Arbeitsplatten aus Beton: Vor- und Nachteile des Trendmaterials

13.12.2018 | Susanne Scheffer
Arbeitsplatten aus Beton? Noch wird das beliebte Trendmaterial dafür selten eingesetzt, doch die Nachfrage steigt. (Foto: dade-design.com)

Der raue Bauwerkstoff Beton ist längst in der Küche angekommen: zunächst als Material für Fronten, nun auch öfter nachgefragt in Form von Arbeitsplatten aus Beton. Doch wo liegen die Vor- und Nachteile des porösen Materials – und welche Alternativen gibt es am Markt für den, der auf ein günstigeres Material in gleicher Optik setzen will? (Titelfoto: dade-design.com)

 

 

Die Traumvorstellung eines modernen Küchenkäufers: eine Küche im Industrial Look, die mit warmem Altholz und puristisch-kühlen Betonfronten geplant ist. Für 2019 kommt ein weiterer Trend hinzu, der hier schon verbaut wurde: Beton als hochwertige Arbeitsplatte. (Foto: Lang Küchen & Accessoires)

Die Traumvorstellung eines modernen Küchenkäufers: eine Küche im Industrial Look, die mit warmem Altholz und puristisch-kühlen Betonfronten geplant ist. Für 2019 kommt ein weiterer Trend hinzu, der hier schon verbaut wurde: Beton als hochwertige Arbeitsplatte. (Foto: Lang Küchen & Accessoires)

 

Es scheint, als sei die Anziehungskraft von Beton in der Küche ebenso hartnäckig und langlebig wie das Material selbst. Das Gemisch aus Zement, Wasser und Kies oder Sand erfreut sich schon seit einigen Jahren großer Beliebtheit in der Küchenplanung, wo es mit Vorliebe für monumentale Küchenblöcke im Industrial Style eingesetzt wird.

2019 ist von dem Trend kein Ende in Sicht: wo Holz in der Küche verarbeitet wird, ist eine Oberfläche in Beton oder Betonoptik oft nicht weit. Damit soll Holz seines angestaubten Landhaus-Images entledigt und in Kombination mit einem rauen Werkstoff für eine moderne Küchenoptik eingesetzt werden. Weil Holz zu den Küchentrends 2019 zählt, darf auch für das kommende Küchenjahr mit Beton gerechnet werden.

Überraschend daran ist, dass viele Kunden sich auch verstärkt für Arbeitsplatten aus Beton interessieren. Hierbei gibt es einige Unterschiede zu den bereits etablierten Fronten aus Beton, die Küchenkäufer bei ihren Überlegungen beachten sollten. Wir erläutern die Vor- und Nachteile des Werkstoffs und zeigen Alternativen auf für Arbeitsplatten aus Beton.

 

 

Echtbeton, Spachtelbeton, Betonoptik: die Nachfrage nach Betonoberflächen in der Küche steigt weiterhin an. Neu im Fokus sind Arbeitsplatten aus Beton, die Vorteile wie Nachteile mit sich bringen. (Foto: Häcker)

Echtbeton, Spachtelbeton, Betonoptik: die Nachfrage nach Betonoberflächen in der Küche steigt weiterhin an. Neu im Fokus sind Arbeitsplatten aus Beton, die Vorteile wie Nachteile mit sich bringen. (Foto: Häcker)

 

Echtbeton kann grober wirken, aber sehr elegant eingefasst werden im Küchenbild so wie hier erfolgt beim Unternehmen Wertwerke. (Foto: www.wertwerke.de)

Echtbeton kann grober wirken, aber sehr elegant eingefasst werden im Küchenbild so wie hier erfolgt beim Unternehmen Wertwerke. (Foto: www.wertwerke.de)

 

 

Wie entstehen Arbeitsplatten aus Beton?

Beton, ob als Bausubstanz für Gebäude oder als Leichtbeton im Küchenbau eingesetzt, ist immer ein künstlich hergestellter Stein. Je nachdem, wieviel Sand oder Kies dem grauen Beton neben dem Grundstoff Zement noch beigemischt wird, ändert sich auch das optische Erscheinungsbild. Der weiße Beton wird wiederum neben Weißzement von hellen Materialien beeinflusst, so zum Beispiel von Quarz, Marmor oder Kalkstein Calcit. Jede Betonoberfläche ist also ein absolutes Unikat.

Auch, wenn in der Küche der sogenannte Leichtbeton eingesetzt wird, hat dieser immer noch ein massives Gewicht von 800 bis 2.000 Kilogramm pro Kubikmeter (m³). Das führt dazu, dass Arbeitsplatten aus Beton oftmals vor Ort an die Küche angepasst und gegossen oder mit Hebetechnik in den Küchenraum eingehoben werden müssen. Überdies müssen Aussparungen für Kochfeld und Spüle bereits bei der Gussform, der sogenannten Schalung, beachtet werden, da ein nachträgliches Bearbeiten der starren und schweren Masse kaum möglich ist.

Eine Alternative ist ein dünner Film an Leichtbeton, der mit der Hand gespachtelt auf einer soliden Grundlage wie MDF-Platten aufgetragen werden kann. Werden diesen Platten jedoch Kratzer oder Risse zugefügt, zeigt das nicht durchgefärbte Material deutliche Gebrauchsspuren an.

 

 

Beton wird je nach Festigkeits- und Helligkeitsgrad mit verschiedenen Substanzen, von Sand bis Kalkstein, angerührt. Jede Betonarbeitsplatte ist ein Unikat und sollte daher von professionellen Oberflächenherstellern, beispielsweise dem Marmor-Center Römhild, angefertigt werden. (Foto: MCR BetonArt)

Beton wird je nach Festigkeits- und Helligkeitsgrad mit verschiedenen Substanzen, von Sand bis Kalkstein, angerührt. Jede Betonarbeitsplatte ist ein Unikat und sollte daher von professionellen Oberflächenherstellern, beispielsweise dem Marmor-Center Römhild, angefertigt werden. (Foto: MCR BetonArt)

 

 

Vorteile von Arbeitsplatten aus Beton: belastbar, hitzefest, stoßfest, pflegeleicht

Beton ist vor allem optisch ein derzeit gefragtes Material in der Küche. Arbeitsplatten aus Beton können aus einem Guss gefertigt werden und tragen damit zur monolithischen Wirkung einer Kücheninsel bei. Das glatte Material punktet in puristischen Küchen mit kühler Eleganz und stellt einen reizvollen, rauen Kontrast zu hochwertigen Oberflächen und Geräten dar.

Doch auch funktional kann eine Arbeitsplatte aus Beton überzeugen. Naturgemäß ist Beton ein extrem belastbares und langlebiges Material, das unempfindlich gegenüber Kratzern, Hitze und UV-Einstrahlung ist. Der stoß- und schlagfeste Werkstoff ist dank seiner ebenmäßigen Oberfläche gut zu reinigen und in der Wartung pflegeleicht.

 

 

Arbeitsplatten aus Beton sind extrem belastbar sowie hitze- und kratzunempfindlich. Das kühle, glatte Aussehen des Werkstoffs lässt monolithische Kücheninseln gut zur Geltung kommen. (Foto: dade-design.com)

Arbeitsplatten aus Beton sind extrem belastbar sowie hitze- und kratzunempfindlich. Das kühle, glatte Aussehen des Werkstoffs lässt monolithische Kücheninseln gut zur Geltung kommen. (Foto: dade-design.com)

 

 

Eine Betonarbeitsplatte kann ideal zu hochwertigen Küchenräumen kombiniert werden und setzt ein besonders Design-Statement. Hier beispielsweise im Zusammenspiel mit einer bulthaup b3. (Foto: Küchen-Atelier Hamburg)

Eine Betonarbeitsplatte kann auch ideal zu hochwertigen Küchenräumen kombiniert werden und setzt damit ein besonders Design-Statement. Hier beispielsweise im Zusammenspiel mit einer bulthaup b3. (Foto: Küchen-Atelier Hamburg)

 

 

Nachteile von Arbeitsplatten aus Beton: teuer in der Anschaffung und fleckenanfällig

Beton hat von Natur aus einen leichten Glanz, welcher durch zusätzliches Schleifen oder Polieren nochmals verstärkt werden kann. Ein spezieller Fall bleibt das Gemisch dennoch: es ist eines der seltenen Materialien, die über die Jahre hinweg durch das Arbeiten auf der Oberfläche oder äußere Einflüsse wie Säfte, Säuren und Flecken eine ganz eigene Patina entwickeln. Dafür verantwortlich ist die Porosität des Werkstoffs, die beim Leichtbeton im Gegensatz zu herkömmlichen Beton nochmals größer ist aufgrund von eingeschlossenen Gesteinskörnungen, die für eine  geringere Dichte und damit Leichtigkeit sorgen sollen.

Die Folge sind Flecken, die sich beim Hantieren mit Ölen, Säuren und Flüssigkeiten in der Küche nahezu rasant bilden und unwiderruflich ins Material eindringen. Positiv gesprochen macht das alle Arbeitsplatten aus Beton zu einzigartigen Unikaten, die aus einer Küche eine Werkstatt formen und diese charakteristisch prägen. Andererseits muss diese Patina aber auch gefallen und überdies edel eingebunden werden, um nicht als schäbig und schmutzig wahrgenommen zu werden.

Mithilfe einer Imprägnierung können Arbeitsplatten aus Beton teilweise fleckenfest gemacht werden, jedoch kann eine individuelle Patina über die Dauer des Gebrauchs niemals ausgeschlossen werden.

Ein weiterer Nachteil von Beton bei Arbeitsplatten ist dem sehr aufwändigen Herstellungsprozess geschuldet, der dazu führt, dass diese Oberflächen extrem teuer sind. Jede Betonarbeitsplatte ist eine Maßanfertigung, die nicht so schnell ausgetauscht oder repariert werden kann.

Zudem bestehen aufgrund der geringen Farbauswahl kaum Variierungsmöglichkeiten: wer Beton für seine Arbeitsplatten in der Küche wählt, wird in der Regel mit einem gewölkten Grau, einem kräftigen Anthrazit oder einem hellen, beigefarbenen Sandton rechnen müssen.

 

 

Jede Oberfläche aus Beton ist ein Unikat und muss individuell auf die Gegebenheiten angepasst bzw. eingegossen werden. Daher haben Beton-Oberflächen einen stolzen Preis. Gegen die Fleckenanfälligkeit empfiehlt sich eine Spezialimprägnierung der Herstellerfirma. (Foto: Lang Küchen & Lang Accessoires)

Jede Oberfläche aus Beton ist ein Unikat und muss individuell auf die Gegebenheiten angepasst bzw. eingegossen werden. Daher haben Beton-Oberflächen einen stolzen Preis. Gegen die Fleckenanfälligkeit empfiehlt sich eine Spezialimprägnierung der Herstellerfirma. (Foto: Lang Küchen & Lang Accessoires)

 

 

Die Maßanfertigung einer Betonplatte, wie hier auf ein hochwertiges Gaskochfeld zugeschnitten, sollte präzise von Profis vorgenommen werden, um spätere Einschnitte am harten Material zu vermeiden. (Foto: www.wertwerke.de)

Die Maßanfertigung einer Betonplatte, wie hier auf ein hochwertiges Gaskochfeld zugeschnitten, sollte präzise von Profis vorgenommen werden, um spätere Einschnitte am harten Material zu vermeiden. (Foto: www.wertwerke.de)

 

 

Alternativen für Arbeitsplatten aus Beton: Dekton, Corian, Schichtstoff

Arbeitsplatten zählen zu den am stärksten beanspruchten Oberflächen der Küche. Auf ihnen wird täglich geschnitten, gegessen und Gegenstände hin- und hergeschoben. Daher sind Arbeitsplatten aus Beton auch ein sensibles Thema und sollten mit ihrer individuellen Patina sowie ihrer Wasserdurchlässigkeit genau durchdacht werden, bevor sie neben den Fronten auch für die Arbeitsoberfläche eingesetzt werden.

Alternativen auf dem Markt gibt es zahlreich: Verbundwerkstoffe wie Dekton, Neolith, Corian oder Sapienstone imitieren Beton mit bedruckten Keramik- oder Verbundplatten täuschend echt, sind aber porenfrei und daher vollkommen resistent gegenüber Flüssigkeiten, Säuren und Säften. Diese Verbundwerkstoffe sind, ebenso wie echte Natursteine wie beispielsweise dunkler Granit, ebenfalls teuer, können jedoch aufgrund ihrer Fleckenresistenz deutlich länger ihren Dienst in der Küche verrichten.

Eine günstige Alternative bieten zahlreiche Hersteller mit Oberflächen aus qualitativ gutem Schichtstoff an, der in Betonoptik angefertigt wird. Käufer sollten hierbei auf ein durchgefärbtes Material setzen, auf dem Kratzer und Schnitte weniger stark sichtbar sind.

 

 

Verbundwerkstoffe wie Dekton imitieren Betonoberflächend täuschend echt, sind allerdings im Umgang mit Flüssigkeiten und Säure wesentlich resistenter. Die Wahl obliegt dem Kunden, auf das "echte" Produkt oder die Nachbildung zu setzen. (Foto: Cosentino)

Verbundwerkstoffe wie Dekton imitieren Betonoberflächend täuschend echt, sind allerdings im Umgang mit Flüssigkeiten und Säure wesentlich resistenter. Die Wahl obliegt dem Kunden, auf das “echte” Produkt oder die Nachbildung zu setzen. (Foto: Cosentino)

 

Interessieren Sie sich für Oberflächen, Fronten oder Arbeitsplatten aus Beton? Bei diesen kundigen Küchenfachstudios können Sie sich zu Betonarbeitsplatten in der Küche sowie professionellen Oberflächenherstellern beraten lassen.

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.