Das Goldene Zeitalter: Endlich Farbe in der Küche

05.07.2016 | Susanne Scheffer

 

Küchen, Kleider, Möbel: Wer bestimmt den Trend?

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Bevor die Farbe des Jahres feststeht, wird allerhand gemischt, getupft und experimentiert. Foto: AkzoNobel

Die meisten Menschen haben zu Trends ein gewissermaßen zweigleisiges Verhältnis: Jeder möchte mit ihnen mithalten und sich danach kleiden oder einrichten – aber bitte individuell, mit persönlicher Note und eigener Handschrift! Über das, was von den Laufstegen dieser Welt herüberschwappt, können viele erstmal nur den Kopf schütteln. Doch früher oder später greift auch die normale Industrie Farbtrends und Schnitte auf und plötzlich trägt eben jeder dieses „rauchige Weinrot“, auch Marsala genannt und 2015 von Pantone zur Farbe des Jahres gekürt.

 

Die amerikanische Firma, die mit ihrem „Pantone Matching System“ das international anerkannte Farbsystem der Grafik- und Druckindustrie vorgibt, durchforstet die ganze Welt der Farbeinflüsse, um ihre Wahl zu treffen: Kunstausstellungen, Modetrends, Filme, Reiseziele und natürlich Einrichtungstrends. Allerdings mischen auf dem Markt noch mehr Farbberater und Modedesigner mit, zum Beispiel die niederländische Firma AkzoNobel, die Farbarchitekten von Dulux aus England oder die ebenfalls britischen Farbexperten von Farrow & Ball. Das ist auch der Grund, warum oftmals gleich mehrere Farben als „Farbe des Jahres“ ausgerufen werden. Sie tendieren nur selten in die gleiche Richtung der Farbintensität, zum Beispiel sanft-pastellig oder leuchtend und kräftig, aber ergänzen sich häufig als wundervolle Farbkleckse in einer Welt, die sich mehr und mehr zwischen minimalistisch und natürlich aufteilt.

 

 

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Die Farbe des Jahres – jedenfalls laut dem niederländischen Farben- und Lackhersteller AkzoNobel. Foto: AkzoNobel

Widerstand zwecklos: Goldocker ist überall

Man muss nicht jeden Trend mitmachen, aber angesichts der diesjährigen Wahlen fragen wir uns, ob Sie überhaupt darum herumkommen wollen – oder können. Die diesjährige von AkzoNobel ausgerufene Trendfarbe hat sich nämlich längst in Sesseln, Kleidern, Kissen, Kinderwägen oder Küchengeschirr festgesetzt hat und mutet wirklich hübsch, elegant und frisch an: Goldocker. Die Firma aus dem kleinen Holland, die zu den weltweit führenden Herstellern von Lacken, Lasuren und Farbstoffen zählt, hat diesen Farbton im hauseigenen Global Aesthetic Center mithilfe eines Teams an Forschern, Designern, Statistikern und Künstlern ermittelt. Goldocker ist dabei die entspannte und elegante Variante des knallgelben Zitronengelbs, vermittelt aber dennoch mehr Spritzigkeit und Charme als das dröge Ocker aus den 70er Jahren. Heleen van Gent, Leiterin des Global Aesthetic Centers, konnte mit ihrem Team bereits 2014 ermitteln und voraussagen, dass Gelb- und Goldtöne zur Trendfarbe einer neuen Einrichtungswelle avancieren werden: „Wir haben damals registriert, dass immer mehr Gold- und Gelbtöne in unserer Umwelt auftauchen, auf der Mailänder Möbelmesse, in neuen Stoffen, in Ladeneinrichtungen.”

 

 

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Sogar Musterküchen und Musterhäuser werden probeweise mit dem auserwählten Farbton und seinen Komplimentärfarben angestrichen – um seine Wirkung im großen Raum zu testen.

Pantone kürte andere Farben 2016: Rose Quart und Serenity

So werden nun Tagesdecken und Tassen, Läufer und Lampen, Sitzkissen und Vorhänge in Senf, Sand oder Zitrone getaucht, beleben als warme Farbtupfer kühle Raumexperimente oder bringen in ihrer durchsetzungskräftigen Farbgebung Fröhlichkeit und Wärme in Küchen und Wohnzimmer. Und mittendrin: Goldocker.

Wichtig ist, dieser anmutigen und freundlichen Farbe dennoch nur als ergänzendes Accessoire oder kleineres Möbelstück Raum zu geben, um den Betrachter nicht zu überfordern oder ein Zimmer zu überfrachten. Gerade aufgrund der Strahlintensität dieser Farbe, die alle Blicke in ihren Bann zieht, kann Gelb oder Goldocker sonst Überdruss schaffen oder schlichtweg irritieren. Richtig eingesetzt und wohldosiert jedoch schafft Goldocker, frei kombiniert mit den verschiedensten Materialien, eine Wohlfühlatmosphäre von Eleganz und Frische.

Als korrespondierende Töne werden Rosé und ein helles Türkis vorgeschlagen. Das ähnelt dann übrigens wiederum den Farben des Jahres 2016 des amerikanischen Pantone-Leitsystems: Hier wurden mit „Rose Quartz“, einen sehr zarten Roséton und „Serenity“, einem hellen und ebenfalls sehr sanftem Blau, gleich zwei Farben aufs Siegertreppchen gebeten. Das Zusammenspiel der Farben soll für die bildliche Verschmelzung der Geschlechterstereotypen stehen und zeitgleich für Ruhe und sanfte Sicherheit in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Krisen sorgen. Wir finden: Diese beiden Farben umschmeicheln den Ton Goldocker ebenfalls ganz wunderbar und sorgen für eine gelassene und leise Ergänzung in Rosé und Bläulich, wo Goldocker strahlend in den Vordergrund tritt. Her mit den schönen Farben!

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.