Es gibt wohl kaum eine Küchenentscheidung, die so leidenschaftlich diskutiert wird, wie die Frage, ob die Küche offen oder geschlossen sein soll. Die einen lieben den kommunikativen Grundriss, die anderen das Gefühl, nicht alles zeigen zu müssen. Kurz gesagt: Zwischen Geselligkeit und Rückzug liegt oft nur eine Wand. Unsere Autorin widmet sich dem vielleicht emotionalsten Küchenthema – und zieht ein persönliches Fazit.
Wo Wohnen beginnt – und Kochen diskutiert wird
Die einen reißen Wände ein, die anderen bauen sie auf. Das ist wohl ein uraltes Muster. Bildlich gesprochen wie auch ganz profan – bei der Planung des neuen Zuhauses. Klar, Bad und Bett kommen hinter Schloss und Riegel, die Kinder kriegen ihr eigenes Reich, und für den Besen gibt´s eine Kammer …
Bleibt jetzt nur noch die Frage aller Fragen: Wie schaut es mit der Küche aus? Offen oder geschlossen? Und spätestens hier beginnt er, der ewige Kampf zwischen Ästhetik, Funktionalität und der essenziellen Frage, wo es überall nach Essen duften darf. Oder anders gesagt: Willkommen im Dilemma des modernen Wohnens!

Offene oder geschlossene Küche? Warum es hier kein richtig oder falsch gibt
Eines gleich vorweg: Ein Richtig oder Falsch können wir bei diesem Thema schlichtweg vergessen. Genauso wie ein – grundsätzlich unsinniges – „Das hat man jetzt so“.
Außerdem entscheidet in der Regel weniger der Geruch als der Geschmack darüber, wie offenherzig sich die Küche zeigen darf. Zumindest seit dem 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der phänomenalen Abluftsysteme. Dass beide Wohnkonzepte ihre Vorzüge haben, erachte ich als gegessen. Die Frage ist also vielmehr: Wem schmeckt was?

Die Küche als Rückzugsort
Vielleicht gehören Sie ja zu denjenigen, die den Kochbereich eher als Private Members Club verstehen denn als Laufsteg des guten Geschmacks. Die gerne still und heimlich vor sich hinschälen, kontemplativ ihr Risotto rühren oder einfach mal eine Überraschungstorte backen wollen, die ihrem Namen auch gerecht wird. Verborgen hinter der Küchenwand führen sie alles andere als ein Schattendasein – sie genießen es, dort einfach Mensch zu sein.
Und seien wir mal ehrlich: Derbe fluchen zu dürfen, wenn man sich in den Finger schneidet und nicht parallel flambieren, der Schwiegertante Gin Tonic nachschenken und Kommentare wie „Meine Ex macht das immer ein bisschen anders“ über sich ergehen lassen zu müssen, hat schon etwas für sich.
Beim Kochen auch noch zu lachen, zu leben und zu lieben, und das am besten gleichzeitig, ist eben manchmal etwas viel verlangt. Geschlossene Küchen sind die privaten Spitzenrestaurants: Wer an den Chef’s Table darf, kann sich glücklich schätzen. Kochen ist eben Magie – und Zaubertricks verrät man auch nicht jedem.

Offen kochen, offen leben
Doch was des einen Fluch, ist des anderen Segen: Das Team „offene Küche“ versammelt oft designaffine Fans von großen Räumen, Familien, die alle(s) im Blick haben wollen und regelrechte Rampensäue. Während die einen ihre Küche am liebsten nur von der teuren Couch aus bewundern, wird bei Letzteren der freistehende Küchenblock mitunter zur Bühne für kulinarisches Improvisationstheater. Je mehr hungriges Publikum, desto besser.
Aufkommende Gerüche und Geräusche werden lässig überspielt. Ob Zwiebeltränen, Wasserhahn, Gespräche oder Rotwein – im Zirkus Lukullus ist eben alles im Fluss.

Am Ende zählt, was sich richtig anfühlt
Manchmal scheint es, als ginge es beim Thema „offen oder geschlossen“ um eine ideologische Grundsatz-Entscheidung. Dabei ist und bleibt eine Küche einfach das, was du daraus (beziehungsweise darin) machst
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