Anti-Fingerprint-Beschichtung: von Fenix bis HotCoating

12.06.2019 | Susanne Scheffer
Küchen in Mattlack werden immer stärker gefragt. Damit einher geht der Trend zur Anti-Fingerprint-Beschichtung. Zulieferer Pfleiderer hat mit dem HotCoating-Verfahren ein attraktives Produkt herausgebracht. (Foto: Pfleiderer)

Ein moderner Küchenraum soll nicht nur schön aussehen, sondern auch pflegeleicht sein. Die Anti-Fingerprint-Beschichtung wirbt genau damit: Fingerabdrücke und Fettspuren sollen künftig – speziell auf matten Oberflächen – der Vergangenheit angehören. LEICHT, eggersmann und Nobilia arbeiten jeweils mit verschiedenen Zulieferern an der Umsetzung.

 

 

Mattlack als Küchentrend: die Nachfrage nach Anti-Fingerprint-Beschichtung steigt

Mattlack ist das neue Hochglanz. Waren früher hochglänzende Lackoberflächen in offenen Küchenräumen ein Zeichen von Eleganz und Hochwertigkeit, geht der Trend heute – als puristisches Understatement verstanden – eindeutig in Richtung einer glatten, zurückhaltenden Mattierung. Bereits vor einigen Jahren versuchten sich Hersteller wie Zulieferer an matten Softlack-Oberflächen oder, in der günstigeren Variante, an matten Schichtstoffen.

Wer jedoch dachte, dass sich mit der Abwendung vom Hochglanzlack und seiner auffälligen Fingerabdrücke und Gebrauchsspuren hin zu matten Flächen die Pflegeleichtigkeit einer Küche erheblich vereinfachen würde, wurde eines Besseren belehrt: matte Oberflächen zeigen Fingerabdrücke sowie Fettspuren besonders aus etwas Entfernung sehr deutlich an – und lassen sich obendrein nur durch aufwändige Pflege in Schuss halten.

Die Industrie arbeitet mit Nachdruck an dem Problem, supermatte – wie auch nach wie vor hochglänzende Oberflächen – optisch attraktiv und zeitgleich komfortabel und pflegeleicht für den Kunden zu halten. Mittlerweile halten mehrere Anti-Fingerprint-Beschichtungen tatsächlich auch das, was sie versprechen. Darunter findet sich das Nanotech-Material Fenix NTM, die Quarzwerkstoff-Veredelung N-Boost von Silestone oder das neuartige HotCoating-Verfahren von Pfleiderer, das für Span- und MDF-Platten – also Holzwerkstoffe – greift.

 

 

Mattlack ist ein großer Trend in modernen Küchen. Die damit gestalteten Oberflächen wirken elegant und zurückhaltend - und sind leider pflegeaufwändiger, als Hochglanzlack. Abhilfe sollen neue Methoden der Anti-Fingerprint-Beschichtung schaffen. (Foto: SieMatic)

Mattlack ist ein großer Trend in modernen Küchen. Die damit gestalteten Oberflächen wirken elegant und zurückhaltend – und sind leider pflegeaufwändiger, als Hochglanzlack. Abhilfe sollen neue Methoden der Anti-Fingerprint-Beschichtung schaffen. (Foto: SieMatic)

 

 

Was ist die Anti-Fingerprint-Beschichtung?

Der Name besagt, was eine Anti-Fingerprint-Beschichtung bewirken soll – aber wie genau geht die Prozedur vonstatten? In der Regel ist der Fingerabdruck, von dem hier die Rede ist, tatsächlich physisch da, aber mit dem bloßen Auge nicht oder nur sehr schwach wahrnehmbar. Daher muss, um Abdrücke zu reduzieren oder gar verschwinden zu lassen, der optische Kontrast von Arbeitsplatte und Fingerabdruck reduziert werden.

Mithilfe der Anti-Fingerprint-Beschichtung werden hierfür die optischen Eigenschaften des Fingerabdrucks auf der Oberfläche der Platte nachgeahmt. Die Beschichtung selbst ist aber mit 170 bis 210 nm Höhe für das Auge nicht sichtbar, da sie eine hohe Transparenz besitzt. Lediglich unter dem Mikroskop erscheint die Anti-Fingerprint-Beschichtung als blaue, inselartige Bedeckung. Ihr flüssiger Dünnfilm wird in einem zweistufigen Prozess aufgetragen und anschließend mittels UV-Strahlung vernetzt.

Tatsächlich gibt es zur konkreten Herstellung der Anti-Fingerprint-Beschichtung mehrere Herangehensweisen, wie die drei Unternehmen in den nächsten Abschnitten zeigen. Einige namhafte Küchenhersteller wie eggersmann, LEICHT und Nobilia arbeiten bereits mit den verschiedenen Technologie-Zulieferern zusammen.

 

 

Matte Oberflächen sind zeitlos und puristisch, werden jedoch durch die alltägliche Küchenarbeit - oder auch Kinder im Haushalt - stark beansprucht. Mit einer Anti-Fingerprint-Beschichtung soll der optische Kontrast von Flecken reduziert werden. (Foto: selektionD)

Matte Oberflächen sind zeitlos und puristisch, werden jedoch durch die alltägliche Küchenarbeit – oder auch Kinder im Haushalt – stark beansprucht. Mit einer Anti-Fingerprint-Beschichtung soll der optische Kontrast von Flecken reduziert werden. (Foto: selektionD)

 

 

Fenix NTM: matte Oberfläche mit Anti-Fingerprint dank Nano-Technologie

Anti-Fingerprint ist kein neues Thema im Küchenraum; wohl aber eines, das sich mit der verstärkten Nachfrage nach matten Oberflächen und den dabei sehr präsenten Fingerabdrücken in seiner Wichtigkeit vervielfacht hat. Generell soll eine Anti-Fingerprint-Beschichtung eine Oberfläche schmutzabweisend und gepflegt hinterlassen. Ein Pionier für diese Technik ist das Verfahren von Fenix NTM, einem Nanotech-Material, das mit Elektronenstrahlverhärtung arbeitet und somit die matte Oberfläche veredelt und widerstandsfähig macht.

Der Werkstoff, der der Nano-Technologie entlehnt ist, fühlt sich nicht nur samtweich an, sondern verfügt über eine nachweisbare – zeitweise am Markt einzigartige – Anti-Fingerprint-Beschichtung. Die widerstandsfähigen, zusammengepressten Kleinstteilchen sind gleichmäßig angeordnet, pflegeleicht und zudem thermisch reparabel. Kleine Kratzer können mithilfe eines Bügeleisens einfach aus der Oberfläche herausgebügelt werden. Der Nachteil hieran ist freilich, dass das Material damit nicht zu 100% feuerfest ist und heiße Kochutensilien nur mit Unterlage auf der Oberfläche abgestellt werden sollten.

Namhafte Hersteller wie LEICHT und eggersmann arbeiten bereits mit Fenix NTM als Vollmaterial für Korpen und Oberflächen mit Anti-Fingerprint-Beschichtung. Wer eine metallische, kratzunempfindliche Oberfläche in ähnlicher Ausarbeitung sucht, kann sich zu Fenix NTA beraten lassen.

 

 

Fenix NTM ist ein Vorreiter der Anti-Fingerprint-Technologie: das Material wird heute auch vollflächig von namhaften Herstellern wie LEICHT eingesetzt. (Foto: Arpa)

Fenix NTM ist ein Vorreiter der Anti-Fingerprint-Technologie: das Material wird heute auch vollflächig von namhaften Herstellern wie LEICHT eingesetzt. (Foto: Arpa)

 

 

N-Boost-Technologie von Silestone: Fingerabdrücke blitzschnell säubern

Einen anderen Weg geht Arbeitsplattenhersteller Cosentino, dessen Oberflächenmarke Silestone mit der N-Boost-Technologie veredelt wird. N-Boost by Silestone® verändert die DNA der Materialoberfläche auf Molekülebene und verdichtet die Struktur des Quarzwerkstoffes somit um ein Vielfaches. Das macht den Werkstoff nicht nur abweisend gegenüber Flüssigkeiten wie Wasser, Öl oder Rotwein, sondern sorgt als Anti-Fingerprint-Beschichtung auch dafür, dass Flecken sofort wieder verschwinden.

Bei besonders herausfordernden Reinigungssituationen – wie beispielsweise fettigen oder eingecremten Händen – kann die verdichtete Silestone-Oberfläche besonders schnell gesäubert werden. Dennoch ist ihre Haptik soft und samtig. Ein weiterer Pluspunkt: die Molekülverdichtung trägt obendrein zu einer intensiven Farbgebung bei, sodass Silestone mit seiner Oberfläche „Iconic Black“ mit dem „schwärzesten Schwarz“ wirbt. Übrigens: wer statt auf matte Haptik auf eine glänzende, polierte Oberfläche setzt, kann hierfür mit der N-Boost-Technologie ebenfalls eine Anti-Fingerprint-Beschichtung erwirken.

 

 

Die N-Boost-Technologie von Silestone greift für supermatte wie auf Hochglanz polierte Oberflächen von Quarzwerkstoffen. Fingerabdrücke bleiben unsichtbar. (Foto: Silestone Stellar Night)

Die N-Boost-Technologie von Silestone greift für supermatte wie auf Hochglanz polierte Oberflächen von Quarzwerkstoffen. Fingerabdrücke bleiben unsichtbar. (Foto: Silestone Stellar Night)

 

 

HotCoating von Pfleiderer: Anti-Fingerprint-Acryllack für Holz und Schichtstoffe

Gänzlich neuartig als Veredelung für supermatte Fronten und Arbeitsplatten mit Anti-Fingerprint-Beschichtung ist das innovative HotCoating-Verfahren der baden-württembergischen Firma Pfleiderer, die 2018 die größte HotCoating-Anlage der Welt eröffnet hat.

Die beeindruckende Großlackieranlage auf 165 Metern Länge bewirkt, dass Holzwerkstoffe mit einer hochwertigen Mehrschicht-Lackierung aus UV-härtenden Acryllacken überzogen werden. Ausgangsmaterial ist eine Einsatzplatte aus Span oder MDF, auf die eine PUR-Funktionsschicht aufgetragen wird und damit einen dauerelastischen Unterbau bildet.

Diese Schicht kann in Supermatt, aber auch in Hochglanz abgebildet werden. Sie wird nicht spröde und ist in der Lage, thermische und mechanische Kräfte auszugleichen, was sie besonders verarbeitungsstabil macht. Anschließend wird die Lackoberfläche mit spezieller UV-Lampentechnologie unter Sauerstoffausschluss ausgehärtet. Hierdurch entsteht eine qualitativ hochwertige Oberfläche, die Abplatzer und Risse auch beim Sägen, Fräsen und Bohren verhindert.

Die spezielle Anti-Finger-Print-Beschichtung ist möglich, da die extrem matten Oberflächen weniger als „5 Glanzpunkte“ erhalten und eine ausschließlich samtige Haptik hinterlassen. Fingerabdrücke bleiben gänzlich unsichtbar; Fettspuren lassen sich schnell entfernen. Neben der hohen Kratzbeständigkeit weisen die Oberflächen der HotCoating-Prozedur auch eine hohe Farbstabilität auf.

 

 

Hochglänzende Oberflächen werden allmählich von matten Werkstoffen abgelöst. Das HotCoating-Verfahren von Pfleiderer bewirkt, dass beide Oberflächen mit einer Anti-Fingerprint-Beschichtung geschützt sind. (Foto: Pfleiderer)

Hochglänzende Oberflächen werden allmählich von matten Werkstoffen abgelöst. Das HotCoating-Verfahren von Pfleiderer bewirkt, dass beide Oberflächen mit einer Anti-Fingerprint-Beschichtung geschützt sind. (Foto: Pfleiderer)

 

 

Anwendungsbereiche von HotCoating: im Außenbereich sowie für Holzinseln

Kunden des Zulieferers Pfleiderer haben die Möglichkeit, zwischen Holzwerkstoffen (DecoBoard) und den ebenfalls maximal belastbaren HPL-Schichtstoffen Duropal-HPL zu wählen, die jeweils mit dem HotCoating-Verfahren lackiert werden können. Beides hat seine Vorteile: während sich die lackierte HPL-Compactplatte auch als wetterbeständige Oberfläche im Einsatz für Outdoorküchen und -möbel eignet, kann mit der speziellen Beschichtung des Holzes der eigentlich empfindliche Werkstoff witterungsfest für die Küche gemacht werden.

Dadurch ist beispielsweise erstmals ein flächenbündiger Einbau von Spüle und Kochfeld in einer auf Holzwerkstoffen basierenden Arbeitsplatte möglich. Dieser stufenlose Übergang, der zu einer klaren und hochwertigen Ästhetik im Küchenraum beiträgt, war bislang kostenintensiven Einbauvarianten aus Naturstein vorbehalten, da Holz bei Ausfräsungen bislang sehr empfindlich reagierte. Da nun die Ausfräsung innerhalb der Funktionsschicht erfolgt, steht diesem Küchenmodell allerdings nichts mehr im Wege. Umgesetzt wurde diese besondere Kombination aus Holzwerkstoff und Lack von Pfleiderer mit Europas größtem Küchenhersteller nobilia, die für die Entwicklung der sogenannten „Xtra-Arbeitsplatte“ mit dem Konsumentenpreis „Kücheninnovation des Jahres® 2018“ ausgezeichnet wurden.

 

Die Anti-Fingerprint-Beschichtung des HotCoating-Verfahrens greift bei Holzwerkstoffen ebenso wie bei HPL-Schichtstoffen. Fingerabdrücke in der Küche sind damit kaum mehr wahrnehmbar. (Foto: Pfleiderer)

Die Anti-Fingerprint-Beschichtung des HotCoating-Verfahrens greift bei Holzwerkstoffen ebenso wie bei HPL-Schichtstoffen. Fingerabdrücke in der Küche sind damit kaum mehr wahrnehmbar. (Foto: Pfleiderer)

 

 

>>> Interessieren Sie sich für supermatte Oberflächen mit Anti-Fingerprint-Beschichtung oder möchten Sie wissen, wie Sie auch Ihre Hochglanzoberflächen in der Küche vor Flecken und Tupfern schützen können? Jedes Küchenstudio arbeitet mit eigenen Zulieferern zusammen. Erkundigen Sie sich hier bei einem Studio vor Ort, was für Sie hinsichtlich fett- und fingerabdrucksfreier Oberflächen getan werden kann.

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.