Nicht umsonst startet das inoffizielle Küchenalphabet mit A wie Armatur: Am Wasserplatz in der Küche beginnt schließlich nahezu jeder Kochprozess – und auch beim Thema Trinkwasser hat das Produkt mit Filter-, Sprudel- und Heißwasserwasserarmaturen in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Ein Überblick über die wichtigsten Begriffe rund um die Küchenarmatur.

Von A bis Z: Darum ist die Küchenarmatur so wichtig
Der wichtigste Ort in der Küche? Ist tatsächlich weder der Platz am Esstisch noch der vor dem Kühlschrank – funktional gesehen, jedenfalls. Eine viel größere Rolle spielt nämlich die Küchenarmatur. Nahezu jeder Vorgang kommt mit ihr in Berührung: Wir zapfen Wasser zum Kochen, säubern Obst und Gemüse, reinigen Geschirr und unsere Hände – und neuerdings stillen wir hier auch vielfach unseren Durst.
Kaum ein Gegenstand in der Küche hat in den vergangenen Jahren eine derart starke Transformation durchlebt. Vom simplen Wasserspender bis hin zum multifunktionalen Arbeitsplatz erfüllt die Küchenarmatur verschiedene Rollen. Was unscheinbar wirkt, rückt übrigens immer öfter in den Fokus von Designern und Herstellern. Und zwar buchstäblich: Schließlich ist die Armatur oft noch das einzig sichtbare Funktionswerkzeug in minimalistisch gestalteten Küchenräumen.
Von A wie ausziehbare Brause bis Z wie Zweigriffarmatur: Wir geben einen Überblick zu aktuellen Modellen, Anschlüssen und Möglichkeiten der modernen Küchenarmatur.

Anschluss-Arten der Küchenarmatur
Hochdruck-Küchenarmatur
Sie ist der Standard in 90 bis 95 Prozent aller Haushalte: Die Hochdruckarmatur wird an die zentrale Warm- und Kaltwasserversorgung angeschlossen und mischt beide Leitungen direkt im Hahn. Dadurch steht sofort heißes Wasser in unbegrenzter Menge zur Verfügung.
Niederdruck-Küchenarmatur
Sie kommt zum Einsatz, wenn das Warmwasser über einen Untertischboiler erzeugt wird. Drei Schläuche für Zulauf, Ablauf und Kaltwasser sorgen dafür, dass der Boiler befüllt und das erwärmte Wasser wieder ausgegeben wird. Erst im Boiler findet also das Erhitzen statt – daher ist eine Wasserversorgung in der Küche auch ohne zentralen Anschluss möglich. Aber: Wird viel warmes Wasser auf einmal benötigt (z. B. beim Abwasch), kann der Vorrat im Boiler aufgebraucht sein. Geräte speichern in der Regel zwischen 5 bis 15 Liter.
Ebenfalls aufgepasst: Eine falsche Kombination mit Hochdruck kann den Boiler zerstören. Nur eine Niederdruckarmatur verhindert Überdruck und schützt so den Boiler vor Schäden.

Bedien-Arten der Küchenarmatur
Einhebelmischer
Einhebelmischer sind heute am weitesten verbreitet. Mit nur einem Hebel lassen sich Wassermenge und Temperatur an der Küchenarmatur komfortabel regeln. Das spart Zeit im Alltag und macht die Handhabung besonders intuitiv. Die erfolgt übrigens nicht immer nur über einen seitlich angebrachten Hebel: Auch am Kopf der Armatur kann das Bedienelement angebracht sein – oder sogar separat am Spülbecken, was den Zugriff ergonomisch macht und die Küchenarmatur besonders schlicht als solitäres Statement wirken lässt.
Zweigriffarmatur
Sieht verspielt aus, erinnert an romantische Cottages und vermittelt nostalgischen Charme: Die Zweigriffarmatur kennt man hierzulande noch aus älteren Küchen oder eben aus dem Urlaub. Sie ist die klassische Lösung mit zwei Drehgriffen für Warm- und Kaltwasser. Das erlaubt eine sehr präzise Temperatureinstellung, ist im Vergleich zum Einhebelmischer jedoch deutlich weniger praktisch für eine lauwarme Mischtemperatur – und verbraucht mehr Wasser, bis die gewünschte Temperatur aus dem Hahn herausfließt.



Sensorarmatur
Eine High End-Lösung mit hohem, funktionalem Nutzen: Die Sensorarmatur ist eine Küchenarmatur, deren Wasserlauf berührungslos über einen Infrarotsensor ausgelöst wird. Das geschieht wahlweise per Handbewegung, wie man es vielfach aus dem öffentlichen Raum kennt – oder aber über einen Kontakt am Boden, der mit dem Fuß ausgelöst wird.
Diese Variante hat Vor- und Nachteile: Sie sorgt für Hygiene und spart Wasser, da kein Griff mehr betätigt werden muss. Andererseits benötigt sie Strom über eine Batterie oder ein Netzteil – und braucht eine hohe Toleranz, um nicht permanent im Vorbeigehen oder durch Haustiere ausgelöst zu werden.
Einbau-Arten der Küchenarmatur
Eine Küchenarmatur lässt sich auf verschiedene Weise installieren: Als klassische Standarmatur direkt auf oder hinter der Spüle, als Vorfenster-Variante mit klappbarem Auslauf oder als Wandarmatur für puristische Küchenkonzepte. Welche Einbau-Art passt, hängt stark von den baulichen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben ab – denn sie beeinflusst nicht nur die Optik, sondern auch den Komfort bei der täglichen Nutzung.
Stand-Armatur
Die Standarmatur ist die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Variante in der Küche. Sie wird direkt in ein Loch an der Spüle oder Arbeitsplatte eingesetzt und von unten fest verschraubt. Der Wasseranschluss erfolgt über flexible Schläuche im Unterschrank der Küchenzeile. Als Standardlösung bietet diese Küchenarmatur die größte Auswahl an Formen, Funktionen und Preisklassen.

Wandarmatur
Bei einer Wandarmatur sind die Wasserleitungen nicht unterhalb der Spüle angebracht, sondern werden unter Putz in der Wand verlegt. Dort enden sie an einem speziellen Einbaukörper (Unterputz-Box), der die Anschlüsse für Warm- und Kaltwasser bündelt. Auf diesen Unterputzkörper wird dann die sichtbare Armatur montiert – direkt entlang der Küchenwand. Das spart Platz auf der Arbeitsfläche und wirkt überaus elegant, erfordert aber eine entsprechende Wasserinstallation.

Vorfenster-Armatur
Eine besondere Art der Küchenarmatur und eine erstaunliche Erfindung ist die „Vorfensterarmatur„. Dennoch wird das Verbauen von Spülbecken vor dem Fenster oft vermieden, weil Nutzerinnen und Nutzer dadurch auf Vorfenster-Armaturen angewiesen sind. Mittlerweile gibt es aber zahlreiche Lösungen aus der Industrie, die sich unkompliziert im Alltag anwenden lassen: Diese Küchenarmaturen sind klappbar oder herausnehmbar aus dem vorgebohrten Loch entlang der Spüle, sodass sich das Fenster dahinter oder daneben problemlos öffnen lässt. Die Funktion ist dadurch nicht beeinträchtigt.


Auslauf und Schlauch der Küchenarmatur
Schwenkbarer Auslauf
Viele Küchenarmaturen lassen sich um 120° bis 360° drehen. Damit wird die Arbeit mit großen Töpfen oder Doppelspülen deutlich einfacher. Das sorgt für Flexibilität am Arbeitsplatz entlang der Spüle.
Mit ausziehbarer Schlauchbrause
Flexibel und praktisch: Der Brauseschlauch lässt sich aus dem Armaturen-Kopf herausziehen und erleichtert das Reinigen des Beckens oder den Spülvorgang sperriger Gegenstände. Ebenso lassen sich Behälter damit schneller befüllen, zum Beispiel Gießkannen, Wasserkaraffen oder Kochtöpfe.

Tipp: Ja, selbst bei den ausziehbaren (Schlauch-)Brausen entlang der Küchenarmatur wird es vielfältig. Möglich ist z.B. eine „pull-out“-Variante, das heißt, die Brause wird waagerecht herausgezogen – praktisch bei kleineren Becken. Im „pull-down“-Modus wiederum wird die Brause senkrecht nach unten gezogen, oft aus hohen, bogenförmigen Armaturen. Das imitiert Profi-Küchen und bietet viel Spielraum, benötigt aber deutlich mehr Platz in der Beckenhöhe.
Tipp 2: Manche Modelle bieten zwei oder drei Strahlarten, z. B. einen gebündelen Strahl, einen Brausestrahl und einen Spülstrahl. So kann man flexibel zwischen kräftigem Reinigen und sanftem Abspülen wechseln. Besonders beliebt bei neuwertigen Küchenarmaturen ist der Laminarstrahl: Das ist ein glasklarer, nicht spritzender Wasserstrahl ohne Luftbeimischung. Damit lassen sich auch empfindliche Obst- und Gemüsesorten schonend säubern.

Besondere Küchenarmaturen: Filter, Heißwasser, Kaffee
Jetzt wird es richtig spannend: Was die moderne Küchenarmatur bietet, macht die Wasserstelle zum Eldorado für Gastgeberinnen und Hobbyköche. Musste man sich früher zwischen einzelnen Funktionsmodellen entscheiden, beispielsweise zwischen einer Filterarmatur und einer Heißwasserarmatur, lässt sich mittlerweile per Multifunktions-Armatur alles direkt aus einem Hahn zapfen – auf Knopfdruck und in verschiedenen Temperaturen und Intensitäten. Apps und Touch-Displays helfen dabei, den Überblick zu behalten und Sauerstoff- oder Filtereinheiten rechtzeitig auszutauschen.
Heißwasser-Armatur
Grohe und Quooker machten es vor, Blanco und Franke zogen nach: Heißwasser-Armaturen sind das wohl spannendste „Gimmick“ am Wasserplatz der Küche. Sie liefern auf Knopfdruck kochendes Wasser direkt aus dem Hahn – mitunter sogar in mehreren Temperaturabstufungen von 70°, 80° und 100°C. Damit lassen sich Koch- und Aufbrühprozesse um ein Vielfaches beschleunigen, beispielsweise beim Befüllen von Töpfen und Teetassen, Überbrühen von Gemüse, Aufkochen von Instant-Suppen, Erwärmen, Simmern oder Schmelzen von Lebensmitteln oder Sterilisieren von Gegenständen. Sicherheitssysteme verhindern Verbrühungen im Alltag, beispielsweise durch patentierte Druck- und Drehverfahren oder Farbwarnsysteme.

Trinkwasser-Armatur
Was darf’s heute sein? Gastgeberinnen und Gastgeber laufen mit einer Trinkwasser-Küchenarmatur zur Höchstform auf: Viele Multifunktionsarmaturen bieten heute (zum Teil bereits vorgefiltertes) Wasser in stiller oder sprudelnder Form – teils auch als „medium“-Variante oder zusätzlich gekühlt. Das spart nicht nur lästiges Kistenschleppen, sondern schont auch den Geldbeutel und die Umwelt – und bedient verschiedene Geschmäcker in Mehrfamilienhaushalten.
Filter-Armatur
Leitungswasser zählt in nahezu allen europäischen Ländern als saubere und kostengünstige Trinkquelle. Dennoch kommen Filter-Küchenarmaturen dort zum Einsatz, wo das Wasser besonders hart (d.h. verkalkt) ist oder feinste, kaum messbare Verunreinigungen durch Mikroplastik, Chlor oder Bakterien aufweist. Filter-Armaturen wirken in der Regel zu 99,9 Prozent gegen Kalk, Keime, Hormone, Pestizide, Rost und sonstige Rückstände. So wird Leitungswasser geschmacklich verbessert und Küchengeräte gleichzeitig geschützt. Eine nachhaltige Lösung für bewusste Genießerinnen und Genießer.

Mineralien-Armatur
Apropos Genuss: Neben der sorgfältigen Reinigung von Rückständen können Filterarmaturen herkömmlichem Leitungswasser auch gezielt Mineralien zusetzen. Hansgrohe macht es mit seinem Modell „Aqittura M91“ vor: Dank der Mintec®-Mineralisierungstechnologie wird das Wasser mit Magnesium, Calcium, Kalium oder Natrium angereichert, die den täglichen Bedarf an Mikronährstoffen für einen ausgewogenen Lifestyle unterstützen können.

Tee-Armatur
Heißwasser- bzw. Kochendwasser-Armaturen ersetzen den Wasserkocher im modernen Küchenraum, schaffen Platz auf der Arbeitsfläche und liefern die perfekte Siedetemperatur – und ja, auch jene, die zum Aufbrühen bestimmter Teesorten benötigt wird. So sollte Grüner Tee lediglich mit 70° bis 80°C aufgekocht werden, um Bitterstoffe zu vermeiden und den perfekten Trinkgenuss zu erhalten. Auch Weißer Tee wird aus sehr feinen Blättern gewonnen, die bei kochendem Wasser „verbrennen“ würden – die Lösung ist maximal 85°C heißes Wasser. Schwarztee wiederum zieht am besten bei 90°C, während Kräuter- und Früchtetee bedenkenlos mit kochendem Wasser aufgegossen werden kann. Kurzum: Küchenarmatur-Hersteller haben bereits nachgerüstet und bieten mit verschiedenen Modellen bereits unterschiedliche Stufen heißen Wassers an. It’s teatime!
Kaffee-Armatur
Eine Spezialität, die sich anschickt, den Küchenraum zu erobern: Die Kaffee-Armatur, z.B. aus dem Hause Gessi, liefert nicht nur heißes Wasser direkt aus dem Hahn. Sondern kann beim Modell „Vita Gessi Caffè“ auch mit einer Kaffeekapsel bestückt werden, die daraus frischen Espresso aufbrüht. Schon bald soll das Modell auch in Deutschland erhältlich sein. Bleibt davon auszugehen, dass so einige andere Hersteller schon bald beim „la dolce vita“ nachziehen werden…

Materialien für die Küchenarmatur: Glänzende Ideen
Nicht nur formschön, sondern auch farbig – und immer öfter extravagant: Im Materialbereich für Küchenarmaturen reicht die Auswahl heute von klassischem Chrom über Edelstahl bis hin zu farbig beschichteten Oberflächen.
Edelstahl gilt als besonders robust, hygienisch und langlebig, während Chrom glänzend und pflegeleicht ist. Pulverbeschichtete Varianten in Schwarz, Weiß oder Trendfarben setzen individuelle Designakzente und sind meist ebenso widerstandsfähig.
Auch Messing, Kupfer oder Goldoptik finden zunehmend ihren Platz im Küchenraum und erheben die Küchenarmatur zu einem stilprägenden Element. Diese Veredelung erfolgt über eine hauchdünne PVD-Beschichtung (Physical Vapour Deposition), die die Armatur besonders kratzfest, korrosionsbeständig und farbstabil – selbst bei intensiver Nutzung.

>>> Küchenarmatur ist nicht gleich Küchenarmatur: Es lohnt sich, beim Fachgespräch dafür mehr Zeit einzuplanen, um allen Bedürfnissen im Haushalt gerecht zu werden und die Armatur an die Optik des Küchenraums anzupassen. Lassen Sie sich jetzt bei einem unserer geprüften Händlerinnen und Händler in Deutschland oder Österreich beraten.
