Viel Licht, viel Holz: Ein Einfamilienhaus in Vorarlberg

09.09.2016 | Dilara Suzuka
Foto: Adolf Bereuter, Holzhaus Vorarlberg

 ‚Holz vor der Hütten‘ hat im schönen Österreich nicht zwangsläufig nur etwas mit der traditionellen Dirndl-Kultur zu tun: Um neue Einfamilienhäuser der von Wald und Wiesen geprägten Landschaft anzupassen, greifen immer mehr Architekten dort zum natürlichsten aller Rohstoffe und entwerfen komplette Holzhäuser. Wir haben ein besonders schönes Exemplar im österreichischen Vorarlberg entdeckt, das sich innen wie außen mit Weißtanne und Fichtenholz an die natürliche Umgebung anschmiegt.

 

Auf den ersten Blick wirkt das Holzhaus wie eine ausgebaute Scheune - darin verbirgt sich ein wunderschöner moderner Wohnkomplex mit Blick auf den Bregenzer Wald. (Foto: Adolf Bereuter)

Auf den ersten Blick wirkt das Holzhaus wie eine ausgebaute Scheune – darin verbirgt sich ein wunderschöner moderner Wohnkomplex mit Blick auf den Bregenzer Wald. (Foto: Adolf Bereuter)

Großzügiges Holzhaus aus Fichte und Weißtanne

Schon beim Anblick der Bilder kann man das Knacken der Holzdielen und den würzigen Geruch frisch gesägten Holzes wahrnehmen. Im österreichischen Vorarlberg hat das Architekturbüro Innauer Matt Architekten für unter 500.000 Euro einen großzügig geschnittenen, lichtdurchfluteten Traum von einem Haus für eine junge Familie geschaffen, das zu einem Großteil aus hellem, natürlich gemasertem Holz besteht.

Das „Haus für Julia und Björn“, wie die Architekten ihr Projekt getauft haben, könnte auf den ersten Blick auch eine gut ausgebaute alte Scheune sein. Die kreuzweise verlegten Latten aus Weißtanne bilden eine halbtransparente Fassade wie ein überdimensionaler Bienenstock und wirken somit wie die große Schwester der unweit auf der abfallenden Wiese platzierten kleinen Nachbarscheune. Das Haus fügt sich ideal in die von Bergen, Wäldern und sanft-hügeligen Wiesen geprägten Umgebung ein: „Was da nun steht, scheint hierher zu gehören“, geben sich die Architekten Markus Innauer und Sven Matt selbstbewusst. Das steile Satteldach und die markanten Giebel wirken wie mächtige Bauten vergangener Tage – und doch verraten großzügige Fensterflächen bereits, dass das Interieur höchst hell und modern ausgestattet wurde.

 

Lieblingsort: Der große Wohn-Koch-Komplex mit Panoramafenstern

Zwischen Wohn- und Küchenraum dient der eingebaute Ofen als Raumtrenner, Anheizer und Sitzecke zugleich. (Foto: Adolf Bereuter)

Zwischen Wohn- und Küchenraum dient der eingebaute Ofen als Raumtrenner, Anheizer und Sitzecke zugleich. (Foto: Adolf Bereuter)

Die prägnante Zone des Hauses ist der langgestreckte Wohn-Koch-Komplex, der die gesamte unterste Etage im Erdgeschoss einnimmt. Großflächige Panoramafenster geben den Blick frei auf die Höhen des Bregenzerwaldes; eine Sitzfläche davor durchzieht die ganze Länge des Raumes und lädt zum Verweilen ein. Koch- und Essbereich werden durch einen Wandvorsprung geteilt, in dem ein integrierter Holzofen Heizwärme und Warmwasser liefert und den Mittelpunkt des Zimmers bildet. Auf seiner Rückseite haben die Architekten eine moderne, gemütliche Sitznische in Pechschwarz eingelassen, die dank der Wärme zum Verweilen und Lesen einlädt.

Der Raum wird dominiert von einer längsgezogenen holzverkleideten Wandzone aus gemasertem Fichtenholz, in deren Ausbuchtungen Küche und Schränke integriert sind. Ebenso wie die Fichtendielen des Fußbodens findet sich dieser Rohstoff auch in der vorgelagerten Kücheninsel wieder, die sich mit schwarzer Arbeitsoberfläche, flächenbündig eingelassenem Edelstahl-Spülbecken und einer schwarzen Rückwand aus fein gekachelten Fliesen hochwertig von der hellen Umgebung absetzt. Die 2,65 Meter hohen Decken und Wände fügen sich in einem zurückhaltenden, lichtgrauen Innenputz aus Marmormehl und sägerauer Weißtanne in die helle und offene Umgebung ein und sorgen gleichzeitig dafür, dass man dem Anblick des Holzes nicht überdrüssig wird.

 

Farbmix aus Weiß, Schwarz und hellem Holz

Ein traumhafter Blick aus den hellen Panoramafenstern. Auf den Sitzbänken in der offenen Küche verweilt man gerne länger. (Foto: Adolf Bereuter)

Ein traumhafter Blick aus den hellen Panoramafenstern. Auf den Sitzbänken in der offenen Küche verweilt man gerne länger. (Foto: Adolf Bereuter)

Der Material- und Farbmix aus Weiß, hellem Holz und schwarzen Stahl- oder Holztönen setzt sich auch im Rest des Hauses fort. Esstisch- und auch Schreibtischecke sind sehr einfach und schlicht gehalten, wirken aber durch die vielschichtig warme Umgebung des Holzes nie zu puristisch. Schiebeläden aus eben diesem Holz lassen sich zu überdachten Freiflächen als Veranda erweitern und geben den Blick auf die wunderschöne Landschaft des österreichischen Vorarlbergs frei.  Man kann sich vorstellen, wie das Haus mittlerweile von bunten Stoffen, Leben und Lachen erfüllt ist und zu seiner feinen holzgezimmerten Fassade ein höchst wohliges Innenleben erhalten hat.

Mit ihrem 2012-2013 erbauten „Haus für Julia und Björn“ haben die Architekten Innauer und Matt mittlerweile sogar viele Preise gewinnen können: So beeindruckten und überzeugten sie die Jury des HÄUSER AWARDS 2015, die den Interior-Preis an das Architekturbüro verlieh, sowie die Jurys der Best Architects Awards 2015 und des Holzbaupreises Vorarlberg 2015 sowie des Hypo Bauherrenpreises 2015, von denen sie Auszeichnungen und Anerkennungen verliehen bekamen.

Tja: Ein bisserl Holz vor der Hütten kommt eben nicht nur in Österreich gut an.

 

Küchenschränke, Kochinsel und Fußboden sind aus hellem Fichtenholz gebaut und gehen fließend in einander über. Die dunklen Arbeitsplatten und die schwarzen kleinen Fliesen der Rückwand setzen sich stringent dagegen ab. (Foto: Adolf Bereuter)

Küchenschränke, Kochinsel und Fußboden sind aus hellem Fichtenholz gebaut und gehen fließend in einander über. Die dunklen Arbeitsplatten und die schwarzen kleinen Fliesen der Rückwand setzen sich stringent dagegen ab. (Foto: Adolf Bereuter)

 

Die längliche Wand aus Fichtenholz dominiert die Räumlichkeiten einerseits, nimmt sich andererseits zurück und lässt Auffälligkeiten wie Schränke, Nischen oder Türen nur im gleichen Farbton zu. (Foto: Adolf Bereuter)

Die längliche Wand aus Fichtenholz dominiert die Räumlichkeiten einerseits, nimmt sich andererseits zurück und lässt Auffälligkeiten wie Schränke, Nischen oder Türen nur im gleichen Farbton zu. (Foto: Adolf Bereuter)

 

Auch Kinder- und Arbeitszimmer sind im gleichen Farb- und Materialmix gehalten: Helles Holz, Weiß und Stahlschwarz. (Foto: Adolf Bereuter)

Auch Kinder- und Arbeitszimmer sind im gleichen Farb- und Materialmix gehalten: Helles Holz, Weiß und Stahlschwarz. (Foto: Adolf Bereuter)

 

Schiebeläden aus Holz sorgen dafür, dass aus den großen Räumlichkeiten schnell eine luftige, überdachte Veranda wird. (Foto: Adolf Bereuter)

Schiebeläden aus Holz sorgen dafür, dass aus den großen Räumlichkeiten schnell eine luftige, überdachte Veranda wird. (Foto: Adolf Bereuter)

 

 

Zum Autor
Dilara Suzuka
Redakteurin

Die Küche war für Dilara schon immer ein magischer Anziehungspunkt; als Nesthäkchen mit vier Geschwistern drehte sich schon im Familienhaushalt immer alles um den heiligen Ort des Zusammenseins beim Essen, Kochen, Hausaufgaben machen, Malen, Diskutieren, Entscheidungen verkünden. Auch in ihrer WG während des Studiums kreuzten sich in der Küche sämtliche Lebenswege. Die Webdesignerin entschied deshalb, dass es an der Zeit wäre, diesem Altar des Essens und der Entscheidungen auch im Internet ein bisschen mehr Leben einzuhauchen. Los geht’s.