Lautstärke bei Küchengeräten – wie viele Dezibel sind normal?

06.06.2019 | Jesper Thiersemann
Haben Sie sich mal darüber Gedanken gemacht, welche Lautstärke bei Küchengeräten normal ist? Viele werden heutzutage als "flüsterleise" bezeichnet - andere sind allerdings noch hörbar zu laut. (Foto: stock)

Wie laut darf ein Küchengerät sein – und wie laut sind aktuelle Geräte tatsächlich? Die erstaunliche Erkenntnis: besonders kleine, unscheinbare Geräte machen um einiges mehr Lärm als die „Großen“. Wir klären, wie sich die Dezibelzahl auf das Wohlgefühl des Menschen auswirkt, was die Küchenindustrie tut, um die Lautstärke bei Küchengeräten zu drosseln – und welche Hersteller bereits besonders leise Küchengeräte im Sortiment haben.

 

 

Flüsterleise“ ist ein Wort, mit dem moderne Küchengeräte gern beschrieben werden. Zum einen, weil der Mensch im hektischen Hier und Jetzt gern Zuflucht in den eigenen vier Wänden sucht und dort in angenehmer Stille kochen möchte. Zum anderen, weil immer mehr Küchenräume großzügig offen gestaltet werden und der Geräuschpegel von Küchengeräten tatsächlich ein Thema ist, das damit den gesamten Alltag betrifft.

Vielen Verbrauchern ist zunächst jedoch gar nicht bewusst, wie wichtig es ist, beim Kauf einer Küche auch auf die Lautstärke bei Küchengeräten im Normal- und Maximalmodus zu achten. Vielmehr beeindrucken Zahlen wie Abzugsleistung oder Spülgeschwindigkeit, die auf der höchsten Stufe brillante Rekorde erzielen. Häufig geht eine hohe Leistung jedoch auch mit einem gesteigerten Geräuschpegel einher, der auf Dauer zu Stress führen kann.

 

 

"Flüsterleise Küchengeräte" versprechen immer mehr Hersteller. Doch wer hält sein Versprechen wirklich - und welche Lautstärke bei Küchengeräten ist normal? (Foto: dolgachov stockphoto)

“Flüsterleise Küchengeräte” versprechen immer mehr Hersteller. Doch wer hält sein Versprechen wirklich – und welche Lautstärke bei Küchengeräten ist normal? (Foto: dolgachov/ stockphoto)

 

 

Warum und wann werden Geräusche unangenehm?

Geräusche sind Luftdruckschwingungen, die als Schall auf unser Trommelfell treffen und von dort aus im Gehirn in Informationen umgewandelt werden. Alles unterhalb von 10 Dezibel – so die Maßeinheit für Lautstärke – ist für den Menschen nahezu unhörbar; dazu zählt beispielsweise Schnee oder das Fallen einer Feder. Danach steigt man sanft mit Atmen oder dem Rascheln von Laub als niedrige Geräuschfrequenz ein.

Als angenehm und „normal“ wird eine Lautstärke von rund 50 dB empfunden, was in etwa einem gedämpften Gespräch oder leiser Radiomusik gleichkommt. Danach steigert sich die Skala rasch und ist hierbei selbstverständlich zusätzlich abhängig vom subjektiven Geräuschempfinden. Wichtig: die Dezibelsteigerung verläuft nicht linear, das heißt, 120 Dezibel sind nicht doppelt so viel wie 60 dB (Fernseher in Zimmerlautstärke, Rasenmäher), sondern entsprechen bereits der empfindlichen Schmerzgrenze des Körpers.

 

 

Eine interessante Erkenntnis: bereits 10 Dezibel mehr verursachen eine gefühlte Verdoppelung der Lautstärke. Das kann auch Stress im Organismus auslösen. (Foto: Krzysztof Pusczczynski)

Eine interessante Erkenntnis: bereits 10 Dezibel mehr verursachen eine gefühlte Verdoppelung der Lautstärke. Das kann auch Stress im Organismus auslösen. (Foto: Krzysztof Pusczczynski)

 

 

Frühere Lautstärke bei Küchengeräten: Lärm = Effektivität

Früher setzte man laute Geräusche wie das Gurgeln der Spülmaschine, das Brummen des Kühlschranks oder das Dröhnen des Dunstabzugs mit Effektivität gleich: je lauter ein Gerät arbeitete, desto höher musste dessen Produktivität sein. Wenn der Rechner auf Hochtouren läuft, ist das bisweilen noch heute so. In der modernen, offenen Küche hat sich jedoch vieles geändert.

Hersteller bemühen sich, nicht nur optisch ihre Geräte an das hochwertige Design eines Küchenraums anzupassen, sondern auch einen angenehmen Komfortpegel für Geräusche zu bewahren. Das ergibt durchaus Sinn: wie alle anderen Wahrnehmungsfähigkeiten beeinflusst auch das Hören unser unmittelbares Wohlgefühl – und steuert unsere Kaufentscheidung. Achtet man beispielsweise bei einem Auto auf ein angenehmes Klicken des Blinkers oder ein sattes Motorengeräusch – also Töne, die sich nicht vermeiden lassen bzw. wichtig sind – so soll in der Küche, bis auf unvermeidliche Warnsignale bei Gefahr, möglichst wenig nach außen dringen.

Ein weiterer praktischer Aspekt neben der Ruhe, die den Raum erfüllt, ist die Ablenkung von der Arbeit. Wer gerade auf dem Sofa entspannt, möchte ungern vom Geschirrspüler daran erinnert werden, dass man ihn gleich noch ausräumen muss – und auch der Kühlschrank sollte die Ruhe eines Sonntagabends nicht durch knurrende Kompressorgeräusche unterbrechen.

 

 

Ein hochwertiges Design im Küchenraum zeichnet sich auch durch moderne Geräte mit leiser Arbeitsweise aus - das macht die Küche wohnlich und zu einem angenehmen Aufenthaltsort. (Foto: Elica)

Ein hochwertiges Design im Küchenraum zeichnet sich auch durch moderne Geräte mit leiser Arbeitsweise aus – das macht die Küche wohnlich und zu einem angenehmen Aufenthaltsort. (Foto: Elica)

 

 

Lautstärke bei Küchengeräten: kleine Geräte lauter als große

Die Dezibelskala ist logarithmisch aufgebaut, sodass man einer Zunahme von 10 dB einer gefühlten Verdoppelung der empfundenen Lautstärke nachsagt. Dementsprechend sind 60 dB etwa doppelt so laut wie 50 dB – und ab 85 dB schreibt eine EU-Richtlinie bereits das Tragen eines Gehörschutzes am Arbeitsplatz vor.

So laut werden natürlich in der Regel selbst alte Küchengeräte nicht. Normale Elektrogeräte – die nicht ultramodern sind und daher nicht mit der „flüsterleisen“ Eigenschaft werben dürfen – bewegen sich auf vertretbarem, wenngleich manchmal schon störenden Niveau im offenen Küchenraum. Ein Staubsauger kommt beispielsweise locker auf 70 dB; ebenso eine Waschmaschine im Schleudergang. Kleine Küchengeräte wie Standmixer oder Pürierstab können sogar bis zu 93 dB laut werden – das entspricht beispielsweise einer Holzfräsmaschine, der wir uns ebenfalls nur ungern aussetzen.

Geräuschstärken wie diese empfinden wir nicht nur als äußerst unangenehm, sondern nehmen, über längere Sicht gesehen, auch Schaden davon. Abgesehen vom verminderten Hörvermögen erzeugt alles über 85 dB (z.B. eine Hauptverkehrsstraße) Stress in uns, der sich auf den gesamten Organismus ausbreitet.

 

 

Moderne Küchenprodukte sind um ein Vielfaches ruhiger geworden. Dennoch erzeugen speziell kleinere Geräte wie Rührgerät und Küchenmaschine enorm mehr Lärm als Großgeräte in der Küche. (Foto: KitchenAid)

Moderne Küchenprodukte sind um ein Vielfaches ruhiger geworden. Dennoch erzeugen speziell kleinere Geräte wie Rührgerät und Küchenmaschine enorm mehr Lärm als Großgeräte in der Küche. (Foto: KitchenAid)

 

 

Lautstärke bei Küchengeräten gedämpft durch Technologie: leise Motoren und NoFrost

Glücklicherweise arbeitet die Küchenindustrie nicht nur konstant an innovativen technischen Features von Küchengeräten, sondern auch an deren Lautstärke. Über verschiedene Umwege können Arbeitsvorgänge von Küchengeräten deutlich leiser gemacht werden: für den klassischen ‚Störfaktor‘ Geschirrspülmaschine wurden hierfür in der Vergangenheit beispielsweise bereits optimierte Pumpenkreisläufe, andere Gehäusestrukturen, Wasserführungen und Wechselspültechniken eingeführt, die das Gesamtergebnis deutlich leiser werden lassen.

Überdies werden Einbaugeräte deutlich lärmverminderter wahrgenommen, als einzelne Standgeräte. Eine gewichtige Rolle spielen zudem Motoren. Sowohl beim Dunstabzug als auch beim Geschirrspüler werden zunehmend flachere und leisere Motoren und Lüfter eingesetzt, die noch dazu besser gedämmt werden. Moderne Kühlschränke, die über die No Frost-Technologie verfügen, benötigen ebenfalls weniger Energie zum Aufrechterhalten des Kühlkreises im Gerät – und sind demzufolge auch leiser im Alltag.

 

 

Moderne Kühlgeräte besitzen oft eine No Frost-Komponente: hierbei entfällt sowohl im Kühlgerät als auch im Gefrierfach das Abtauen, da sich aufgrund einer verbesserten Kühlkette kein Eis mehr ansetzen kann. Auch das trägt zur verminderten Lautstärke bei, weil der Kühlschrank weniger arbeiten muss. (Foto: Neff)

Moderne Kühlgeräte besitzen oft eine No Frost-Komponente: hierbei entfällt sowohl im Kühlgerät als auch im Gefrierfach das Abtauen, da sich aufgrund einer verbesserten Kühlkette kein Eis mehr ansetzen kann. Auch das trägt zur verminderten Lautstärke bei, weil der Kühlschrank weniger arbeiten muss. (Foto: Neff)

 

 

Welche modernen Geräte sind gut und geräuscharm?

Untersuchungen von Testzeitschriften haben ergeben, dass die Lautstärke bei Küchengeräten oftmals von der Wertigkeit abhängt. So erzeugen NoName-Produkte in der Regel häufiger störende Geräusche von über 50 dB, während namhafte Markengeräte mit 40-43 dB bereits im guten Bereich arbeiten.

Bosch hat hierfür eine eigene Produktreihe ins Leben gerufen. Die „Silence Edition“ umfasst unter anderem Geschirrspüler, Kühlschränke, Waschmaschinen und Dunstabzugshauben. Der Geschirrspüler „SMS68TW00E“ besitzt einen bürstenlosen „EcoSilenceDrive“-Motor und kann zusätzlich ins SuperSilence Plus-Programm geschaltet werden, wo er mit einem speziell angepassten Eco-Programm bei nur 38 dB Geschirr spült. Das ist fast weniger als „flüsterleise“.

Miele setzt neue Maßstäbe hinsichtlich seiner Kühlschränke. Modelle wie die Einbau-Kühl-Gefrierkombination „KF 37233 iD“ arbeiten mit lediglich 34 dB und liegen damit noch unterhalb des Zimmerventilators und nur knapp über dem Ticken einer Armbanduhr.

BORA, führender Kochfeldabzuganbieter auf dem Küchenmarkt, wirbt mit allen Geräten aus seinem Haus – vom Einsteigermodell bis zum Profiprodukt – mit der „niedrigsten Lautstärke“. Hierfür verantwortlich seien die optimale Luftführung und der Einsatz eines extrem geräuscharmen Lüfters im Sockelbereich der Küche. Tatsächlich arbeiten die Geräte durchweg störungsfrei leise mit 44 bis 69 dB (A) je nach Modell und Stufe. Das bewegt sich aber im normalen Rahmen und wird von Oranier, homeier, Franke, Novy und auch Siemens teilweise noch unterboten.

Immerhin: die höchste Stufe des semi-professionellen Modells BORA Professional 2.0 erreicht einen geringeren Geräuschpegel als das Anbraten eines Steaks. Das ist im kurzzeitigen Einsatz also durchaus verschmerzbar.

 

 

Die Bosch "Silence Edition" hält Geräte aus jedem Haushaltssegment bereit, die über einen zusätzlichen SuperSilence-Modus verfügen und somit ideal geeignet für offene Räumlichkeiten sind. (Foto: Bosch Hausgeräte / Bosch Accent Line Carbon Black)

Die Bosch “Silence Edition” hält Geräte aus jedem Haushaltssegment bereit, die über einen zusätzlichen SuperSilence-Modus verfügen und somit ideal geeignet für offene Räumlichkeiten sind. (Foto: Bosch Hausgeräte / Bosch Accent Line Carbon Black)

 

 

Lautstärke bei Küchengeräten: Tipps für alte Geräte

Wenn Sie nur ältere Küchengeräte besitzen und in absehbarer Zeit keines davon austauschen können, so helfen bereits kleine Tricks dabei, den Geräuschpegel der Produkte etwas zu mindern. Wichtig sind zunächst die Böden, auf denen die Küche respektive ihre Geräte aufgebaut sind: Stein- und Betonböden leiten die Schallwellen beispielsweise sehr viel intensiver weiter als Kunststoffböden. Da man diesen Umstand jedoch nur selten ändern kann, helfen beispielsweise Gummimatten unterhalb freistehender Geräte, den Geräuschpegel einzudämmen.

Schonprogramme für Waschmaschine und Geschirrspüler arbeiten mit einem niedrigeren Wasserdruck als Normal- oder Intensivprogramme und sind damit ebenfalls leiser. Oft hängt die Lautstärke auch ganz einfach mit der Beladung zusammen: vollbeladene Geschirrspüler spülen leiser als halbbeladene. Wenn es klappert und klirrt, ist auch nicht immer nur die Maschine schuld – dann hat sie ein Familienmitglied vielleicht etwas unsauber beladen…

 

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Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.