Der Alessi Moka-Kocher: neu gestaltet von David Chipperfield

29.05.2019 | Frederik Dix
David Chipperfield durfte das Design des berühmten Alessi Moka-Kocher behutsam überarbeiten für eine moderne Version 2019. (Foto: Alessi)

Kaffee, das schwarze Lebenselixier. Grundlage milliardenschwerer Geschäfte US-amerikanischer Konzernketten. Und doch eigentlich: ein einfaches Getränk, das der italienischen Nationalseele entspringt und dort in ikonischer Form durch den Alessi Moka-Kocher Tag für Tag in vielen Haushalten aufgebrüht wird. Das renommierte Unternehmen Alessi wagt nun für 2019 ein Re-Design – unter der Leitung des berühmten David Chipperfield.

 

 

Woran denken Sie bei frisch aufgebrühtem Kaffee? Sicherlich an die frühen Morgenstunden des noch schläfrigen Tages, in denen der herbe Duft gerösteter Kaffeebohnen durch die Wohnung zieht. An das knackende Geräusch des Mahlwerks, das fein gemahlenes Espressopulver ausspuckt. Vielleicht sogar an die ikonische Gestalt des Moka-Kochers von Alessi, der zum Inbegriff des simplen und zugleich experimentellen Kaffeekochens von Kaffeeliebhabern weltweit geworden ist.

Genau dieser charakteristische Moka-Kocher wurde nun von Alessi im Rahmen der Mailänder Designwoche 2019 als re-designte Neuauflage vorgestellt – und von keinem geringeren als Star-Architekt David Chipperfield in ein überarbeitetes Antlitz getaucht. Der Brite, der für die kunstvolle Errichtung von Galerien, Museen und Verlagshäusern weltweit bekannt ist, hat sich einem wohlbekannten Design angenommen und dieses behutsam angepasst. Doch von vorn.

 

Alessi und der charakteristische Moka-Kocher, das gehört für viele Italiener - und auch Kaffeegenießer weltweit - seit den 1930er Jahren fest zusammen. (Foto: Alessi)

Alessi und der charakteristische Moka-Kocher, das gehört für viele Italiener – und auch Kaffeegenießer weltweit – seit den 1930er Jahren fest zusammen. (Foto: Alessi)

 

 

Moka-Kocher von Alessi: Lebensgefühl einer ganzen Nation – und Zeichen des Widerstandes

Der populäre italienische Espresso-Kocher „Moka“ hat ein ganzes Land für seine Kaffeekultur berühmt gemacht und ist bis heute ein Zeichen des Widerstands gegen milliardenschwere US-amerikanische Kaffeeketten, die nach dem Rest der Welt auch in Italien die amerikanische Art des Kaffeetrinkens etablieren wollen. Heißt: heißer Schaum statt schwarzer Bohne; pappige to go-Becher statt filigraner Porzellantässchen.

Noch bis vor kurzem hat sich Italien erfolgreich gegen die Invasion von Starbucks & Co. gewehrt. Das Engagement der Kaffeekette wird nicht nur aufgrund der überdimensionierten Kaffeegrößen und -sortenauswahl kritisch gesehen. Auch die mondänen Preise müssen den Italienern geradezu lächerlich erscheinen: ein Espresso kostet im Land von Pasta und Parmesan weniger als einen Euro und wird tagtäglich millionenfach gereicht.

 

 

Moka-Kocher in den 30er Jahren von Bialetti erstmals entworfen

Ein Anteil am Widerstand dürfte durchaus dem ikonischen Moka-Kocher von Alessi zuzuschreiben sein, der bis heute in nahezu jedem italienischen Haushalt vorzufinden ist. In den 1930ern von Alfonso Bialetti erfunden, einte der Moka-Kocher rasch Nord- und Süditalien in ihrer unterschiedlichen Zubereitungsweise des morgendlichen Nationalgetränks – und trat von dort aus seinen Siegeszug um die Welt an.

Es war das erste Produkt, das von Beginn seiner Erfindung an in die normaltypische Ausstattung eines italienischen Haushalts überging, und auch eines der ersten industriellen Erzeugnisse, das mit massiven Kommunikationsmaßnahmen in TV, Radio und Zeitung beworben wurde. Der Moka-Kocher avancierte zum archetypischen Produkt für „made in Italy“, das die perfekte Verkörperung von funktionaler Ausrichtung und ästhetischem Design vereint.

Hinzu kam die preisliche Erschwinglichkeit. Von Anfang an achtete Bialetti darauf, ein Produkt für das Volk zu entwickeln, das sich jeder leisten und auch jeder bedienen konnte. Heute entwickelt bereits der Anblick des Moka-Kochers ein vertrautes, familiäres Gefühl, das an Großmutters gute Stube ebenso erinnert wie an die erste Studentenbude nach dem Auszug aus dem heimatlichen Nest.

 

Alfonso Bialetti und Giovanni Alessi, Großvater des heutigen Alessi-Geschäftsführers Alberto Alessi - waren eng verbunden in ihrer Liebe für gutes italienisches Design. (Foto: Alessi Archive)

Alfonso Bialetti und Giovanni Alessi, Großvater des heutigen Alessi-Geschäftsführers Alberto Alessi – waren eng verbunden in ihrer Liebe für gutes italienisches Design. (Foto: Alessi Archive)

 

 

Namhafte Designer entwarfen Alessi Moka-Kocher seit 1979

Dennoch entschloss sich Alessi – seit vielen Jahren selbst der Inbegriff ästhetisch designter italienischer Haushaltsprodukte – den Moka-Kocher ins Jahr 2019 zu führen. Mit einer ganzen Reihe namhafter Designer hatte das Unternehmen in den vergangenen 40 Jahren gute Erfahrungen gemacht: Richard Sapper, Aldo Rossi, Michael Graves, Piero Lissoni, Alessandro Mendini und einige andere richtungsweisende Architekten entwarfen seit 1979 Espressokocher für Alessi. 2019 – also vier Jahrzehnte, nach dem der erste Industriedesigner Hand an ein Alessi-Produkt gelegt hatte – sollte sich erneut ein großer Name in die Aufzählung einreihen. Die Wahl fiel auf David Chipperfield.

In einem Interview zu seinem Re-Design befragt, sagt David Chipperfield, dass er nie das ikonische Aussehen des Moka-Kochers hätte verändern wollen. Zu sehr würde er mit seinen eigenen Erinnerungen daran hängen; dazu zählt auch das vertraute, knarzende Geräusch beim Auseinanderschrauben und das Rumpeln, wenn der Kaffee fertig sei.

„My idea was to do something that would intensify these memories; not to invent a coffee maker but to re-intensify the history of this object. […] I wanted to preserve its most important qualities: the material, the sound, the essential shape of its corners.“

 

 

Der Moka-Kocher von Alessi findet sich in nahezu jedem italienischen Haushalt wieder. David Chipperfield hat auch 2019 nur behutsame Veränderungen an dem ikonischen Design vorgenommen. (Foto: Alessi)

Der Moka-Kocher von Alessi findet sich in nahezu jedem italienischen Haushalt wieder. David Chipperfield hat auch 2019 nur behutsame Veränderungen an dem ikonischen Design vorgenommen. (Foto: Alessi)

 

 

Moka-Kocher-Design durch David Chipperfield: gesoftete Kanten, grauer Henkel

Die archetypische Geometrie des Moka-Kochers, die das Produkt für Chipperfield so ikonenhaft macht, hat der Designer verstärkt, indem er ihm 11 (statt bislang 8) Ecken verleiht. Gleichzeitig sind die ehemals harten Kanten des Kochers angenehm abgerundet. Die schlanke Taille ist geblieben; der breite Sockel dient einer gleichmäßigen Wärmeverteilung für einen intensiveren Kaffeegenuss.

Der softe Feinschliff, den Chipperfield dem Moka-Kocher verliehen hat, überzeugt mit einer erhöhten Funktionalität: so wurde der Henkel der Kanne in ein softes Grau getaucht, welches – metallisch schimmernd – einen Anklang an den Moka-Körper nimmt und ihm doch die völlige Aufmerksamkeit lässt. Außerdem steht dieser Griff nun weiter vom Kannenkörper ab, sodass die Gefahr verringert wird, sich daran die Finger zu verbrennen.

David Chipperfield betont, dass er in der Funktionalität des Produkts eher eine „Absichtserklärung“, einen purpose, statt einer Neugestaltung sehe. Die Absicht nämlich, nicht nur Kaffee damit zu machen, sondern sich auch am Akt des Kaffeekochens zu erfreuen. Sein Design möchte diesen Aspekt unterstreichen und gleichzeitig eine Hommage an den industriellen Archetypus des legendären Erfinders Alberto Alessi zollen.

 

 

Die 2019-Edition des Alessi Moka-Kochers von David Chipperfield sieht mehr Kanten in abgesofteter Form und einen überarbeiteten Henkel vor. (Foto: Alessi)

Die 2019-Edition des Alessi Moka-Kochers von David Chipperfield sieht mehr Kanten in abgesofteter Form und einen überarbeiteten Henkel vor. (Foto: Alessi)

 

 

Alessi feiert Re-Design mit Ausstellung „A new moka is blooming“

Alessi begrüßt das Re-Design des ikonischen Moka-Kochers mit einer Ausstellung und einem Film unter dem Motto „A new moka is blooming“. Das berühmte Produkt ist nach wie vor in seiner populären, funktionalen Aluminium-Hülle erhältlich und für Gasherde, Ceranfelder sowie Elektro-Kochfelder geeignet. Es kann für eine, drei oder sechs Tassen erworben werden und ist – wie einst von Bialetti beabsichtigt – über alle Maßen erschwinglich mit Preisen zwischen 28 und 42 Euro.

Chipperfield zollt mit seinem sanften und doch modernen Re-Design des Moka-Kochers von Alessi Tribut an eine legendäre Erfindung, die den Design-Leitsatz „form follows function“ für ein alltägliches Produkt bereits im vergangenen Jahrhundert perfekt umgesetzt hat. Lange, bevor amerikanische Kaffeeketten in das Business einstiegen – und lange, bevor sie wieder verschwunden sein werden. Es lebe das schwarze Lebenselixier Kaffee!

 

 

Unter dem Motto "A new moka is blooming" präsentiert Alessi das 2019 Chipperfield-Design auf der Mailänder Designmesse sowie in einer dazu beigesteuerten Ausstellung inkl. Film. (Foto: Alessi)

Unter dem Motto “A new moka is blooming” präsentiert Alessi das 2019 Chipperfield-Design auf der Mailänder Designmesse sowie in einer dazu beigesteuerten Ausstellung inkl. Film. (Foto: Alessi)

 

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Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.