Pflanzen in der Küche, geht das?

03.08.2016 | Dilara Suzuka
Foto: Annie Spratt

Pflanzen in der Küche – keine einfache Liaison: Jeder mag Pflanzen, und Pflanzen sind gut für die Zimmerluft. Wenn diese Rechnung allerdings so einfach wäre, würde man nicht zu Beginn dieses Artikels gleich vor zweierlei Dilemma stehen: Zum einen der vor allem dann fehlende grüne Daumen bei Menschen, die Besitzer vielfältiger Pflanzenarten (meist von IKEA) sind. Zum anderen die unwegsamen Zustände in der Küche: Kochdampf, Fett, Bratendunst, Gerüche, Hitze, Durchzug. Und dazwischen zarte Blumenknospen, die verzweifelt versuchen, die Luft durch ihren CO2-Verbrauch und Sauerstoffausstoß ein bisschen besser zu machen. Kann das funktionieren? Wir sagen: Aber sicher doch.

 

 

Überall ein gern gesehener Gast, weil besonders pflegeleicht: Der Ficus Benjamini. (Foto: Lucas Alexander)

Überall ein gern gesehener Gast, weil besonders pflegeleicht: Der Ficus Benjamini. (Foto: Lucas Alexander)

 

Gründe, warum man Pflanzen in der Küche haben sollte

Zunächst einmal der Grund, warum Sie vermutlich eigentlich hier sind: Die Pflanze als schönes Dekoelement in der Küche. Mehr denn je passen rankende Grünpflanzen und bunte Blumentöpfe wunderbar zu modernen Küchen. Die oftmals einfach und puristisch gehaltenen Fronten oder aber in zarten Pastellfarben zurückhaltend gestalteten Ecken werden durch grüne Farbtupfer und bunte Blumenköpfe auf natürliche Weise zum Leben erweckt und bekommen selbst bei unifarbenen Modellen in Weiß, Anthrazit oder Beton eine Wohnlichkeit und Wärme eingehaucht. Auch im Mix mit anderen Küchenaccessoires wie stechend kühlen Kupferlampen, Holzskulpturen oder Steinfronten bilden Pflanzen in der Küche immer einen freundlichen und gesund wirkenden Gegenpol.

Natürlich sind Pflanzen aber auch ohne weiteres Zutun und Aussehen recht nützliche Gegenstände, die jede Raumluft bereichern. Die grünen Blätter sind nämlich zum einen wahre Schadstoffkiller, die neben abgestandener Luft und Kochdünsten auch Giftstoffe wie Schimmel, Allergene oder Formaldehyd (Klebstoffe), Trichlorethylen (Weichmacher) und Benzol (Zigarettenrauch) absorbieren und reinigen; zum anderen geben Pflanzen bis zu 97% des Gießwassers wieder an die Raumluft ab. Eine Blume in der Küche allein ersetzt also keine Dunstabzugshaube, aber Pflanzen in der Küche machen sich in der Luftreinigung durchaus bemerkbar.

 

 

Sukkulenten sind extrem genügsame und pflegeleichte Pflanzen. Achja: Aufgrund ihrer Artenvielfalt sehen sie auch besonders interessant und schön aus. (Foto: Jason Zook)

Sukkulenten sind extrem genügsame und pflegeleichte Pflanzen. Achja: Aufgrund ihrer Artenvielfalt sehen sie auch besonders interessant und schön aus. (Foto: Jason Zook)

 

Pflanzen in der Küche: Welche Arten eignen sich?

Generell eignen sich aufgrund der großen Hitze eher robuste Pflanzenarten für Ihre Küche. Soll heißen: Mit Kakteen und wild sprießenden Sukkulenten fahren Sie immer noch am besten, aber selbstverständlich sind auch anspruchslose Selbstversorger wie Begonien, Glockenblumen, Zypergras oder die Kalanchoe geeignet für Ihren Küchenraum. Besonders letztere ist nicht nur ein schönes Gastgeschenk, sondern strahlt auch Herzlichkeit und die offene Wohlfühl-Atmosphäre aus, die viele von der Küche als zentralen Treffpunkt der Wohnung erwarten. Auch die Bromelie ist ein solch schöner bunter Farbtupfer zwischen blitzenden Edelstahlpfannen und holzvertäfelten Anrichten.

Besonders beliebt und praktisch zugleich sind Küchenkräuter, die immer öfter als echte Pflanzen herangezogen und in schöne Blumentöpfe gesteckt die Küche verzieren, anstatt zu einem Gewürz gepresst ihr Dasein im Küchenschrank zu fristen. Pflegeleichte Küchenkräuter sind zum Beispiel Basilikum, Rosmarin, Lavendel, Thymian, Schnittlauch und Petersilie, die auch rasch zum Kochen gepflückt oder zum Dekorieren hinzugezogen werden können.

 

Im Zweifelsfall überleben Kakteen so ziemlich alles: Kochdunst, Bratenfett und wochenlange Dürre. (Foto: Milada Virgerova)

Im Zweifelsfall überleben Kakteen so ziemlich alles: Kochdunst, Bratenfett und wochenlange Dürre. (Foto: Milada Virgerova)

 

Pflanzen in der Küche trotz wenig Licht & Platz

Übrigens: Sollte Ihre Küche leider kein Fenster besitzen oder aufgrund von äußeren Umständen sehr dunkel sein, eignen sich besonders Farne gut zur Deko, die auch im Schatten sehr genügsam sind. Ansonsten sollte man auf durchschnittlich 20 Grad Raumtemperatur achten und den Rest der Pflanzen, sofern machbar, auf der Fensterbank oder einem offenen Küchenschrank deponieren, um ihnen möglichst viel Tageslicht zu ermöglichen. Da Pflanzen trotz aller guten Eigenschaften schwere Hitzewellen nur schlecht vertragen, wäre es ratsam, diese nicht in der Nähe von Herden oder Öfen aufzustellen. Auch mit Obstkörben vertragen sich Pflanzen nicht gut – das Äthylen, das unreifes Obst zum Reifen bringen soll, lässt auch Blumenblüten welken.

Falls Sie jetzt grübeln, wo Pflanzen in der Küche denn dann überhaupt noch ihren Platz finden: Wie wäre es, die Blumen und Kräuter in hängenden Töpfen zu deponieren, z.B. kopfüber über der Kochinsel oder in einer originellen Halterung an der Wand? Auf diese Weise können Sie Kräuter trocknen lassen, direkt zum Kochvorgang abzupfen oder einen dunklen Raum erhellen und gemütlich machen.

 

Hängen statt stellen: So klappt's auch mit dem Platz in der Küche. Außerdem werden die dort ausgestellten Pflanzen zum Hingucker. (Foto: Jeff Sheldon)

Hängen statt stellen: So klappt’s auch mit dem Platz in der Küche. Außerdem werden die dort ausgestellten Pflanzen zum Hingucker. (Foto: Jeff Sheldon)

 

Weitere schöne Dekoideen für Pflanzen in der Küche:

 

Kleine Setzlinge sind empfindlich, aber speziell die Exemplare des Zimmerfarns sind einfach zu pflegen - und halten auch Dunkelheit in fensterlosen Küchenräumen aus. (Foto: Matt Montgomery)

Kleine Setzlinge sind empfindlich, aber speziell die Exemplare des Zimmerfarns sind einfach zu pflegen – und halten auch Dunkelheit in fensterlosen Küchenräumen aus. (Foto: Matt Montgomery)

 

 

Blumen können als Küchenaccessoire bunte Farbtupfer setzen - und sind auch ein sehr schönes Mitbringsel zur Wohnungseinweihung. (Foto: Tim Gouw)

Blumen können als Küchenaccessoire bunte Farbtupfer setzen – und sind auch ein sehr schönes Mitbringsel zur Wohnungseinweihung. (Foto: Tim Gouw)

 

 

Einfach mal selber Hand anlegen: Selbst unscheinbare Kakteen oder kleine Setzlinge kommen im richtigen Rahmengestell stylish daher. (Foto: Neslihan Gunaydin)

Einfach mal selber Hand anlegen: Selbst unscheinbare Kakteen oder kleine Setzlinge kommen im richtigen Rahmengestell stylish daher. (Foto: Neslihan Gunaydin)

 

 

Kombinieren Sie Ihre Pflanzen in der Küche mit matten Tontöpfen und warmen Holzplatten - es entsteht ein modern-designtes und doch sehr gemütliches Ambiente. (Foto: Alvin Engler)

Kombinieren Sie Ihre Pflanzen in der Küche mit matten Tontöpfen und warmen Holzplatten – es entsteht ein modern-designtes und doch sehr gemütliches Ambiente. (Foto: Alvin Engler)

 

 

Die etwas andere Art von Pflanzen in der Küche: Einfach Küchenkräuter und Co. von der Decke baumeln lassen - eignet sich auch perfekt zum Kochen und nimmt keinen Stellplatz weg. (Foto: Allie Dearie)

Die etwas andere Art von Pflanzen in der Küche: Einfach Küchenkräuter und Co. von der Decke baumeln lassen – eignet sich auch perfekt zum Kochen und nimmt keinen Stellplatz weg. (Foto: Allie Dearie)

Zum Autor
Dilara Suzuka
Redakteurin

Dilara ist in Sachen Pflanzen ein, nun, sagen wir mal nicht hoffnungsloser Fall – aber so ziemlich ohne grünen Daumen aufgewachsen. Das hält sie nicht davon ab, wöchentlich Wildblumen vom Markt, frische Küchenkräuter oder günstige IKEA-Setzlinge zu erstehen. Bis der nächste Basilikum eingeht, konnten wenigstens einige Tomatensaucen und Mozzarellascheiben profitieren. Immer schön positiv denken…