Harte Schale, weicher Kern: Lava- und Vulkangestein in der Küche

Individualität im Küchenbau hat ihren Preis: Sie verlangt nach besonders exklusiven Materialien. In die Angebotsvielfalt des ohnehin begehrten Natursteins reiht sich neuerdings immer öfter ein geologisches Material ein, das sich viele zunächst schwer im Küchenraum vorstellen können. Wer jedoch erlebt, welche faszinierenden Bilder erkaltete Lava und von Kristallen durchsetztes Vulkangestein zeichnen, versteht, was das Wort „Unikat“ tatsächlich bedeutet.

Die Spitze des Eisbergs – oder des Vulkans

Die berühmte „Spitze des Eisbergs“ wird umgangssprachlich oft in einem mahnenden Kontext verwendet, bei dem das ganze Ausmaß eines Sachverhalts noch nicht sichtbar ist. Das tatsächliche Naturphänomen eines Eisbergs ist jedoch ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem das wuchtige Gros sich unseren Augen entzieht – fast 90 Prozent des gesamten Volumens bleibt unter der Wasseroberfläche verborgen.

Was die wenigsten wissen: Ähnlich gelagert ist der Fall bei so genannten Unterwasservulkanen. Auch hier entfaltet das Naturspektakel seine volle Wucht, indem brodelnd heißes Magma sich seinen Weg nach oben bahnt und – infolge gewaltiger Eruptionen – splitternd steile Hügel und scharfe Felsklippen formt.

So geschehen auch auf der heutigen „Blumeninsel“: Was man als Archipel Madeiras kennt, ist in Wirklichkeit nur das oberste Viertel des gesamten Vulkansystems. Unterhalb der Meeresoberfläche fallen die rauen Küstensteilhänge der Insel bis zu 4.000 Meter in die Tiefe ab. Kaum zu glauben, dass uns die Insel heute mit einer leuchtenden Vielfalt an Blumen und Wäldern begeistert, wo doch alles auf unwirtlich scheinender Lava-Asche gedeihen musste.

Vulkangestein in der Küche: eine einzigartige Optik

Ähnlich unentdeckt bis jetzt – und daher umso verheißungsvoller – ist Vulkangestein als Material für Küchenoberflächen und im Innenausbau. Erst seit einigen Jahren werden Vulkanite, darunter Basalt, Obsidian und Pikrit, als maßgefertigte Arbeitsplatten oder in Form monolithischer Kücheninseln von Steinmanufakturen verarbeitet.

Was zunächst nach staubtrockener Geologie klingt, ist für die Küchenbranche derzeit umso spannender: Die Einzigartigkeit, mit der sich Vulkangestein unter hohem Druck und extremen Temperaturen zu einem widerstandsfähigen Material entwickelt hat, macht den Stein nicht nur zu einem belastbaren Element im Küchenbau. Auch die außergewöhnliche Optik lässt die Nachfrage nach Vulkanit-Oberflächen steigen. 

Außergewöhnliche Farbvielfalt bei Vulkangestein

Porphyr, so der Sammelbegriff für verschiedene Vulkangesteine, schimmert in blassrötlichen bis granatapfelroten Nuancen, die in ein kräftiges Violett übergehen können. Auch gesprenkelte braune, grüne und kohlschwarze Einschlüsse in hellgrauem Grundton sind für einige Vulkansteine charakteristisch. Im Gegensatz zu Granit, der je nach Ausprägung auch einen gleichmäßigen Verlauf in einheitlicher Farbgebung aufweisen kann, sticht Porphyr stets hervor. Seine pigmentierte Oberfläche, in der sich gut sichtbare Kristalle – so genannte „Einsprenglinge“ – abgesetzt haben, macht jedes Stück Stein in der Küche zu einem faszinierenden Unikat.

Die feinkörnige Grundmasse des Vulkangesteins eignet sich hervorragend als Küchenarbeitsplatte, aber auch als Boden- und Treppenbelag, als Front- und Wandverkleidung oder für Außenfassaden. Es ist abriebfest, hitzebeständig und feuchtigkeitsresistent. Somit darf Porphyr auch in raumübergreifender Architektonik gedacht werden.

In dieser Küche kommt Porphyr gemeinsam mit Kupfer und Holz zum Einsatz. Ein spektakulärer Küchenraum. (Foto: LAR Studio, Stuttgart)
In dieser Küche kommt Porphyr gemeinsam mit Kupfer und Holz zum Einsatz. Ein spektakulärer Küchenraum. (Foto: LAR Studio, Stuttgart)

Faszination Stein in der Küche: eine haptische Anziehungskraft

Mit der Faszination für dieses Naturprodukt rückt die Materialität in der Küche einmal mehr in den Vordergrund. Das hat auch eine psychologische Komponente, erklärt Walter Schwanenkamp, Inhaber einer Natursteinmanufaktur, im Interview mit dem Küchenhersteller eggersmann: „Die Tür im Küchenstudio geht auf, der Kunde kommt rein, läuft als erstes auf eine Natursteinküche zu und ertastet erstmal die Struktur der Steins. Haptik spielt eine große Rolle, wobei die Hand signalisiert: Das ist angenehm! Und das verankert sich dann: Hier möchte ich verweilen.“

Die Manufaktur eggersmann ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Natursteine. (Foto: eggersmann)
Die Manufaktur eggersmann ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Natursteine. (Foto: eggersmann)

Produzent eggersmann selbst weiß schon lange um diese Eigenschaft, mit der Naturmaterialien Menschen in ihren Bann ziehen. Nicht umsonst hat sich die Küchenmanufaktur aus Ostwestfalen seit vielen Jahrzehnten auf außergewöhnliches Gestein, hochwertige Hölzer und blank geschliffene Metalle spezialisiert. Es ist kostspielig, einen Küchenraum mit derartigen Rohstoffen auszustatten, die sorgfältig abgebaut, verarbeitet und transportiert werden müssen. Die Einzigartigkeit und der Unikat-Charakter, die daraus für eine Küche gewonnen werden, wiegen allerdings jegliche Kosten und Mühen über Jahrzehnte hinweg auf. Naturmaterialien zeichnen sich durch ihre Beständigkeit aus – das zeigen nicht zuletzt die jahrtausendealten Vorkommen auf Madeira.

Die Haptik spielt in einer Natursteinküche eine große Rolle. Sie signalisiert: Hier möchte ich verweilen.

Walter Schwanenkamp, Inhaber einer Natursteinmanufaktur

Neben gängigen Natursteinen wie Granit, Quarzit und Schiefer verarbeitet eggersmann auch Vulkangestein für die Küche. Dessen Gewinnung gestaltet sich besonders anspruchsvoll: Die schnelle Erkaltung der Lava an der Oberfläche sorgt für tiefe Risse bis in untere Schichten, die es mitunter unmöglich machen, einen ganzen Block aus der Masse abzuspalten und zu modellieren. Einige Sorten eignen sich im Abbau besser als andere: Bekannt und beliebt ist neben dem burgunderfarbenen Vulkanstein beispielsweise auch der dunkelgraue Basalt, der ebenfalls für Oberflächen und Bodenveredelung genutzt werden kann.

Ein weiteres Unikat: Arbeitsplatten aus Lavastein

Als wäre Vulkangestein nicht bereits außergewöhnlich genug, experimentieren Küchenhersteller und Fachhändler nun auch zunehmend mit Lavastein-Arbeitsplatten. Die Oberflächen aus glasiertem Lavastein, „Pyrolave“ genannt, sind emailliert, porenfrei und lassen sich in einer Vielzahl an tiefleuchtenden Farben und Stärken produzieren. Sie nutzen die kristallinen Glasstrukturen der an der Luft schnell erkalteten Lava, die für eine spiegelglatte Oberfläche sorgen. Neben den betörend intensiven Farbnuancen des Lavasteins veredelt allein schon das Wissen um die Einzigartigkeit dieses Naturprodukts jeden Küchenraum.

Vulkanstein aus Deutschland: „Sächsischer Marmor“

So exotisch die Entstehung von Vulkaniten und Lavastein auch anmuten mag, so weit verbreitet ist deren Vorkommen tatsächlich. Nicht nur auf den vulkanischen Inseln Madeira, Lanzarote oder Teneriffa finden sich diese Gesteine wieder, sondern auch in Brasilien, Italien und sogar innerhalb Deutschlands, in der Eifel oder der Sächsischen Schweiz. Hier wird der seit über 1000 Jahren abgebaute Naturstein sogar als „Sächsischer Marmor“ bezeichnet.

Die Vielzahl an Gesteinen und damit auch Planungsmöglichkeiten im Küchen- und Wohnraum umfasst auch weitere Unterarten von Vulkaniten, darunter beispielsweise Magmatite oder Pegmatite. Natursteinmanufakturen wie der südthüringische Arbeitsplattenlieferant Marmor-Center Römhild (MCR) bieten außergewöhnliche Farbspektren und Maserungsverläufe an, die sich ganzflächig über Kücheninseln ziehen und dem Küchenraum folglich ein spektakuläres Antlitz verleihen.

Außergewöhnliche Muster und Farben: Vulkangestein in der Küche ist ein Highlight  im High End-Bereich. (Foto: MCR/ Gienger)
Außergewöhnliche Muster und Farben: Vulkangestein in der Küche ist ein Highlight im High End-Bereich. (Foto: MCR/ Gienger)

In die Vulkangestein-Oberflächen lässt sich – trotz der harten Fassade – überraschend filigrane Küchentechnik verbauen, so dass Induktionskochfelder mit Bedienknebeln oder Keramikspülbecken passgenau und flächenbündig in die Arbeitsplatte integriert werden können.

Die „Spitze des Eisbergs“ trifft also nicht nur wortwörtlich auf den Vulkanit zu: Wo es ein nahezu unerschöpfliches Vorkommen an Natur- und Bodenschätzen gibt, sind auch die Möglichkeiten der Küchenplanung nahezu grenzenlos. Es lohnt sich, tiefer in die Materie einzutauchen.

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Susanne Maerzke
Kochen ist Lebensfreude, Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Auch unsere Redakteurin sieht die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich endet jede gute Party zurecht in der Küche neben den letzten Käsehäppchen und einem Glas Wein. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.

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