Huus 11: Eine schwarze Küche im Mittelpunkt

Eine schwarze Küche? Also wirklich kohlrabenschwarz? Grifflos, mit matten schwarzen Küchenfronten, ebenfalls schwarzen Nischen – und als starker Kontrast dazu: Eine pur-weiße Kücheninsel? Das ist gegensätzlich und dominiert den Raum. Aber positiv – als echter Hingucker.

 

Schwarze Küchen sind modern – und männlich

Kreierten die "Küche für den Mann": Nicole Lindemann und Melanie Stahmer, Innenraumgestalterinnen, OPEN HUUS, Hamburg.
Kreierten die „Küche für den Mann“: Nicole Lindemann und Melanie Stahmer, Innenraumgestalterinnen, OPEN HUUS, Hamburg.

Die Küche als neues Statussymbol und Hort wirklich anspruchsvoller Küchentechnik fasziniert zunehmend auch Männer. Das hat nicht (nur) etwa mit dem gesteigerten Verlangen zu tun, selbst den Kochlöffel zu schwingen und anspruchsvolle (meist: fleischlastige) Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen. Sondern eben auch mit technisch höchst versierten Küchengeräten, die bei der Zubereitung helfen und allerlei Schnickschnack bieten, an dem Männer herumtüfteln können. Und auch die hochwertigen Materialien, die für die Küchenschränke selbst verwendet werden, rufen intensive Fachsimpelei hervor. Dennoch. Gibt es den einen Küchenraum für den Mann?

Die beiden Damen des Hamburger Interieur-Büros OPEN RUUM, Nicole Lindemann und Melanie Stahmer, bekamen die gar nicht so leichte Aufgabe, eine Küche zu entwerfen, die hell, modern und elegant sein sollte – und für einen Mann. Doch wie realisiert man dunkle Farben, die seit jeher Männern zugesprochen werden, mit einem offenen und hellen Raum? Die Antwort liegt im Monochrom-Trend: Mit starken Farben auftrumpfen und kontrastieren, bloß nicht zu viele andere Farbtöne einbringen oder auf blasse Nuancen setzen, die zu stark harmonieren und den Eindruck der Küche damit abmildern.

Mit den natürlich-warmen Farben der Eichenholz-Verkleidung bilden die Schubladen eine perfekte Ergänzung zum monochromen Look. (Foto: Stefanie Bülow Fotografie)
Mit den natürlich-warmen Farben der Eichenholz-Verkleidung bilden die Schubladen eine perfekte Ergänzung zum monochromen Look. (Foto: Stefanie Bülow Fotografie)

 

„Die Küche spiegelt die männliche Eleganz des Bewohners wider“

Was bei weißen Küchen mit schwarzen Stahlelementen geht, musste also auch andersherum funktionieren. Stahmer und Lindemann zu ihrem Projekt namens Huus 11: „Weiß oder schwarz? Das war hier nicht die Frage! Die Kombination aus weiß und schwarz spiegelt die männliche Eleganz des Bewohners wider und setzt die Räume seiner Wohnung gekonnt in Szene.“ Für den privaten Bauherrn aus Hamburg übernahmen die Innenraumgestalterinnen nicht nur den Entwurf und das Gestaltungskonzept, sondern auch den Innenausbau und sogar den Möbelentwurf.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Trotz der dunklen zusammenhängenden L-Küchenzeile wirkt der kleine Raum keineswegs eingeengt oder überladen; die vereinnahmte schwarze Küchenwand wird durch viel Tageslicht und das reflektierende Weiß der sanftmatt schimmernden Oberflächen ausgeglichen. Die schwarzen Ober- und Unterschränke mit matten Küchenfronten lassen sich durch einen kleinen Griffeinschub öffnen und werden nur von offenen Nischen, in denen weißes Porzellan hervorblitzt, unterbrochen. Die Küchenwand, die Kücheninsel und die Arbeitsoberfläche bleiben reinweiß.

Schwarz, Metallic und rustikales Holz machen die Küche zu einem seriösen Counterpart, Motto: "Hart, aber herzlich." (Foto: Stefanie Bütow Fotografie)
Schwarz, Metallic und rustikales Holz machen die Küche zu einem seriösen Counterpart, Motto: „Hart, aber herzlich.“ (Foto: Stefanie Bütow Fotografie)

 

Warmes Element in der Küche: Rustikales Holz

Ergänzt wird das monochrome Ambiente durch rustikale Holzelemente wie grobe Schneidebretter, einen Messerblock oder die Pfeffermühle. Silberne hochwertige Küchengeräte blitzen als Einbaugeräte aus dem Schrank hervor; und die beim Ausfahren sichtbaren Kanten und Innenvertäfelung der Schubladen zeigt das gleiche Eichenholzbraun wie der Fußboden auf. Hier ist eine einfache, sehr geschmackvolle Kücheneinrichtung entstanden, die mit Minimalismus und Zweifarbigkeit, aber auch warmen Zwischentönen spielt. Cool, modern, unaufdringlich und doch ein Hingucker. Achja, und natürlich: sehr männlich.

Frederik Dix
Frederik Dix
Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.