Electrolux: “Better Living Program” mit 100 Maßnahmen für die Zukunft

07.11.2019 | Dilara Suzuka
Nachhaltigkeit geht uns alle etwas an. Zum 100-jährigen Jubiläum beschließt Electrolux mit dem "Better Living Program" 100 Maßnahmen für eine umweltfreundlichere Firmenpolitik. (Foto: Electrolux)

100 Jahre, 100 Maßnahmen: der schwedische Elektrogerätehersteller Electrolux feiert ein stolzes Jubiläum und stellt mit dem „Better Living Program“ eine Großoffensive für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Zuhause auf die Beine. Bis 2030 sollen zahlreiche ambitionierte Projekte umgesetzt werden.

 

Wer heute 100 Jahre alt wird, hat ein stolzes Alter erreicht. Doch wie sehen die nächsten 100 Jahre in einer Welt aus, in der der Klimawandel zur konstanten Bedrohung unserer Umwelt geworden ist? Wo fängt Klimaschutz an – und welche Verantwortung tragen große Firmen für die Handlungsweise eines jeden Einzelnen?

Der schwedische Hausgerätehersteller Electrolux stellt sich nicht (nur) diesen Fragen, sondern beantwortet sie sogleich: das Unternehmen hat anlässlich seines 100-jährigen Bestehens eine groß angelegte Kampagne ins Leben gerufen, die als 11-jähriger Aktionsplan mit über 100 Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in der eigenen Produktion wie auch im Alltag seiner Kunden angelegt ist. Das „Better Living Program“ erstreckt sich auf die Bereiche Essen, Kleidung, Raumluft und ein klimaneutrales Geschäftsmodell. Electrolux, nach eigenen Angaben „Öko-Pionier der Branche“, möchte so mit gutem Beispiel vorangehen und zeitgleich seinen Kunden einen nachhaltigeren Lebensstil erleichtern.

 

 

Die Küche von heute übernimmt Verantwortung für die Zukunft von morgen: zu seinem 100-jährigen Bestehen setzt Electrolux mit dem "Better Living Program" 100 nachhaltige Maßnahmen auf, die das Leben in Küche und Wohnraum deutlich umweltfreundlicher werden lassen sollen. (Foto: Electrolux)

Die Küche von heute übernimmt Verantwortung für die Zukunft von morgen: zu seinem 100-jährigen Bestehen setzt Electrolux mit dem “Better Living Program” 100 nachhaltige Maßnahmen auf, die das Leben in Küche und Wohnraum deutlich umweltfreundlicher werden lassen sollen. (Foto: Electrolux)

 

 

Better Living Program“: Konkrete Zahlen von Electrolux für die Zukunft

Viele Themen drehen sich dieser Tage um Nachhaltigkeit, doch nur wenige Menschen, Parteien oder Unternehmen werden konkret. Klimaziele werden abgemildert, Erwartungen gedämpft. Selten werden handfeste Zahlen genannt, an denen man Ergebnisse messen könnte – und wenn, dann werden diese oft genug schulterzuckend unterlaufen. Bitter, denn: das Weltklima kann nicht mehr warten, bis sich alle Staaten auf eine einheitliche Klimapolitik geeinigt haben. Aus diesem Grund wird nun die Wirtschaft aktiv. Erste Unternehmen, auch aus der Küchenbranche, regulieren sich selbst und setzen sich konkrete Ziele.

Electrolux kommuniziert die Zahlen seines „Better Living Programs“ sehr klar. Bis 2030, also innerhalb der nächsten 11 Jahre, sollen mindestens 100 Maßnahmen getroffen werden, die auf vier Hauptziele hinsteuern: 1) „Besser essen“, 2) „Bessere Textilpflege“, 3) „Besser leben“ und 4) eine zirkuläre, klimaneutrale Produktion im eigenen Haus. Dafür nimmt das Unternehmen satte 100 Millionen Schwedische Kronen in die Hand, das entspricht in etwa 9,4 Millionen Euro.

Mit dem Geld der „Electrolux Food Foundation“ sollen nicht nur interne Maßnahmen getroffen, sondern vor allem auch Mitarbeiter- und Partnerinitiativen unterstützt sowie Weiterbildungen und Schulungsprogramme für bedürftige Menschen realisiert werden.

 

 

Wie möchten wir zukünftig leben - und wieviel Verantwortung kann ein Unternehmen dabei tragen? Electrolux setzt konkrete Maßnahmen auf. Bis 2030 sollen ehrgeizige Ziele für mehr Nachhaltigkeit bei Essen, Wohnen, Wäsche und Produktion getroffen werden. (Foto: Electrolux)

Wie möchten wir zukünftig leben – und wieviel Verantwortung kann ein Unternehmen dabei tragen? Electrolux setzt konkrete Maßnahmen auf. Bis 2030 sollen ehrgeizige Ziele für mehr Nachhaltigkeit bei Essen, Wohnen, Wäsche und Produktion getroffen werden. (Foto: Electrolux)

 

 

Die Schwerpunkte des „Better Living Program“ von Electrolux: 100 Maßnahmen, 4 Bereiche

Die vier Grundpfeiler des „Better Living Program“ von Electrolux sehen eine nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Essen/Kochen, Kleidung, Wohnraum und Produktion vor.

 

Nachhaltig Essen

Nachhaltig ernähren: wie geht das? Electrolux zählt gleich mehrere Kernkomponenten auf. Zukünftig möchte das Unternehmen die Zahl weggeworfener Lebensmittel reduzieren, Menschen zu nachhaltigen Zutaten – regional, saisonal und vor allem weniger fleischlastig – inspirieren und den Nährstoffverlust in Lebensmitteln durch eine bessere Konservierung minimieren. Zusätzlich sollen die Produkte von Electrolux zu verbesserten Aromen führen und helfen, eine gesunde Lebensweise einfacher in den Alltag zu integrieren.

Doch warum dieser Aktionismus rund um die Ernährung? Das Unternehmen veröffentlicht bedrohliche Zahlen: ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs wird durch die Lebensmittelindustrie erzeugt, die überdies für 20% der Emissionen verantwortlich ist. Und dennoch werden 30% aller Lebensmittel, die ein Einzelner kauft, weggeworfen. Diese Zahl soll sich drastisch reduzieren.

Electrolux plant hierfür, kulinarische Schulungsprogramme für mindestens 300.000 Menschen anzubieten und Millionen bedürftiger Menschen unter die Arme zu greifen mit lokalen Aktionen. Neben einem verantwortungsbewussten, ressourcenschonenden Umgang mit Nahrungsmitteln erhofft sich das Unternehmen auch eine gesündere Lebensweise seiner Konsumenten.

 

 

Nachhaltigkeit im Küchenraum: Electrolux möchte mit Maßnahmen entscheidend beeinflussen, dass wir uns besser ernähren und Lebensmittel wieder mehr zu schätzen wissen. (Foto: Electrolux)

Nachhaltigkeit im Küchenraum: Electrolux möchte mit Maßnahmen entscheidend beeinflussen, dass wir uns besser ernähren und Lebensmittel wieder mehr zu schätzen wissen. (Foto: Electrolux)

 

 

Nachhaltige Kleidung

Auch, wenn der Begriff „fast fashion“ in der Öffentlichkeit mittlerweile scharf kritisiert wird, müssen einzelne Verbraucher noch viel stärker ihren eigenen Konsum überdenken. Electrolux möchte mit dem „Better Living Program“ hier ansetzen und die Nutzungsdauer von Kleidungsstücken verdoppeln, während die Auswirkungen auf die Umwelt halbiert werden.

Auch hier mahnt das schwedische Unternehmen mit alarmierenden Zahlen: in den letzten Jahren hätten sich die Anzahl an Kleidungsstücken, die ein Mensch durchschnittlich besitzt, vervierfacht. Gleichzeitig werden, laut Electrolux, rund 90% der Kleidungsstücke weggeworfen, bevor es auch nur annähernd notwendig ist. Hinzu kommen schlechte Pflegegewohnheiten und eine hohe Umweltbelastung durch den übermäßigen Einsatz von Chemikalien im Wasch- und Trockenprozess. Das hehre Ziel von Electrolux: „Bereits Vorhandenes als primäre Ressource zu betrachten.“ Dazu zählt auch eine starke Reduktion des Wasser- und Energieverbrauchs.

 

 

Bewusstsein für Materialien, Stoffe, Verarbeitung - und deren Pflege: mit seinen 100 Maßnahmen des "Better Living"-Programms möchte Electrolux auch dafür sorgen, dass Kleidung länger getragen und nachhaltiger gepflegt wird. (Foto: Electrolux)

Bewusstsein für Materialien, Stoffe, Verarbeitung – und deren Pflege: mit seinen 100 Maßnahmen des “Better Living”-Programms möchte Electrolux auch dafür sorgen, dass Kleidung länger getragen und nachhaltiger gepflegt wird. (Foto: Electrolux)

 

 

Nachhaltig Wohnen

Ähnlich der Ernährungsgewohnheiten und der Textilpflege sollen sich Menschen künftig auch besser um das eigene Zuhause und das dort vorherrschende Raumklima kümmern, wenn es nach Electrolux geht. Hierzu möchten die Schweden mit ihrer To-Do-Liste vom „Better Living Program“ ansetzen, um Wohnungen von schädlichen Allergenen und Schadstoffen zu befreien.

Menschen sollen in ihren eigenen vier Wänden freier atmen können. Im Fokus der Kampagne stehen unkomplizierte Methoden zur Beseitigung von Schmutz und Staub, aber auch automatisierte Prozesse zur Überwachung und Optimierung der Raumluft. Auslöser dieses Kampagnenteils sind Angaben der UN, wonach 92% der Menschen an Orten leben, an denen die Verschmutzung empfohlene Grenzwerte überschreitet. Bei unzureichender Belüftung kann die Schadstoffbelastung daher in geschlossenen Räumen bis zu fünfmal höher sein als im Freien.

 

Ein gutes Wohn- und Raumklima treibt Electrolux durch smarte Geräte an, die zur Reduktion von Schadstoffen und Allergenen in der Luft beitragen. (Foto: Electrolux)

Ein gutes Wohn- und Raumklima treibt Electrolux durch smarte Geräte an, die zur Reduktion von Schadstoffen und Allergenen in der Luft beitragen. (Foto: Electrolux)

 

 

Nachhaltiges eigenes Geschäftsmodell

Electrolux sucht nicht nur einen engeren Kontakt zu seinen Kunden, um diese zu einem nachhaltigen Leben zu inspirieren, sondern kehrt für sein „Better Living Program“ auch vor der eigenen Türe. Bis 2030 möchte das Unternehmen seine Produktion klimaneutral ausrichten und abfallfreie Werke betreiben sowie neue Produkte nur im Einklang mit dem UN-Klimaschutzziel entwickeln. Der Ressourcenverbrauch soll optimiert und gleichzeitig auf nachhaltige Bestandteile fokussiert werden. Jonas Samuelson, CEO von Electrolux, sagt dazu: „Als einer der weltweit führenden Anbieter von Hausgeräten hat Electrolux große Möglichkeiten, mit einem Wandel zum Besseren beizutragen. Wir können helfen, Hindernisse und alte Gewohnheiten zu beseitigen, die Verbraucher und Unternehmen davon abhalten, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.“

 

Seine Haushaltsgeräte, vom Geschirrspüler bis zum Backofen und auch die Großgeräteproduktion betreffend, möchte Electrolux künftig klimaneutral und regenerativ im Ressourcenverbrauch aufstellen. (Foto: Electrolux)

Seine Haushaltsgeräte, vom Geschirrspüler bis zum Backofen und auch die Großgeräteproduktion betreffend, möchte Electrolux künftig klimaneutral und regenerativ im Ressourcenverbrauch aufstellen. (Foto: Electrolux)

 

 

Resümee zum „Better Living Program“ von Electrolux: erster Schritt in die richtige Richtung

Das schwedische Unternehmen Electrolux mit seiner namhaften deutschen Marke AEG mag im Vergleich zum chinesischen Großkonzern Haier ein kleiner Fisch im Becken der Industrie sein, zählt aber wohl aber zu den umtriebigsten Firmen in Sachen Innovation und Nachhaltigkeit. Es ist in jedem Falle löblich, den ersten Schritt der Elektrogeräte-Industrie in Richtung Umweltschutz einzuleiten. Ein zweiter wird allerdings mit Spannung erwartet.

Denn fraglich bleibt, wie die konkreten 100 Maßnahmen des „Better Living Program“ sich in Kundennutzen und Geräteproduktion niederschlagen sollen. Bereits jetzt existieren Dunstabzugshauben, die für ein frisches Raumklima sorgen; Kühlschränke und Backöfen, die energiesparend arbeiten oder Waschmaschinen, die den Einsatz von Waschpulver und Wasser mithilfe von Sensoren auf die Beladung und den Verschmutzungsgrad abstimmen. Allerdings auch im Sortiment der Konkurrenz.

Welche Maßnahmen sich Elektrolux zu eigen macht und wie das schwedische Unternehmen mit namhaften Tochterfirmen wie AEG und Zanker den direkten Kontakt zum Kunden aufnehmen will, bleibt abzuwarten. Immerhin, die Vorbildfunktion ist da. Denn die nächsten 100 Jahre Electrolux beginnen jetzt – es wird Zeit, an die Zukunft zu denken.

 

 

>> Fragen Sie bei Ihrem lokalen Küchenstudio nach, welche Möglichkeiten es für eine möglichst ressourcenschonende und nachhaltige Küchenplanung gibt. Dort werden Sie umfangreich beraten zu energieeffizienten Einbaugeräten, Möbeln aus nachhaltiger Forstwirtschaft und denjenigen Firmen, die bereits klimaneutral produzieren. Hier geht es zur Studiosuche.

Zum Autor
Dilara Suzuka
Redakteurin

Die Küche war für Dilara schon immer ein magischer Anziehungspunkt; als Nesthäkchen mit vier Geschwistern drehte sich schon im Familienhaushalt immer alles um den heiligen Ort des Zusammenseins beim Essen, Kochen, Hausaufgaben machen, Malen, Diskutieren, Entscheidungen verkünden. Auch in ihrer WG während des Studiums kreuzten sich in der Küche sämtliche Lebenswege. Die Webdesignerin entschied deshalb, dass es an der Zeit wäre, diesem Altar des Essens und der Entscheidungen auch im Internet ein bisschen mehr Leben einzuhauchen. Los geht’s.