Test: Bin ich der Typ für eine offene Küche?

09.02.2018 | Jesper Thiersemann
Bin ich der Typ für eine offene Küche? Unser Kolumnist hat da so seine Zweifel. Ihm fallen gleich 6 Gründe dagegen ein. (Foto: Montage mit LEICHT-Küche)

Alle reden vom Konzept der offenen Küche – doch unser Kolumnist fragt sich, ob das wirklich für jeden die richtige Wahl sein kann. Er gibt 6 Gründe vor, warum nicht jeder der Typ für eine offene Küche ist und gibt Tipps, wie es doch noch mit einem Happy End klappt.

 

Die offene Küche ist das Wohnkonzept der Stunde. Es vermittelt eine neue, unkomplizierte Art im Umgang mit dem Wohnraum: Kochen und Essen steht dabei im Mittelpunkt und verschmilzt im Design harmonisch mit Sofa und Couchtisch. Gäste werden zur Begrüßung am Küchentresen empfangen, während das Menü direkt vor ihren Augen zubereitet wird. Das Leben spielt sich nach wie vor in den eigenen vier Wänden ab – aber die umfassen den Küchenraum nun vollständig, anstatt ihn außen vor zu lassen.

 

 

Eine offene Küche hat auch Nachteile

Dennoch sollte jeder Kunde, der die Planung einer neuen Küche ansteuert, seine Wohnraumnutzung und Kochgewohnheiten hinterfragen. Bin ich wirklich der Typ für eine offene Küche? Einige Nebeneffekte wie laute Geräusche, aufdringliche Gerüche oder Chaos auf dem Küchentresen können schnell unangenehm werden, wenn man die Tür hinter sich nicht schließen kann.

Nicht jeder Typ Mensch eignet sich für eine offene Küche. Wir haben mit einem Augenzwinkern in 6 Schritten zusammengetragen, wer seine Wahl lieber noch einmal überdenken sollte – und machen zum Ende hin ein Friedensangebot für alle, die sich doch dafür entscheiden.

 

Freiheit, Wohnlichkeit, Geselligkeit: Eine offene Küche vermittelt viele positive Aspekte. Doch nicht jeder ist ein Typ für die offene Küche: Es nerven Gerüche, Geräusche und sichtbarer Dreck. (Foto: LEICHT)

Freiheit, Wohnlichkeit, Geselligkeit: Eine offene Küche vermittelt viele positive Aspekte. Doch nicht jeder ist ein Typ für die offene Küche: Es nerven Gerüche, Geräusche und offene Flächen als Staubfänger. (Foto: LEICHT)

 

 

Test: Sie sind kein Typ für eine offene Küche, wenn…

(…mehr als 2 Punkte dieser Liste auf Sie zutreffen!)

 

1 … Sie Lebensmittel gern (scharf) anbraten

Zutaten, die in der Pfanne gebrutzelt werden, produzieren neben aufsteigenden Wrasen (Kochdunst) auch Röstaromen. Diese kitzeln den hungrigen Koch zwar verführerisch in der Nase, können aber hartnäckig sein, wenn sie wieder aus dem Küchenraum verschwinden sollen. Bratenspritzer setzen sich schnell an Textilien fest und bildet klebrige Verharzungen auf kühlen Oberflächen.

Bei gewissen Lebensmitteln wie Fisch haben Sie sogar noch länger etwas vom Kochvorgang: Auch am nächsten Tag dürfen Sie hier noch ein paar Mal gründlich lüften. Wenn der Gedanke daran Sie erschaudern lässt, sind Sie eher kein Typ für eine offene Küche.

 

2 … Sie nur schwer Ordnung halten können

Zugegeben, es gibt so viel wichtigere Dinge im Leben als Ordnung. Dieser Gedanke rückt aber ganz schnell in den Hintergrund, wenn sich Gäste spontan ankündigen: Jede herumstehende Pfanne, jeder Stapel mit nicht gespültem Geschirr und jeder ungesäuberte Saftmixer wird sofort registriert und verwandelt das schöne Küchenbild in eine unangenehme Charakterstudie.

Wenn Sie nicht der Typ sind, der das Geschirr nach dem Essen sofort in den Geschirrspüler räumt oder in einer fünfminütigen Verschnaufpause schnell mal zum Putzlappen greift, sollten Sie eine offene Küche ernsthaft überdenken. Chaos fängt da an, wo es sichtbar wird – und fällt in einem offenen Raum garantiert auf.

 

Ein offener Küchenraum sollte tendenziell aufgeräumt sein. Wenn Sie aus diesen Gründen nicht der Typ für eine offene Küche sind, wählen Sie die Version mit Mauervorsprung, sodass nur teilweise Einblick gewährt wird. (Foto: bespoke.eu)

Ein offener Küchenraum sollte tendenziell aufgeräumt sein. Wenn Sie aus diesen Gründen nicht der Typ für eine offene Küche sind, wählen Sie die Version mit Mauervorsprung, sodass nur teilweise Einblick gewährt wird. (Foto: bespoke.eu)

 

 

3 … Sie Ihre Regale gern aufwändig dekorieren

Hier eine Zimmerpflanze, da ein Kochbuch, und auch die aufwändige Kunstvase und die geerbten Porzellanfiguren dürfen nicht fehlen: Offene Küchenregale sind zwar dafür da, um den Übergang zum Wohnraum sanfter zu gestalten – jedoch gilt für sie ebenso oft auch die Putzpflicht. Wer immer erst Kleinkram zur Seite räumen muss, um Küchendunst und Alltagsstaub zu entfernen, ist schnell  genervt – doch anders geht es in einer offenen Küche nun mal nicht.

 

4 … Sie lärmempfindlich sind

Die moderne Küchentechnik unterstützt den Menschen nicht nur, sondern nimmt ihm fast jede Anstrengung im Alleinvorgang ab. Diese Arbeit kann bisweilen hörbar sein: Piepsende, blubbernde und gurgelnde Geräusche dringen bis zu Ihrem wohlverdienten Feierabendschläfchen auf die Couch vor. Kommt die Technik mal nicht weiter, senden Alarmsignale schrille Warntöne aus – und Sie haben Ihre helle Freude, während der Tatort im Fernsehen anläuft. Wer empfindlich auf Hintergrundgeräusche reagiert, macht lieber die Tür hinter sich zu. Und ist damit definitiv kein Typ für eine offene Küche.

 

Sie sind nicht der Typ für eine offene Küche, wenn... Sie zu Unordnung neigen, gern Ihre Ruhe haben oder Gäste nur in der guten Stube empfangen wollen. (Foto: Neff)

Sie sind nicht der Typ für eine offene Küche, wenn… Sie zu Unordnung neigen, gern Ihre Ruhe haben oder Gäste nur in der guten Stube empfangen wollen. (Foto: Neff)

 

5 … Sie der perfekte Gastgeber sein wollen

Der Sekt steht kalt, die Häppchen sind vorbereitet und Sie selbst warten im aufwändigen Abendoutfit auf Ihre Gäste? Gut, wer sich so organisieren kann. Doch machen wir uns nichts vor: Oftmals herrscht in der Küche noch gepflegtes Chaos, während man die Gäste bereits lächelnd ins Wohnzimmer diktiert. Wer nun in Ruhe entkorken und vorbereiten möchte, ist froh über einen separaten Küchenraum. Hier guckt man dem Gastgeber nicht ständig auf die Hände.

 

6 … Sie bunte Räumlichkeiten bevorzugen

Farben beeinflussen unsere Stimmung, soviel ist klar. Ein kräftiger Blauton beruhigt uns, Grün macht uns Hoffnung, Gelb stimmt uns fröhlich. Schön, wenn Sie auch Ihre Wohnung in fröhlichen, bunten Farbtönen wählen. Wer allerdings seine Küche und seinen Wohnraum aufeinander abstimmen muss, weil sich das eine dem anderen hin öffnet, setzt mit Bedacht auf gedeckte Farben oder den ewigen Klassiker der weißen Küche: Schließlich muss das Design harmonisch sein, wenn man zwischen den Räumlichkeiten nicht wechseln kann.

 

 

>> Wie Sie eine offene Küche dennoch realisieren können

Nicht jeder Einrichtungstrend passt zum persönlichen Gemüt. Dennoch gibt es gestalterische und technische Zwischenlösungen, die auch Sie anstreben können, um eine moderne, offene Küche Ihr Eigen zu nennen.

 

Tipp zu Problem 1: Ein guter Kochfeldabzug kann hier Abhilfe schaffen. Dieser saugt Gerüche dort ab, wo sie entstehen, sodass sich Wrasen nicht weit im Raum ausbreiten können. Ein Dampfbackofen ist überdies die gesündere und geruchsfreiere Variante zum Anbraten auf dem Herd. Vielleicht werden Sie damit sogar zum Fan der offenen Küche.

 

Mit einem Kochfeldabzug breiten sich Gerüche gar nicht erst im Wohnraum aus. (Foto: Neff)

Mit einem Kochfeldabzug breiten sich Gerüche gar nicht erst im Wohnraum aus. (Foto: Neff)

 

 

Tipp zu Problem 2: Es gibt halboffene Küchen, die dank eines Mauervorsprungs vor Blicken geschützt sind, sich aber dennoch dem Raum hin öffnen. Ebenso eignen sich versteckte Küchen, die mit Schiebetüren oder Jalousien arbeiten und den Arbeitsbereich damit verdecken. So lässt sich Unordnung für eine gewisse Zeit verbergen. Ansonsten gilt: Bleiben Sie streng mit sich und räumen Sie die Küche sofort nach Benutzung auf. Das schützt auch vor verkrusteten Essensresten und Gerüchen.

 

Chaos in der Küche? Lässt sich mit geschickten Mauervorsprüngen oder einer Schiebetür im Handumdrehen beseitigen. So bleibt das schmutzige Geschirr in der Spüle vor neugieren Blicken verborgen. (Foto: Martin Architects/ Home Designing)

Chaos in der Küche? Lässt sich mit geschickten Mauervorsprüngen oder einer Schiebetür im Handumdrehen beseitigen. So bleibt das schmutzige Geschirr in der Spüle vor neugieren Blicken verborgen. (Foto: Martin Architects/ Home Designing)

 

 

Tipp zu Problem 3: Bestücken Sie offene Küchenregale mit Alltagsgegenständen wie Tellern und Tassen, die Sie jeden Tag in Gebrauch haben und somit stets gereinigt halten. Selten benutzte Gegenstände sollten als Staubfänger hinter geschlossene Küchenschranktüren wandern. Auch, wenn Sie nicht der Typ für eine offene Küche sind, erspart Ihnen das Zeit und Nerven.

 

Wenn Sie sich gegen potentielle Staubfänger schützen wollen, stellen Sie Alltagsgegenstände wie Geschirr in die offenen Regale. Die benutzen Sie sowieso jeden Tag. (Foto: Mikko Ryhänen, Design: Joanna Laajisto)

Wenn Sie sich gegen potentielle Staubfänger schützen wollen, stellen Sie Alltagsgegenstände wie Geschirr in die offenen Regale. Die benutzen Sie sowieso jeden Tag. (Foto: Mikko Ryhänen, Design: Joanna Laajisto)

 

 

Tipp zu Problem 4: Erkundigen Sie sich nach besonders geräuscharmen Küchengeräten, deren Dezibellautstärke im Handel „flüsterleise“ genannt wird. Bei modernen Geräten können Sie den Prozessfortschritt – beispielsweise beim Geschirrspüler oder Backofen – zudem auf dem Smartphone verfolgen.

 

Der EcoFlex-Geschirrspüler von Miele kann bedenkenlos in einem offenen Wohnraum eingesetzt werden: Er spült das Geschirr nicht nur in weniger als einer Stunde, sondern auch noch "flüsterleise". (Foto: Miele)

Der EcoFlex-Geschirrspüler von Miele kann bedenkenlos in einem offenen Wohnraum eingesetzt werden: Er spült das Geschirr nicht nur in weniger als einer Stunde, sondern auch noch “flüsterleise”. (Foto: Miele)

 

 

Tipp zu Problem 5: Beziehen Sie Ihre Gäste in den Kochvorgang ein. Gemeinsames Zubereiten und Verzehren wirkt nicht nur geselliger und stimmungshebend, sondern lässt gleichzeitig die Toleranzgrenze für Unordnung in der Küche steigen.

 

Wenn Sie schon nicht der Typ für eine offene Küche sind, dann ja vielleicht der Typ zum Kochen mit Freunden? Beim gemeinsamen Zubereiten fällt das Chaos jedenfalls weniger auf. (Foto: Neff)

Wenn Sie schon nicht der Typ für eine offene Küche sind, dann ja vielleicht der Typ zum Kochen mit Freunden? Beim gemeinsamen Zubereiten fällt das Chaos jedenfalls weniger auf. (Foto: Neff)

 

Tipp zu Problem 6: Leben Sie Ihre Farbenfrohheit in Accessoires aus. Wer eine solide Mischung aus harmonischen Einzeltönen für Küche und Wohnzimmer wählt, hat mehr Freiheiten, wenn es um die Bestückung mit Kissen, Vasen, Tischdecken, Blumen und Bildern geht. Bunte Farbtupfer wirken auch dezenter als ein wilder Farbmix im Größenformat.

 

Es muss ja nicht immer die weiße Küche sein: Wer eine Einheitsfarbe wählt - auch wie hier beispielsweise Blau - kann verschiedene bunte Accessoires dazu kombinieren und trotzdem einen harmonischen Wohnraum erzeugen. (Foto: designtrends.com)

Es muss ja nicht immer die weiße Küche sein: Wer eine Einheitsfarbe wählt – auch wie hier beispielsweise Blau – kann verschiedene bunte Accessoires dazu kombinieren und trotzdem einen harmonischen Wohnraum erzeugen. (Foto: designtrends.com)

 

 

Fazit: Die offene Küche ist eine tolle Angelegenheit. Mit ein bisschen gutem Willen ist jeder als Typ für eine offene Küche geeignet! Finden Sie unter diesem Link geeignete Studios, die Sie ausführlich zu Ihrer Küche beraten können.

 

Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.