Der Kochtisch von Moritz Putzier

17.06.2016 | Susanne Scheffer

Der Küchentisch ist der Marktplatz des Hauses, hier wird gegessen, geredet, gelacht und gekocht. Gekocht? Ja, denn der Münchner Produktdesigner Moritz Putzier hat alle Küchenvorrichtungen über Bord geworfen und den Cooking Table konstruiert – eine geniale Mischung aus Kochstation und Esstisch.

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Der Kochtisch mit praktischer Vorrichtung zum Aufhängen von Kochgeräten.

Warum kompliziert, wenn es so einfach geht? Und dann auch noch gut aussieht. Das dachte sich der junge Wahlbremer Moritz Putzier wohl, als er 2014 den Cookingtable entwarf, um damit das schlichte Prinzip des Kochens und Beisammenseins in ästhetisches Design zu gießen. Der 2,50 m lange und 1,00 m breite Tisch aus solidem Eichenholz und weiß gestrichenen Stahlbeinen dient zugleich als Ort der Essensvorbereitung (zum Schnippeln und Zerlegen von Lebensmitteln – mit Küchengeräten, die an Metallhaken unterhalb der Tischkante befestigt sind), Ort der Essenszubereitung (mit einem unter der Küchenplatte eingebauten Gaskocher) und auch als Ort des gemeinsamen Essens, der Kommunikation und Arbeit.

Kommunikation und Kochen: Mit dem Cooking Table ist beides möglich

Wichtig war für Putzier, die Simplizität seiner Idee in den Vordergrund zu stellen: Für das Projekt, das er als Abschlussarbeit von der University of Arts in Bremen entwarf, versuchte er, den Akt des Kochens mit so wenig Küchengeräten und Kochutensilien wie möglich darzustellen. Damit rückt er die gemeinsame Aktivität, das Zusammensein mit Freunden und Familie und den kreativen und kommunikativen Vorgang des Kochens an sich in den Mittelpunkt und lässt Geschmack, Ausgefallenheit der Gerichte oder technische Möglichkeiten außer Acht. Sein Cooking Table folgt ein bisschen der Mentalität, dass früher doch auch nicht alles schlechter war – nur eben einfacher und unkomplizierter, und dass es in unserer von elektronischen Medien überhäuften Zeit auch mal ganz guttut, abzuschalten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der unter dem Tisch eingebaute Gaskocher kann mithilfe kleiner Module beliebig in der Tischmitte hin- und hergeschoben werden oder aber unter den beiden zusammenschiebbaren Holzelementen ganz verschwinden. Dann dient der solide Holztisch, der von einer unsichtbaren Schiene in der Mitte geteilt wird, einfach als Unterlage zum Arbeiten, Plaudern und Essen. So wie früher eben auch, als man noch zusammen ums Lagerfeuer saß. Nicht umsonst lautet der Titel von Putziers Diplomarbeit im Studiengang Integrated Design: „Back to tomorrow. Dining culture through the change of time“.

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Dank der integrierten Gaskartusche kann zumindest mit einem Topf oder einer Pfanne problemlos am selben Tisch geschnippelt und gekocht werden.

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Natürlich lässt sich der Tisch nach dem Kochen auch für Schreibtätigkeiten u.Ä. verwenden: Hierzu wird die Gaskartusche entfernt, die beiden Hälften des Tisches können zusammengeschoben werden.

Putzier: Erst der Uni-Abschluss, nun zahlreiche Preise

Für seine Projekte hat der kreative Jungdesigner bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den Design Plus Award, den Pure Talents Contest Award und den Interieur Award der Biennale oder wurde mit ehrwürdigen Ernennungen bedacht, so zum Beispiel 2014 und 2016 mit den Nominierungen für den German Design Award.

Seine Entwürfe leben von reduzierten Formen, natürlichen Materialien wie Holz und Metall und oftmals überraschenden technischen Raffinessen – natürlich in ästhetisches Design gegossen, das sowohl die Studenten-WG als auch das noble Großstadtloft zieren kann.

Heute lebt der Münchner nach Abschluss seines Bremer Studiums auch weiterhin in der Hansestadt und arbeitet dort als selbständiger Produkt- und Möbeldesigner mit Schwerpunkt in den Bereichen Licht und Möbel. Mit seinem Kollegen Pascal Howe betreibt er die Internetplattform ACME SUPPLIES, auf der beide eine bunte Mischung aus zeitgenössischer Kunst und Designerobjekten ausstellen, die dort auch erworben werden können.

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redaktionsleitung

Eigentlich ist der „Cooking Table“ das perfekte Paargeschenk, findet Susanne: Sie schwatzt, Er kocht. Bei Treffen mit Freunden können alle in einer Pfanne herumstochern, so wie früher am Lagerfeuer. Und man weiß immer ganz genau, wer gekocht hat – und wer hinterher abwaschen muss.