Modern mit Messing

05.10.2016 | Frederik Dix
Das Projekt "Lassehaus" von Spandri und Wiedemann am Starnberger See - mit 65 qm² großer Wohnküche und Messingapplikationen. (Foto: spandriwiedemann.de)

Ein Architekturbüro aus München überholt ein fast 100 Jahre altes Haus und spielt dabei mit warmem Holz und goldglänzendem Messing. Im Mittelpunkt des offenen Grundrisses steht die 65 qm² große Wohnküche: Ein gelungenes Spiel aus vornehmer Noblesse und freundlichem Familientreffpunkt.

 

Natur und Landschaft sind von immer größerer Bedeutung in der regionalen Architektur. Hier das "Lassehaus" am Starnberger See. (Foto: spandriwiedemann.de)

Natur und Landschaft sind von immer größerer Bedeutung in der regionalen Architektur. Hier das „Lassehaus“ am Starnberger See. (Foto: spandriwiedemann.de)

Zurück aufs Land: Die Natur in der Architektur

Lange Zeit wurde das Landleben belächelt und die Großstadt bevölkert. Und wie jedem Trend folgt auch diesem konsequent ein Gegentrend: Junge Familien ziehen nicht mehr nur an Stadtrandsiedlungen, sondern gleich aufs Dorf hinaus; legen Wert auf Natur und möchten diese vom örtlichen Architekten auch in ihr Wohnzimmer verpflanzt sehen – im Rahmen einer ästhetischen, familiär-modernen Architektur.

 

Lassehaus am Starnberger See: Spagat zwischen Alt und Neu

Eben solch einem Fall durfte sich das Architektenduo um Elia Spandri und Sebastian Wiedemann annehmen, das sich mit Sitz in München und Ambach am Starnberger See besonders auf die Einbindung der Landschaft und örtlichen Bautradition in eine individuelle Bauplanung spezialisiert hat. Für ihr Projekt des Einfamilienhauses Lassehaus“ in Ambach war dies ein wichtiger Punkt, galt es doch, das 1918 erbaute und somit fast 100 Jahre alte Haus in seiner ursprünglichen Struktur nicht zu zerstören, Althergebrachtes zu übernehmen und das Interior dennoch konsequent modern, hell und freundlich auf eine junge Familie auszurichten. Außerdem sollte die wunderschöne örtliche Umgebung aus See, Wiesenhang und Waldesrand großflächig einbezogen werden.

Große Fenster und verglaste Türen geben Ausblick auf die nahen Alpen, den Starnberger See und satte grüne Wiesen rund um das Haus. (Foto: spandriwiedemann.de)

Große Fenster und verglaste Türen geben Ausblick auf die nahen Alpen, den Starnberger See und satte grüne Wiesen rund um das Haus. (Foto: spandriwiedemann.de)

Die Positionierung der Fenster und auch deren Format ist auf den jeweiligen Ausblick abgestimmt: Es gibt konzentrierte Öffnungen zu den nahen Alpen, aber auch großzügige Blicke auf die umliegenden Wiesen. Eine an das Haus und den Küchenbereich angrenzende Terrasse vermittelt zwischen innen und außen und ermöglicht den direkten Zugang zu Natur und Garten.

 

Messing, Holz und Glas: Eine Küche im Mittelpunkt des Hauses

Gelungen ist dieser Spagat dank der Verwendung von Holz, Glas und wiederkehrenden Messingelementen, die einen eleganten und gehobenen, altehrwürdigen Eindruck hinterlassen und zeitgleich in Kombination mit den anderen Materialien modern und freundlich wirken. Mithilfe großer, holzgerahmter Fenster, die teils als Schiebetüren bis zum Boden eingelassen wurden, wird die enorm große Wohnküche von 65 Quadratmetern zum lichtdurchfluteten, gemütlichen Anziehungspunkt des Hauses mit Platz für die ganze Familie – mit atemberaubenden Ausblicken. Vom großen Eichenholz-Esstisch aus geht ein weiterer kleiner Lounge-Bereich ab; beide laden zum Verweilen ein und eignen sich auch für Freunde und Besucher, die während des Kochens bereits Platz nehmen dürfen.

Die Küche ist ein atmosphärisch gelungener Mix aus edlen Messing-Applikationen, hellen, freundlichen Holzelementen und gedeckten Weißtönen. (Foto: spandriwiedemann.de)

Die Küche ist ein atmosphärisch gelungener Mix aus edlen Messing-Applikationen, hellen, freundlichen Holzelementen und gedeckten Weißtönen. (Foto: spandriwiedemann.de)

Die große, hochwertige Kochinsel mit glänzender Messingarbeitsplatte und grifflosen Schubladen bildet nicht nur räumlich das Zentrum des Geschehens, sondern beherbergt tatsächlich alle wichtigen Kochvorgänge inklusive eines eleganten schwarzen Gaskochfeldes und einem flächenbündig eingelassenen Unterbauspülbecken mit messingfarbenen Armaturen. Die Legierung aus den Metallen Kupfer und Zink mit ihrem wunderschönen Goldglanz beherrscht auch weitere Designpunkte in der offenen Küche: Die schmalen Pendelleuchten über der Kücheninsel, kleine kubenförmige Deckenleuchten sowie ein Wandregal-Ausschnitt aus der sonst konsequent weißen Küchenwand sind in einen eleganten, durchdringenden Messington getaucht.

 

Schlichter Eindruck mit hochwertigen Materialien

Als Gegensatz zum protzig-pompösen Goldschimmer verbleibt der Rest der Küche in einem sanften Grauweiß; die Böden wurden in einem sehr hellen Holzton verlegt und erinnern an die harzige, frische Natur draußen vor dem Fenster. Auch die mittelhellen Eichenholz-Barhocker, ähnlich dem Esstisch, geben dem erhabenen Anblick der Küche einen bodenständigen, schlichten Eindruck. Alles in allem ist dem Architektenduo Spandri und Wiedemann der Gegensatz zwischen altehrwürdigem Haus, Hochglanz-Eleganz und gemütlich-modernem, hellen Familienloft auf sehr simple und faszinierende Weise gelungen.

 

Auch der Küchenraum bietet Ausblick auf die grüne Natur sowie einen großen, schweren Eichentisch als Versammlungsort für die ganze Familie. (Foto: spandriwiedemann.de)

Auch der Küchenraum bietet Ausblick auf die grüne Natur sowie einen großen, schweren Eichentisch als Versammlungsort für die ganze Familie. (Foto: spandriwiedemann.de)

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.