Der Plantcube: Frühling an 365 Tagen im Jahr

11.12.2018 | Susanne Maerzke
Der Plantcube erobert vom Münchner Start-Up-Boden aus die Welt. Der hochwertige Kräutergarten für die eigene Küche wird stark von Luxusküchenherstellern und Elektrogeräte-Produzenten angefragt. (Foto: agrilution)

Mit dem Plantcube stellt das Münchner Start-Up agrilution einen Gewächsschrank vor, in dem in der heimischen Küche bis zu 24 verschiedene Kräuter und Gemüsesorten gezüchtet werden können. Das Gerät bedient sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Vertical Farming und kann in nur drei Schritten vom Anwender bedient werden. Wie funktioniert der Prozess von Saatgut bis Salat?

 

 

Stellen Sie sich den perfekten Frühlingstag vor. Ein erfrischender Kurzregen, der die Erde duften lässt, milder Sonnenschein, der trocknet und wärmt, ein minimaler Windhauch, der über die Gräser streift. Nicht nur wir Menschen würden diesen Tag genießen – auch für die Pflanzenwelt um uns herum stellen diese Konditionen die idealen klimatischen Bedingungen für Wachstum und Reife dar.

365 Tage im Jahr Frühling für die Pflanzenwelt: das verspricht der Plantcube des Start-Ups agrilution aus München, der auf nur einem Kubikmeter Größe die optimalen Anbaubedingungen des „Vertical Farming“ imitiert und künftig Babysalate, Kräuter und Microgreens in Privathaushalten züchten soll. Bereits 24 Sorten von Pak Choi bis Thai Basilikum stehen dem Anwender zur Verfügung; damit wird der Eigenanbau von frischem Grünzeug einfach wie nie zuvor. Wie kann das ohne Labor funktionieren?

 

 

Frische Salate, Kräuter und Microgreens in der eigenen Küche züchten? Mit dem Plantcube ist das ab sofort möglich. Entworfen hat ihn das Münchner Start-Up agrilution. (Foto: agrilution)

Frische Salate, Kräuter und Microgreens in der eigenen Küche züchten? Mit dem Plantcube ist das ab sofort möglich. Entworfen hat ihn das Münchner Start-Up agrilution. (Foto: agrilution)

 

 

Was ist Vertical Farming und was hat der Plantcube damit zu tun?

Vertical Farming“ ist ein Begriff aus der Zukunftstechnologie – und doch nicht wirklich neu. Bereits in den 1960er Jahren experimentierten Forscher mit mehrstöckigen Gebäuden, auf denen übereinander gelagert Früchte, Getreide und Gemüsesorten ganzjährig erzeugt und gelagert wurden.

Mit der „urbanen Landwirtschaft“, die heute intensiver denn je untersucht wird, sollen gleich mehrere Probleme des 21. Jahrhunderts gelöst oder vermieden werden. So versucht man eine zusätzliche Form der Lebensmittelproduktion für die steigende Zahl an Menschen auf der Erde zu finden, um die Ernährung des Einzelnen zu gewährleisten. Zudem kann der Klimawandel und die verheerenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft, darunter Missernten und Dürren, zwar nicht verhindert, wohl aber umgangen werden in einem geschlossenen Laborkreislauf. Auch die Pestizidverseuchung der traditionellen Landwirtschaft, die infolge von immer resistenteren Bakterien und Schädlingen ansteigt, spielt aktuell noch keine Rolle im Vertical Farming.

Vertical Farming garantiert den Schutz vor wetterbedingten Ernteausfällen, vermindert den Biozid- und Düngereinsatz erheblich und kann zum gesteigerten Bedarf an Lebensmitteln durch vertikalen, ressourcenschonenden Anbau beisteuern.

Die guten Ansätze dieser Methode treffen auf den heutigen Zeitgeist. Immer mehr Menschen ernähren sich rein pflanzlich oder sind interessiert an der Herkunft ihrer Lebensmittel. Die Nachfrage nach regionalen, unbehandelten Produkten steigt. Doch wie lässt sich ein wissenschaftlich angelegtes Großprojekt im Kleinformat zuhause realisieren? Die Antwort liefert der Plantcube: mithilfe von Saatmatten, einer sensorbasierten Klimakontrolle und einer App, die stets alle Wachstumsprozesse im Blick behält.

 

 

Stichwort Vertical Farming: um unabhängig von der horizontalen Flächennutzung in der Landwirtschaft zu werden und auch auf Großstadtboden Lebensmittel ernten zu können, wird schon lange an verschiedenen Methoden geforscht. agrilution (hier in ihrem Labor im Münchner Norden) hat nun mit dem Plantcube die kleine Version für zuhause entwickelt. (agrilution)

Stichwort Vertical Farming: um unabhängig von der horizontalen Flächennutzung in der Landwirtschaft zu werden und auch auf Großstadtboden Lebensmittel ernten zu können, wird schon lange an verschiedenen Methoden geforscht. agrilution (hier in ihrem Labor im Münchner Norden) hat nun mit dem Plantcube die kleine Version für zuhause entwickelt. (agrilution)

 

 

Die Idee hinter dem Plantcube: Säen und Ernten in den eigenen 4 Wänden

Bereits 2013 gründeten die beiden Freunde Max und Philipp das Unternehmen agrilution, dessen Ausrichtung im Namen ganz klar das Ziel des Start-Ups trägt: „agriculture“ und „solution“, also eine landwirtschaftlich orientierte Lösung für urbane Räumlichkeiten zu finden. Vereinfacht gesagt: Vertical Farming sollte nicht länger ein Begriff aus der Zukunftsforschung bleiben, sondern für jeden Anwender daheim eine greifbare Möglichkeit darstellen, frisches Gemüse zu züchten und eigenständig zu ernten.

Die Vision zum Plantcube war geboren. Schnell wurde jedoch klar, dass das Gerät so eigenständig wie möglich arbeiten musste, um Anwenderfehlern in Form von vorzeitigem Ernten oder Übergießen, sowie äußeren Einflüssen wie Licht- und Temperaturschwankungen zu entgehen. Bei der Entwicklung des Plantcube gingen die beiden Gründer und ihr Team daher mit einer smarten Kombination aus althergebrachter Landwirtschaftsmethodik und moderner Technologie vor.

 

 

Maximilian Lössl, einer der beiden Gründer des Start-Ups agrilution, stellt die Idee des Plantcube vor: ein Gewächshaus für Kräuter und Salate, das bequem über eine App gesteuert werden und zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden kann. (Foto: agrilution)

Maximilian Lössl, einer der beiden Gründer des Start-Ups agrilution, stellt die Idee des Plantcube vor: ein Gewächshaus für Kräuter und Salate, das bequem über eine App gesteuert werden und zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden kann. (Foto: agrilution)

 

 

Die Technik des Plantcube: hypodronisches Bewässerungssystem und LED-Licht von OSRAM

Der Plantcube nutzt das Prinzip des hypodronischen Anbaus. Dieses System, das sich bereits bei den althergebrachten chinesischen Reisterrassen vor mehr als 1.000 Jahren als wirksam erwiesen hat, basiert auf einem geschlossenen Wasserkreislauf, der die Pflanzen bis zu 12 Mal am Tag mit Flüssigkeiten und Nährstoffen versorgt und das Wasser anschließend wieder einem dafür vorgesehenen Becken zuführt. Diese Vorgehensweise ist wesentlich sauberer als die Aufzucht in der Erde und sorgt für eine ressourcenschonende Wasserverwendung.

Um die ideale Ausleuchtung des Plantcube zu verwirklichen, arbeitete agrilution mit dem Großpartner und Investor OSRAM zusammen. Das „LED Plant Light“ setzt sich aus dem für Pflanzen blauen und roten Spektrum zusammen und erscheint daher für das menschliche Auge violett. Es sondert die optimale Dosis an Licht ab, die Pflanzen für eine vollständige und zügige Photosynthese benötigen.

Neben Bewässerung und Licht spielt das Klima als 3. Komponente eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Pflanzen. Der Plantcube setzt daher auf hochentwickelte Sensoren, die die exakte Temperatur im Kubus halten und alle Informationen während der ein- bis vierwöchigen Wachstumsphasen an eine App senden. Für den Anwender bedeutet das: solange „Frühling“ herrscht, ist alles in Ordnung.

 

 

Der Plantcube arbeitet mit einem in sich geschlossenen Wasserkreislauf sowie einem violett leuchtenden "LED Plant Light", das exklusiv in der Zusammenarbeit mit OSRAM entwickelt wurde und für eine zügige, vollständige Photosynthese sorgen soll. (Foto: agrilution)

Der Plantcube arbeitet mit einem in sich geschlossenen Wasserkreislauf sowie einem violett leuchtenden “LED Plant Light”, das exklusiv in der Zusammenarbeit mit OSRAM entwickelt wurde und für eine zügige, vollständige Photosynthese sorgen soll. (Foto: agrilution)

 

 

Die Vorgehensweise beim Plantcube: Säen, Warten, Ernten – und Genießen

Was kann der Nutzer sich nun also an frischen Kräutern und Lebensmitteln mithilfe des Plantcube ziehen? So durchdacht das System aus technologischer Sicht entwickelt wurde, so denkbar einfach ist es für den Anwender zuhause. In nur drei Schritten landet frisches Gemüse auf dem heimischen Teller: zunächst werden Saatmatten, die bequem online aus einer Vielzahl von 24 Sorten gewählt werden können, als Substrat in die dafür vorgesehenen Schubladen gelegt. Bis zu vier Matten, die aus upgecycelten Stoffresten bestehen, finden in den beiden Ebenen des Glas-Stahl-Kubus Platz.

Auf der Website des Start-Up agrilution kann der Kunde nun aus einer ansehnlichen und im Wachsen begriffenen Auswahl an Babysalaten, Kräutern und Microgreens wählen. Neben heimischen Sorten wie Blatt- und Romanasalat, Grünkohl, Petersilie, Schnittlauch und Dill finden sich auch so exotische Pflänzchen wie Thai Basilikum, Shiso und Wasabina Blattsenf.

Im Inneren der Saatmatten ist dieses Saatgut bereits optimal positioniert. Nun heißt es warten. Die App als ständiger Begleiter der Grünlinge informiert den Benutzer, wie lange das Ankeimen sowie die Wachstumsphase dauert, wann die Frühernte erfolgen kann und wann es tatsächlich Zeit ist, mit der Haupternte loszulegen. Der dritte Schritt bringt bereits den Spaß des Genießens: die frischen Pflanzen und Kräuter können als Salate, zur Verfeinerung von Suppen und Speisen, als Bowls, Smoothies oder gar als Tee aufgekocht und verwendet werden.

 

 

Eine App, die mit dem Plantcube gekoppelt ist, überwacht alle wichtigen biochemischen Prozesse, darunter die optimale Temperatur und Bewässerung. Der Nutzer kann hier einsehen, wie es um seine Pflanzen steht und wie lange es bis zur Ernte dauert. (Foto: agrilution)

Eine App, die mit dem Plantcube gekoppelt ist, überwacht alle wichtigen biochemischen Prozesse, darunter die optimale Temperatur und Bewässerung. Der Nutzer kann hier einsehen, wie es um seine Pflanzen steht und wie lange es bis zur Ernte dauert. (Foto: agrilution)

 

 

Vorteile des Plantcube: Nährstofffülle, Frische, Regionalität

Die Vorteile des Plantcube liegen nicht nur für Vegetarier auf der Hand: neben der ständigen Verfügbarkeit und der Frische der angebauten Lebensmittel reizt der Gedanke an vollmundige Aromen und eine nie dagewesene Nährstofffülle. Überdies liefert der „Smart Garden“ wertvolle Vitamine, Ballaststoffe und Antioxidantien, die im Lebensmittel bis zur Verwendung erhalten bleiben, während auf Pestizide in den heimischen vier Wänden selbstverständlich verzichtet wird.

Angesprochen werden sollen mit dem Plantcube gesundheits- und ernährungsbewusste Menschen, die gern kochen und dabei auf frische Kräuter sowie eigenes Gemüse auch in einer urbanen Stadtwohnung zurückgreifen wollen. Zudem ist der hochtechnologische Plantcube auch äußerlich puristisch und hochwertig gestaltet: Designliebhaber werden ihn gern in ihre Küche integrieren wollen.

 

 

Frische Salate, Smoothies, Bowls und vieles mehr: der "Smart Garden" in den eigenen vier Wänden bringt Frische und - noch viel wichtiger - Gesundes auf den Tisch, da diese Lebensmittel nicht vorbehandelt oder bakterienbelastet sind. (Foto: agrilution)

Frische Salate, Smoothies, Bowls und vieles mehr: der “Smart Garden” in den eigenen vier Wänden bringt Frische und – noch viel wichtiger – Gesundes auf den Tisch, da diese Lebensmittel nicht vorbehandelt oder bakterienbelastet sind. (Foto: agrilution)

 

 

Das Design des Plantcube: Glas, Stahl, Aluminium

Mit dem Plantcube werden alle Pflanzen „ins rechte Licht gerückt“, wie es scherzhaft auf der Seite des Start-Ups agrilution heißt. Das trifft sogar wortwörtlich zu: der 1 m³ große Kubus des Plantcube ist in stringenten Linien und mit einer klaren Ästhetik designt. Die Hülle besteht aus pulverbeschichtetem, widerstandsfähigem Metall und ist mit einem Türrahmen aus extrudiertem und eloxiertem Aluminium bestückt.

Die Front aus rückseitig emailliertem Glas gibt dem Hobbygärtner die Chance, den Pflanzen sprichwörtlich beim Wachsen zuzusehen. Um die eigene Saat in der Wachstumsphase unterscheiden zu können, hat agrilution ein Tag-System entwickelt: Lila steht für Microgreens wie Radieschen und Karotten, Grün für Kräuter und Grau für die Baby-Salate.

Der grifflose Plantcube fügt sich optisch hochwertig in bestehende Küchensysteme ein und kann als integriertes Einbaugerät sowie als freistehender Pflanzenkubus genutzt werden. Ein elegantes Designelement mit funktionalem Nutzen, das uns eine kleine Lösung gegen große globale Ernährungsprobleme verschafft: mit dem Plantcube ist ab jetzt jeder Tag ein guter (Frühlings-)tag.

 

 

Der Plantcube wird in äußerst puristischem Design mit hochwertigen Materialien produziert. Eloxiertes Aluminium und pulverbeschichteter Stahl treffen auf emailliertes Glas. Der Plantcube kann sich somit auch als solitäres Gerät in einer modernen Küche behaupten. (Foto: agrilution)

Der Plantcube wird in äußerst puristischem Design mit hochwertigen Materialien produziert. Eloxiertes Aluminium und pulverbeschichteter Stahl treffen auf emailliertes Glas. Der Plantcube kann sich somit auch als solitäres Gerät in einer modernen Küche behaupten. (Foto: agrilution)

 

 

Wo kann ich den Plantcube kaufen?

Der Plantcube kann seit wenigen Wochen im Poggenpohl Exklusivstudio in München besichtigt und getestet werden. Das Gerät ist jedoch nicht markengebunden – zahlreiche andere deutsche Küchen- und Gerätehersteller haben bereits beim Münchner Start-Up Interesse signalisiert. Die Bestellung des Geräts sowie der Saatmatten erfolgt derzeit noch exklusiv über die firmeneigene Website, wo auch ein kostenloser Beratungs- und Besichtigungstermin vereinbart werden kann. Es bleibt abzuwarten, wie das technisch versierte, allerdings mit rund 3.000 Euro auch entsprechend preisintensive Gerät beim Endverbraucher aufgenommen wird. Die Saatmatten mit drei bis sieben Euro je Matte lohnen sich vor allem für mehrfach genutzte Kräuter und frisches Gemüse.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass der Plantcube Eingang in neue Küchenräume finden und durchaus zu den Küchentrends 2019 zu zählen sein wird.

 

Zum Autor
Susanne Maerzke
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.