Der Küchenspiegel als Einrichtungstrend: Eröffnet neue Perspektiven

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Blendende Aussichten: Verspiegelte Oberflächen ziehen 2024 zuhauf in den Küchenraum ein. Als Spiegelfronten oder Nischenspiegel eröffnen sie neue Perspektiven, von denen vor allem kleine Küchen profitieren. Der Einrichtungstrend ist jedoch nicht für jede Wohnung geeignet.

Spieglein, Spieglein an der Wand – wer hat die schönste Küche im ganzen Land? Fest steht schon jetzt: Hersteller, die den Spiegel als Küchenfront für sich entdeckt haben, sind ganz vorne mit dabei. Das trat auf der vergangenen EuroCucina in Mailand, der weltweit bedeutendsten Messe für internationales Küchendesign, deutlich zutage. Nicht nur deutsche Hersteller hielten Besucherinnen und Besuchern wortwörtlich „den Spiegel vor“. Auch italienische Produzenten haben Elemente aus Spiegelglas – verchromt, getönt oder sogar im Spionspiegel-Format – längst für sich entdeckt und in Inselfronten, Vitrinen und Rückwandnischen verbaut.

Küchenspiegel sind das Topthema 2024 - und ermöglichen eine reizvolle Küchenarchitektur. (Foto: Snaidero)
Küchenspiegel sind das Topthema 2024 – und ermöglichen eine reizvolle Küchenarchitektur. (Foto: Snaidero)

Spiegel in der Küche: Die Vorteile

Schwebende Küchenmodule

Was zunächst reichlich avantgardistisch erscheint – wer soll das putzen? –, ist tatsächlich aus ästhetischer wie architektonischer Sicht ein gelungener Coup. Vielerorts lässt sich das Spiegelglas nämlich als solches gar nicht wahrnehmen: So mutet die Oberfläche einer Kücheninsel geradezu schwebend an, weil der darunterliegende Unterschrank als Spiegelfront mit seiner Umgebung verschmilzt. Ein zusätzlich zurückgesetzter Sockel erzeugt auch auf den zweiten Blick eine optische Leichtigkeit, von der Kochinsel und Wandschrank profitieren. Die optische Illusion verbirgt zugleich, wie viel Stauraum das Modul im Inneren tatsächlich bietet.

Wermutstropfen: Um die „unsichtbare“ Fassade aufrecht zu halten, sollte die Kücheninsel an dieser Stelle nicht von Schubladen oder Auszügen durchbrochen sein.

Wie von Geisterhand scheinen Kochfeld und Spüle in diesem Küchenentwurf zu schweben - dank einer verspiegelten Kochinsel. (Foto: Abimis)
Wie von Geisterhand scheinen Kochfeld und Spüle in diesem Küchenentwurf zu schweben – dank einer verspiegelten Kochinsel. (Foto: Abimis)

Optische Vergrößerung

Es ist kein Geheimnis, dass ein Küchenspiegel durch die Reflektion von Raum und Licht für eine geschickte optische Vergrößerung sorgt. Das kommt besonders kleinen Küchen zugute: Einzelne Küchenzeilen und Hochschränke lassen sich dadurch visuell strecken – und erscheinen durch die reflektierte Raumumgebung auch deutlich filigraner. Greift die verspiegelte Küchenfront dann noch eine grüne Pflanzenwelt auf, beispielsweise von einer gegenüberliegenden, bodentiefen Fensterfront zum Garten, wird dadurch eine lebendige und naturnahe Atmosphäre in den Innenräumen geschaffen – ganz ohne zusätzliche Farbe.

Wermutstropfen: Oberflächen dieser Art spiegeln nicht nur Fläche und Licht wider, sondern auch alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Während Spiegelfronten auf Messen noch einzigartig in Szene gesetzt werden, wartet zuhause möglicherweise der Alltag. Dann stehen nämlich Hundenapf, Schuhschrank oder Abfallsammler auf der gegenüberliegenden Seite der Kücheninsel – und werden dadurch unbeabsichtigt ins Küchenbild integriert. Es gilt also, klug zu planen.

Blick ins Grüne: Küchenspiegel lassen sich besonders dann gut einsetzen, wenn sie den Blick ins Grüne lenken. (Foto: Snaidero)
Blick ins Grüne: Küchenspiegel lassen sich besonders dann gut einsetzen, wenn sie den Blick ins Grüne lenken. (Foto: Snaidero)

Lichtreflexe

Moderne Küchen werden zunehmend „erleuchtet“: LED-Module lassen sich als atmosphärische Untermalung von Vitrinen, Kücheninseln, Griffleisten und Nischenrückwänden gestalterisch einsetzen. Davon profitiert natürlich auch die verspiegelte Küche: Lichtreflexe werden von Spiegel-Oberflächen vielfach aufgegriffen und in den Raum ausgestrahlt. Das gilt ebenso für einfallendes Tageslicht, sodass ein Raum mit vielen Spiegeln automatisch heller und luftiger wirkt.

Wermutstropfen: Licht wird natürlich nur von einer sauberen Oberfläche aus reflektiert. Flecken, Spritzer oder Schmutz sind stumpfe Verunreinigungen, die nicht reflektieren, sondern das Spiegelbild verzerrt oder verschmiert wiedergeben. Doch selbst, wer gut putzt, sollte sich vom Küchenprofi zum Einsatz zusätzlicher Lichtquellen entlang verspiegelter Fronten beraten lassen: Fingerabdrücke werden dadurch deutlich besser sichtbar.

Küchenspiegel - hier entlang der Nischenrückwand - greifen integrierte Lichtquellen wunderbar auf und reflektieren sie. Das kommt vor allem kleinen Küchen zugute. (Foto: Küchenhaus Süd)
Küchenspiegel – hier entlang der Nischenrückwand – greifen integrierte Lichtquellen wunderbar auf und reflektieren sie. Das kommt vor allem kleinen Küchen zugute. (Foto: Küchenhaus Süd)

Welche Hersteller arbeiten mit Spiegeln in der Küche?

Nolte Neo

Nolte hat es vorgemacht: Mit seiner Designlinie „Nolte Neo“ bietet der Küchenhersteller bereits seit mehreren Jahren die Serie „neoMIRROR“ an. Dahinter verbergen sich durchgehende, grifflose Spiegelfronten, die sich als klassisches oder getöntes Spiegelglas in das Küchenbild integrieren lassen. Der Einsatz von verspiegelten Küchenfronten bietet sich besonders bei offenen Küchenräumen mit einzeiligem Wandmodul an: Dadurch gewinnt der Raum optisch an Weite.

Next125

Den Spiegeltrend setzt ein anderer deutscher Hersteller fort: next125, die Premiummarke aus dem Hause Schüller, punktete auf der vergangenen Küchenleitmesse in Mailand mit einer außergewöhnlichen Designkooperation, die eine verspiegelte Kücheninsel in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Der burkinisch-deutsche Architekt Francis Kéré stößt mit der „Reflektion“ der Spiegelfronten auch eine gedankliche „Reflexion“ an: Er verknüpft die Küche als Ort von Feuer und Gemeinschaft („The Fireplace“) mit modernen und betont minimalistischen Materialien. Kühle und warme Elemente reichen sich in dieser Installation die Hand – dafür sorgen Oberflächen aus Holz, Schwarzlack und getöntem Spiegelglas.

Eggersmann

Schon seit vielen Jahren hat Eggersmann eine Spiegelfront im Sortiment, die regelmäßig für Begeisterung sorgt: Der sogenannte „Spionspiegel“ des Modells „eggersmann work’s“ gleicht nach außen hin einem herkömmlichen Küchenspiegel, lässt sich aber um 180 Grad drehen und offenbart dahinter einen Küchenwerkschrank mit viel Kapazität für Lebensmittel und Kochwerkzeug. Insgesamt kann das Modul sogar um 360 Grad gedreht werden und landet dann wieder an seinem Ausgangspunkt: Einer unauffällig verspiegelten Front, die sich so elegant wie geheimnisvoll ins Gesamtbild einfügt.

Boffi

Mit einer kleinen, aber feinen Planung macht das italienische Schwergewicht Boffi auf den Spiegeltrend aufmerksam: Im Mailänder Showroom des gehobenen Küchenproduzenten findet eine rundum verspiegelte Kücheninsel Platz, die sowohl Fronten, Wangen als auch die Arbeitsplatte (!) mit Spiegeloberflächen bestückt. Dazu kombiniert der Hersteller einen bordeauxroten Wandschrank aus poliertem Hochglanzlack, der das einfallende Licht behutsam reflektiert. Das erzeugt eine „strahlende“ Außenwirkung – mit einer gewissen Praxisferne: Die Arbeitsplatte aus Spiegelglas ist schlichtweg kratzer- und fleckenanfällig und dürfte im Alltag zu viel Reinigungsaufwand bedeuten.

Boffi zeigt eine rundum verspiegelte Kücheninsel: Hier ist sogar die Arbeitsplatte aus Spiegelglas. (Foto: Küchen&Design Magazin)

Snaidero

Tolle Idee aus dem Hause Snaidero: Das luxuriöse Küchenunternehmen aus Italien kreiert zur Mailänder Messe eine Küche mit getönten Spiegelfronten, die von Stein und Holz gerahmt wird. Inmitten der trendigen Rillenfronten der Küchenzeile sowie der massiven Keramikinsel bettet sich das Spiegelglas als erfrischender Materialmix ein und sorgt optisch für Luftigkeit und Eleganz. Während sich auf der Kunststeinoberfläche Spüle und Kochfeld integrieren lassen, sorgt der verspiegelte Teil der Kücheninsel für den nötigen Glamour. Eine inspirierende Planung, die allerdings ausreichend Platz in der Umsetzung erfordert.

Abimis

Zwei große Trendthemen der diesjährigen Küchenmessen vereint Abimis: Der italienische Küchenbauer ist traditionell für seine Outdoorküchen aus Edelstahl bekannt, setzt das Material mittlerweile aber auch indoor ein. Dieses Jahr sogar im Mix mit voll verglasten Spiegelfronten! Die verspiegelten Oberflächen sind als Frontaufsatz an das Trägermaterial aus Edelstahl geklebt. Auszüge, Schubladen und Arbeitsplatte umrahmen den Küchenspiegel „mit eiserner Härte“. Ebenso bietet Abimis aber auch ein Modell („Ego“) an, bei dem Edelstahl und Spiegeloberfläche verschmelzen: Möglich macht das eine „polished mirror“-Beschichtung auf dem Metall. Zusammen erweisen sich Edelstahl und Spiegel als trickreiches Duo für die private Küche, dem man bestenfalls noch eine warme Komponente in Form von Holz hinzufügt.

Molteni

Der Einrichtungs- und Küchenexperte führt das Thema Spiegelfronten behutsam mit abgedunkeltem Rauchglas in seine Kollektion ein. Hierzu wird ebenfalls ein Trägermaterial mit einer Spiegeloberfläche beklebt und entlang der Kanten sicher verlasert. Das getönte Glas fügt sich nun deutlich unauffälliger in die Küchenumgebung aus Edelstahl (Arbeitsplatte) und Aufsatztisch (Marmor) ein – und erzeugt dennoch den gewünschten, weitläufigen „Spiegel-Effekt“.

Küchenspiegel ja oder nein? Das muss man beachten

Sie ahnen es schon: Das rasche Greifen zu einem feuchten Tuch und Glasreiniger fällt in einer Küche mit Spiegelfronten deutlich öfter an als bei anderen Küchenoberflächen. Das liegt nicht allein am fleckenanfälligen Material, sondern auch an den fehlenden Griffbeschlägen. Bislang werden verspiegelte Fronten vorwiegend mit Eingriffleiste oder Touch-to-open-System realisiert. Griffknebel oder -stangen müssten mit einem speziellen Glasbohrer verarbeitet werden, was wiederum erheblich aufwändiger in der Produktion ist.

Wert legen sollten Sie hingegen auf einen robusten Splitterschutz beziehungsweise Spezialglas. Das sorgt für eine erhöhte Elastizität bei Erschütterungen und erzielt eine deutlich bessere Schalldämmung. Zugleich sorgt die Splitterschutzfolie dafür, dass einzelne Glassplitter bei Rissen oder Brüchen an der Folie festgehalten werden und nicht in den Raum streuen – und die Bruchstücken in größeren Teilen zusammenhaften. Ähnlich wie bei Glasfronten, die seit Jahren in ihrem Einsatz im Küchenraum erprobt sind, sind auch Küchenspiegel deutlich widerstandsfähiger als gemeinhin angenommen.

Wichtig: „Spiegelfolie“ sollte bei Küchenfronten niemals zum Einsatz kommen, da das Material sich unter den widrigen Bedingungen im Küchenalltag – Dampf, Hitze, Feuchtigkeit – zu schnell vom Trägermaterial lösen und verziehen kann.

Spiegel in der Küche üben einen ungeahnten Reiz aus. In Folge dessen wird das Material oft angefasst - Fingerabdrücke inklusive. (Foto: Küchen&Design Magazin)
Spiegel in der Küche üben einen ungeahnten Reiz aus. In Folge dessen wird das Material oft angefasst – Fingerabdrücke inklusive. (Foto: Küchen&Design Magazin)

Der Mix macht’s: So kombinieren Sie Spiegelfronten

Verspiegelte Oberflächen geben ein Sammelsurium an Eindrücken, Farben und Formen wieder. Entsprechend klar und geradlinig sollte die Küchenzeile ausfallen. Je minimalistischer der Stilmix gelingt, desto mehr darf das gespiegelte Bild im Vordergrund stehen – ohne, dass der Küchenraum überladen wirkt. Einzelne bunte Farbtupfer im angrenzenden Wohn- und Essbereich, beispielsweise eine gemusterte Tapete oder farbenfrohe Kissen, setzen einen Blickfang im Küchenensemble. Dennoch sollte das Sofa niemals direkt gegenüber der Kücheninsel angeordnet sein – es sei denn, Sie wollen alles beständig im Blick haben.

Idealerweise werden Spiegelfronten zum Grünen hin ausgerichtet oder mit einem angeschlossenen Essbereich kombiniert. Dazu rahmen dunkle Hölzer, Aluminium und Stahl sowie Stein das filigrane Material geschmackvoll – und sorgen dafür, dass Ihre Küche zu eine der Schönsten im ganzen Land wird.

>>> Direkt zur Planung Ihres Küchenraums gelangen Sie unter diesem Link. Finden Sie dort fachkundige Küchenhändler, die Ihnen beim Einsatz von Küchenspiegeln – auch als Renovierungsidee – behilflich sein können.

Susanne Maerzke
Susanne Maerzke
Kochen ist Lebensfreude, Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Auch unsere Redakteurin sieht die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich endet jede gute Party zurecht in der Küche neben den letzten Käsehäppchen und einem Glas Wein. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.

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