder als Küchenaccessoire: Marmor in der Küche ist wunderschön anzusehen und wirkt sofort elegant. (Visualizer: Daniel Nagaets)

Eine Arbeitsplatte aus Stein ist der neue Ausdruck von Natürlichkeit in der Küche. Und ein Zeichen von Hochwertigkeit: Schließlich ist ein guter Naturstein nicht nur schön anzusehen und besonders langlebig, sondern auch im Verhältnis entsprechend selten und teuer. Bei Marmor in der Küche begegnet man dieser Zwiespältigkeit – ein edles Material, das allerdings seine Tücken hat.

 

Marmor hat den Vorteil, sofort hochwertig zu erscheinen - und doch in eine topmoderne Küche zu passen. (Design: Arent Pyke)

Marmor hat den Vorteil, sofort hochwertig zu erscheinen – und doch in eine topmoderne Küche zu passen. (Design: Arent Pyke)

Was hat Marmor in der Küche zu suchen?

In Zeiten, in denen der allgemeine Habitus in der persönlichen Küchenplanung hin zu Qualität, Anspruch und Nachhaltigkeit geht, ist also Naturstein groß im Rennen – neben den langlebigen Sorten Granit und Quartz geht der Trend sogar hin zu Marmor in der Küche. Doch warum? Das wertvolle Material ist schwierig zu beschaffen, anspruchsvoll in der Pflege und im Vergleich zu anderen Steinsorten wie Granit oder Quartz noch einmal erheblich teurer im Anschaffungspreis.

Dennoch ist Marmor in der Küche von unbestechlicher Schönheit und bringt seine ganz eigene Geschichte als Material mit. Marmor ist ein Liebhaberstück, das an die Statuen der alten Griechen und Römer erinnert, an Königspaläste und Prunk. Marmor wird niemals so langlebig sein wie Granit, so pflegeleicht wie Corian oder so unverwüstbar wie Dekton. Aber…

 

 

Früher eine Skulptur, heute ein Küchenblock: Marmor wird seit eh und je gern als Ausdruck eleganter Formen verwendet. (Visualizer: Stanislav Borozdinskiy)

Früher eine Skulptur, heute ein Küchenblock: Marmor wird seit eh und je gern als Ausdruck eleganter Formen verwendet. (Visualizer: Stanislav Borozdinskiy)

Marmor hat eine Historie als Statussymbol

Marmor hat dafür eine Historie, die den Charme der alten Zeit mit modernen neuen Designelementen verbindet. Das Material Marmor in der Küche zu verwenden, wo es doch vormals vor allem Anwendung im Säulenbau, Eingangsbereich, in der Bodengestaltung oder im besonders exklusiven Wohnbereich fand, zeigt einmal mehr, wie sehr Wohnen und Kochen als Erlebnisbereich verschmelzen – und wie wichtig die Küche geworden ist, dass man sie mit so einem kostbaren Material ausstatten möchte.

Küchen werden immer mehr zum Statussymbol unserer Tage, die mit Marmor verkleidet nochmals an Wert und Eleganz gewinnen. Das Interessante an Marmor in der Küche, dem sogenannten ‚Weißen Gold‘, ist seine Wandelbarkeit: Eigentlich ein Symbol von Luxus und verschrien als spießig, kommt Marmor immer mehr in modernen Küchen zum Einsatz, die urban, puristisch oder verspielt daherkommen wollen.

 

Je nach Zusammensetzung und Art des Marmors bietet das Material eine Bandbreite an Farben und (natürlichen) Mustern. (Architect: Extra Architecture)

Je nach Zusammensetzung und Art des Marmors bietet das Material eine Bandbreite an Farben und (natürlichen) Mustern. (Architect: Extra Architecture)

Marmor lässt sich gut kombinieren: Mal elegant, mal urban

Marmor besitzt, je nachdem ob es sich um Jura-Marmor (polierfähigem Kalkstein) oder echten Marmor (zu mindestens 50% aus Calcit, Dolomit bzw. Aragonit) handelt, ein breitgefächertes Spektrum an Farben und Mustern. Marmor lässt sich gut zu einfarbigen Küchenfronten in Weiß, Grau, Schwarz oder einer anderen Farbe kombinieren.

Ein kleiner Anteil an Marmor in der Küche – zum Beispiel als Spritzschutz zwischen Arbeitsplatte und Oberschränken oder als Arbeitsplatte selbst – genügt bereits, um der Küche einen hochwertigen Anstrich zu verleihen.

Marmor wird dank seiner Robustheit auch für Arbeitsplatten verwendet, wobei hiermit auch einzelne Kücheninseln ausgestattet werden können, um das Gesamtbild nicht zu überladen. Auch als Barzeile oder als Dekofliese kommt Marmor in der Küche raffiniert zum Einsatz.

 

 

Marmor in der Küche ist wunderschön anzusehen, aber leider auch eine kleine Diva - daher empfiehlt es sich, die Arbeitsplatte in einem anderen Material anzufertigen oder einen Speziallack zu verwenden. (Design: Elizabeth Hattersley)

Marmor in der Küche ist wunderschön anzusehen, aber leider auch eine kleine Diva – daher empfiehlt es sich, die Arbeitsplatte in einem anderen Material anzufertigen oder einen Speziallack zu verwenden. (Design: Elizabeth Hattersley)

Das gilt es zu bedenken bei Marmor in der Küche

Wer aus Marmor in der Küche eine langlebige Investition machen möchte, muss dafür freilich ein bisschen mehr tun als bei neumodernen Natursteinplatten aus Corian, Dekton oder Silestone. Im Gegensatz zu diesen künstlich hergestellten und zusammengepressten Naturstein-Oberflächen ist Marmor alles andere als pflegeleicht.

Die glänzende Oberfläche kann sich nach Jahren der Beanspruchung punktuell abnutzen und muss vom Fachmann neu poliert werden. Zudem ist Marmor sehr weich, weswegen es zwar gut geschnitten werden kann, aber auch leichter Flüssigkeiten wie Wasser, Kaffeeflecken, umgekippten Rotwein etc. aufnimmt. Zitronensäure ist der große Feind der Marmorplatte – die Oberfläche wird matt und fleckig.

Hitzefest ist Marmor nur bedingt, was allerdings für die Vorgänge in der Küche ausreichen dürfte. Marmor kann selbst zwar nicht brennen, aber verbrennen – er wird dann schlicht und einfach zu Kalk. Diese hohen Temperaturen sollten aber in einer herkömmlichen Küche beim Kochen sowieso nicht erreicht werden.

 

Wer pflegsam mit seiner Marmorküche umgeht, wird noch lange Freude an dem prunkvollen und doch angesagten Stück Stein haben. Zeitlose Eleganz! (Visualizer: Jakub Komrska)

Wer pflegsam mit seiner Marmorküche umgeht, wird noch lange Freude an dem prunkvollen und doch angesagten Stück Stein haben. Zeitlose Eleganz! (Visualizer: Jakub Komrska)

Wie kann ich meine Marmorplatte in der Küche schützen?

Selbstverständlich können Sie Marmor unter gewissen Vorsichtsmaßnahmen dennoch als eleganten Hingucker in Ihre Küche einbauen. Mit einem Speziallack versehen, kann auch eine empfindliche Marmorplatte in der Küche luftdicht versiegelt werden und so der Bildung einer Patina durch Flecken oder Flüssigkeiten vorbeugen.

Zudem ist Dolomitmarmor grundsätzlich unempfindlicher gegenüber Säuren als Kalzitmarmor. Lassen Sie sich von einem Küchenfachhändler (hier finden) beraten, welcher Marmor für Ihre Vorstellungen und Pläne am geeignetsten erscheint.

Mit Marmor ist es übrigens im Grunde so: Was man liebt, das pflegt man eben – das gilt für alte Oldtimer wie für den Werkstoff Marmor in der Küche. Dafür gelingt Ihnen mit Marmor das gewisse Extra in der Küche – auch wenn Sie nicht Julius Caesar heißen.

Tipp: Schauen Sie sich in unserer Fotogalerie zu Marmorküchen um und lassen Sie sich nach Herzenslust inspirieren!

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.