Ein französisches Schloss aus dem 15. Jahrhundert – und mittendrin eine moderne Küche mit Insel, die den Raum überraschend in die Gegenwart holt. Der ursprüngliche Raum war jedoch alles andere als eindeutig: rohes Gemäuer, krumme Wände, kaum klare Achsen.
Genau diese Besonderheiten reizten das Team vom Küchen Atelier Piekarz aus Berlin, das für seine präzise Handschrift bekannt ist. Das Ergebnis: ein Küchenraum, der das Château neu definiert – ohne seine Geschichte zu übertönen.

Schloss von Belet: Wie aus einem französischen Gemäuer ein Boutique-Hotel wurde
Das Château de Belet ist eines dieser seltenen Anwesen, die man eher aus Filmen kennt als aus Immobilienportalen. Das im Jahr 1462 erbaute Anwesen liegt in der französischen Region Dordogne, genauer gesagt in der Nähe der Stadt Saint-Aquilin. Eingebettet zwischen den Weinregionen von Bordeaux und den Trüffelgebieten des Périgords und umgeben von 110 Hektar eigenem Wald, scheint hier die Zeit stillzustehen.
Als ein amerikanisches Paar, das im Interior Design tätig ist, das Schloss erwarb, sahen sie darin nicht nur ein historisches Juwel, sondern auch das Fundament für eine neue Art von Gastlichkeit. Sie wollten den Ort für Gäste, Gruppen, Hochzeiten und Retreats öffnen. Und ihn zu einem kleinen Boutique-Hotel entwickeln, in dem Geschichte erlebbar ist, ohne museal zu wirken.
Mit hochwertigen Handwerksbetrieben begann eine umfassende Renovierung, die die Räume sanft erneuerte und zugleich die authentische Substanz bewahrte. Und genau in diesem Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Neuanfang entstand der Wunsch nach einer Küche, die dem neuen Kapitel gerecht wird.

Die überraschende Inspiration der Küche mit Insel
Mittlerweile umfasst das Château acht individuell gestaltete Zimmer, die nach französischen Malern benannt sind. Dazu gibt es einen Außenpool, einen privaten Koch- und Concierge-Service sowie Räume für Workshops.
Alles wirkt heute selbstverständlich in seiner neuen Rolle. Doch am Anfang stand die grundlegende Frage: Wie entwickelt man eine Vision dafür, wie ein jahrhundertealtes Schloss in der Moderne aussehen soll?

Bei der Küche zumindest war die Antwort überraschend einfach. Auf einem Werbebild des italienischen Küchenherstellers Valcucine entdeckte das Besitzerpaar genau den Kontrast, der sie faszinierte: eine moderne, fein ausgearbeitete Küche vor einem rohen, historischen Hintergrund.
Diese Gegenüberstellung – technisch klar auf der einen Seite, ungezähmt und ursprünglich auf der anderen – wurde sofort zum Ausgangspunkt ihrer Idee. Die Küche sollte nicht nur funktional sein, um Gäste täglich zu versorgen, sondern auch ein architektonisches Statement setzen.
Doch schnell zeigte sich, dass der Raum seine eigenen Regeln hat. Meterdicke Mauern, unebene Flächen und kaum ein rechter Winkel verlangten nach Präzision und Erfahrung. Ein moderner Küchenraum in einem 560 Jahre alten Schloss – das ist kein gewöhnliches Projekt.
Genau deshalb brauchte es ein Studio, das bereit war, diesen Spagat mitzugehen und die Vision des Paares in einem anspruchsvollen baulichen Umfeld umzusetzen. So führte ihr Weg schnurstracks ins Küchen Atelier Piekarz in Berlin. Das Studio ist für ihre präzise Planung und sensible Materialarbeit bekannt.


Die Küche: Insel, Funktionen und räumlicher Mittelpunkt
Schon in den ersten Gesprächen wurde deutlich, dass diese Küche mit Insel mehr sein sollte als ein ästhetisches Statement. „Sie sollte die architektonische Besonderheit des Schlosses unterstreichen, aber zugleich den vielfältigen Alltag im Boutique-Hotel tragen – vom Frühstück bis zum Kochkurs“, erklärt der verantwortliche Küchenplaner Paul Grzybeck.
Die Insel wurde deshalb zum Zentrum des Raumes: großzügig dimensioniert, offen gestaltet und so angelegt, dass hier sowohl Gäste brunchen als auch der Privatkoch arbeiten und die regelmäßig stattfindenden Kochkurse beginnen können. Ergänzt wird sie durch eine filigrane Frühstückstheke aus Holz. Sie liegt nicht einfach auf, sondern ist über eine spezielle Konstruktion an der Rückwand befestigt. Ein Detail, das die Küchenbar trotz ihrer Massivität leicht wirken lässt und dadurch auch den Raum elegant zoniert.
Ein klarer Gegenpol dazu ist der rote Range Cooker, den die Bauherren unbedingt integrieren wollten. Er ist ein Statement im Raum: farbig, mutig, ikonisch. Zwischen mattiertem Glas, Metallakzenten und den erdigen Tönen des Schlosses setzt er bewusst den Schulterschluss zum antiken Gemäuer.

Materialien und Details: Harmonische Kontraste im historischen Raum
Für die Besitzer sollte die Küche modern, klar und funktional sein – aber auch fein genug, um im historischen Gemäuer zu bestehen. Die Wahl von Küchenprofi Paul Grzybeck fiel deshalb auf eine individuell konfigurierte Kombination aus den Kollektionen Artematica und Genius Loci des Herstellers Valcucine.
Artematica, Valcucines Kollektion „der klaren Volumen“, bringt eine ruhige, fast skulpturale Präsenz in den Raum. Durch den leichten Aluminiumaufbau wirken die Fronten präzise gefasst, gleichzeitig überraschend leicht – eher wie Raum-Elemente als klassische Möbelfronten.
Im Schloss entschied man sich bei den Fronten und der Arbeitsplatte für die Ausführung Bronze matt: ein mattes Glas mit metallisch-warmem Unterton, der eine ruhige Tiefe erzeugt. Das Glas wirkt weich, fast samtig, und setzt einen modernen Gegenpol zu der bewusst rau belassenen Steinwand und den präsenten Holzbalken.
Je schöner das Ergebnis, desto schwieriger die Umsetzung, möchte man hier fast meinen. Glas ist schließlich millimetergenau, das Schloss dagegen keineswegs. „Die Wände waren überall unterschiedlich stark und nicht ganz gerade oder im rechten Winkel,“ erzählt Paul Grzybeck. Um die Küche bündig einzupassen, mussten seine Monteure die Backsteinwand millimetergenau zurücknehmen, bis die Küchenmöbel bündig anlagen. „Ein Schloss arbeitet nicht mit dir – sondern du mit ihm. Da braucht es Fingerspitzengefühl,“ erinnert sich der Profi.

Eine Küche mit Insel – aber auch mit geheimen Details
Die Artematica-Architektur wird durch Elemente der Valcucine-Kollektion Genius Loci ergänzt. Ihr prägendstes Detail ist die schräg angeordnete, versteckte Schublade direkt unter der Arbeitsplatte – ein Element, inspiriert von antiken Sekretären.
In einem 560 Jahre alten Gebäude entfaltet diese Idee besonderen Charme: ein nahezu geheimes Fach, modern interpretiert und mit handwerklicher Präzision gefertigt. Die abgeschrägte Blende ließ Paul Grzybeck in Titanium Bronze ausführen. Das warm schimmernde Metall verankert sich optisch zwischen dem mineralischen Glas und den erdigen Schlossmaterialien.
Für Struktur im Arbeitsbereich sorgt die schwarze Zubehörbrücke auf der Kücheninsel. Sie lässt sich flexibel und individuell bestücken. Etwa mit Steckdosen für Kleingeräte, Abtropfschalen für Tassen und Gläser sowie Holzbehälter für frisches Obst oder Kräuter. Außerdem teilt sie den Raum optisch, ohne ihn zu verschließen. Ein kleines, aber wirkungsvolles Ordnungssystem in einer Küche, das täglich von vielen Händen genutzt wird.
Fazit: Ein Raum, der Geschichte weiterträgt – und erlebbar macht
Am Ende ist diese Küche mehr als ein gelungenes Planungsprojekt. Sie zeigt, wie zeitgenössisches Design und jahrhundertealte Architektur sich gegenseitig stärken können, ohne dass eines das andere überstrahlt.
Und das Beste: Man kann all das selbst erleben. Wer im Château de Belet übernachtet – ob für einen Kurztrip oder eine längere Auszeit – steht genau in diesem Raum, sieht das Zusammenspiel von Glas, Stein und Licht mit eigenen Augen. Und spürt, wie selbstverständlich sich die Küche in das historische Gemäuer fügt.
Auch die Handschrift des Küchen Atelier Piekarz bleibt unverkennbar: in der Präzision, der Materialwahrheit und der Ruhe, die diese Planung ausstrahlt.
>> Wer mehr über das Berliner Studio erfahren oder weitere Projekte entdecken möchte, findet auf der Studiodetailseite einen Einblick in die Arbeit eines Teams, das selbst anspruchsvollste Räume mit Feingefühl transformiert.
