Paris setzt den Ton: Die fünf wichtigsten Trends der Maison et Objet 2026

HomeAktuellesParis setzt den Ton: Die fünf wichtigsten Trends der Maison et Objet...

Paris denkt Interior neu – und verabschiedet die Zurückhaltung. Auf der Maison et Objet 2026 wird Design wieder emotional, handwerklich und vielschichtig verstanden. Wir zeigen 5 spannende Trends, die jetzt die Richtung vorgeben.

Die Maison et Objet in Paris zählt zu den weltweit wichtigsten Messen für Interior Design, Möbel, Dekoration und Lifestyle. Sie findet bewusst zweimal im Jahr statt und folgt damit dem Rhythmus der internationalen Designbranche.

Die Januar-Veranstaltung gilt als konzeptioneller Impulsgeber: Hier entstehen Trends, Visionen und neue Strömungen, eng verknüpft mit Entwicklungen aus Mode, Farbe und Lifestyle. Die September-Ausgabe hingegen richtet den Blick stärker auf marktreife Kollektionen und Produkte. Kurz gesagt: Januar denkt voraus, September bringt Design in den Markt.

Die aktuelle Maison et Objet fand vom 15. bis 19. Januar 2026 statt und stand unter dem Leitmotiv „Past reveals the Future“. Vor Ort ließ sich erleben, was dieses Motto ausdrücken möchte: Design schöpft aus seinen Wurzeln, um sich weiterzuentwickeln. Im Spannungsfeld zwischen Rohmaterial und zeitgenössischer Form entsteht eine neue, stille Kraft.

Möbel werden zum Träger von Wissen, Handwerk und Erinnerung – nicht nur ästhetisch, sondern emotional. Die Maison et Objet versteht Design als lebendigen Prozess, bei dem jedes Objekt eine Geschichte in sich trägt und Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.

1. Spiegelbilder: Silber & Chrom

Die Maison et Objet 2026 bestätigt, was sich in den Wohntrends seit einiger Zeit abzeichnet: Metallische Oberflächen sind zurück. Und sie sind gekommen, um zu bleiben. Nicht als Akzent, sondern als klares Statement.

Besonders auffällig ist der Trend zum Stand-Alone-Einsatz. Silber und Chrom funktionieren als Möbel, Boden, Skulptur oder raumprägendes Element – selbstbewusst, kühl und architektonisch. Dass diese Haltung trägt, zeigte sich unter anderem an der Wahl von Harry Nuriev zum Designer of the Year. Seine Installation „Transformism“ bewegte sich bewusst zwischen Erinnerung und Zukunft. Alltägliche Materialien und vertraute Objekte wurden neu gelesen, transformiert, veredelt. Nicht das Neue stand im Fokus, sondern die Umdeutung des Bestehenden. Ganz im Sinne des Messe-Leitmotivs Past reveals the Future.

Auch im exklusiven CURATIO-Bereich war das kühle Metall präsent. Im Zentrum: die spiegelpolierte Skulptur Whispers von Oskar Zięta. Die glänzende Oberfläche reflektierte ausgewählte Objekte und machte Silber selbst zum Medium. Nicht als Dekor, sondern als Bühne für Design.

Gleichzeitig zeigt sich Chrom in einer ruhigeren, wohnlicheren Rolle. In Kombination mit Holz, Rattan oder textilen Oberflächen verliert das Metall etwas von seiner Coolness und wirkt überraschend wohnlich. Eine Variation, die sich ideal für das eigene Zuhause übersetzen lässt.

2 . Kunst für die Wand: Vorhang & Tapete

(Kunst-)Handwerk war einer der großen Überbegriffe der Maison et Objet 2026. Besonders eindrucksvoll zeigte sich dieser Trend dort, wo Flächen wirken dürfen: bei Vorhängen und Tapeten. Textilien wurden nicht mehr als Hintergrund verstanden, sondern als gestaltendes Element mit Tiefe, Struktur und Geschichte.

Bei Lesage etwa wurden Tausende von Holzperlen auf textile Flächen genäht. Die bestickten Wände im Showroom von Arte erinnerten an verspielte Hochzeitskleider oder übergroße Gemälde. Bei Pierre Frey bestaunten wir überraschende Kombinationen extravaganter Muster. Auch Loro Piana setzte ein starkes Zeichen und bespannte ganze Wände mit Bambus.

Unser persönlicher Favorit war jedoch der Auftritt des Labels CMO Paris. Der nur 70 Quadratmeter große Showroom zeigte eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Material, Detail und Mut zusammenspielen. Wandpaneele, textile Bestückungen, reliefartige Oberflächen – keine Fläche blieb glatt. Jede Wand erzählte ihre eigene Geschichte.

3. Stein auf Stein

Stein war auf der Maison et Objet 2026 allgegenwärtig – und zugleich kaum wiederzuerkennen. Material, Farbe, Oberfläche und Form lösen sich von klassischen Zuschreibungen. Stein erscheint roh, poliert, eingefärbt, skulptural oder überraschend weich. Seine Identität scheint sich aufzulösen.

Auffällig ist dabei die gestalterische Freiheit. Optisch gibt es kaum noch Grenzen: Stein kann heute fast alles sein. Er wirkt leicht, organisch, manchmal spielerisch. Und stellt bewusst infrage, was wir mit dem Material verbinden.

Wie weit diese Neuinterpretation reicht, zeigten zahlreiche Objekte. Anna Torfs Objects präsentierte eine Vase in Zitronenform – gefertigt aus Stein, aber mit einer fast humorvollen Leichtigkeit. Bei Van Rossum wiederum nahm Stein als Couchtisch Gestalt an. Und obwohl es Marmor ist, wirkte es optisch so weich, wie ein XXL-Sitzkissen. 13 Desserts hingegen setzte auf außergewöhnliche Formen und zeigte Vasen, die Stein als formbares, fast lebendiges Material inszenieren.

4. Charakterstark: Rottöne

Was sich bereits im vergangenen Jahr in Mailand abzeichnete, wurde auf der Maison et Objet 2026 unübersehbar weitergeführt. Rottöne sind zurück – präsent, selbstbewusst und raumprägend. Schon auf dem Salone del Mobile 2025 waren Nuancen von Kirschrot bis Burgunder allgegenwärtig. Paris führt diesen Impuls konsequent weiter.

Die Farbe tauchte überall auf. An Wänden. In Möbeln. In Leuchten, Textilien und dekorativen Elementen. Mal satt und tief, mal gedeckt, mal fast erdig. Dabei geht es weniger um Provokation als um Wirkung. Rot verändert Räume. Es gibt ihnen Spannung, Richtung und Energie. Die Farbe wirkt mutig, expressionistisch und emotional – ohne laut sein zu müssen. Sie schafft Nähe, Tiefe und Präsenz.

Spannend ist in diesem Kontext auch die sogenannte Unexpected Red Theory. Die Idee dahinter: Ein bewusst gesetzter roter Akzent kann Räume beleben, Strukturen ordnen und emotionale Tiefe erzeugen. Nicht flächig, nicht dekorativ – sondern gezielt. Rot wird zum Impulsgeber, der Aufmerksamkeit lenkt und Atmosphäre verdichtet.

5. Unverwechselbar und persönlich: Eklektizismus

Eklektizismus steht für Vielfalt, für bewusste Brüche und für Räume mit Charakter. Auf der Maison et Objet verschmolzen Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges zu Räumen mit Tiefe, Geschichte und Persönlichkeit.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel lieferte die Zusammenarbeit von Invisible Collection und Féau Boiseries. Historische Boiserien bildeten den Rahmen für zeitgenössische Designobjekte – ein Dialog zwischen Handwerk, Kunst und moderner Gestaltung. Teilweise erinnerte die Inszenierung an legendäre Interieurs: an das ehemalige Schlafzimmer von Estée Lauder oder an die Bibliothek von Coco Chanel.

Dass gerade Paris zum Schauplatz dieses Trends wird, überrascht kaum. Kaum eine andere Stadt versteht es so selbstverständlich, Epochen, Stile und Referenzen miteinander zu verweben. Doch Eklektizismus bleibt kein Pariser Privileg. Denn nicht zufällig hat auch Pinterest kürzlich den Trend „Neo Deco“ prognostiziert: eine zeitgemäße Interpretation des Art Déco, kombiniert mit modernen Formen, Materialien und Farben. Genau hier schließt der Kreis. Historische Opulenz trifft auf zeitgenössische Klarheit. Und auf ganz viel Persönlichkeit.

Fazit: Die Abkehr vom Minimalismus

Die Maison et Objet 2026 macht deutlich, dass sich das Interior Design weiterentwickelt. Der lange prägende Fokus auf Zurückhaltung tritt in den Hintergrund. Stattdessen gewinnen Ausdruck, Individualität und erzählerische Tiefe an Bedeutung.

Materialien dürfen wieder wirken und ihre eigene Sprache sprechen. Handwerk wird sichtbar und bewusst eingesetzt. Farbe erhält eine neue Rolle und wird gezielt genutzt, um Atmosphäre zu schaffen. Räume greifen Geschichte auf, übersetzen sie zeitgemäß und verbinden Tradition mit aktuellen Formen und Technologien.

Dabei geht es nicht um ein Entweder-Oder. Reduktion bleibt ein wichtiges gestalterisches Mittel, verliert jedoch ihre Alleinstellung. Ergänzt wird sie durch eine neue Offenheit für Details, für lokale Identität und für persönliche Handschrift.

Die Zukunft des Wohnens ist vielschichtig. Sie lebt von Charakter, von bewusst gesetzten Kontrasten und von Räumen, die nicht nur funktionieren, sondern emotional berühren.

Lisa Demmel
Lisa Demmel
Party-Mittelpunkt, Home-Office, Frühstücks-Platz: An die perfekte Küche hat unsere Redaktionsleiterin viele Ansprüche. Beim Kochen sind für sie Schnelligkeit und Effizienz wichtig, bei der Ästhetik wiederum Formgefühl und Nachhaltigkeit. Um ihre Küche noch organisierter, funktionaler oder schöner zu machen, durchforstet sie das Internet nach eindrucksvollen Trends, smarten Geräten und cleveren Hacks.