Die Vermessung der Küchenwelt: Küchenmaße von A bis Z

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Küchen lassen sich in keine Schublade packen – oder jedenfalls nur bedingt. Denn mit der Vielfalt an Designs wächst auch die Vielfalt an Küchenmaßen: höhere Korpusse, breitere Kochfelder, größere Kühlschränke. Was ist Standard, was ist Sondermaß? Eine „maßgebliche“ Übersicht für Ihren Küchenkauf.

Welche Küchenmaße sind Standard und wann braucht man Sondermaße?

Eines vorweg: „Die Vermessung der Welt“ war tatsächlich schon mal einfacher. Früher ließ sich die Küche recht komfortabel in gängige Standards und Normen einteilen. Die Zahl „60“ bildete keine Ausnahme, sondern die Regel – beispielsweise für 60 Zentimeter breite Ober-, Unter- und Hochschränke, Kochfelder und Kühlschränke, Spülbecken und Arbeitsstationen.

Heute hat sich die Küche nicht nur eine völlig neue Bedeutung als zentraler Lebensraum erobert, sondern wächst auch buchstäblich über sich hinaus. Sondermaße sind der neue Standard. Das ist eine gute Nachricht für all jene, die Wert auf eine individuelle Küche nach Maß legen – eine Küche, die sich auf persönliche Bedürfnisse ausrichtet und planerische Freiheit ermöglicht.

Zugleich bedeutet das mehr Akribie in der tatsächlichen Umsetzung von Küchenräumen. Welche Korpushöhe ist ideal? Wie lässt sich ein XXL-Kühlgerät in den Hochschrank integrieren? Und warum sind 80 Zentimeter breite Kochfelder plötzlich so beliebt? Ein Blick auf die Küchenwelt in Normen und Maßstäben.

Küchenmaße im Überblick: Die wichtigsten Größen für die Küchenplanung

1. Küchenmaße für den Raum: Fläche, Bewegungszonen und Abstände

Küchenräume fallen im Grundriss sehr unterschiedlich aus. In klassischen Mehrfamilienhäusern umfasst der Platz zum Kochen und Essen durchschnittlich 8 bis 12 Quadratmeter. Durch die zunehmende Verschmelzung von Küche und Wohnraum sind aber auch Wohnküchen mit 25 bis 40 Quadratmetern keine Seltenheit mehr. Andersherum erobern kleine Küchen mit 5 bis 10 Quadratmetern die urban verdichteten Ballungsgebiete. Hier sind clevere Stauraumideen und Küchen auf Maß gefragt.

Um den richtigen Bewegungsraum in einer Küche zu ermitteln, sprechen Profiplaner von „unsichtbaren Möbeln“. Gemeint ist der Bewegungsspielraum vor einem Möbelstück, der zum Öffnen von Türen, Ausziehen von Schubladen oder zur Nutzung der Geräte gebraucht wird. Aber auch der Platz, den zwei oder mehr Personen einnehmen, wenn sie gemeinsam in der Küche hantieren. Dieser unsichtbare Platzbedarf kostet nichts, muss aber in die Planung einbezogen werden.

Zwischen zwei Zeilen sollte daher mindestens ein Meter Abstand liegen, um Schrankauszüge inklusive Griffe (etwa 60 cm Tiefe bei Vollauszug) oder Geschirrspüler (ca. 116 cm Tiefe bei ausgeklappter Tür) bequem nutzen zu können. Optimal sind 120 cm Platz zwischen verschiedenen Zonen.

Das „Arbeitsdreieck“ aus Kochen, Spülen und Kühlen sollte 4 bis 7 Meter auseinander liegen. Größere Abstände erfordern längere Laufwege, kleinere hingegen wirken gedrängt.

Auf einen Blick (Schätzwerte):

KategorieTypisches Maß
Kleine Küchen5–10 qm
Standardküchen8–12 qm
Große Küchen12–20 qm
Wohnküchen20–40 qm
Bewegungsraum zwischen Küchenzeilen100–120 cm

Faustregel: In einer 12 qm-Standardküche sollten nur 55 bis 65 Prozent der Grundfläche durch Möbel belegt sein – der Rest muss Bewegungsraum bleiben. Damit gemeint ist der Freiraum zum Gehen, Drehen und Bücken, sowie der Platz zum Öffnen von Schranktüren und Auszügen.

KI-generiertes Bild einer modernen Küche mit Holzfronten, Betongespachelten Wänden, Arbeitsplatte in Betonoptik; Arbeitsdreieck aus Kühlen, Spülen, Kochen
Spülen, Kühlen, Kochen: Das „Arbeitsdreieck“ sollte möglichst proportional zueinander angeordnet sein. (Foto: KI / Küchen&Design Magazin)

2. Küchenmaße für Schubladen und Auszüge: So funktioniert das Rastersystem

Eine moderne Küche funktioniert wie ein Baukastensystem. Schubladen werden darin als feste Höheneinheiten „gestapelt“ – sogenannten Rastern.

Ein Beispiel:

  • Ein Unterschrank ist 78 cm hoch.
  • Diese 78 cm werden in 6 gleich große Einheiten geteilt.
  • Jede Einheit ist etwa 13 cm hoch.

Das nennt man ein 6-Raster-System. Innerhalb dieses Rasters lassen sich Schubkästen und Auszüge in unterschiedlicher Höhe variieren. Ein Raster kann beispielsweise eine flache Besteckschublade sein. Zwei Raster entsprechen dagegen der Schubkastengröße für Teller. Drei Raster derweil eignen sich für Töpfe und Vorräte, vier Raster für hohe Flaschen. In diesem Sinne lässt sich die Zusammensetzung des Unterschranks zueinander „addieren“ – und ermöglicht maximale Flexibilität beim Stauraum.

Ballerina Küchen Auszug, Küchenschublade, Schubkasten mit Vorräten, Gewürzen, Eiern, Saft
Das Addieren unterschiedlicher Raster ermöglicht verschieden große Schubkästen und Auszüge – ideal für Teller, Töpfe oder eine übersichtliche Vorratslagerung. (Foto: Ballerina Küchen)

Wichtig: Viele deutsche Küchenhersteller wie Nobilia, Häcker und Leicht orientieren sich an ihrem eigenen Rastermaß. Die Norm liegt bei etwa 13 cm je Raster. Einige sind höher (13,2 cm), andere schmaler. Eine Ausnahme bildet u.a. die Marke next125, die aus ihrem festgelegten Raster auch ihren Namen bezieht: 125 mm, also 12,5 cm, bildet hier das architektonisch genormte Rastermaß. Bei Häcker verhält es sich mit der Linie „Concept130“ ebenso – der Name steht für 130 mm (13 cm) als Rastergröße.

Auf einen Blick:

Begriff / AufteilungBedeutungTypische Nutzung
Rasterkleinste Höheneinheit im Küchenschrank (meist ca. 12,5–13 cm)Grundlage für Schubladen- und Auszugshöhen
5-Raster-Korpusklassische Korpushöhe (ca. 70–72 cm)ältere Küchen oder kompaktere Stauraumlösungen
6-Raster-Korpusmoderner Standard mit mehr Stauraum (ca. 75–80 cm)heute häufig bei Unterschränken
1 Rastersehr flache SchubladeBesteck, Küchenhelfer
2 Rastermittlerer AuszugTeller, Schüsseln
3 Rasterhoher AuszugTöpfe, Vorräte

Faustregel: Eine geschickte Ausnutzung von Rastermaßen ermöglicht mehr Stauraum, höhere Innenauszüge und weniger „tote“, also ungenutzte Fläche – und das bei gleichbleibender Korpushöhe.

3. Küchenmaße für Schränke: Unter-, Ober- und Hochschränke

Aufbewahren, Stapeln, Bevorraten: Die Struktur einer Küche entsteht durch ihre Schränke. Unterschränke bilden die Basis der Arbeitsfläche und sind meist 56 bis 58 cm tief sowie in Breiten von 30, 40, 45, 50, 60, 80 oder 90 cm erhältlich.

Darüber können Oberschränke zusätzlichen Stauraum schaffen. Sie sind in der Regel 30 bis 35 cm tief und hängen meist 50 bis 55 cm über der Arbeitsplatte, sodass ausreichend Platz zum Arbeiten bleibt.

nobilia-Küche in Dunkelbraun, einfache Planung, offene Wohnküche klein, Hochschrank, Küchenzeile, Esstisch, Sideboard
Für Ober-, Unter- und Hochschränke stehen höchst unterschiedliche Küchenmaße in der modernen Planung bereit. (Foto: nobilia)

Hochschränke für Geräte oder Vorräte reichen in modernen Küchen häufig 200 bis 220 cm hoch und orientieren sich an den Nischenmaßen von Backöfen oder Kühlschränken. Sie werden zunehmend deckennah geplant, um zusätzlichen Stauraum zu schaffen.

Eckschränke benötigen mehr Platz als gerade Elemente: Typische Lösungen arbeiten mit 90 × 90 cm oder 100 × 100 cm Eckschrankmodulen, in denen Dreh- oder Auszugssysteme den Stauraum zugänglich machen. Diese Maße beeinflussen auch den Bewegungsraum innerhalb der Küche, denn breite Auszüge und Ecksysteme brauchen ausreichend Platz zum Öffnen.

Auf einen Blick:

ElementTypische Maße
UnterschränkeTiefe ca. 56–58 cm, Breiten meist 30–90 cm
OberschränkeTiefe 30–35 cm, Abstand zur Arbeitsplatte 50–55 cm
HochschränkeHöhe meist 200–220 cm
Eckschränkehäufig 90 × 90 cm oder 100 × 100 cm

Faustregel: Eckschränke lassen sich durch Auszugs- und Stauraumsysteme, beispielsweise den Drehschrank „LeMans“, clever nutzen. So wird selbst der vermeintlich „tote Winkel“ nutzbar.

4. Küchenmaße für mehr Ergonomie: Die ideale Korpus- und Arbeitshöhe

Schnippeln, kochen, snacken: Wir verbringen viel Zeit im Stehen an unserer Küchenzeile. Entsprechend wichtig ist das richtige Korpusmaß, das unserer Körpergröße und -haltung entgegenkommt.

Auch in diesem Bereich ist der bislang übliche Standard inzwischen einer Vielfalt an Optionen gewichen. So beträgt die Korpushöhe für Unterschränke im Durchschnitt zwischen 72 und 78 cm. Viele Hersteller bieten darüber hinaus Maxikorpusse mit 80, 84,5 oder 86,4 cm Höhe an. Der Trend hin zum höheren Küchenkorpus entsteht aus dem Bedürfnis nach Stauraum – und aus neuen ergonomischen Erkenntnissen.

Frau vom Hals abwärts, steht an Küchentresen und schneidet, ideale Korpushöhe berechnet
Die Arbeitshöhe an der Küchenzeile berechnet sich aus Ellenbogenhöhe minus 10-15 cm. (Foto: KI / Küchen&Design Magazin)

Beim Ermitteln der idealen Arbeitshöhe sind daher gleich drei Faktoren relevant: Korpus, Sockelhöhe und Höhe der Arbeitsplatte. Als Voraussetzung gilt, dass die Arbeitsfläche etwa eine Handbreit (10-15 cm) unter dem angewinkelten Arm liegen sollte, um eine konstant gebückte Haltung am Küchentresen zu vermeiden.

Für einen Mehrpersonen-Haushalt, in dem Menschen mit sehr unterschiedlicher Körpergröße gemeinsam in der Küche aktiv werden, empfiehlt sich eine Spezialanfertigung mit Hub-System. Dabei kann wahlweise die Arbeitsplatte oder das gesamte Küchenmodul auf Knopfdruck ein- und ausgefahren werden.  

Auf einen Blick:

Bei einer durchschnittlichen Körpergröße (ca. 170–175 cm) ergibt sich typischerweise:

BausteinBeispielmaß
Korpushöhe78 cm
Sockel10–12 cm
Arbeitsplatte2–4 cm
Arbeitshöhe= ca. 92–94 cm

Deshalb hat sich der 78 cm-Korpus im 6-Raster-System bei vielen Herstellern als komfortabler Standard etabliert. Mit einem niedrigeren Sockel und schmaleren Arbeitsplattenstärken kann ein höherer Korpus gewählt werden, der mehr Stauraum ermöglicht.

Faustregel: Ideale Arbeitshöhe = Ellenbogenhöhe minus 10 bis 15 cm. Oder auch Arbeitshöhe ≈ Körpergröße ÷ 2 + 5 cm.

Moderne Küche mit dunkler Nussholz-Optik und hellen Betonoptik-Fronten, versetzte Kücheninseln, unterschiedliche Korpushöhen
Unterschiedliche Korpushöhen haben auch einen kraftvollen optischen Effekt auf das Gesamtbild der Küche. (Foto: Ballerina Küchen)

5. Küchenmaße für Arbeitsplatten: Tiefe, Stärke und Länge

Auf der Arbeitsplatte ist erfahrungsgemäß viel los. Neben Einbaugeräten und Zubehör – darunter Kochfeld und Spüle – beanspruchen Kleingeräte wie Toaster, Saftpresse oder Küchenmaschine den verfügbaren Platz zum Schneiden und Verarbeiten.

Gleichzeitig muss die Arbeitsfläche zum Grundriss der Küche passen. Regel Nummer 1 also: Da Küchenarbeitsplatten etwa 90 bis 96 cm über dem Boden liegen, sollte der Fenstersims mindestens 95 bis 100 cm hoch sein. Nur dann stoßen Fensterbrett und Arbeitsplatte nicht aneinander, sondern harmonieren bündig und optisch miteinander.

Regel Nummer 2: Die Stärke und Tiefe von Arbeitsplatten sind entscheidende Parameter in funktionaler, ergonomischer und optischer Hinsicht. Das definiert mitunter, wie viel Nutzfläche zum Schneiden und Zubereiten bleibt – oder welche Größe Kochfelder und Spülbecken umfassen dürfen.

Welche Tiefe ist sinnvoll?

Die korrekte Tiefe der Arbeitsplatte richtet sich in erster Linie nach der Unterschranktiefe. Das Standardmaß beträgt ca. 60 cm. Viele moderne Küchen werden heute – speziell bei Inselküchen – allerdings mit einer übertiefen Arbeitsplatte von 65 bis 75 cm Tiefe geplant, um größeren Kochfeldern und Spülzonen gerecht zu werden und mehr Arbeitsfläche zu schaffen. Diese korrespondiert mit einem übertiefen Unterschrank.

Andernfalls kann ein geringer, unsichtbarer Spalt vom Korpus zur Wand genutzt werden. Tipp: Auch integrierte Steckdosen oder separate Armaturenlöcher müssen in der Tiefe der Arbeitsplatte – ob nun wand- oder inselgebunden – beachtet werden.

Welche Stärke ist üblich?

Die Stärke der Arbeitsplatte hängt weniger von der Küchengröße als vom Material ab. Moderne Materialien wie Keramik oder Kompaktlaminat (HPL) kommen mit sehr dünnen Platten aus, während klassische Holzwerkstoffplatten meist deutlich stärker ausgeführt sind. Lange Zeit dominierte in Deutschland die 38 mm-Platte aus beschichtetem Holzwerkstoff. Heute sind deutlich schlankere Platten im Trend. Aber: Wer auf ein Kochfeld mit integriertem Dunstabzug setzt, muss dafür auf eine Arbeitsplatte von mindestens 200 mm (20 cm) zurückgreifen.

Welche Länge passt zur Küche?

Viele Küchenzeilen – und somit auch zugehörige Arbeitsplatten – sind durchschnittlich zwischen 180 cm und 290 cm lang. Für extralange Kochinseln, wie sie im offenen Küchen- und Wohnraum zum Einsatz kommen, können Materialien mit Stoßfugen verklebt und dadurch optisch verlängert werden. Das ist durch hochwertige Verfahren selbst bei Naturstein möglich – und kaum noch sichtbar fürs Auge. Dadurch werden übertiefe Arbeitsplattenlängen zwischen drei und sechs Metern erreicht.

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Extralange Arbeitsplatten lassen sich – wie hier bei Siematic – durch eine nahezu unsichtbare Sinuskurve zusammenfügen. (Foto: Küchen&Design Magazin)

Auf einen Blick:

MaterialTypische Arbeitsplattenstärke
Keramik12–16 mm oder ca. 20 mm
Kompaktlaminat (HPL)12–16 mm
Naturstein (Granit, Marmor)ca. 20 mm
Standard-Laminat38–40 mm
Holzwerkstoff / Standardplatten28–30 mm
Massivholz40–60 mm
Design- oder aufgedoppelte Platten50–60 mm

Faustregel: Arbeitsplattentiefe = Schranktiefe + 3–5 cm. Arbeitsplattenlänge = 240–300 cm. Mindestens 80–100 cm freie Arbeitsfläche zwischen den Hauptarbeitszonen.

Herkömmliche Küchenarbeitsplatte aus Holz in 20-30 mm Aufmaß. Küche im modernen Landhausstil mit Kassettenfronten in Hellblau-Grau
Die klassische Arbeitsplatte ist zwischen 20 und 40 mm stark. Wichtig ist, dass in der Länge genügend Platz zum Arbeiten bleibt. (Foto: nobilia)

6. Küchenmaße für Einbaugeräte: Maße für Kochfeld, Backofen, Kühlschrank und Geschirrspüler

Das „Ausmaß“ von Küchenmöbeln und -schränken bleibt meist unsichtbar für Küchenkaufende. Im Studio vor Ort kümmern sich Planerinnen und Planer nämlich ohnehin darum, den vorhandenen Stauraum bestmöglich auszunutzen. Anders verhält es sich mit Einbaugeräten. Hier treten die zahlreichen Optionen verschiedener Gerätegrößen beim Kauf deutlich zutage.

Kochfeld: Welche Breiten und Größen sind üblich?

Zwar lautet die Standardformel für Backöfen und Kochfelder noch immer „60 x 60 Zentimeter“ – jedenfalls vereinfacht gesprochen. Technisch sind Kochfelder nämlich rund 60 cm breit und typischerweise 50 bis 52 cm tief. Die Ausschnittmaße variieren leicht je nach Modell.

Speziell im gehobenen Segment werden jedoch 80 cm-breite Kochfelder immer gefragter. Und sogar 90 cm-breite Kochmodule finden ihren Platz in großzügigen Insellösungen. Die Nachfrage nach größeren Kochfeldern hängt auch mit den beliebten 2-in-1-Modulen“ aus Kochfeld und Dunstabzug zusammen: Ist der Dunstabzug im Kochfeld integriert, nimmt dessen Lüftungsschlitz geringfügig Platz für Töpfe und Pfannen weg. Das wird durch ein größeres Kochfeld wieder ausgeglichen. Zugleich lässt sich auf größeren Kochfeldern auch unterschiedlich großes Kochgeschirr bequem positionieren, zum Beispiel Wok, Bräter oder große Pfannen.

Backofen: Welche Standardmaße gelten?

Der europäische Einbaubackofen ist normiert:

  • Breite: ca. 60 cm
  • Höhe: ca. 60 cm
  • Tiefe: ca. 55–60 cm

Das entspricht einer 60-cm-Gerätenische, die sich seit Jahrzehnten etabliert hat. Häufig wird eher innerhalb dieser Nische „aufgestockt“ – nämlich mit Funktionen. So werden Backöfen zu Dampfbacköfen, indem sie mit einem integrierten Wassertank oder Festwasseranschluss zusätzlich Dampfstöße absondern können. Geräte mit zusätzlicher Mikrowelle fungieren sogar als „3-in1“-Produkt, dass die Zubereitungszeit enorm verkürzt.

Eine zweite, wichtige Kategorie im Backofen-Segment sind die 45 cm-Geräte. Diese „Kompaktbacköfen“ sind typisch für kleine Küchen oder werden als gängige Größe für Dampfgarer genutzt. Im gehobenen Küchenraum findet sich häufig eine Kombination aus Backofen und Dampfgarer, die übereinander oder nebeneinander platziert werden. Die daraus resultierende, freie Fläche von 15 Zentimetern im Küchenhochschrank wird entweder mit einer Blende gefüllt oder mit einem weiteren Einbaugerät bestückt. Beliebt sind Wärmeschubladen, Vakuumierschubladen oder – ganz neu – die Dampfgarschublade.

Wenige Einbaubacköfen hingegen, darunter der Klassiker EB 333 von Gaggenau, gehen hierzulande „in die Breite“. Sie sind auf 90 cm Breite und 50 cm Höhe bemessen und bedürfen einer Schrankanpassung durch den Profi.

Nahaufnahme in Schwarz-Weiß-Edelstahl des EB 333 von Gaggenau, extrabreiter Backofen, American Style
Ein ikonisches Meisterstück seiner Art: Der EB 333 von Gaggenau. 90 cm breite Backöfen sind hierzulande dennoch selten. (Foto: Gaggenau)

Kühlschrank: Welche Nischenmaße sind Standard?

Einbaukühlschränke sind nach Nischenhöhe standardisiert. Die 178 cm-Nische ist dabei die gängige Norm für Kühl- und Gefriergeräte. Das entspricht Küchenhochschränken von ca. 200 cm.

Der Trend bei Kühl- und Gefriergeräten geht allerdings in Richtung XXL. Dafür haben Hersteller die neue Nischenhöhe von 194 cm eingeführt. Dadurch müssen auch Hochschränke entsprechend angepasst werden: Die übergroßen Geräte benötigen – inklusive Sockel und oberer Blende gerechnet – etwa 210 bis 220 cm große Hochschränke. In der Gerätebreite bleibt es bei den gängigen 60 cm.

Bei freistehenden Kühlgeräten variieren Breite und Höhe hingegen erheblich und herstellerabhängig. Auch das Modell ist entscheidend. Neben normalen Kühl-Gefrier-Kombinationen werden auch French Door- und Side-by-Side-Modelle immer beliebter. Ihre Maße rangieren zwischen 90 und 120 cm Breite sowie 170 bis 205 cm Höhe.

Bosch Hausgeräte mit Grafik zu Standard-Kühlschrank, XL-Kühlschrank und XXL-Kühlschrank
Das Standardmaß für Kühlschränke bezieht sich auf die „178er“-Nische – also 178 cm. Doch XL- und XXL-Modelle sind auf dem Vormarsch. (Foto: Bosch Hausgeräte)

Geschirrspüler: Welche Breite, Höhe und Tiefe sind üblich?

Die meisten Geschirrspüler sind für einen 60-cm-Unterschrank ausgelegt. Als typisches Maß gilt etwa 60 × 55 × 81–92 cm (Breite × Tiefe × Höhe). Geschirrspülmaschinen variieren folglich eher in der Höhe als der Breite. XXL-Geräte für den privaten Haushalt sind beispielsweise ebenfalls 60 cm breit, können aber eine bis zu 93 cm hohe Nische verlangen. Das sollte bei der Wahl der passenden Unterschränke beachtet werden.

Gleichfalls sind auch schmale Geschirrspüler mit 45 cm-Breite beliebt. Sie kommen vor allem in kleinen Küchen zum Einsatz, beispielsweise bei Single-Haushalten oder im Büro.

In jeder Hinsicht gilt: Beim Geschirrspüler muss der Umfang der ausgeklappten Tür einberechnet werden. Diese beträgt ca. 115 cm insgesamt, wovon etwa 60 cm auf die geöffnete Klappe entfallen.

AEG Geschirrspüler, aufgeklappt, offene Lade, in bordeauxroter Küchenzeile mit Rillen
Beim Einbau von Geschirrspülern muss auf die ausgeklappte Lade geachtet werden, sodass der Bewegungsraum in der Küche nicht zu stark eingeschränkt ist. (Foto: AEG)

Auf einen Blick:

Gerät / ElementStandardmaß
Backofen (Einbau)60 × 60 cm Gerätenische
Kompaktbackofen / Dampfgarer60 × 45 cm Gerätenische
Kochfeldmeist 60 cm breit
Komfort-Kochfeld80–90 cm breit
Geschirrspüler60 cm breit, ca. 81–87 cm hoch
Schmaler Geschirrspüler45 cm breit
Einbaukühlschrank klein88 cm Nische
Einbaukühlschrank groß178 cm Nische
XXL-Einbaukühlschrank194 cm Nische

Faustregel: Backöfen, Geschirrspüler und Kochfelder orientieren sich meistens an einer Breite von 60 Zentimetern, während Einbaukühlschränke über standardisierte Nischenhöhen von 88 bis 194 Zentimetern definiert werden.

7. Küchenmaße für Nischen und Anschlüsse: Sockelhöhe, Wandabstand und Steckdosen

Neben Schrankbreiten und Gerätemaßen spielen bei der Küchenplanung zudem eine Reihe kleinerer Abstände eine wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass Türen öffnen, Geräte belüftet werden und Installationen Platz finden. Diese Maße bleiben oft unsichtbar – sind aber für eine funktionierende Küche entscheidend.

Küchenmaße für den Sockel: Welche Sockelhöhe ist üblich?

Der Sockel ist der Abstand zwischen Fußboden und Unterschrankkorpus. Er stellt einerseits die optische Basis für die Küche und gleicht andererseits zentimetergenaue Unterschiede bei unebenem Boden aus. Darüber hinaus bietet der Sockel Platz für Stellfüße und Leitungen. In vielen Küchen liegt die Sockelhöhe bei etwa 10–12 cm. Moderne Planungen tendieren häufig zu höheren Korpussen und dadurch niedrigeren Sockeln (siehe Punkt 3). Ältere Küchen hingegen arbeiten noch oft mit bis zu 15 cm hohen Sockeln.

Landhausküche im britischen Look, modern, lichtdurchflutet, hellgrün, geschmackvoll, ruhig, gemütlich
Bei einigen Küchenstilen wird bewusst mit einem gut sichtbaren Sockel gearbeitet – so auch im modernen Landhausstil. Möglich ist aber auch eine Frontverlängerung, um den Sockel optisch zu verbergen. (Foto: Häcker Küchen)

Küchenmaße für den Wandabstand: Wie viel Platz soll man einplanen?

Zwischen Rückwand und Schrank wird ein geringer Installationsraum für Wasser- und Stromleitungen – oder als Ausgleich für unebene Wände – benötigt. Dieser beträgt 2 bis 5 cm vom Schrank bis zur Wand. Auch beim Arbeitsplattenüberstand muss das einbezogen werden.

Was bedeutet ein Laufmeter?

Damit ist nicht die zurückgelegte Strecke im Küchenraum gemeint, die es ebenfalls im funktionalen Dreieck aus Kochen, Spülen und Kühlen zu beachten gilt – siehe Punkt 1. Vielmehr soll damit eine grobe Orientierung beim Preis gegeben werden. Es gilt: Ein Laufmeter = 1 Meter Unterschrank + Arbeitsplatte + Oberschrank.

So wird auch die anschließende Montage der Küche berechnet. Aber: Geräte, Sonderlösungen und Inseln sind in solchen Angaben meist nicht enthalten.

Steckdosen und Anschlüsse: Was ist zu beachten?

Bei der Küchenplanung müssen Strom- und Wasseranschlüsse früh berücksichtigt werden. Steckdosenleisten werden als versenkbare Steckdosen oder USB-Anschlüsse heute bereits häufig in Arbeitsplatten integriert.

Steckdosenleiste vertikal an Küchenrückwand, Edelstahl
Steckdosen lassen sich inzwischen mit Ports aus der Arbeitsplatte ausfahren oder direkt in diese integrieren. (Foto: Naber)

Küchenmaße bei Heizkörpern, Fußleisten und Rohren: Was muss eingeplant werden?

Heizkörper, Heizungsrohre oder tiefe Fußleisten können verhindern, dass Unterschränke bündig an der Wand stehen. Küchenplaner kalkulieren deshalb meist einen Installationsabstand von etwa 2 bis 5 cm hinter den Schränken ein.

Deckenhöhe und Bodenaufbau: Welche Abstände sind nötig?

Viele moderne Küchen arbeiten mit Hochschränken zwischen 200 und 220 cm Höhe. Damit sie problemlos montiert werden können, sollte zwischen Schrankoberkante und Decke noch 2 bis 5 cm Montageabstand bleiben. Bei niedrigeren Räumen oder abgehängten Decken muss außerdem Platz für Beleuchtung, Abluftkanäle oder Deckenverkleidungen eingeplant werden.

Außerdem sollte der Bodenaufbau bei der Neuplanung einer Küche nicht unterschätzt werden. Denn Estrich, Dämmung und Belag können zusammen 5 bis 15 cm Höhe ausmachen.

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Speziell im Neubau sollten Anschlüsse und Leitungen direkt mit dem Küchenstudio besprochen werden, um bei den Küchenmaßen später größtmögliche planerische Freiheit zu haben. (Foto: Stock)

Auf einen Blick:

AnschlussHöhe
Steckdosen über Arbeitsplatteca. 10–15 cm über der Platte
Geräteanschlüsseim Unterschrankbereich
Wasseranschlussca. 50–60 cm über Boden
Wandabstandvon Zeile bis Wand ca. 2-5 cm

Faustregel: Bestenfalls direkt noch beim Rohbau das Gespräch mit dem Küchenstudio aufnehmen, um alle Küchenmaße mit Anschlüssen und Leitungen in Einklang zu bringen.

Fazit plus Tabelle für Sonder-Küchenmaße

Höher, schneller, weiter? Das beschreibt durchaus die Entwicklung moderner Küchenmaße. Größere Korpusse, breitere Geräte und längere Arbeitsplatten spiegeln nicht nur den technischen Fortschritt und die handwerklichen Möglichkeiten der heutigen Küchenproduktion wider. Sie unterstreichen zudem die veränderte Bedeutung der Küche als zentralen Arbeitsplatz, der ergonomisch sinnvoll und optisch ansprechend gestaltet wird.

Gerade die Vielzahl an Optionen, aber auch mögliche Planungsfehler machen deutlich, wie wichtig eine professionelle Küchenplanung ist. Im Fachhandel werden Räume vermessen, persönliche Anforderungen besprochen und alle Maße sorgfältig aufeinander abgestimmt. Folglich entsteht eine Küche, die in jeder Hinsicht zu ihrem Käufer passt – damit bei der „Vermessung der Welt“ im eigenen Zuhause nichts aus den Fugen gerät.

Zum Kopieren: 15 Nischenmaße in der Küche, die es bei der Planung zu beachten gilt.

BereichTypisches MaßWarum das wichtig ist
Abstand zwischen zwei Küchenzeilen100–120 cmDamit Auszüge und Geschirrspüler gleichzeitig geöffnet werden können
Abstand Insel zur Küchenzeile100–120 cmBewegungsfreiheit beim Arbeiten
Freie Arbeitsfläche zwischen Spüle und Kochfeld80–100 cmHauptarbeitsbereich zum Schneiden und Vorbereiten
Installationsraum hinter Unterschränken2–5 cmPlatz für Wasserleitungen und Steckdosen
Abstand Oberschrank zur Arbeitsplatte50–55 cmGenügend Platz zum Arbeiten
Tiefe von Oberschränken30–35 cmVerhindert Kopfstöße beim Arbeiten
Sockelhöhe10–12 cmPlatz für Stellfüße und Leitungen – ggf. mit Blende
Öffnungsraum für Geschirrspülerca. 115 cmPlatzbedarf bei geöffneter Tür
Öffnungsraum für Auszügeca. 55–60 cmVollauszüge benötigen zusätzlichen Bewegungsraum
Eckschrankflächemeist 90 × 90 cmPlatz für Karussell- oder LeMans-Systeme
Überstand Arbeitsplatte für Sitzplätze25–35 cmKniefreiheit an Inseln oder Theken
Fensterbrüstung über Arbeitsplatteca. 95–100 cmDamit Arbeitsplatte unter Fenster passt
Hochschrankhöhe200–220 cmPlatz für Geräte und Vorräte
Montageabstand zur Decke2–5 cmEinbau und Ausrichtung der Schränke
Susanne Maerzke
Susanne Maerzke
Kochen ist Lebensfreude, Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Auch unsere Redakteurin sieht die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich endet jede gute Party zurecht in der Küche neben den letzten Käsehäppchen und einem Glas Wein. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.