Edelstahl trifft Fachwerkbau: moderne Küche in altem Stadthaus

18.04.2019 | Susanne Maerzke
Eine puristische, grifflose Edelstal-Küche baute Marcel Hufnagl von Dross Ingolstadt in ein altes Fachwerkhaus des Stadtmuseums Ingolstadt ein. (Foto: Dross Ingolstadt)

Einer besonderen Herausforderung sah sich Marcel Hufnagl vom Studio Dross Ingolstadt gegenüber: ein Wohnabschnitt in einem historischen Haus Ingolstadts sollte mit einer modernen Edelstahlküche ausgestattet werden – trotz räumlicher Gegebenheiten, die das Kochen mit Wasser und Strom auf den ersten Blick unmöglich machten.

 

 

Herausforderungen sind Chancen, Unmögliches wahr werden zu lassen. Mit einer besonders anspruchsvollen Aufgabe dieser Art sah sich Marcel Hufnagl vom Studio Dross Ingolstadt konfrontiert, als er den Auftrag erhielt, in einem denkmalgeschützten Stadthaus von Ingolstadt einen puristischen Küchenbau einzuplanen – trotz fehlender Heißwasseranschlüsse, einem sehr schmalen Treppenhaus und einem unebenen Küchenboden.

 

 

Die Ausgangssituation: sanierter Raum in historischer Museumsstätte

Das Stadthaus von Marieluise Fleißer in Ingolstadt ist in einem historischen Backsteinbau untergebracht, dessen Grundsteinlegung im Stadtmodell von 1573 geschichtlich dokumentiert ist. Entsprechend alt ist die Bausubstanz des Hauses, die 2018/19 behutsam renoviert wurde. Im Zuge der Fassadenerneuerung wurden im oberen Teil des Hauses, das die ehemalige Schmiede der Fleißers als Dokumentationszentrum beherbergt, frisch sanierte Wohnräume geschaffen.

Marieluise Fleißer war eine dem Ingolstädter Leben eng verbundene Schriftstellerin, die in dieser Stadt mehr als 60 Jahre ihres Lebens verbracht hat. Eine Ausstellung ihr zu Ehren erinnert an die berühmte Tochter der Stadt, deren Geburtshaus in eben diesem Haus im Zentrum von Ingolstadt liegt. Eine entsprechende Ehre ist es nicht nur, die erneuerten Wohnquartiere beziehen zu können – konsequent alt und ehrwürdig ist auch die Bausubstanz, die das Küchenstudio Dross Ingolstadt in die Dokumentation und Planung der neuen Küche einer dreiköpfigen Familie miteinbeziehen musste.

 

 

Das sogenannte "Fleißerhaus" im Stadtmuseum Ingolstadt beherbergt im oberen Abschnitt auch Wohnungen, die nun modern saniert wurden. Anspruch der Kunden war es, einen wertigen Küchenraum in die alte Bausubstanz zu integrieren. (Foto: Dross Ingolstadt)

Das sogenannte “Fleißerhaus” im Stadtmuseum Ingolstadt beherbergt im oberen Abschnitt auch Wohnungen, die nun modern saniert wurden. Anspruch der Kunden war es, einen wertigen Küchenraum in die alte Bausubstanz zu integrieren. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Dunkler Raum, helle Ausstattung: Mattlack Satin und Edelstahl in der Küche

Der geduckte, langgezogene Küchenraum imponiert mit einem freigelegten Holzgebälk im Fachwerkstil, das zum Teil noch vom Originalbau aus dem 16. Jahrhundert erhalten werden konnte. Dort, wo die Holzbalken im Zuge der Sanierung erneuert werden musste, sind bewusst helle Hölzer in die Architektur eingefügt worden, um den Kontrast zur alten Konstruktion zu verdeutlichen. Da der Raum durch die niedrige Decke und die – für frühere Zeiten typischen – kleinen Fenster etwas dunkler ausfällt, haben sich Bauherren und Küchenplaner Marcel Hufnagl für einen hellen Farbton in der Küche entschieden.

Die präsente, raumeinnehmende Kücheninsel sowie der seitlich zurückhaltend integrierte Hochschrank sind in einem sanften Weißgrau in Mattlack Satin gehalten. Die 3,02 m lange und 1,25 m tiefe Insel der Marke Häcker ist exakt mittig angeordnet im 90°-Winkel zur länglichen Raumstruktur und unterteilt diese somit spielerisch in Wohn- und Essbereich. Vom Kochblock aus blickt man in Richtung einer einladenden Sitzbank, die ebenso wie der Esstisch in einem warmen Holz verkleidet wurden.

 

 

Die Kücheninsel teilt den länglichen Raum genau in zwei Hälften. Vom Kochblock aus blickt man auf den hellen Essbereich, während sich dahinter ein stilvoll eingerichteter Wohnraum anschließt. (Foto: Dross Ingolstadt)

Die Kücheninsel teilt den länglichen Raum genau in zwei Hälften. Vom Kochblock aus blickt man auf den hellen Essbereich, während sich dahinter ein stilvoll eingerichteter Wohnraum anschließt. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Dominierendes Material: warm gewalzter Edelstahl für Arbeitsplatte und Wangen

Um der alten Architektur des Hauses die große Bühne zu überlassen, wurde die Kücheninsel trotz ihrer präsenten Anordnung enorm puristisch, kühl und glatt gestaltet. Die sanften Mattlackfronten sind grifflos gehalten und werden von blanken Edelstahl-Einschubleisten strukturiert. Der hochwertige Edelstahl findet sich auch flächendeckend als großzügige Arbeitsplatte wieder, die einen besonders starken, minimalistischen Gegensatz zur alten Holzdecke bietet.

Die warm gewalzte, extrem widerstandsfähige Edelstahl-Oberfläche wurde in hauchdünner 4-Millimeter-Ausführung gestaltet und läuft an den Wangen fast bis zum Boden aus. Ein minimaler Spalt am Boden vermittelt einen leicht schwebenden Eindruck des robusten und unempfindlichen Küchenblocks. Dahinter verbergen sich Schrankfüße, die die Unebenheiten des Bodens ausgleichen müssen: ganze 3 Zentimeter fällt der Boden des hübschen Eichenholzparketts im Raumverlauf bis zum Esstisch hin ab. Ein anspruchsvoller Aspekt in der Küchenplanung.

 

 

Das dominierende Material ist warm gewalzter Edelstahl, der für Arbeitsplatte, Wangen und Spülbecken verwendet wird. Er bildet einen modernen, kühlen Kontrast zum alten Fachwerkhaus. (Foto: Dross Ingolstadt)

Das dominierende Material ist warm gewalzter Edelstahl, der für Arbeitsplatte, Wangen und Spülbecken verwendet wird. Er bildet einen modernen, kühlen Kontrast zum alten Fachwerkhaus. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Herausforderung in altem Fachwerkbau: Anschlüsse für Strom und Wasser

Eine Herausforderung für Marcel Hufnagl von Dross Ingolstadt waren ebenso die Strom- und Wasseranschlüsse des alten Fachwerkhauses. Die benötigten Leitungen lagen in der Wand unter dem Treppenabsatz und mussten fachgerecht – und optisch ästhetisch – mit der Insel verbunden werden. Das Planerteam von Dross Ingolstadt hat daraufhin in Absprache mit den Kunden ein hochwertiges Sideboard aus Spachtelbeton graphit konzipiert, durch dessen hohles Fach die Leitungen für Zu- und Abwasser sowie Strom gelegt werden können. Zeitgleich dient die Bank auch als Ablage, Sitzplatz und Stauraum für Haushaltsutensilien, die in den Schubladen darunter gelagert werden können.

Das Sideboard zieht sich bis in den Wohnbereich des Raumes hinter und harmoniert mit den Edelstahl-Oberflächen für einen gewollten, industriellen Küchenstil. Auf dem Sideboard aufliegend wurde der gekürzte Hochschrank platziert, in dessen Innerem ein vollintegrierter Kühlschrank und ein Dampfbackofen von Miele Platz finden. An der ungenutzten Längsseite des Hochschranks sind Schalter zur Steuerung befestigt, die an der Wand nicht hätten angebohrt werden dürfen.

 

 

Um Zu- und Abwasser sowie Stromanschlüsse in das denkmalgeschützte Gebäude zu legen, griff Küchenplaner Hufnagl auf ein wandgebundenes Sideboard in Spachtelbeton zurück, unter dem die Anschlüsse bis zu Insel und Hochschrank gelangen. (Foto: Dross Ingolstadt)

Um Zu- und Abwasser sowie Stromanschlüsse in das denkmalgeschützte Gebäude zu legen, griff Küchenplaner Hufnagl auf ein wandgebundenes Sideboard in Spachtelbeton zurück, unter dem die Anschlüsse bis zu Insel und Hochschrank gelangen. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Moderne Geräte mit versteckten Steckdosen in Edelstahl-Wangen

Ebenso wusste sich das Studio Dross Ingolstadt mit den Steckdosen für die Kücheninsel zu behelfen, die in der seitlichen Edelstahl-Wange über dem Sideboard verbaut wurden und somit auch etwas versteckt sind. Das Heißwasser-Problem wurde auf andere Art gelöst: weil ein Durchlauferhitzer in diesen historischen Wänden als störend empfunden worden wäre, kam ein Quooker in schlanker Edelstahl-Ausführung als Armatur zum Einsatz, aus der auf Knopfdruck warmes und kaltes sowie kochend heißes Wasser strömt. Ein flächenbündig integriertes Induktionskochfeld mit Teppan Yaki und Kochfeldabzug, das BORA Professional 2.0, rundet die minimalistische Edelstahloberfläche des Koch- und Arbeitsbereiches ab.

 

 

Smarte Lösungen für ein störungsfreies Kochen wurden mit dem Quooker für Kochend-Wasser sowie dem BORA Professional 2.0 gefunden. (Foto: Dross Ingolstadt)

Smarte Lösungen für ein störungsfreies Kochen wurden mit dem Quooker für Kochend-Wasser sowie dem BORA Professional 2.0 gefunden. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Wohnliche Ausgestaltung des Raums durch Holz und Licht

Die warme, wohnliche Seite des Küchenraums wird zum einen über Holz transportiert, welches sich neben Parkett und Essecke auch in einem historischen Küchenbuffet wiederfindet, das aus dem Besitz der Kunden stammt und sich parallel gegenüber des neuwertigen Hochschranks als charmante Reminiszenz an die Geschichte des Hauses einfügt. Kirschrote Accessoires sind ein effektvoller Hingucker zwischen Edelstahl, Betonspachtel und Holz. Auf der Kücheninsel wirken hierfür die metallisch rot glänzende Küchenmaschine mit passendem Toaster der Marke KitchenAid sowie die dekorativ um einen Stahlbalken geschlungenen Pendelleuchten mit weißen Glühlampen und einer roten Fassung. Das Licht von Creative-Cable sorgen für eine ideale Ausleuchtung des Arbeitsbereichs, der am dunkelsten Spot des Zimmers liegt.

Übrigens: so harmonisch in sich ruhend der moderne Küchenraum nun mit der historischen Umgebung verschmilzt, so schwierig gestaltete sich das alte Haus beim Kücheneinbau. Die individuell gefertigte Edelstahl-Platte war zu groß für den modernen Aufzuganbau des Hinterhauses; der Flur des alten Stadthauses wiederum mit besonders kleinen Fenstern ausgestattet, die eine Behelfsoption mit Kran für Marcel Hufnagl von Dross Ingolstadt unmöglich machten. Stattdessen mussten sechs Mann aus dem Handwerkerteam dafür sorgen, dass die massive und damit extrem schwere Edelstahlplatte an ihren Platz gelangt. Unmögliches wurde für dieses Loft wahr gemacht – und die Familie kann das Kochen auf bedeutendem Ingolstädter Boden genießen.

 

 

Wohnliche Elemente im puristischen Küchenraum finden sich neben dem hellen Holzparkett in kirschroten Accessoires, wie z.B. die Pendelleuchten und Küchengeräte von KitchenAid. (Foto: Dross Ingolstadt)

Wohnliche Elemente im puristischen Küchenraum finden sich neben dem hellen Holzparkett in kirschroten Accessoires, wie z.B. die Pendelleuchten und Küchengeräte von KitchenAid. (Foto: Dross Ingolstadt)

 

 

Interessieren auch Sie sich für eine raumumfassende Küchenplanung des Studios Dross Ingolstadt? Hier gelangen Sie zum Kurzüberblick für das Studio. An dieser Stelle geht es direkt weiter zur Homepage der Ingolstädter.

 

Zum Autor
Susanne Maerzke
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.