Der Küchentisch: Eine Hommage

18.08.2016 | Frederik Dix
A photo by Padurariu Alexandru, blue table, blue wall

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum eine Kolumne über den Küchentisch überhaupt Not tut. Vielleicht aber auch, warum Sie diesem Möbelstück noch immer keine Beachtung geschenkt haben – dabei bildet er den zentralen Punkt Ihrer Küche. Man informiert sich eingehend über Küchenfronten, lässt die Hände über Arbeitsplatten streichen und vergleichen die Werte der neuesten technischen Küchengeräte online. Und wo? – Genau: Oftmals mit dem Laptop am Küchentisch. Aber selbst wird dem edlen Stück kaum Beachtung geschenkt.

 

Der Esstisch: Mittelpunkt in allen Lebenslagen

Freunde, Familien, WG-Mitbewohner: Am Esstisch in der Küche hat jeder Platz; hier finden erinnerungswürdige Momente und Gespräche statt. (Foto: stocksnap.io)

Freunde, Familien, WG-Mitbewohner: Am Esstisch in der Küche hat jeder Platz; hier finden erinnerungswürdige Momente und Gespräche statt. (Foto: stocksnap.io)

Dabei ist der Küchen- oder Esstisch fast schon ein magischer Ort, zu dem jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Hier kommt morgens und abends die Familie zusammen, hier wird gelacht, geweint und gestritten, Erziehungsmaßnahmen durchgesetzt, Diskussionen geführt, gute und schlechte Nachrichten verkündet, das Schreiben geübt, geschnippelt, gekocht, gegessen. Man wusste schon seit Kindertagen, dass ein gedeckter Küchentisch etwas Gutes bedeutet, oder konnte den Eltern eine Freude machen, in dem man selbst mal Hand anlegte (zum Muttertag, vielleicht). An Studientagen wurde er gelangweilt vollgekritzelt, in der WG bildet er heute noch den Treffpunkt aller Mitbewohner, und wenn es eben nachts um drei Uhr bei einem Bier ist.

 

Der Tisch dominiert den Küchenraum

 

Hingucker und Mittelpunkt des Küchenraums zugleich: Nicht die Couch - sondern der heimische Küchentisch. (Foto: bulthaup)

Hingucker und Mittelpunkt des Küchenraums zugleich: Nicht die Couch – sondern der heimische Küchentisch. (Foto: bulthaup)

Mit einem Küchentisch können Sie den Raum übrigens stärker dominieren, als Sie vielleicht zunächst vermuten. Die moderne Variante findet sich häufig im Tresen einer U-förmigen Küche oder der Arbeitsplatte einer Kücheninsel wieder, die mit Barhockern zum Esstisch für schnelle Mahlzeiten umfunktioniert werden. Daneben gibt es aber zum Glück noch die raumeinnehmende große Variante, die langgestreckt, abgerundet, mit Verbindungsstück zum Ausziehen, gemütlichen Holzbänken oder farblich passenden Stühlen doch immer im Fokus der Küche steht. Für den Look einer Küche ist es tatsächlich entscheidend, ob der Esstisch aus Holz, Edelstahl oder Naturstein besteht, ob seine dazugehörigen Stühle mit Leder bezogen oder kantig geschnitzt sind. In Beton gegossen setzt der Tisch ein minimalistisches Zeichen, aus Treibholz künstlerisch zusammengestellt und angemalt entwickelt er eine spielerische Leichtigkeit. Er kann s-kurvig, massiv, ausklappbar oder mit feinsten Ziselierungen veredelt entworfen werden. Beim Tisch ist eben auf kleinstem Raum auch möglich, was bei einer Küchenwand aufdringlich oder gar unschön wirken würde. Die Hauptsache ist jedoch, dass man sich wohlfühlt: Das Auge isst schließlich mit, und das gilt sowohl für die Tellerdekoration als auch den Untergrund darunter.

 

Ihre Lebenseinstellung? Lässt sich aus dem Tisch rauslesen

Man gibt eben immer auch ein gewisses Statement mit dem richtigen Küchentisch ab: Ist es wichtig, dass viele Freunde rundherum Platz finden? Ist der Tisch veredelt wie die übrigen Schränke und Fronten in der Küche? Muss er vor allem kratzfest sein, weil man Kinder hat? Oder darf er speziell bemalt werden, ist er selbst lackiert, stammt aus Omas wertvollem Nachlass oder ist ein grandioses Fundstück vom letzten Flohmarkt? Wird er einem Möbelhaus getreu mit Geschirr-Schutzauflagen abgekauft oder ergibt sich sein Design aus dem Zusammenspiel der Materialien? Auch hier gilt: Ob kunstvoll bei einem Schreiner als Maßanfertigung in Auftrag gegeben oder das Möbelstück einer Ausstellung, mit dem man sich sofort wohlfühlt – gemütlich muss es sein. Seinen Küchentisch wechselt man schließlich nicht alle Jahre, und wer weiß, was der Tisch für Geschichten zu erzählen hätte, wenn er denn nur könnte.

 

Feinster Nussbaum, aber unversiegelt oder vom Flohmarkt? Der Tisch darf aus dem Ruder laufen, wo es Küchenschränke nicht sollen. (Foto: unsplash)

Feinster Nussbaum, aber unversiegelt oder vom Flohmarkt? Der Tisch darf aus dem Ruder laufen, wo es Küchenschränke nicht sollen. (Foto: unsplash)

Der Kochtisch von Moritz Putzier

Manchmal lassen sich übrigens auf einem Tisch nicht nur Lebensmittel schneiden oder verzehren, sondern sogar direkt darauf zubereiten – so gesehen und geschehen beim Kochtisch von Moritz Putzier, einem Designstudenten, der für seine Abschlussarbeit an der Bremer University of Arts mal eben einen preisgekrönten originellen Küchentisch entworfen hat. Einen Küchentisch neu zu erfinden, der von Innenarchitekten wie Hobbyköchen gleichermaßen gefeiert wird, muss man im 21. Jahrhundert erstmal schaffen. Nun, jetzt wissen Sie, warum diese Kolumne Not tat. Und jetzt schauen Sie sich gleich nochmal bei unseren tollen Inspirationen und Ideen für Ihren Küchentisch um.

 

Der Klassiker unter den Küchentischen: Eiche Massivholz, robust und doch elegant. (Foto: Alvin Engler)

Der Klassiker unter den Küchentischen: Eiche Massivholz, robust und doch elegant. (Foto: Alvin Engler)

 

Unbehandelte Kiefer? Okay. Wild, rau und natürlich. (Foto: Brooke Lark)

Unbehandelte Kiefer? Okay. Wild, rau und natürlich. (Foto: Brooke Lark)

 

Theke statt Tisch: Am Tresen der eigenen Kücheninsel lässt es sich auch rasch und elegant speisen. (Foto: Valcucine, Forma Mentis)

Theke statt Tisch: Am Tresen der eigenen Kücheninsel lässt es sich auch rasch und elegant speisen. (Foto: Valcucine, Forma Mentis)

 

So weiß wie Schnee, so schwarz wie Ebenholz: Auch dunkle (Holz-)Tische haben Stil und Eleganz. (Foto: Luis Llerena)

So weiß wie Schnee, so schwarz wie Ebenholz: Auch dunkle (Holz-)Tische haben Stil und Eleganz. (Foto: Luis Llerena)

 

Bunter Esstisch, bunte Stühle, zusammengewürfelt und vom Flohmarkt - aber glücklich und voller Geschichten. (Foto: stocksnap)

Bunter Esstisch, bunte Stühle, zusammengewürfelt und vom Flohmarkt – aber glücklich und voller Geschichten. (Foto: stocksnap)

 

Auch sehr beliebt in modern-wohnlichen Kücheneinrichtungen: Robustes Teakholz, geschliffen und lasiert. (Foto: Craig Garner)

Auch sehr beliebt in modern-wohnlichen Kücheneinrichtungen: Robustes Teakholz, geschliffen und lasiert. (Foto: Craig Garner)

 

Ein robuster Küchenblock, ein umso zarterer Küchentisch: Die Farbe des Holzes spiegelt sich wieder, die feine Struktur des Tischs gleicht den Küchenraum aus. (Foto: SieMatic)

Ein robuster Küchenblock, ein umso zarterer Küchentisch: Die Farbe des Holzes spiegelt sich wieder, die feine Struktur des Tischs gleicht den Küchenraum aus. (Foto: SieMatic)

 

Gleiches Prinzip bei Leicht: Die Küchentisch-Platte spiegelt die Farbe der Küchenfronten wider, nimmt sich aber ansonsten mit einer robusten Holzfläche auf grazil designten Edelstahlfüßen zurück - und ist doch im Mittelpunkt des Geschehens. (Foto: Leicht)

Gleiches Prinzip bei Leicht: Die Küchentisch-Platte spiegelt die Farbe der Küchenfronten wider, nimmt sich aber ansonsten mit einer robusten Holzfläche auf grazil designten Edelstahlfüßen zurück – und ist doch im Mittelpunkt des Geschehens. (Foto: Leicht)

 

Beim Arbeiten, Kochen, Essen der Mittelpunkt des Küchenraums - für Sie, für Ihn, für die ganze Familie. Das hier verwendete Lärchenholz ist übrigens besonders robust und eignet sich auch ideal für massive Holzarbeiten im Außenbereich. (Foto: Crew)

Beim Arbeiten, Kochen, Essen der Mittelpunkt des Küchenraums – für Sie, für Ihn, für die ganze Familie. Das hier verwendete Lärchenholz ist übrigens besonders robust und eignet sich auch ideal für massive Holzarbeiten im Außenbereich. (Foto: Crew)

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.