Cookit von Bosch: Ist er smarter als der Thermomix?

Der Cookit: smarte Küchenmaschine von Bosch (Foto: Bosch)

Der Cookit von Bosch ist auf dem Markt und macht dem Platzhirsch unter den smarten Küchenmaschinen, dem Thermomix, ordentlich Dampf. Dr. Martin Strumpler, “Head of Smart Cooking” bei Bosch, erklärt im Interview, was den Cookit eigentlich so smart macht – und wieso bei ihm zuhause das Licht im Kinderzimmer angeht, wenn das Essen fertig ist.

 

Cookit von Bosch: die ersten Tage auf dem Markt

Herr Dr. Strumpler, der Cookit ist auf dem Markt. Wie liefen die ersten Tage denn so?

Die ersten Tage waren sehr bewegend. Wir sind mit der Vision gestartet, Familien zu unterstützen, täglich frisch zu kochen. Es ist schön zu sehen, wie das jetzt Realität wird. Uns war es sehr wichtig, den Kunden beim Kochen eine große Vielfalt und Unterstützung anzubieten. Wie das Gerät Kunden gleich zu Beginn begeistert, ist spannend: Auf Instagram beispielsweise kursieren schon etliche Fotos, wie die Verpackung aufgeregt entgegengenommen wird. Da viel Herzblut in die Entwicklung des Cookit geflossen ist, freut uns das positive Feedback der Kunden umso mehr.

Interessant ist auch, dass sich ganz autonom bereits eine Community in den sozialen Medien gebildet hat: Es existieren zahlreiche Facebook-Gruppen, in denen selbst kreierte Cookit-Rezepte ausgetauscht werden. Ein YouTube-Blogger hat zudem schon über 35 Videos zum Cookit veröffentlicht. Es ist toll, wie viel Zeit und Leidenschaft die Kunden investieren, um anderen zu helfen und ihre Erfahrungen zu teilen.

 

Was war zur Markteinführung von Bosch geplant – und was musste wegen Corona verschoben werden?

Hinsichtlich der Vermarktung mussten wir unsere geplanten Maßnahmen aufgrund von Corona etwas reduzieren. Eigentlich sollten Kunden gleich zu Beginn die Möglichkeit haben, den Cookit auf Kochevents, bei Vorführungen und in Kochschulen live auszuprobieren und kennenzulernen. All das musste leider erstmal verschoben werden.

Unser Ansatz ist dennoch sehr breit aufgestellt: Wir haben unsere digitalen Angebote weiter verstärkt und noch mehr Videos zum Umgang mit dem Cookit produziert.  Zum “Onboarding”, also bei Inbetriebnahme des Geräts, führt der Cookit den Nutzer initial mit Bildern und Videos durch alle Funktionen. Zudem erhält der Nutzer zum Kauf einen regelmäßigen Newsletter, der nützliche Tipps und Tricks zum Kochen mit dem Cookit liefert.

 

Mit Spannung erwartet: Wie lange haben Produktentwickler, Ingenieure, UX-Designer und Co. an der Entwicklung des Cookit getüftelt?

Unser Team hat 5 Jahre an der Entwicklung des Cookit gearbeitet. In die Entwicklung des Produkts fließen allerdings 65 Jahre Erfahrung von Bosch aus der Herstellung, Entwicklung und Forschung zu Küchenmaschinen mit ein. Das kommt insbesondere der Temperatursteuerung des Cookit zugute.

 

Stichwort Smartness: intelligente Funktionen und Schnittstelle zum Smart Home

Sie sind “Head of Smart Cooking”. Was genau macht den Cookit von Bosch smart?

Für mich ist die smarteste Eigenschaft des Cookit, dass er den Kunden genau da unterstützt, wo dieser das möchte. Auf Wunsch führt das Gerät den Nutzer Schritt für Schritt durch das Rezept. 27 Automatikprogramme ermöglichen verschiedene Zubereitungsarten wie Sous-vide garen, Dampfgaren, Fermentieren, Karamellisieren, Pochieren, Schmoren oder Anbraten. Beilagen wie Reis oder Nudeln bereitet der Cookit selbstständig zu. Genauso hat der Nutzer aber die Möglichkeit, komplett frei zu kochen.

Auch die digitalen Möglichkeiten machen den Cookit extrem smart: Der Kunde wählt aus dem Portfolio genau das aus, was zu seinem Haushalt passt. Hier war es uns wichtig, dass wir die digitale Unterstützung über den gesamten Kochprozess hindurch anbieten – von der Inspiration über die Zubereitung bis hin zur Fertigstellung.

Besonders smart ist am Cookit auch die Sensorentechnologie: Sensoren am Boden und an der Seite des Topfs überwachen permanent die Temperatur, sodass nichts anbrennt.

 

Stichwort Smartness: Wie hängt die Home Connect-App mit der Benutzung des Cookit zusammen?

Rund um das Thema Home Connect haben wir ein komplexes Ökosystem geschaffen: Ich kann das Gerät mit der IFTTT-App verbinden und schaffe dadurch Berührungspunkte zu vielen intelligenten Geräten. Dadurch lässt sich der Cookit beispielsweise mit smarten Lampen vernetzen: So geht bei mir zuhause das Licht im Kinderzimmer an, wenn das Essen fertig ist und die Kinder können an den Tisch kommen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter (lacht). Die Home Connect-App ermöglicht es auch, zum Essen mit Hilfe von IFTTT Musik zu starten.

 

Rund um die Home Connect App hat Bosch ein smartes Ökosystem geschaffen: Wer den Cookit mit der App verbindet, hat Zugriff auf viele intelligente Funktionen. (Foto: Bosch)

Wer den Cookit von Bosch mit der Home Connect App verbindet, hat Zugriff auf viele intelligente Funktionen. (Foto: Bosch)

 

In der Home Connect-App kann ich auf der Couch durch die Rezepte schmökern und das Gericht meiner Wahl direkt auf das Display des Cookit schicken, ohne das Gerät extra anzufassen. Ich nutze die Home Connect-App beim Kochen mit dem Cookit selbst auch regelmäßig: Das Gerät zeigt mir an, wie viel Zeit ich zwischen den einzelnen Kochvorgängen habe. Ich nenne diese Pausen gerne “Relax time”. In dieser Zeit kann ich mich zum Beispiel mit meinen Kindern beschäftigen oder entspannt den Tisch decken.

Intelligent ist ebenfalls, dass der Cookit mit der Smartwatch kombiniert werden kann. Je nach Modell zeigt diese mir die verbleibende Kochzeit an oder benachrichtigt mich, wenn ein Kochschritt abgeschlossen ist. Der Cookit ist aber auch ohne Home Connect und WLAN nutzbar. Rezepte, die man auf das Gerät geladen hat, sind auch offline verfügbar, wenn man das Gerät zum Beispiel mit in den Urlaub nehmen möchte. Da die neuen Rezepte über die Home Connect-App ausgespielt werden, empfehlen wir allerdings, den Cookit mit der App zu verbinden.

 

Haben Sie Sorge, dass nun nach Auslaufen des Patents des Thermomix auch andere Gerätehersteller nachziehen und für Konkurrenz sorgen?

Darauf stellen wir uns natürlich ein, das ist ein spannender Markt für viele Hersteller und es kursieren viele Trends, die genau in diese Richtung gehen: Die Menschen möchten sich bewusster ernähren und haben gleichzeitig weniger Zeit, frisch zu kochen. Daher gehen wir durchaus davon aus, dass Konkurrenzgeräte auf den Markt kommen werden. Wir sind mit dem Cookit und insbesondere der komplexen Temperatursteuerung aber gut aufgestellt.

 

Cookit von Bosch: auch für Kochanfänger geeignet?

Für welchen Küchen-Typ eignet sich der Cookit eigentlich am besten?

Zum einen ist er ideal für alle, die Interesse an gesundem und frischem Essen haben. Zum anderen profitieren auch Menschen, die sich gerne inspirieren lassen und die schrittweise Begleitung durch ein Rezept schätzen, von den Funktionen des Geräts.

Auch, wer ein starkes Interesse am manuellen Kochen hat, wird Freude am Cookit haben: Es lassen sich prima eigene Gerichte zubereiten.

Ich selbst habe mich durch den Cookit wieder an das manuelle Kochen herangetastet: Mit zwei kleinen Kindern blieb zuletzt wenig Zeit fürs Kochen. Mittlerweile nutze ich die Pausen zwischen den Kochschritten gerne, z.B. wenn das Risotto köchelt oder der Cookit Zutaten rührt, um mich in dieser Zeit bewusst mit meinen Kindern zu beschäftigen. Der Cookit hat mein Kocherlebnis sozusagen wieder zum Positiven verändert.

 

Optisch passt der Cookit mit seinem schlichten, cleanen Design zu vielen Küchenstilen. (Foto: Bosch)

Optisch passt der Cookit mit seinem schlichten, cleanen Design zu vielen Küchenstilen. (Foto: Bosch)

 

Kann auch ein unerfahrener Koch gut mit dem Cookit umgehen?

Absolut. Auch für Kochanfänger ist der Cookit super geeignet, da er den Nutzer beim Kochvorgang Schritt für Schritt an die Hand nimmt. Es kann nichts schiefgehen und man sammelt Erfahrung, wie Kochen funktioniert. Zudem sind verschiedene Niveaus wählbar: “Einfach”, “Mittel” und “Anspruchsvoll”.

 

Was sind die Top-Fähigkeiten des Cookit von Bosch, die ihn von anderen smarten Küchenmaschinen unterscheiden?

Kurz zusammengefasst: die Vielfalt beim Kochen. Der Cookit kann bis zu 200 Grad heiß anbraten, z.B. bei der Zubereitung von Steaks. Auch das große Volumen des Topfes mit einem Fassungsvermögen von 3 Litern ist hervorzuheben sowie die Werkzeuge, die dabei sind. Auch das smarte Ökosystem rund um “Home Connect” bietet einen großen Mehrwert.

 

Wie funktioniert das Kochen mit der smarten Küchenmaschine?

Stichwort Braten und Aufkochen: warum sollte ich dafür nicht einfach ganz herkömmlich Topf und Pfanne benutzen?

Hier kommen wir wieder zur Smartness des Cookit zurück: Im Gegensatz zum Anbraten in der Pfanne stellt das Gerät sicher, dass ich ein zuverlässiges Ergebnis habe. Im Cookit brennt kein Steak an. Zudem unterstützt er den Nutzer zusätzlich beim Bratvorgang, indem er beispielsweise das Fleisch für Gulasch selbstständig umrührt.

 

Kann ich auch parallel verschiedene Kochvorgänge ablaufen lassen?

Nein, die Zubereitung verschiedener Komponenten erfolgt mit dem Cookit Schritt für Schritt nacheinander. Möglich wäre lediglich, mehrere Zutaten auf bis zu drei Ebenen parallel zu garen.

Hier setzen wir eher auf kreative Rezepte wie beispielsweise die “One Pot Pasta”, die es erlauben, alle Bestandteile des Gerichts gemeinsam in einem Topf zuzubereiten.

 

Wie funktioniert das “Guided Cooking”, also welches Prinzip liegt dem Kochen unter Anleitung zugrunde? Gibt es Videos?

Der Nutzer wird mit Text und Bild Schritt für Schritt durch den Kochprozess begleitet. Alle Kochparameter wie Geschwindigkeit, Temperaturen und Garzeit sind im Cookit bereits hinterlegt und voreingestellt. Videos sind aktuell nicht geplant.

 

Rezepte in drei Schwierigkeitsstufen, optimiert auf 4 Personen

Die Rezeptesammlung für den Cookit fasst 210 Gerichte, 140 sind zum Start voreingestellt. Hier hat die Konkurrenz derzeit die Nase vorn. In welchen Abständen kommen neue Rezepte hinzu und worauf liegt der kulinarische Fokus? 

Unser Ziel ist es, wöchentlich mehrere neue Rezepte zu veröffentlichen. Dabei achten wir besonders darauf, verschiedene Niveaustufen von einfach bis schwierig zu bedienen: für Wochentage, an denen es schnell gehen muss; oder fürs Wochenende, das mehr Zeit zum Kochen bietet. Auch verschiedene Kochstile finden Berücksichtigung. Unsere Rezepte entwickeln wir hauptsächlich selbst, einige Gerichte beziehen wir auch von unseren Partnern, wie beispielweise KitchenStories. Technisch hat man mit dem Cookit die Möglichkeit, alles zu kochen, was man möchte.

 

Auf dem Cookit sind 140 kategorisierte Rezepte in drei Niveaustufen voreingestellt. (Foto: Bosch)

Auf dem Cookit sind 140 kategorisierte Rezepte in drei Niveaustufen voreingestellt. (Foto: Bosch)

 

Wird die zusätzliche Erweiterung der Rezeptesammlung kostenpflichtig sein?

Die Grundausstattung ist und bleibt kostenlos, allerdings behalten wir uns vor, speziellere Rezepte und weitere Services zukünftig kostenpflichtig anzubieten.

 

Wie viele Personen bekomme ich mit dem Cookit satt?

Die meisten Rezepte sind auf 4 Personen ausgelegt. Der Kochtopf des Cookit fasst 3 Liter: Damit lassen sich auch Gerichte für besondere Anlässe zubereiten, die mehr Portionen ergeben – etwa ein Chili Con Carne für 6 Personen oder bis zu 3 Liter Milchreis.

 

Optionales Zubehör: extra Schneidescheiben, zusätzlicher XL-Topf

Welches Zubehör wird zur Benutzung des Cookit benötigt?

Im Kauf inklusive ist ein Kochbuch, also das analoge Pendant zur Home Connect-App. Zusätzlich sind sieben Werkzeuge wie Messer, 3D-Rührer, Schneebesen, verschiedene Scheiben zum Schneiden und Raspeln sowie Dampfgareinsätze mit dabei. Das Zubehör umfasst alle nötigen Werkzeuge, die man für übliche Kochvorgänge benötigt.

 

Ist weiteres Zubehör auf längere Sicht in Planung?

Wir haben weitere Schneidescheiben geplant, um Gemüse z.B. in “Stifte” zu schneiden. Derzeit sind bereits drei weitere Scheiben erhältlich: eine Reibscheibe für extra feine Ergebnisse, eine Scheibe für feine Streifen und eine Wendescheibe für einen exakten Schnitt bei weichen und faserigen Lebensmitteln. Zudem kann zusätzlich ein weiterer XL-Topf erworben werden, um bei der Zubereitung verschiedener Komponenten nicht so oft abspülen zu müssen.

 

Cookit von Bosch: Lieferzeit, Produktion und Vertriebswege

Welche Lieferzeit ist aktuell für den Cookit zu erwarten?

Derzeit liegt die Lieferzeit bei 2-3 Wochen.

 

Vorwerk hat die Produktion des Thermomix ja kürzlich nach China verlagert. Wo wird der Cookit eigentlich produziert?

Produziert wird der Cookit in unserem Werk in Slowenien. Der Fokus für den Cookit liegt aktuell auf dem europäischen Markt, daher bevorzugen wir kurze Lieferketten. Das slowenische Werk produziert die Küchenmaschinen für Bosch und bringt daher die nötigen Kompetenzen mit. Die Entwicklung und Forschung fand unter anderem in Deutschland in Traunreuth statt.

 

Wo kann man den Cookit eigentlich ausprobieren und kaufen?

Zum einen kann man den Cookit in ausgewählten Küchenstudios und Elektronikfachmärkten direkt ansehen, ausprobieren und kaufen. Auf unserer Website gibt es eine PLZ-Suche, die die teilnehmenden Händler nach Region geordnet ausgibt. Zum anderen kann man das Gerät natürlich auch online bestellen.

 

Herr Dr. Strumpler, vielen Dank für das nette und aufschlussreiche Gespräch. Wir wünschen viel Erfolg mit dem Cookit!

 

Unser Fazit: Der Cookit punktet insbesondere mit der Bratfunktion, die ihn von seinem größten Konkurrenten, dem Thermomix, abhebt. Ähnlich wie dieser rührt das Gerät selbstständig um, kontrolliert die Temperatur und sorgt so dafür, dass nichts anbrennt. Die Liste an Zubereitungsarten, die der Cookit ermöglicht, ist lang und erklärt, warum Käufer plötzlich ein einzelnes Gerät gegenüber Backofen und Kochfeld vorziehen. Auch die smarten Funktionen rund um Home Connect sind attraktiv, machen aber eher für technikaffine Haushalte Sinn. Ob der Preis von knapp 1300 Euro die Unterstützung wert ist, muss jeder Hobbykoch für sich entscheiden.

Wünschenswert wäre eine Küchenmaschine, die es schafft, verschiedene Zubereitungsarten zu parallelisieren und beispielsweise Fleisch zu braten, während zusätzlich die Kartoffeln kochen und das Gemüse dämpft. Hierfür ist der Cookit leider (noch) nicht geeignet. Auch Videoanleitungen zu den Rezepten wären ein attraktiver Mehrwert. Alles in allem steht der Cookit dem Thermomix in Sachen Smartness in nichts nach. Da jedoch keine Fragen zum Thermomix beantwortet wurden, muss jeder für sich selbst bewerten, welches Gerät besser zum eigenen Haushalt passt. Thermomix vs. Cookit: die Unterschiede zwischen den Küchenmaschinen beschreiben wir in diesem Artikel genauer.

Zum Autor
Julia Dau
Redakteurin

Das Gefühl grenzenloser Freiheit beim Entdecken einer dampfenden Köstlichkeit in den Garküchen Asiens, wohlige Aufregung beim Anschneiden eines perfekt gegarten Steaks, und manchmal auch Pioniergeist, wenn der Kern des Lava Cake zum ersten Mal weich und unverschämt herrlich duftend über den Teller fließt: Kochen und Essen ist für unsere Redakteurin Abenteuer, Experiment und pure Harmonie.

Als studierte Informationsdesignerin mit Leidenschaft für Ästhetik, Innenarchitektur und gutes Essen fasziniert sie besonders, wie alle Sinne in der Küche – und auch ein bisschen in unserem Magazin – verschmelzen.