Popstahl-Küchen: Mut zu Purismus, Stahl und Farbe

In Zeiten, in denen weiße Küchen als Klassiker und schwarze Küchen als Trend gelten, mutet es geradezu tollkühn an, sich für eine Küche in Gelb, Grün oder Rosé zu entscheiden. Doch genau das macht Popstahl-Küchen einzigartig: mit ihren quietschbunten Farben und der einheitlichen Struktur aus Stahl setzen sie sich vom Küchenmarkt ab – und erregen europaweit Aufmerksamkeit. (Foto: Jan Kulke)

Dieser Artikel wurde am 12. Juli 2019 verfasst und am 13. Juli 2021 nach neuesten Erkenntnissen aktualisiert.

Popstahl-Küchen: unkonventionelle Küchen auf architektonischer Basis

Es gibt sie in zitronengelb, himbeerrot, olivgrün und himmelblau: die Rede ist nicht von cremigen Fruchteis-Sorten, sondern knallharten Küchen aus StahlPopstahl-Küchen. Das gleichnamige Berliner Unternehmen mischt die auf Ästhetik bedachte Küchenbranche nun schon seit einigen Jahren mit einfachen, aber enorm haltbaren Metallküchen auf und setzt dabei auf intensive Farben, stringente Strukturen und eine bis ins Detail abgestimmte Individualität für den Küchenkunden.

Das Verblüffende an der Faszination für Popstahl-Küchen ist nicht allein deren durchdringende Farbgebung, die durchaus Mut zu unkonventioneller Raumgestaltung erfordert. Es ist vielmehr das Bündel an Gegensätzen, mit denen sich die Neulinge auf dem Küchenmarkt behaupten. Die Küchenentwürfe mögen quietschbunt sein, sind aber dennoch hochwertig konzipiert. Wer hinter den farbenfrohen Entwürfen ein junges Start-Up vermutet, liegt falsch. Tatsächlich steht hinter Popstahl-Küchen ein sehr erwachsenes Trio, bestehend aus zwei Berliner Architekten – Julieta Benito Sanz und Ralf Weissheimer – sowie einem Kommunikationsexperten, Johannes Greiner.

Gemeinsam entwerfen sie seit etwa 10 Jahren Küchen aus Stahl, die dem Kunden ein gewisses Maß an Möglichkeiten vorgeben und somit, im Gegensatz zur Konkurrenz, die Qual der Wahl reduzieren. Sämtliche Fronten aller Popstahl-Küchen sind in vollverzinktem, pulverbeschichtetem Stahl gehalten. Das ist maximal kratzfest und langlebig: selbst nach jahrelanger, intensiver Nutzung sollten laut Unternehmensseite kaum Gebrauchsspuren zu verzeichnen sein.

Popstahl-Küchen sind anders als die Konkurrenz: der Kunde hat die Wahl aus sehr vielen Farben, aber nur einem Korpusmaterial - widerstandsfähigem Stahl. (Foto: Georg Grainer)
Popstahl-Küchen sind anders als die Konkurrenz: der Kunde hat die Wahl aus sehr vielen Farben, aber nur einem Korpusmaterial – widerstandsfähigem Stahl. (Foto: Georg Grainer)

Pflegeleicht und widerstandsfähig: Stahl und Farbe werden verschmolzen

Möglich macht das die eigens entwickelte Verarbeitungsprozedur, bei der das satte Farbpulver mit dem Metall bei rund 200°C dauerhaft verschmolzen wird. Das garantiert Farbechtheit und schützt vor Kratzern und Flecken. Obendrein ist das bunte Metall absolut pflegeleicht und lebensmittelecht. Eine konsequent durchgesetzte Funktionalität ist den Popstahl-Küchen also nicht abzusprechen.

Künstlerisch – und vor allem individuell – werden die zweckmäßigen, modernen Stahlkuben, wenn es an ihre farbliche Gestaltung geht. Damit ist auch gleich die Richtung geklärt, in die sich Entwickler wie Kunden von Popstahl bewegen: die Küche wird als Werkstatt verstanden, in der Materialeigenschaften und Funktionalität im Vordergrund stehen. Das Angebot richtet sich eher an den nihilistischen Bauhaus-Anhänger denn den ästhetischen Wohnliebhaber.

Die intensive Farbe der Stahlfronten hält - laut Unternehmen - vielen Jahren und Kratzern stand. Möglich macht das eine Verschmelzung von Farbpulver und Stahl. (Foto: Georg Grainer)
Die intensive Farbe der Stahlfronten hält – laut Unternehmen – vielen Jahren und Kratzern stand. Möglich macht das eine Verschmelzung von Farbpulver und Stahl. (Foto: Georg Grainer)

Popstahl-Küchen: mehr als 200 Farben von Quitte bis Kohlrabi

Doch wer weiß? Mit Popstahl-Küchen ist vieles möglich. Der Kunde kann sich mit mehr als 200 Farben verwirklichen. Das Unternehmen verwendet hierfür u.a. das RAL-Farbsystem. Bei Popstahl erhält der jeweils gewünschte Ton gleich noch eine fröhliche Bezeichnung: von Kohlrabi bis Tomate, von Quitte bis Mangold wird jede Front und jeder eloxierte, pulverbeschichtete Metallgriff mit einer einheitlichen Farbstahlschicht überzogen. Front und Korpus müssen dennoch nicht zwingend gleich aussehen.

Die ab Werk weißen Innenauszüge können auch in Farbe gewählt werden, um spannende Gegensätze zu erzeugen. Ebenso lässt sich der schmale Küchensockel in eine andere Farbe tauchen und begrenzt so die – zum Teil doch spektakulär intensiv – leuchtenden Farbtöne des Korpus. Auch, wenn durchaus klassische Farben wie Weiß, Grau und Anthrazit in Popstahl-Küchen umgesetzt werden können, bedarf es eines gewissen Mutes, diese Küchenform zu wählen.

Rote Bete? Bittesehr! Popstahl-Küchen gibt es in nahezu allen Tönen der RAL-Farbpalette. Das Unternehmen hat jeden Farbton zudem mit einer charakteristischen Frucht- oder Gemüsesorte im Namen verbandelt. (Foto: Jan Kulke)
Rote Bete? Bittesehr! Popstahl-Küchen gibt es in nahezu allen Tönen, z.B. aus der RAL-Farbpalette. Das Unternehmen hat jeden Farbton zudem mit einer charakteristischen Frucht- oder Gemüsesorte im Namen verbandelt. (Foto: Jan Kulke)

Popstahl-Küchen: modular, funktional, nachhaltig

Popstahl-Küchen wirken attraktiv, appetitanregend und fast schon jugendlich-modern. Und doch haftet ihnen – möglicherweise aufgrund der reduzierten, puristischen Form oder auch des simplen Material Stahls wegen – eine Modularität an, die eher nach urbanem Loft und Versuchsküche anmutet, als nach ernstzunehmender Konkurrenz für die Premiumküchenhersteller des Landes. Dabei sind Popstahl-Küchen alles andere als günstig: je nach Ausstattung und Aufmachung (von einzelner Küchenzeile bis zur vollumfänglichen Kücheninsel) kostet eine individuell gefertigte Stahlküche rund 30.000 Euro.

Hochwertigkeit erlangen die metallischen Küchenräume über eine spezielle Füllung ihrer Stahlfronten, die einen satten Klang erzeugt und damit „hörbar“ wertig werden soll. Zudem kann jede beliebige Arbeitsplatte mit dem Metallkorpus kombiniert werden. Im Zusammenspiel mit Holz, Beton, Edelstahl oder auch Naturstein können Stil und Wirkung eindrucksvoll beeinflusst werden.

Ein Pluspunkt für junge wie auch erfahrene Küchenkäufer ist die Recyclebarkeit des Produkts: Popstahl-Küchen werden nach ökologischen Maßstäben produziert und sind vollständig recyclebar. Aufgrund ihrer widerstandsfähigen Beschaffenheit, aber auch der modularen Aufbau-Anordnung können Küchen von Popstahl häufiger umgezogen und neu aufgebaut werden als ein herkömmlicher Küchenraum. Das kommt dem heutigen Gedanken von Urbanität und Flexibilität weitreichend entgegen – und ist überdies auch nachhaltiger.

Selbstverständlich existieren Popstahl-Küchen auch in gedeckten herkömmlichen Farbtönen. Diese dunkle Anthrazit-Küche wird immerhin als "Schwarzer Pfeffer" bezeichnet. (Foto: Lars Pillmann)
Selbstverständlich existieren Popstahl-Küchen auch in gedeckten herkömmlichen Farbtönen. Diese dunkle Anthrazit-Küche wird immerhin als „Schwarzer Pfeffer“ bezeichnet. (Foto: Lars Pillmann)

Popstahl und hochwertige Markengeräte: QUOOKER, Bora und Fisher&Paykel

Um seinen Status in der Küchen- und Markenwelt zu festigen, arbeitet Popstahl seit 2021 mit namhaften Einbaugerätemarken zusammen. Potentiellen Kunden soll dadurch gezeigt werden, dass sich die Wahl einer bunt gepulverten Stahlküche und professionelle Geräte für die Küche nicht ausschließen – ganz im Gegenteil.

„Die Kochfelder von BORA sind für einen einfachen Einbau konzipiert, was für unsere Arbeit ideal ist und der Filterwechsel geht sehr leicht von der Hand“, sagt Ralf Weißheimer, Architekt und Partner bei Popstahl. Auch der beliebte Kochend-Wasserhahn QUOOKER findet Anwendung in Popstahl-Küchen. Die Überschneidung kommt nicht von ungefähr: wie die Küchen aus Stahl ist auch der QUOOKER ein innovatives Produkt der Branche, das derzeit stark nachgefragt ist und die Bekanntheit von Popstahl beflügeln könnte.

Selbst amerikanische Produkte werden künftigen Popstahl-Kunden angeboten. Die Kühlschublade „CoolDrawer“ von Fisher&Paykel sind besonders in modularen, freistehenden Küchen aufgrund ihrer ungenormten Größe sehr gefragt und können flexibel geplant werden.

Zwei innovative und "coole" Produkte für die moderne Küche: Popstahl und der QUOOKER. (Foto: Popstahl Küchen)
Zwei innovative und „coole“ Produkte für die moderne Küche: Popstahl und der QUOOKER. (Foto: Popstahl Küchen)

Ausblick: „Popstahl-Küchen meets bulthaup“ in der Philosophie

Übrigens: als Vorbild für die bedingungslose Funktionalität der Popstahl-Küchen fungierte kein Geringerer als der deutsche Grafikdesigner Otto (Otl) Aicher, der zu den bedeutendsten Gestaltern des 20. Jahrhunderts gezählt wird. Dieser pries bereits 1982 die „Küche zum Kochen“, in der er Kochen als „Teil des Essens“ erkannte und die Küche zu einem „kommunikativen Treffpunkt“ auszubauen empfahl. Aicher studierte für seine Erkenntnisse Küchenabläufe und das Leben von Profiköchen. Am Ende war klar: die Inselküche ist das Maß aller Dinge; häufig genutzte Kochutensilien sollten herabhängend – oder zumindest gut sichtbar in Greifnähe verstaut – ein integer Bestandteil des Küchenbildes werden. Die „Küche zum Kochen“ von Otl Aicher ist vor allem die Geschichte einer Küche, die universal und doch individuell ausgestattet ist, und Funktionalität über alles stellt.

Diese Erkenntnis hat sich nicht erst Popstahl zueigen gemacht: tatsächlich hat Aicher mit seinen Forschungen maßgeblich die Entwicklung der Premiumküchen-Modelle bulthaups beeinflusst. Man befindet sich also in bester Gesellschaft mit den modernen Küchen aus Stahl und Stauraum. Inwiefern die quietschbunten Modulküchen deutschen Hochglanzküchen den Rang ablaufen können, wird sich zeigen.

Funktionalität steht in Popstahl-Küchen über allem - entlehnt haben das die Architekten dem Prinzip der "Küche zum Kochen" von Otl Aicher, so, wie bulthaup 30 Jahre zuvor auch schon. (Foto: Popstahl)
Funktionalität steht in Popstahl-Küchen über allem – entlehnt haben das die Architekten dem Prinzip der „Küche zum Kochen“ von Otl Aicher, so, wie bulthaup 30 Jahre zuvor auch schon. (Foto: Georg Grainer)

Charlotte Finkenstein
Die freie Journalistin Charlotte Finkenstein beschäftigt sich nicht nur beruflich mit Genuss: auch privat verbringt die leidenschaftliche Hobbyköchin viel Zeit in den eigenen vier Küchenwänden und erfreut damit regelmäßig Kollegen und Freunde. Nach Stationen im TV bei Kochshows sowie bei kleineren Lebensmittelzeitschriften widmet sich Charlotte nun der Technik hinter dem Essen und blickt für uns Herstellern, Geräten und Kundenversprechungen genau auf die Finger.

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