Küchengeräte mieten im Abo-Modell: „BlueMovement“ von Bosch

Küchengeräte zählen zu den teuersten Anschaffungen im Rahmen eines Küchenkaufs. Besonders die neue, nachhaltige Bewegung auf dem Markt treibt den Preis in die Höhe. Wie einfach wäre es da, wenn man Küchengeräte mieten könnte? Das Start-Up „BlueMovement“, gestützt und gefördert vom Bosch-Konzern, will das möglich machen. Zumindest für kurzzeitigen Bedarf dürfte das interessant sein – und auch die Nachhaltigkeit in der Küche weiter vorantreiben. Dennoch bleiben Fragen beim Preis.

Einen Kühlschrank für 15,99 € im Monat mieten? Wer nun denkt, die florierende Sharing-Economy treibe mitunter ein paar wahnwitzige Stilblüten, der täuscht sich. Tatsächlich ist es möglich, und wird seit wenigen Tagen auch massentauglich im Radio beworben. „BlueMovement“ nennt sich die Plattform, auf der künftig neben Kühlgeräten auch Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner in einem Abo-Modell ausgeliehen werden können – Abholservice alter Geräte sowie Reparatur und Wartung inklusive. Dahinter steckt der traditionsbewusste Konzern Bosch, der sich mit „BlueMovement“ auf ein spannendes Experiment einlässt.

Kühlschrank alt, kaputt oder nicht mehr energieeffizient? Wer auf ein neues Gerät umsteigen möchte, kann sich sein Küchengerät ab sofort mieten. (Foto: stock/ Richard Johnson)
Kühlschrank alt, kaputt oder nicht mehr energieeffizient? Wer auf ein neues Gerät umsteigen möchte, kann sich sein Küchengerät ab sofort mieten. (Foto: stock/ Richard Johnson)

Mieten statt kaufen – ein immer alltäglicheres Prinzip

Sharing is caring, das gilt heutzutage nicht allein für die gemeinsamen Mahlzeiten, die in deutschen und österreichischen Großstädten gerne auf kleinen Tellerchen serviert und untereinander geteilt werden. Auch Autos, Räder, Kleidung oder gar die eigene Wohnung werden mittlerweile mit Fremden geteilt; in der Regel für eine befristete Zeit und gegen Geld.

Nicht immer – aber zum Glück häufig – stecken hehre Ziele dahinter. Während Käuferinnen und Kunden gebrauchter Kleidung (heute gern als „pre-loved“ bezeichnet) mit der Langlebigkeit des Produkts eine gewisse Nachhaltigkeit forcieren oder Städter, die aufs gemietete Rad springen, ohne CO2-Ausstoß zum Ziel kommen, verfolgt die Industrie mit ihrem Angebot der Sofort-Miete von Autos (Car-Sharing) wohl kaum die Reduktion von Treibhausgasen.

Vielmehr versuchen große Automarken hierbei, künftige Fahrerinnen und Fahrer mit verschiedenen Modellen auf den Geschmack zu bringen und an sich zu binden. Immerhin: günstiger als ein eigenes Auto kommt es dem Geldbeutel der Privatperson allemal zu stehen, und auch einige Elektroautos finden langsam den Weg ins Mietwagengeschäft. Der Erfolg des „Sharing“-Konzepts basiert aus Unternehmenssicht hauptsächlich auf der ständigen Markenpräsenz und aus Verbrauchersicht auf der Verwendung-ohne-Verpflichtung. Aber ist dieses Prinzip auch nachhaltig?

Teilen kann man vieles - vom Stadtfahrrad bis zur gebrauchten Klamotte. Küchengeräte mieten eröffnet jedoch ein neues Feld. (Foto: stock/ zapp2photo)
Teilen kann man vieles – vom Stadtfahrrad bis zur gebrauchten Klamotte. Küchengeräte mieten eröffnet jedoch ein neues Feld. (Foto: stock/ zapp2photo)

Das Angebot von BlueMovement by Bosch: Küchengeräte mieten im Monats-Abo

Auf der Website www.bluemovement.com steht dem oder der Abonnent:in von BlueMovement eine gewisse Auswahl an Elektrogeräten aus dem Bosch-Haushaltssortiment zur Verfügung, das vermutlich mit der Zeit noch aufgestockt werden dürfte. Bislang befinden sich Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspülmaschinen und Kühlgeräte sowie Tiefkühler im Sortiment.

Für einen monatlichen Festpreis bezieht man das gewünschte Gerät und kann, bei Bedarf, auf einen kostenfreien Reparaturservice zurückgreifen. Die erste Anlieferung kostet einmalig 40 Euro, dafür wird im Gegenzug das alte Gerät kostenfrei mitgenommen und entsorgt.

Zudem können Nutzerinnen und Nutzer zwischen völlig neuen Produkten und „pre-loved“-Modellen wählen, die von Bosch persönlich gewartet und aufpoliert werden. So entsteht ein Markt für gebrauchte Elektrogeräte, den es so bislang nur auf Händlerplattformen gibt, nicht aber kuratiert vom Unternehmen selbst.

Bosch verspricht, lediglich „sehr nachhaltige Geräte“ in das Sortiment von BlueMovement aufzunehmen. Somit können Bestandskundinnen und Neukäufer nachhaltige Produkte zunächst austesten, bevor sie sie kaufen oder langfristig mieten. Mit letzterem umgeht man zudem hohe Anschaffungskosten oder plötzliche Reparaturkosten und spart Zeit und Nerven.

Im BlueMovement-Abo ist es möglich, verschiedene Haushalts- und Küchengeräte zu mieten. (Foto: Screenshot bluemovement.com)
Im BlueMovement-Abo ist es möglich, verschiedene Haushalts- und Küchengeräte zu mieten. (Foto: Screenshot bluemovement.com)

Für wen ist es interessant, Küchengeräte zu mieten?

Mit dem BlueMovement-Modell von Bosch besitzt man seine Einbaugeräte nicht, sondern wird lediglich als „Benutzer/in“ eingetragen. Dafür kann das Abo nach Ablauf einer Mindestmietdauer von drei Monaten innerhalb von 14 Tagen gekündigt und somit – das ist zumindest denkbar – auch das Bezugsgerät geändert werden. So könnten Käuferinnen und Kunden verschiedene Geräte für sich zunächst testen, bevor sie sich für den Kauf entscheiden. Allerdings ist die Auswahl der Miet-Geräte bei BlueMovement von Bosch bislang noch recht begrenzt.

Reizvoll ist die BlueMovement-Kampagne unterdes auch für Menschen, die beruflich einige Jahre in eine andere Stadt ziehen und sich deshalb nur temporär einrichten möchten. Hierfür ist es allemal nachhaltiger, auf den Service von Bosch zurückzugreifen, als ein gänzlich neues Produkt für kurze Zeit zu erstehen.

Ebenso Sinn hat das Modell für junge Studierende, die noch nicht abschätzen können, ob es sie nach kurzer Zeit an eine andere Uni oder in eine neue WG verschlägt. Und wer ein bestimmtes Gerät vor einer Langzeitmiete erst einmal mit seinen Mitbewohnern testen möchte, kann dies ebenfalls über BlueMovement tun – warum nicht?

Eine weitere Zielgruppe ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten: aufgrund der derzeit hohen Nachfrage nach Elektrogeräten und dem damit verbundenen Lieferstau warten Käuferinnen und Käufer von Küchen aktuell mitunter mehrere Monate, bis sie das bei der Planung festgeschriebene Einbaugerät endlich erhalten. Wer nicht ein halbes Jahr oder länger auf seinen Kühlschrank oder Geschirrspüler verzichten will, kann die Zeit mit dem Service BlueMovement von Bosch nachhaltig überbrücken.

Die neue Waschmaschine ist nicht mal eben drin oder ein Küchengerät wird nur vorübergehend gebraucht? Die BlueMovement-Initiative schafft Abhilfe. (Foto: Bosch)
Die neue Waschmaschine ist nicht mal eben drin oder ein Küchengerät wird nur vorübergehend gebraucht? Die BlueMovement-Initiative schafft Abhilfe. (Foto: Bosch)

Küchengeräte mieten: Verbraucher an höhere Preise im nachhaltigen Sektor gewöhnen

Die Idee, Küchengeräte mieten zu lassen, entspringt jedoch nicht nur humanitären Beweggründen, um Menschen die Chance zum „Testen“ zu geben. Vielmehr dürfte es ein wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Küchensektor sein.  

Die nächste Generation an Küchenkäufern steht in den Startlöchern, und sie ist so politisch und umweltbewusst wie nie zuvor. Spätestens, seit die EU im März 2021 das neue Energieeffizienzlabel verpflichtend einführte, wird vielen Konsumentinnen und Käufern bewusst, dass ihr Markengerät daheim – ob nun Kühlschrank, Geschirrspüler oder Waschtrockner – doch nicht so sparsam ist, wie das alte Label mit der Auszeichnung „A+++“ es vermuten ließ. Oftmals rutschen Geräte aus dieser Kategorie in die Sparte E (bei einer Skala von A-F) ab.

Die Geräteindustrie muss sich nun anstrengen, um größere Erfolge in Sachen Klimaschutz und Energieverbrauch einzufahren und damit ein besseres Energielabel zu erhalten. Das kostet, und nicht selten werden teure Forschungsprojekte innerhalb von Konzernen auf Verbraucherpreise umgelegt. Weil aber selbst der umweltbewussteste Kunde erst an höhere Preise gewöhnt werden muss, die durch eine nachhaltige Produktion zustande kommen, könnte das Miet-Modell ein guter Startschuss sein – auch, um die Bereitschaft auszuloten, wer für umweltfreundliche Produkte mehr Geld zahlen würde.

Insofern ist die „BlueMovement“-Bewegung von Bosch ein kluger Schachzug. Wer sich die teuren Neuzugänge, die energieeffizienter wirtschaften als ältere Modelle, nicht leisten kann oder will, mietet sie zunächst (oder auf Wunsch auch dauerhaft, aber das würde sich finanziell nicht lohnen – darauf gehen wir im nächsten Absatz ein). Das erklärte Ziel: weniger Abfall, mehr Wiederverwendung. Nebenbei erhöht Bosch seine Markenpräsenz bei dieser Klientel und macht sie vertraut mit Bedienung und Design der Geräte.

Nachhaltigkeit zum Nulltarif? Gibt es nicht. Doch wie viel sind Verbraucher:innen bereit zu zahlen? (Foto: stock/ Eisenhans)
Nachhaltigkeit zum Nulltarif? Gibt es nicht. Doch wie viel sind Verbraucher:innen bereit zu zahlen? (Foto: stock/ Eisenhans)

Langlebigkeit ist Nachhaltigkeit: Probleme des Mietmodells von Küchengeräten

Grübelnd lässt einen das Projekt jedoch zurück, wenn es um die Kosten des BlueMovement-Abos geht. Keine Frage: Bosch Hausgeräte steht seit jeher für gut gebaute, langlebige und qualitativ wertvolle Einbaugeräte in der Küche. Doch darin liegt auch genau der Knackpunkt. Langlebigkeit ist ein großer Aspekt von Nachhaltigkeit, wie Konkurrent Miele nicht müde wird zu betonen. Von einem hochwertigen Produkt, wie es ein Bosch-Geschirrspüler oder ein Bosch-Kühlschrank darstellt, erwartet man ohnehin, eine Lebensdauer von über 10 Jahren zu haben und in dieser Zeit auch nicht ständig kaputt zu sein.

Mag der Anschaffungspreis also zunächst hoch sein, so relativieren sich die Kosten mit der Anzahl an Gebrauchsjahren. Der Mietkühlschrank hingegen ist, je nach Modell, rein rechnerisch nach zwei bis drei Jahren abbezahlt. Und dann? Wechselt der Kunde zu einem neuen Modell, fängt er wieder von vorne an zu zahlen. Das wird den Wenigsten schmecken.

Die zukünftige Käufergeneration verlangt nach nachhaltigen Lösungen. Die Frage bleibt: will sie das auch bezahlen? (Foto: stock/ Markus Spiske)
Die zukünftige Käufergeneration verlangt nach nachhaltigen Lösungen. Die Frage bleibt: will sie das auch bezahlen? (Foto: stock/ Markus Spiske)

Küchengeräte mieten teurer als kaufen: eine Frage der Betrachtung

Ein Rechenbeispiel: Wir wählen das Kühlschrank-Abo von Bosch als „pre-loved“-Version, das mit 186 cm, 308 Litern Stauraum und einer LowFrost-Funktion überzeugt – allerdings auch nur Energieeffizienzklasse E hat. Das in diesem Fall günstigste Laufzeitmodell kostet rund 375,00 € im Handel. Bei 15,99 € im Monat hätten wir die Kühl-Gefrier-Kombination innerhalb von weniger als 24 Monaten abbezahlt.

Wer im Gegensatz dazu das Premiumgerät der Klasse 6 wählt, das mit 366 Litern Stauraum und einer Höhe von 203 Zentimetern durchaus mehr hermacht, zahlt im Handel knapp 950,00 €. Bei einer Monatsmiete der Premium-Option von 24,99 € hätte man das gute Stück in rund drei Jahren abbezahlt. Der Vorteil: man muss das Geld nicht auf einmal vorstrecken und könnte sich auch jederzeit aus dem Abonnement zurückziehen.

Preislich lohnenswerter ist da schon ein Waschtrockner-Abo. Wer nicht eben knappe 700 € für ein solides Gerät ausgeben möchte, kann sich mit 18,99 € pro Monat behelfen.

Auf Nachfrage antwortet das Team von BlueMovement, dass Geräte auch nach mehrjähriger Mietnutzung nicht „abbezahlt“ seien, man aber den Vorteil von kostenloser Reparatur, Wartung und Austausch in Anspruch nehmen könne. Das wäre dann wie bei einer Versicherung: zahlen, damit man im Notfall abgesichert ist.

Klar ist also: für herkömmliche Käuferinnen und Käufer lohnt sich die BlueMovement-Initiative von Bosch, mit der Kücheneinbaugeräte gemietet und gewartet werden können, eher nicht. Dennoch ist die Idee ein toller Ansatz für mehr Nachhaltigkeit.

Die Rechnung von Gerätekauf und Gerätemiete geht nicht auf - aber am Ende eben vielleicht doch: zugunsten weniger produzierter Geräte und damit weniger Elektroschrott. (Foto: stock/ Edward Howell)
Die Rechnung von Gerätekauf und Gerätemiete geht nicht auf – aber am Ende eben vielleicht doch: zugunsten weniger produzierter Geräte und damit weniger Elektroschrott. (Foto: stock/ Edward Howell)

Warum es trotzdem eine gute Idee ist, Küchengeräte zu mieten

Bosch sorgt mit seiner Initiative BlueMovement dafür, dass Einbaugeräte nicht nach Ablauf ihrer Lebensdauer zu Elektroschrott werden, sondern über Jahre hinweg gepflegt, repariert und anschließend recycelt werden. Da das Unternehmen Besitzer seiner Geräte bleibt, werden diese fachgerecht entsorgt oder weiterverarbeitet.

Indem Bosch nachhaltige Küchengeräte zur Miete anbietet, macht der global agierende Konzern Nachhaltigkeit zur neuen Normalität. Die BlueMovement-Website wirbt ausdrücklich mit „supersparsamen“ Geräten, die weniger Energie, Wasser und Waschmittel verbrauchen.

Eine Zukunft könnte das BlueMovement-Modell haben, wenn mehr Menschen daran teilnehmen und so der Preis des monatlichen Abos gedrückt wird. Dann rechtfertigt ein nachhaltiges Leih-Abonnement auch Preis und Vorteil gegenüber eines gekauften Geräts. Und: auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel können sich Nachhaltigkeit leisten. Ein Ziel, für dass es sich zu kämpfen lohnt.

Bosch bemüht sich verstärkt um mehr Nachhaltigkeit im Haushaltsgeräte-Sektor. Das treibt die Diskussion auf globaler Ebene voran und zwingt Mitbewerber ebenfalls zu handeln. (Foto: Bosch)
Bosch bemüht sich verstärkt um mehr Nachhaltigkeit im Haushaltsgeräte-Sektor. Das treibt die Diskussion auf globaler Ebene voran und zwingt Mitbewerber ebenfalls zu handeln. (Foto: Bosch)
Jesper Thiersemann
Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.

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