Start-Up Kaffeeform: Tassen aus Kaffeesatz, wiederverwendbar

12.04.2018 | Susanne Scheffer
8 Millionen Kilo Kaffeesatz fallen tagtäglich in europäischen Cafés und Haushalten an. Aus einem Teil davon fertigt das Unternehmen Kaffeeform jetzt kleine Espresso-, Cappuccino- und Coffee to go-Becher an. (Foto: Kaffeeform)

Das junge Berliner Unternehmen Kaffeeform hat den Rohstoff Kaffeesatz für sich entdeckt: Daraus lassen sich elegant geformte Espresso-, Cappuccino- und Coffee-to-go-Tassen formen. Lesen Sie, wie der Prozess vor sich geht und warum Kaffeeform mit dem „Best of the Best“-Award des Red Dot Designs ausgezeichnet wurde.

 

 

8 Millionen Kilo Kaffeesatz pro Tag in Europa – ein wertvoller Rohstoff?

Kaffee, der (von türk. kahve für „anregendes Getränk“): Für die einen der Startschuss in einen aufgeweckten Tag, für die anderen schlichtweg ein Lebenselixier, das mehrmals täglich konsumiert werden muss. Rund 162 Liter trinkt jeder Bundesbürger von dem schwarzen Gebräu pro Jahr, das damit zu den beliebtesten Getränken der Deutschen überhaupt zählt. Allen durchdesignten Kapsel– und Padmaschinen zum Trotz führt die einfache Filterkaffeemaschine mit 69,1% die Erzeugung des Lieblingskaffees an.

Was übrig bleibt, ist Kaffeesatz – viel Kaffeesatz. Rund acht Millionen Kilo des Endprodukts bleiben täglich in Europa liegen, erklärt ein Video des noch jungen Unternehmens Kaffeeform. Doch nicht nur das: Auch die viel diskutierten Coffee-to-go-Becher, die oft aus seelenloser Plastik bestehen und nur für den Einmalgebrauch verwendet werden, wachsen zu unheilvollen Müllbergen an, die der Umwelt schaden und langfristig hohe Kosten für die Müllbeseitigung entstehen lassen.

 

 

8 Millionen Kilo Kaffeesatz fallen tagtäglich in europäischen Cafés und Haushalten an. Ein bisher unentdeckter Rohstoff, den ein noch junges Start-Up nun nutzen möchte - auch der Umwelt zuliebe. (Foto: Kaffeeform)

8 Millionen Kilo Kaffeesatz fallen tagtäglich in europäischen Cafés und Haushalten an. Ein bisher unentdeckter Rohstoff, den ein noch junges Start-Up nun nutzen möchte – auch der Umwelt zuliebe. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Kaffeeform: Start-Up entwirft Kaffeetassen aus Kaffeesatz

Kaffeeform, ein Start-Up aus Berlin, macht nun jüngst auf sich aufmerksam durch ein Produkt, das für beide Probleme Abhilfe schaffen soll und für das die jungen Gründer den renommierten Red Dot Design Award 2018 mit der Auszeichnung „Best of the Best“ erhalten haben: Ein Kaffeebecher, der aus Kaffeesatz besteht und sich durch seine Wiederverwendbarkeit auszeichnet.

Ausgangspunkt der Idee war für Produktdesigner Julian Lechner die einfache Frage, was mit gebrauchtem Kaffeesatz geschieht – und die daraus folgende Erkenntnis: Dieser natürliche Rohstoff kann in Kombination mit weiteren biologisch abbaubaren Stoffen eine umweltfreundliche Material-Alternative für erdöl-basierte Rohstoffe darstellen.

 

 

Produktdesigner Julian Lechner fragte sich, wie man Kaffeesatz unter Zugabe biologisch abbaubarer Produkte wohl verarbeiten könnte. Er entwickelte die Kaffeeform-Kaffeetassen, die sogar spülmaschinenfest sind. (Foto: Kaffeeform)

Produktdesigner Julian Lechner fragte sich, wie man Kaffeesatz unter Zugabe biologisch abbaubarer Produkte wohl verarbeiten könnte. Er entwickelte die Kaffeeform-Kaffeetassen, die sogar spülmaschinenfest sind. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Entstehungsprozess der Kaffeeform-Tassen

Nach drei Jahren des Forschens, Experimentierens und Tüftelns  entstand das Material „Kaffeeform“, an das sich das Unternehmen namentlich anlehnt. Der Prozess sieht vor, dass der Kaffeesatz öffentlicher Cafés und Restaurants lokal eingesammelt und zur Verarbeitung in eine Fabrik gebracht wird. Hier wird der Kaffeesatz zusammen mit Buchenholzfasern, Stärke, Cellulose und Biopolymeren zu einem Granulat gepresst. Das Granulat wird anschließend zu federleichten Tassen verarbeitet, die in einer sozialen Werkstatt verpackt und quer durch Europa an Kaffeehäuser oder auch Privathaushalte verschickt werden.

 

 

Der Herstellungsprozess: Kaffeesatz wird lokal in Cafés und Restaurants eingesammelt und in der Fabrik zusammen mit mehreren Rohstoffen zu einem Granulat gepresst. Dieses Granulat kann zu den leichtgewichtigen Tassen weiterverarbeitet werden. (Foto: Kaffeeform)

Der Herstellungsprozess: Kaffeesatz wird lokal in Cafés und Restaurants eingesammelt und in der Fabrik zusammen mit mehreren Rohstoffen zu einem Granulat gepresst. Dieses Granulat kann zu den leichtgewichtigen Tassen weiterverarbeitet werden. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Espresso, Cappuccino – und nun auch Coffee to go von Kaffeeform

Als erstes, zunächst exemplarisches Produkt gestaltete Kaffeeform aus dem Granulat 2015 eine Espresso-Tasse. Als dies gelang, erweiterte das Unternehmen sein Sortiment 2016 mit einer Cappuccino-Tasse – und ist mittlerweile beim tragbaren Coffee-to-go-Becher angekommen, dem sogenannten WEDUCER®-Becher. Allen Bechern und Tassen gemein ist die fein marmorierte Oberfläche aus dunklem Kaffeesatz, die es so kein zweites Mal gibt. Jede Tasse ist ein Unikat und wird ressourcenschonend hergestellt, somit auch ohne den Einsatz von umstrittenen Weichmachern.

Längst sind die hübschen Kaffeeform-Tassen europaweit in hippen Großstadtcafés angekommen. Auf der Website der Berliner lässt sich per “Storelocator” ermitteln, wo man seinen persönlichen Kaffeegenuss bereits aus Kaffeeform-Bechern schlürfen darf. Von zahlreichen Städten in Deutschland (Berlin, Hamburg, München, aber auch Bielefeld, Leipzig und Heidelberg) geht es über London, Paris, Rom, Kopenhagen bis hin nach Zürich, Amsterdam und Bratislava. Sogar Japan sei bereits im Gespräch.

 

 

Jede Tasse wird mit einer passenden Untertasse angefertigt und ist aufgrund ihrer Marmorierung und Formung ein absolutes Unikat. Mehrere europäische Großstädte sind bereits auf den ökologisch wertvollen Zug aufgesprungen. (Foto: Kaffeeform)

Jede Tasse wird mit einer passenden Untertasse angefertigt und ist aufgrund ihrer Marmorierung und Formung ein absolutes Unikat. Mehrere europäische Großstädte sind bereits auf den ökologisch wertvollen Zug aufgesprungen. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Kaffeebecher von Kaffeeform sind spülmaschinengeeignet – und damit wiederverwendbar

Die beeindruckendste Eigenschaft der eleganten kleinen Tassen, abgesehen von ihrer biologisch abbaubaren Zusammensetzung, ist ihre Wiederverwendbarkeit: Die Produkte sind allesamt spülmaschinengeeignet und können somit wiederverwendet werden. Ihr leichtes Gewicht macht sie bruchsicher bei Fallhöhen bis zu 1,5 Metern, wobei das ausgehärtete Granulat trotz der grazilen Form hohe isolierende Eigenschaften besitzt und den Inhalt lange warm hält. Die Kaffeeform-Becher bereiten den Nutzer mit sanftem Kaffeegeruch auf den erwarteten Trinkgenuss vor, sind jedoch lebensmittelecht und wirken sich nicht auf den Geschmack aus. Die Reise der Kaffeebohne findet somit ihr Ende in einer Kaffeetasse. Ökologischer lässt sich dieser Kreislauf kaum schließen.

 

 

Seit kurzem gibt es auch handliche Coffee-to-go-Becher aus Kaffeesatz, die nicht nur gut aussehen, sondern auch gegen den Plastikmüll-Wahnsinn unserer Wegwerfgesellschaft angehen wollen. Auch sie sind abwasch- und wiederverwendbar. (Foto: Kaffeeform)

Seit kurzem gibt es auch handliche Coffee-to-go-Becher aus Kaffeesatz, die nicht nur gut aussehen, sondern auch gegen den Plastikmüll-Wahnsinn unserer Wegwerfgesellschaft angehen wollen. Auch sie sind abwasch- und wiederverwendbar. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Der „Best of the Best”-Award für die Idee von Kaffeeform

Soviel Erfindergeist und Praktikabilität hinsichtlich nachhaltiger Materialien hat auch die Jury des Red Dot Design Awards beeindruckt. Katrin de Louw, Material- und Oberflächenexpertin, sagte zur „Best of the Best“-Wahl des noch jungen Unternehmens: „Wir sprechen hier von einem Produkt, das viele von uns viel zu häufig und viel zu kurz in Plastikform in der Hand halten. Mit zukunftsweisenden Produkten, wie dem ökologischen Kaffeebecher, gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung.“

Die eleganten, nussbraunen Espresso-Tassen sind derzeit für 14,90 EUR pro Tassenset erhältlich, das Cappuccino-Set für 19,90 EUR und der neugestaltete WEDUCER®-Becher für 14,90 EUR. Für unbegrenzten Kaffeegenuss und ein reines Umweltgewissen kostet das – fast nichts.

 

 

Für die ehrenwerte Idee, aber auch das elegante Produktdesign mit nachhaltigem Nutzen wird dem Unternehmen Kaffeeform nun der "Best of the Best"-Award des Red Dot Design Awards verliehen - ein Meilenstein für mehrere Jahre Forschung und Arbeit. (Foto: Kaffeeform)

Für die ehrenwerte Idee, aber auch das elegante Produktdesign mit nachhaltigem Nutzen wird dem Unternehmen Kaffeeform nun der “Best of the Best”-Award des Red Dot Design Awards verliehen – ein Meilenstein für mehrere Jahre Forschung und Arbeit. (Foto: Kaffeeform)

 

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.