Frisch von der Messe: Das sind die 6 Küchentrends 2018

20.09.2017 | Frederik Dix

Wer dieser Tage entlang der A30 in Ostwestfalen fährt, bekommt eine Ahnung davon, wie viele deutsche Küchenhersteller in dieser sehr ländlich geprägten Gegend angesiedelt sind – und von hier aus die Küchentrends 2018 für Deutschland und den Rest der Welt präsentieren. Die „Küchenmeile“ und die Orderfachmesse area30 sind im Rahmen der M.O.W., der größten Möbelmesse Ostwestfalens, noch bis zum 22. September in vollem Gange und gilt als richtungsweisend für das kommende Küchenjahr.

Hochwertige Küchenhersteller wie rational, SieMatic, Poggenpohl, nobilia, eggersmann und Rotpunkt haben in diesem Gebiet seit jeher ihren Firmensitz und präsentieren sich mit einer Hausmesse; andere Hersteller von Küchen und Geräten wie LEICHT, Miele, Gaggenau und SMEG mieten sich in der Gegend ein.

 

 

Der Industrial Style geht ganz klar auch bei den Küchentrends 2018 in eine neue Runde: Von Häcker (Bild) über LEICHT bis hin zu Rotpunkt und eggersmann setzen alle namhaften Küchenhersteller auf Beton, Edelmetall und Holz im Mix. (Foto: Scheffer)

Der Industrial Style geht ganz klar auch bei den Küchentrends 2018 in eine neue Runde: Von Häcker (Bild) über LEICHT bis hin zu Rotpunkt und eggersmann setzen alle namhaften Küchenhersteller auf Beton, Edelmetall und Holz im Mix. (Foto: Scheffer)

 

 

Die weiße Küche wünscht der Kunde – die Hersteller wünschen sich etwas anderes

Schnell wird klar, dass die klassische weiße Küche zwar immer noch Favorit bei Kunden, jedoch längst nicht mehr bei den Küchenherstellern selbst ist: Hier gehen die Küchentrends 2018 zu dunklen, erdigen Tönen und handfestem Material. Besonders beliebt sind Beton-Oberflächen, die als Dekor oder als Echtbeton in hauchdünner Schicht verspachtelt werden und den beliebten Industrial Style in der Küche unterstreichen. Auch an hellen Beton traut man sich bei Häcker heran – inklusive eingeschlossener Luftbläschen, die die fertige „Unfertigkeit“ des Produkts herausstellen soll.

Ein ebenso großer Trend: „rostige“ Küchen. LEICHT zeigt gleich in der Eingangshalle eine großzügige Küchenwand aus Cortenstahl, der als zähflüssiger Lack aus Stahlpulver, Kunstharz und einem Rostaktivator hauchdünn auf das Trägermaterial gestrichen wird und ein kunstvolles, rostiges Rot annimmt, dass zusätzlich mit einem magnetischen Schutzlack versiegelt wird. Auch Schüller zeigt ein rostrotes Dekor, das wohldosiert sein muss, wenn man ihm nicht überdrüssig werden möchte.

 

 

Das sind die 6 Küchentrends 2018 im Überblick:

 

1 Industrial Style-Kitchen: Die “rostige” Küche

Wie eingangs beschrieben, schlägt sich dieser Style vor allem in hochwertigen Küchen aus Echtbeton, Beton-Optik, Rost-Optik und dunklen Schichtstoff-Fronten nieder. Auch warmgewalzter Edelstahl als Arbeitsplatte, gebogene Tischbeine aus Aluminium, Dunstabzugshauben aus Kupfer und Holzelemente wie Schneidebretter und Küchentresen zählen erneut zu den Küchentrends 2018 unterstreichen den dunklen, aber gemütlichen Wohncharakter dieser Küchen.

 

LEICHT präsentiert eine enorm hochwertige Küche aus Cortenstahl, die in jeder Ausführung als absolutes Unikat daherkommt. Ihre Wucht wird durch eine softmatte Fenix-Arbeitsplatte in Schwarz (nicht im Bild) abgemildert. (Foto: Scheffer)

LEICHT präsentiert eine enorm hochwertige Küche aus Cortenstahl, die in jeder Ausführung als absolutes Unikat daherkommt. Ihre Wucht wird durch eine softmatte Fenix-Arbeitsplatte in Schwarz (nicht im Bild) abgemildert. (Foto: Scheffer)

 

 

2 Die Küche als Ausstellung: Vitrinen sind wieder in

Glasvitrinen wecken meist schauderhafte Vorstellungen von Fingerabdrücken auf Glaspaneelen, ungünstig ausgeleuchteten Weingläser und die Wohnzimmer der 90er Jahre. Nun rücken fast alle Küchenhersteller Vitrinen aber ins rechte Licht: Weil die Küche eben immer mehr zur Wohnküche werden soll, schmiegen sich an Geräteschränke nun raffiniert ausgeleuchtete Vitrinenschränke an, die die Küche zur Ausstellung werden lassen. Beliebt ist auch die Variante einer offenen Front an der Vorderseite der Kücheninsel, die zum Besucher hinzeigt.

 

Rotpunkt-Küchen zeigt eine Art Vitrine in der Vorderfront einer Kücheninsel, die als Ausstellungsfläche genutzt werden kann. (Foto: Scheffer)

Rotpunkt-Küchen zeigt eine Art Vitrine in der Vorderfront einer Kücheninsel, die als Ausstellungsfläche genutzt werden kann. (Foto: Scheffer)

 

 

3 Es werde Licht: An Möbeln und in Geräten

Seit die Küche nicht mehr als abgetrennter Bereich, sondern als vollständiger Raum inklusive Boden, Wand und Umgebung geplant wird, spielt auch der Einsatz von Licht eine immer größere Rolle. Küchenhersteller LEICHT tüftelt dazu bereits mit Zuliefererfirmen an Unterboden-Lichtleisten, die sich per App dimmen oder intensivieren lassen und die Ausleuchtung der Küche ebenso wie des Wohnzimmers übernehmen.

Auch Rotpunkt-Küchen und Häcker arbeiten an Lichtelementen, die im hinteren Teil des Schranks integriert werden und so für eine sanfte, unaufdringliche Illuminierung sorgen. Mit einer anderen Form von Licht arbeiten Gerätehersteller: So können Kühlschränke über Licht bald das Verfallsdatum von Lebensmitteln signalisieren (ähnlich einer Ampel: Rot, Gelb, Grün) oder Armaturen angeben, ob sie kochend heißes oder kühles gefiltertes Wasser (rot oder blau) fließen lassen.

 

LEICHT arbeitet mit einem eleganten Lichtsystem, das sich simpel an den Regalböden befestigen lässt und im Wohnzimmer wie in der Küche über eine App auch remote steuerbar ist. (Foto: Scheffer)

LEICHT arbeitet mit einem eleganten Lichtsystem, das sich simpel an den Regalböden befestigen lässt und im Wohnzimmer wie in der Küche über eine App auch remote steuerbar ist. (Foto: Scheffer)

 

 

4 Spülbecken in XL ohne Abtropfbereich

Die klassische Spüle besteht aus einem Becken, einer Ablage bzw. Abtropffläche und einer Armatur. Die Küchentrends 2018 zeigen jedoch: Der Spülbereich bleibt gleich groß, jedoch wachsen nun die Spülbecken auf überdimensionale Größe (Stichwort XL-Becken für Backbleche) heran, während die Abtropffläche sang- und klanglos verschwindet. Wer nun noch etwas spülen möchte, kann sich ausrollbare Abtropfgitter oder durchlässige Siebbehälter (z.B. zum Obst waschen) in den großen Spülenbereich einhängen.

 

Der schweizerische Hersteller Franke macht es vor: Statt eines Abtropfbereichs baut der Spülen-Profi lieber XL-Spülbecken, in denen sich Gitter zum Abtropfen von Gegenständen einsetzen lassen - oder aber ganze Backbleche bequem spülen lassen. (Foto: Franke)

Der schweizerische Hersteller Franke macht es vor: Statt eines Abtropfbereichs baut der Spülen-Profi lieber XL-Spülbecken, in denen sich Gitter zum Abtropfen von Gegenständen einsetzen lassen – oder aber ganze Backbleche bequem spülen lassen. (Foto: Franke)

 

5 Hauswirtschaftsraum als intelligenter Stauraum

LEICHT und Schüller machen es vor: Der Hauswirtschafts- oder Vorratsraum erobert die Küche wieder zurück. Dieser zusätzliche Stauraum, der zu Großmutters Zeiten noch gang und gäbe war, wird auf raffinierte Weise in die Küchenplanung einbezogen. LEICHT setzt dazu eine Art Wohnwürfel (Kubus) mitten in den Raum, der sich als begehbarer Stauraum entpuppt und sperrige Gegenstände wie Waschmaschine, Nachfüllpackungen und Besen aufnimmt, während er draußen als makelloser Geräteschrank fungiert.

Schüller bietet mit seinem „more space & perfect cleaning“-Schränken Platz, um alles im Haushalt sauber zu verstauen. Es gibt spezielle Bügel, um Schuhe und Kleidung aufzuhängen, Getränkekisten zu lagern und Putzschwämme zu stapeln. Auch für ein simples Recyclingsystem hat der Hersteller gesorgt.

 

Der Kubus von LEICHT lässt sich nach außen hin als normaler Geräteschrank nutzen, wartet innen aber mit einem bequem begehbaren Hauswirtschaftsraum auf. (Foto: Scheffer)

Der Kubus von LEICHT lässt sich nach außen hin als normaler Geräteschrank nutzen, wartet innen aber mit einem bequem begehbaren Hauswirtschaftsraum auf. (Foto: Scheffer)

 

6 Die Green Kitchen: Nachhaltigkeit in der Küche

Die „grüne Küche“ richtet sich nicht (ausschließlich) an Vegetarier oder Anhänger des gesunden Ernährungsstils, sondern soll vor allem für mehr Nachhaltigkeit in der Küche sorgen. Während Rotpunkt mit Küchen aus recycelbarem Bioboard seit Jahren für hochwertige, umweltfreundliche Küchen kämpft, mahlen die Mühlen der übrigen Küchenindustrie – bis auf die PEFC- und FSC-Zertifizierung des verwendeten Holzes – noch langsam.

Seit der Küchenmeile setzt sich nun auch Häcker für mehr Umweltbewusstsein ein und möchte mit der Initiative PURemission einen der Küchentrends 2018 setzen. Alle zulässigen Formaldehyd-Grenzwerte der kompletten Modellpalette sollen ab sofort die hohen US-amerikanischen Standards erfüllen – und die europäischen Grenzwerte damit deutlich unterschreiten.

 

Ab sofort werden alle Holzküchen von Häcker dem strengen PURemission-System unterworfen. Heißt: Die zulässigen Formaldehyd-Grenzwerte der europäischen Union werden heruntergefahren und unterschritten, die strengen Auflagen der USA komplett erfüllt. Dies soll für mehr Nachhaltigkeit in der Küche sorgen. (Foto: Scheffer)

Ab sofort werden alle Holzküchen von Häcker dem strengen PURemission-System unterworfen. Heißt: Die zulässigen Formaldehyd-Grenzwerte der europäischen Union werden heruntergefahren und unterschritten, die strengen Auflagen der USA komplett erfüllt.
Dies soll für mehr Nachhaltigkeit in der Küche sorgen. (Foto: Scheffer)

 

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.