Welche Küchenformen gibt es?

12.07.2016 | Frederik Dix
SieMatic Urban Design Kitchen

Quadratisch, praktisch, gut? Was auf Schokoladentafeln und Fotoalben zutreffen mag, ist bei der Küche nicht immer so einfach zu definieren. Ob Neubau oder Einbau, offen oder geschlossen, schlauchartig oder als Zeile: Die Form Ihrer Küche trägt maßgeblich zu Raumaufteilung undgestaltung bei und sagt darüber hinaus viel über Ihr Wohnkonzept, Ihren Lebensstil oder die Effektivität Ihrer Raumausstattung aus. Die richtige Korpuswahl will also wohlüberlegt sein – und die heutige Handwerks- und Architekturkunst bietet zahlreiche weitere Optionen der individuellen Ausgestaltung.
 
 
 

Die Wahl zwischen den verschiedenen Küchenformen wird stark davon beeinflusst, ob Sie allein, zu zweit oder öfters mal mit Freunden kochen.

Die Wahl zwischen den verschiedenen Küchenformen wird stark davon beeinflusst, ob Sie allein, zu zweit oder öfters mal mit Freunden kochen.

 

Welcher Küchentyp sind Sie?

Im Folgenden können Sie sich einen Überblick über die wichtigsten, häufigsten oder auch beliebtesten Küchenformen verschaffen. Überlegen Sie aber zunächst, welcher Typ Mensch Sie selbst sind:

Leben Sie alleine oder mit Familie (davon abhängig: die Position des Esstischs und ein extra großer Geschirrspüler, denn je mehr Kinder, desto mehr…nunja, Sie wissen schon)? Kochen Sie häufig mit Freunden und frischen Zutaten (und benötigen folglich eine große Arbeitsfläche) oder genießen Sie gemeinsam lieber das gute Glas Rotwein am Abend (dann wäre eine integrierte Bar ganz nett)? Möchten Sie die Küche zum Lebensmittelpunkt Ihrer Wohnung machen (es böte sich die L- oder U-Form an) oder eine klare Abgrenzung zum Wohnbereich (Kochinsel!) schaffen?

Benötigen Sie viel Platz und Stauraum oder achten Sie auf geringe und effiziente Lauf- und Arbeitswege?

Sie sehen: Trotz allseits bekannter L- und U-Formen, der obligatorischen Küchenzeile, der großflächigen G-Form oder der immer beliebter werdenden Kücheninsel ist die Entscheidung zwischen den unterschiedlichen Küchenformen nicht nur eine Frage Ihres persönlichen Geschmacks, sondern auch eine der Praktikabilität und der Raumgestaltung.

 

Küchenformen und ihre Vorteile und Nachteile:

 

Der Einzeiler unter den Küchenformen:

Ein Küchen-Einzeiler in einem schwedischen Landhaus mit Blick ins Grüne. Der helle Raum wurde durch die richtige Wahl zwischen den unterschiedlichen Küchenformen zu einem offenen, einladenden Wohnraum gestaltet.

Ein Küchen-Einzeiler in einem schwedischen Landhaus mit Blick ins Grüne. Der helle Raum wurde durch die richtige Wahl zwischen den unterschiedlichen Küchenformen zu einem offenen, einladenden Wohnraum gestaltet.

 

Klein, aber fein: Wer in seinem Appartement oder Zimmer an Platz sparen muss, wählt oft den Einzeiler – unter den verschiedenen Küchenformen – aus. Mit Hochschränken und Hängeschränken kombiniert, kann man so nicht nur optimal den Raum nutzen und Staufläche schaffen, sondern auch unverzichtbare Küchengeräte in die darunterliegenden Arbeitsflächen einbauen. Die einzeilige Küche bietet sich auch bei langen, schlauchähnlichen Raumbedingungen oder aber kleinem Budget an, da sie oft preisgünstig und effizient ausgestaltet wird.

Natürlich gibt es den Einzeiler auch in der Luxusvariante: Langgestreckt, mit viel Stauraum zum Kochen und Schnippeln, deckt er elegant einen Teil der offenen Wohnküche ab, während sich Esstisch und Wohnzimmer-Lounge ideal angliedern können.

 

Zweizeilige Küchenform, Zweizeiler:

bulthaup zweizeiler

Ein nobler Zweizeiler von bulthaup.

 

Der Zweizeiler ist, ebenso wie der Einzeiler, ideal für kleine Wohnungen und Raumkonzepte sowie den sparsamen Geldbeutel geeignet. Ein entscheidender Vorteil ist, dass durch die gegenüberliegende zweite Zeile wahlweise eine Kochinsel oder große Arbeitsfläche entsteht, in jedem Fall jedoch ein praktischer Raumtrenner, der sich vor allem bei Einzimmer-Appartements bezahlt macht. Bei der Planung des Zweiteilers ist lediglich darauf zu achten, genügend Platz zwischen den beiden Küchenmodulen zu schaffen, um Kochen nicht zur beengten Nebentätigkeit verkommen zu lassen. Mindestens 1-1,20m Platz wird hier von Experten empfohlen.

Eine tolle Lösung zum Sitzen und Arbeiten bietet sich auch, wenn die zweite Zeile als höhenverstellbare Bar- oder Essfläche genutzt wird. So macht eine Küche in Form eines Zweizeilers auch schon auf kleinstem Raum Spaß – und eine gute Figur.

Übrigens: Natürlich gibt es auch den Zweizeiler in luxuriöser Perfektion, zum Beispiel von großen Luxusküchenherstellern wie bulthaup, SieMatic oder Leicht Küchen. Noble Eleganz, puristische Formen oder die perfekte Symmetrie zwischen Küchenzeile und Küchenblock machen diese Küchen zu kleinen, aber feinen Hinguckern.

 

Die Küche in L-Form:

SieMatic L-Form Küche, Classic

Die SieMatic Classic-Line in klassischer L-Form.

 

Eine der beliebtesten Küchenformen der „Zweizeiler-Küche“ ist wiederum die L-Form. Sie kann potenziell in jede Form von Wohnung integriert werden und bietet durch ihre übers Eck laufenden Schränke mehr Stauraum sowie weitere Flächen für Geräte oder zum Arbeiten. Im „toten Winkel“ der L-Form bietet sich zum Beispiel ein Geräterondell an, in dem Töpfe und Pfannen verstaut werden können.

Zudem ermöglicht die Anordnung im 90-Grad-Winkel kurze Laufwege und eine Öffnung der Küche an zwei Seiten hin zu einem Esstisch oder einem offenen Wohnzimmer.

 

Die Küche in U-Form:

Leicht Küche Tocco U-Form

Die U-Form lässt sich ideal für mehr Stauraum, eine große Arbeitsfläche oder sogar eine integrierte Küchenbar nutzen. (Foto: Leicht Tocco Classic)

 

Wer viel Stauraum benötigt, häufig und gern kocht und überdies noch über eine großzügige Küchenfläche oder Wohnküche verfügt, ist mit der U-Form in der Küche gut beraten. Durch die Ausnutzung von Koch- und Arbeitsflächen an drei Seiten lassen sich so nicht nur allerlei technische Geräte und Küchenhelfer unterbringen, sondern auch der Küchenraum selbst voll ausnutzen. Durch die Abgeschlossenheit vermittelt die U-Form Gemütlichkeit und Symmetrie und kann dennoch in einer zum Wohn- oder Esszimmer hin geöffnete Fläche münden und somit Großzügigkeit vermitteln. Durch die großflächige Anordnung der Küche ist es ratsam, lediglich an einer Seite oder an den Ecken Hoch- und Hängeschränke anzubringen, um den Raum nicht „zu erschlagen“. In heutigen offenen Wohnküchen führt eine dritte Zeile auch nicht mehr zwangsläufig an einer festen Mauer entlang, sondern wird gerne als Esszeile oder freie Arbeitsfläche verwendet.

 

Die Küche in G-Form:

G-Form Küche, Stauraum

Mit der G-Form bietet sich neben einer integrierten Kochinsel auch eine Esstisch-Bar und jede Menge Raum zum Verstauen und Kochen an.

 

Auch bei der G-Form unter den Küchenformen gilt: Sie kann lediglich in sehr großzügigen Wohn- und Küchenflächen eingebaut werden und nimmt viel Platz ein, ist allerdings für große Familien oder Wohngemeinschaften, in denen häufig zusammen gekocht wird, durchaus praktikabel. Durch eine enorme Ausnutzung von Arbeitsflächen kann parallel oder gemeinsam gekocht und geschnitten werden; dank der abschließenden G-Form sind zudem die Arbeitswege kurz oder mehrere Zeilen als Bar- und Esstisch nutzbar. Ein fester Küchentisch lässt sich nur vor der abschließenden Küchenzeile oder in einem dafür vorgesehenen Extra-Zimmer platzieren. Da diese Form der Küche wirklich viel Raum benötigt, wird sie maximal ab 12 qm² Küchenfläche empfohlen.

 

 

Die Kochinsel oder Kücheninsel:

Leicht-Küchen, Kochinsel

Mit einer Koch- oder Kücheninsel können großzügige, offene Küchenräume wie hier bei Leicht Küchen realisiert werden.

 

Die Kochinsel galt früh als avantgardistisches Designelement, das Platz, Raum, Luft und Geld bedeutete und vormalig in modernen Restaurantküchen oder aber bei Küchenliebhabern mit großzügigem Wohnraum vorzufinden war. Seit mehreren Jahren jedoch ist die Koch- oder Kücheninsel kaum noch aus Haushalten fortzudenken, die sich mit einer neuen Küchenanschaffung auseinandersetzen. Gründe dafür sind zum einen die Praktikabilität, die die Kochinsel zum einen freistehend von Geräten, kopfstoßgefährdeten Schränken oder wuchtigen Dunstabzugshauben in die Mitte des Raumes setzt und damit das Kochen wieder zum zentralen Element der Küche macht. Zum anderen setzen Trends im Wohnbereich, wie die bewusste Verschmelzung von Ess- und Wohnbereich zum Herzstück der Wohnung, oder die gesunde Ernährung und das gemeinsame Kochen mit Freunden, das eben gut an einer Kochinsel praktiziert werden kann, den Siegeszug der Kücheninsel immer weiter fort.

Empfohlen wird ein mindestens 15 qm² großer Küchenraum, der zwischen Kochinsel und den daneben- oder dahinterliegenden Küchenzeilen einen Bewegungsradius von mindestens 80 Zentimetern für Laufwege und Schubladenfreiheit zulässt. Als Alternative dient eine „Küchen-Halbinsel“, die wiederum an einer Wand andockt und somit mehr Geschlossenheit und Abgrenzung bietet.

Die Koch- oder Kücheninsel ist das derzeit beliebteste Küchenmodul bei Neukäufen oder Renovierungen und steht für eine bewusste Hinwendung der Gesellschaft zum gemeinsamen Kochen und zur Küche als Mittelpunkt der Wohnfläche.

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.