Outline Design: Dieser Interior-Trend setzt auf starke Konturen

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Klare Formen bekommen jetzt eine Extraportion Ausdruck: „Outline Design“ macht markante Konturen zum neuen Interior-Trend. Kanten, Nähte und Rahmen werden bewusst betont und lassen Möbel und Accessoires zwischen dreidimensionalem Objekt, Zeichnung und einem Hauch Comic-Ästhetik changieren. Was den Look ausmacht und welche aktuellen Designstücke ihn besonders spannend interpretieren.

Klare Kante: Das steckt hinter „Outline Design“

Was normalerweise möglichst unauffällig bleibt, rückt beim Trend Outline Design in den Vordergrund: die Kontur. Dunkle Linien, farblich abgesetzte Kanten, sichtbare Rahmen oder kontrastierende Nähte zeichnen die Silhouette eines Objekts nach und werden selbst zum Gestaltungselement. Besonders häufig trifft dabei Schwarz auf helle Flächen. Möbel, Leuchten und Accessoires wirken dadurch beinahe zweidimensional, als wären sie mit einem Fineliner skizziert und anschließend in den Raum gesetzt worden.

Während viele Möbel zuletzt möglichst weich und fließend gestaltet wurden, setzt Outline Design wieder stärker auf Abgrenzung. Die kontrastfarbene Linie reicht oft aus, um die Form neu zu lesen. Das Ergebnis erinnert an Skizzen, Architekturzeichnungen oder auch an Comics, ohne dabei dekorativ oder verspielt wirken zu müssen.

Modulares Sideboard Frame von Audo Copenhagen in Weiß mit schwarzem Rahmen, Türen, Schubladen und offenen Fächern vor einer beigefarbenen Wand.
Der Reiz von Outline Design liegt im Kontrast: Dunkle Linien geben hellen Flächen Struktur und lassen Formen fast gezeichnet wirken. (Foto: Audo)

Die Inspiration für den aktuellen Interior-Trend

Ganz neu ist die Idee hinter dem Outline Design nicht. Schon im frühen 20. Jahrhundert zerlegte etwa Designer Gerrit Rietveld diverse Möbel in klar voneinander abgegrenzte Linien und Flächen. Seine Entwürfe für die niederländische Kunstbewegung De Stijl machten Konstruktion und Kontur bewusst sichtbar, statt sie gestalterisch verschwinden zu lassen.

Noch näher am heutigen Look ist ein Experiment des schwedischen Designstudios Front aus dem Jahr 2005. Für die Serie Sketch Furniture zeichneten die Designer Möbel frei in den Raum. Die Bewegungen wurden digital erfasst und anschließend dreidimensional produziert. Stühle, Tische und Leuchten sahen dadurch tatsächlich aus wie materialisierte Skizzen.

2010 spielte auch das japanische Studio nendo mit genau diesem Übergang zwischen Zeichnung und Objekt. Bei Thin Black Lines bildeten feine schwarze Linien die Umrisse von Möbeln und ließen sie zwischen Zwei- und Dreidimensionalität changieren. Das Thema der Kollektion: ausdrücklich die Kontur.

Heute kehrt diese Idee weniger experimentell zurück. Die gezeichnete Wirkung entsteht über Paspeln, farblich abgesetzte Kanten, sichtbare Rahmen oder Linien auf Keramik. Aus dem Designexperiment ist damit ein Look geworden, der sich erstaunlich selbstverständlich in Wohnräume übersetzen lässt.

Fassade mit strengem Raster aus rechteckigen Flächen in Rot, Blau, Gelb, Schwarz und Weiß als Beispiel für die grafische Formensprache von De Stijl.
Klare Raster, Primärfarben und starke Kontraste prägten De Stijl – eine wichtige gestalterische Referenz für den heutigen Outline-Look. (Foto: Jan van der Wolf)

Outline Design: Die 5 schönsten Designstücke zum Interior Trend

„Ava“ von HAY: Eine Leuchte wie mit dem Fineliner gezeichnet

Entworfen wurde die Serie Ava von Ana Kraš, die dafür eine klassische Leuchtenform auf wenige klare Linien reduziert. Der halbtransparente Schirm besteht aus ECOPET, einem Material auf Basis von recyceltem PET, und erinnert in seiner feinen Struktur an Papier. Die dunkle Einfassung setzt dazu einen bewusst grafischen Kontrast.

Passend dazu entstand die Vorlage für Ava tatsächlich aus sehr einfachen Mitteln: Die Designerin improvisierte 2021 nach ihrem Umzug nach Paris eine Leuchte aus Draht, Papier und Textilklebeband. Aus dieser spontanen Idee entwickelte sich später die Serie für HAY. Neben der Ava Pyramid Table Lamp gehören heute auch eine Wandleuchte und zwei kegelförmige Pendelleuchten zur Familie.

„Carte Blanche“ von Serax: Vom Kartonmodell zum Porzellan

Bei Carte Blanche von Serax ist die skizzenhafte Wirkung ebenfalls kein Zufall. Denn die niederländische Designerin Annebet Philips entwickelte die ersten Formen aus ausgeschnittenem Karton. Klassische Tassen, Kannen, Teller und Schalen wurden dabei auf einfache, fast kindlich wirkende Silhouetten reduziert. Für die spätere Umsetzung in Porzellan blieben selbst die Faltlinien und leicht unregelmäßige Kanten erhalten.

Den typischen Outline-Look erhalten die weißen Stücke durch von Hand aufgemalte schwarze Linien, die ihre Konturen betonen. Gerade weil diese nicht vollkommen gleichmäßig verlaufen, wirkt das Geschirr weniger grafisch perfekt als vielmehr wie eine schnelle Zeichnung, die dreidimensional geworden ist. Das passt zu Annebet Philips’ eigener Designsprache: Charakteristisch für ihre Arbeiten sind handgezeichnete Konturen und ein spielerischer, beinahe cartoonhafter Ausdruck.

„Lepid“ von Kartell: Wenn die Kante zur Zeichnung wird

Bei LEPID von Kartell wird aus einem konstruktiven Detail das prägende Gestaltungselement. Die von Patricia Urquiola entworfene Kollektion aus Bücherregalen, Ablagen, Sideboards und Konsolen setzt die Kanten bewusst in Szene. Kontrastierende Profile ziehen sich dabei wie ein durchgehender Strich um Flächen und Übergänge. Kartell selbst vergleicht die Wirkung mit der Spontaneität einer Freihandzeichnung.

Besonders spannend wird der Effekt dort, wo Linien aufeinandertreffen oder sich überlagern. Dadurch entsteht trotz der geradlinigen Formen eine gewisse Bewegung. Gefertigt werden die Möbel aus recycelten Holzfaserplatten; erhältlich sind unter anderem Kombinationen in Elfenbein, Bordeaux und Senfgelb. Je nach Farbwahl tritt die Kontur mal deutlich hervor, mal bleibt sie etwas zurückhaltender.

„Sketch“ von Johanson Design: Möbel wie mit Garn gezeichnet

Eine markante Overlocknaht zieht sich entlang der Kanten und gibt der Serie Sketch von Johanson Design ihre charakteristische Kontur. Entworfen wurde sie vom Stockholmer Designstudio Färg & Blanche, das dafür eine Teppichkettelmaschine nutzt. So wird eine Technik, die sonst eher aus der Textilverarbeitung bekannt ist, zum sichtbaren Gestaltungselement. Sketch wurde 2024 vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. 2025 kamen unter anderem eine neue Bank sowie zusätzliche Möglichkeiten bei Materialien und Farben hinzu. Für die gekettelte Kontur stehen sieben Garnfarben zur Auswahl.

„Cloud Placemat“ von La DoubleJ: Outline Design in Farbe

Die Marke La DoubleJ ist bekannt für expressive Farben, auffällige Muster und eine große Portion italienischer Lebensfreude. Das 2015 von J.J. Martin gegründete Mailänder Label arbeitet für seine Mode und Home Kollektionen eng mit italienischen Manufakturen und Handwerkern zusammen. Viele Produkte entstehen in kleinen Chargen und möglichst kurzen Lieferketten. Dahinter steht ein Markenverständnis, das italienisches Handwerk nicht nur ästhetisch zitiert, sondern bewusst erhalten und unterstützen möchte.

Die Cloud Placemat bringt diese Haltung auf den gedeckten Tisch. Seine weich geschwungene Form wird von einer kontrastierenden Paspel eingefasst, die den Rand nachzeichnet. Je nach Variante treffen dabei unterschiedliche Farbtöne aufeinander. Gerade die Kombination aus organischer Form und klarer Einfassung macht das Tischset zu einer besonders dekorativen Interpretation des Outline Designs.

Charlotte Finkenstein
Charlotte Finkenstein
Die freie Journalistin Charlotte Finkenstein beschäftigt sich nicht nur beruflich mit Genuss: auch privat verbringt die leidenschaftliche Hobbyköchin viel Zeit in den eigenen vier Küchenwänden und erfreut damit regelmäßig Kollegen und Freunde. Nach Stationen im TV bei Kochshows sowie bei kleineren Lebensmittelzeitschriften widmet sich Charlotte nun der Technik hinter dem Essen und blickt für uns Herstellern, Geräten und Kundenversprechungen genau auf die Finger.