Handgefertigte Holzprodukte von Herriott Grace: Eine Familiengeschichte

13.12.2016 | Susanne Maerzke
Vater und Tochter und ihre tollen Erzeugnisse: Herriott Grace Designobjekte sind echte Sammlerstücke.

 

Bald schon ist Weihnachten, und Weihnachten ist die Zeit herzergreifender Geschichten. Warum diese Geschichte besser (und ehrlicher) ist als jeder Hollywoodfilm und warum Sie am Ende noch ein bis zwei Weihnachtsgeschenke mehr verschenken werden (es gibt einen tollen Onlineshop!), erfahren Sie in der wunderbaren Geschichte der Marke Herriott Grace.

 

Es waren einmal Vater und Tochter, die lebten in der kanadischen Provinz von British Columbia an der Küste des Pazifischen Ozeans. Diese Provinz ist gesäumt von steil abfallenden Bergketten, nasskalten Wintermonaten und tiefen kanadischen Wäldern. Vor allem die Natur herrscht dort in grüner Vielseitigkeit vor; die Einwohneranzahl hingegen beschränkt sich auf 4,8 Einwohner pro km² – zum Vergleich: In Deutschland sind es 226,5 Einwohner pro km². Es ist also recht einsam dort.

In seiner kleinen Werkstatt in British Columbia sammelte Lance Herriott bereits seit den 70er-Jahren Hölzer aller Art und feilte daran herum. (Foto: Herriott Grace)

In seiner kleinen Werkstatt in British Columbia sammelte Lance Herriott bereits seit den 70er-Jahren Hölzer aller Art und feilte daran herum. (Foto: Herriott Grace)

 

Es begann alles mit einem Päckchen von daheim

Weil man zum Studieren als junger Mensch eben sein Glück woanders finden muss, ging Tochter Nikole Herriott hinaus in die große, weite Welt und zog ins 4500 Kilometer entfernte Toronto. Der Vater, Lance Herriott, blieb auf seiner kleinen Farm nahe Victoria zurück, in einem bescheidenen Häuschen mit einem großen Garten und einer Handvoll knorriger Obstbäume.

Weil Vater und Tochter sich so vermissten, begannen sie, Pakete hin- und herzuschicken zwischen den ländlichen Weiten Kanadas. Eines Tages öffnete Nikole ein Paket und wusste, dass sie etwas ganz Besonderes in den Händen hielt: Ihr Vater hatte ihr kleine, handgeschnitzte Löffelchen aus alten Hölzern geschickt, die er zuhause in seiner Werkstatt, nur beheizt mit einem alten Eisenofen, selbst gefertigt hatte.

Die Löffel waren nicht nur wunderschön geformt, sondern in ihrer wilden Farbgebung, zusammengestellt aus Sperrholz, das sich rund um den Garten so finden ließ, auch einzigartig gemustert. Nikole Herriott wusste sofort, dass sie ihren einsilbigen, zurückgezogen lebenden Vater davon überzeugen musste, noch mehr Löffel zu produzieren – auch andere Menschen sollten diese simplen und doch wunderschönen Erzeugnisse der Natur zu sehen bekommen.

 

 

Gründung des gemeinsamen Labels Herriott Grace

Sprung nach vorne in die Gegenwart: Nicole Herriott konnte ihren Vater überzeugen, und mittlerweile leitet sie das Branding und Marketing des gemeinsam gegründeten Labels Herriott Grace. Ihr Vater, der ungewöhnliche Hölzer von heruntergefallenen Ästen, alten Stühlen oder liegengebliebenen Booten seit den 70er Jahren sammelt, steht immer noch jeden Tag mit speckiger Cap, schwarzem Shirt und dickem Zottelbart in der kleinen Scheune auf seinem Grundstück und schnitzt, drechselt und sägt, was ihm gerade in den Sinn kommt.

Die Kollektion handgefertigter Holzprodukte aus dem Hause Herriott ist mittlerweile auf eine ganze Küchenlinie angewachsen; Bretter, Schalen, Nudelhölzer, Käseplatten oder Servierteller säumen den Onlineshop, den Nikole Herriott erfolgreich aufgebaut und dank ihrer Leidenschaft für Fotografie auch minimalistisch und hübsch in Szene gesetzt hat. Kein Löffel gleicht dem anderen; alle Produkte überzeugen, weil sie aus altem, gerettetem Holz entstanden sind und eine eigene Geschichte erzählen. Die Preise sind stolz, doch Liebhaber aus der ganzen Welt sind bereit, sie zu zahlen.

 

Mit einem einfachen Löffel begann die Firmengeschichte von Herriott Grace - heute säumen Löffel in zahllosen Variationen den Online-Shop. Hier: Zucker-/Mehl-Löffel, 240 USD (Foto: Herriott Grace)

Mit einem einfachen Löffel begann die Firmengeschichte von Herriott Grace – heute säumen Löffel in zahllosen Variationen den Online-Shop. Hier: Zucker-/Mehl-Löffel, ca. 240 USD (Foto: Herriott Grace)

Mittlerweile auch Keramikgeschirr – holzgebrannt

Da der Schuster – oder in diesem Fall Schweißer – Lance gern bei seinen Leisten bleiben wollte, sprach die Familie mit der Zeit auch lokale Keramiker an, um von diesen handgetöpferte Schalen und, natürlich, im Holzfeuer gebranntes Geschirr zu verkaufen. So schließt sich der Kreis. Mittlerweile sind die rußschwarzen Krüge und Schalen des Keramikers Patrick Yeung bekannt, beliebt und ein fester Bestandteil des Shops.

Zusammen haben Vater und Tochter, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aus einem kleinen Dorf in einer winzigen Werkstatt ein erfolgreiches Gemeinschaftsunternehmen aufgebaut, das heute aus Toronto selbstgemachte Küchenutensilien in die ganze Welt hinausschickt. Wer also noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk mit Herz und Verstand ist, sollte sich auf der großflächig gestalteten Website von Herriott Grace umschauen: Keramikkrüge aus Asche und Stein, Salzschalen und Buttermesser aus Holz, Obstkörbe, Teesiebe und Porzellanplatten stehen zur Auswahl. Und natürlich Löffel. Jede Menge einzigartiger Löffel.

 

 

Nikole und Lance Herriott haben sich für ihr Geschäft mittlerweile mit lokalen Keramikern zusammengetan: Patrick Yeung hat z.B. diesen Stone Pitcher aus gebrannter Asche und Stein gebrannt. ca. 64 USD (Foto: Herriott Grace)

Nikole und Lance Herriott haben sich für ihr Geschäft mittlerweile mit lokalen Keramikern zusammengetan: Patrick Yeung hat z.B. diesen Stone Pitcher aus gebrannter Asche und Stein gebrannt. ca. 64 USD (Foto: Herriott Grace)

 

Das Holz für seine Bretter, Löffel und Servierplatten sammelt Lance Herriott aus seinem Obstgarten, alten Sperrholzmöbeln und kaputten Kähnen zusammen - seit über 40 Jahren. (Foto: Herriott Grace)

Das Holz für seine Bretter, Löffel und Servierplatten sammelt Lance Herriott aus seinem Obstgarten, alten Sperrholzmöbeln und kaputten Kähnen zusammen – seit über 40 Jahren. Hier: Trivet-Set, ca. 150 USD (Foto: Herriott Grace)

 

Stein des Anstoßes war ein Paket Herriotts an seine Tochter im 4500 Kilometer entfernten Toronto. Seitdem hat sich das unkoventionelle Sortiment um viele Holzsorten erweitert, z.B. Redwood, ca. 125 USD (Foto: Herriott Grace)

Stein des Anstoßes war ein Paket Herriotts an seine Tochter im 4500 Kilometer entfernten Toronto. Seitdem hat sich das unkoventionelle Sortiment um viele Holzsorten erweitert, z.B. Redwood, ca. 125 USD (Foto: Herriott Grace)

 

Die örtlichen Keramiker, mit denen Lance und Nikole arbeiten, stellen Küchengeschirr und Küchenaccessoires aus feinstem Porzellan und in oftmals ungewöhnlicher, schöner Form her. Hier: Porzellantablett aus Montreal, 86 USD (Foto: Herriott Grace)

Die örtlichen Keramiker, mit denen Lance und Nikole arbeiten, stellen Küchengeschirr und Küchenaccessoires aus feinstem Porzellan und in oftmals ungewöhnlicher, schöner Form her. Hier: Porzellantablett aus Montreal, ca. 86 USD (Foto: Herriott Grace)

 

Zu den hochwertigen Küchenaccessoires im Onlineshop zählen mittlerweile auch Buttermesser, Käsemesser, Obstschalen und Teesiebe. Natürlich alle aus Holz. Hier: Buttermesser, ca. 72 USD (Foto: Herriott Grace)

Zu den hochwertigen Küchenaccessoires im Onlineshop zählen mittlerweile auch Buttermesser, Käsemesser, Obstschalen und Teesiebe. Natürlich alle aus Holz. Hier: Buttermesser, ca. 72 USD (Foto: Herriott Grace)

 

Das häufigste Objekt bei Herriott Grace ist und bleibt jedoch: Der Löffel, mit dem alles begann. Hier: aus Ahorn geschnitzter Löffel für Küchenalltag, handgekerbt, ca. 225 USD. (Foto: Herriott Grace)

Das häufigste Objekt bei Herriott Grace ist und bleibt jedoch: Der Löffel, mit dem alles begann. Hier: aus Ahorn geschnitzter Löffel für Küchenalltag, handgekerbt, ca. 225 USD. (Foto: Herriott Grace)

 

 

Zum Autor
Susanne Maerzke
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.