Wieviel Budget muss ich für eine neue Küche einplanen?

13.07.2016 | Jesper Thiersemann
Geld, Budget, Küchenkauf

Qualität hat ihren Preis – dieses alte Sprichwort trifft in der heutigen Zeit mehr denn je auf hochwertige Lebensmittel und filigranes Handwerk zu. In der Küche kommt beides zusammen, und mit ansteigendem Bewusstsein der Deutschen, dass gesundes Fleisch und guter Käse eben nicht rasch produziert und billig vertrieben werden können, reift zeitgleich die Erkenntnis, dass die Küche als Ort von Essen, Kochen und Geselligkeit auch als solches ein Luxusgut ist, das mehr kosten darf. Soll heißen: Je mehr Individualität, Komfort und Gesundheit wir uns wünschen, desto mehr müssen wir bereit sein, dafür auszugeben.

Es sind zunehmend Männer, die in der Küche stehen und diese dementsprechend technisch aufrüsten. Bei beiden Geschlechtern gilt die Küche zunehmend als erstrebenswertes Statussymbol.

Es sind zunehmend Männer, die in der Küche stehen und diese dementsprechend technisch aufrüsten.
Bei beiden Geschlechtern gilt die Küche zunehmend als erstrebenswertes Statussymbol.

Studien zufolge sind das die Deutschen auch, allem voran die Männer. Längst sind alte Rollenbilder und Vorurteile über den Haufen geworfen und der heutige Mann steht beeindruckend zielsicher zwischen Schnellkochtopf und Dampfbackofen in der neuen Küche. Die hat er übrigens natürlich gemeinsam mit seiner Frau ausgesucht, denn: Küchen sind das neue Statussymbol mit jeder Menge technischem Schnickschnack, und da kann man mindestens genauso mächtig auffahren wie beim blank geputzten Auto in der Garage. Kochen ist das neue Hobby, Elektrogeräte sind in der Küche mindestens so interessant wie im Hobbykeller und das neue Wohnen mit offenem Küchenraum hat einen ganz anderen Stellenwert eingenommen als die zweckmäßige, abgeschlossene Küche der vergangenen Jahrzehnte. Da kann man sich dann eben auch mal etwas gönnen!

 

Unterschiedliche Preissegmente beim Küchenkauf: Von einfach bis luxuriös

Das heißt natürlich nicht, dass es einen Standardwert oder einen festen Betrag gäbe, der eine Küche in gut oder schlecht bemessen würde. Aber Studien zeigen, dass die Deutschen immer mehr Geld nicht nur in des Deutschen liebstes Spielzeug, das Auto, investieren – sondern auch in Renovierung, Um- oder Neubau der eigenen vier Wände, allen voran die Küche. Durchschnittlich 6281 Euro investiert der deutsche Bundesbürger in eine neue Küche, also rund 800 Euro mehr als vor fünf Jahren – Tendenz steigend.

Es ist keine Seltenheit, zwischen 10.000 und 20.000 Euro für eine neue Küche anstelle des neuen Traumwagens anzusparen: Die Verkaufszahlen von Küchen innerhalb dieses Preissegments verzeichnen zweistellige Zuwachsraten um fast 12 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (51,9%) ist bereit, signifikant mehr Geld im Bereich (Küchen-)Möbel für höherwertige oder gar Luxusware auszugeben

Mehr als die Hälfte der Deutschen (51,9%) ist bereit, signifikant mehr Geld im Bereich (Küchen-)Möbel für höherwertige oder gar Luxusware auszugeben. (Quelle: Statista)

Längst hat sich übrigens auch das Geschäft der Luxusküchen zu Höchstwerten aufgeschwungen und sich mit Spitzenpreisen zwischen 25.000 und 100.000 Euro pro Küche etabliert – hier beträgt die Zuwachsrate innerhalb der letzten drei Jahre sogar satte 30 Prozent. Insgesamt machen diese luxuriösen, wertvollen Küchen bereits 10 Prozent des deutschen Gesamtmarkts an verkauften Küchen aus.

Innerhalb der finanziellen Möglichkeiten variieren nicht nur Marken und Hersteller und deren elektronische Geräte und technischen Raffinessen, sondern ebenso die Beschaffenheit und Herkunft des Materials an sich oder der grazile Feinschliff von Handwerksmeistern nach individuellen Vorstellungen. Was gefällt, wird gezahlt.

 

 

 

Statista_Alter_Stellenwert Küche

Der Großteil der 30-50-Jährigen gibt an, dass die Küche “Mittelpunkt der Wohnung/des Hauses” sei. Diese sind auch potentiell die größte Käufergruppe einer neuen, vollwertigen Küche. Jüngere Leute bis 29 und ältere Menschen ab 60 bevorzugen die Küche als Ort zum Kochen und Essen. (Quelle: statista)

Küchenkauf: Eine langlebige Investition

Gründe für eine derartig hohe Investition gibt es tatsächlich viele. Sie können im sozialen

Umfeld und der Konzentration auf Individualisierung, Geschmack und Design ebenso gesucht werden wie im häufig konstatierten Rückzug der Deutschen in die eigenen vier Wände in Zeiten einer krisengeschüttelter Finanz- und Wirtschaftspolitik. Wenigstens zuhause soll es schön sein, ein eigenes Heim zählt wieder mehr – und ist als hochwertige Immobilie eine sicherere Finanzquelle als das ausgelagerte Bankkonto.

Ein anderer gewichtiger Grund ist die Frage nach der Praktikabilität: Laut Statistik ist die Küche nicht nur einer der meistgenutzten Orte der Wohnung, sondern die dortige Einrichtung hält auch 17 Jahre im Schnitt durch – erst dann steht ein neuer Küchenkauf an. Und da ein Bundesbürger in der Regel zwei Küchenkäufe pro Leben tätigt – und heutzutage mit steigender Lebenserwartung sogar drei Käufe -, möchten diese wohlüberlegt sein. Geiz ist hier nicht geil. Die Konsumfreude und Ausgabebereitschaft steigen hingegen.

 

Hochwertige Elektrogeräte, teure Natursteinplatten

Die tatsächlichen Ausgaben im Küchenkauf belaufen sich oftmals höher als die geplanten. Besonders häufig wird im Bereich zwischen 10.000 und 25.000 Euro geplant, 23% rechnen sogar noch mit mehr.

Die tatsächlichen Ausgaben im Küchenkauf belaufen sich oftmals höher als die geplanten. Besonders häufig wird im Bereich zwischen 10.000 und 25.000 Euro geplant, 23% rechnen sogar noch mit mehr. (Quelle: houzz)

Es ist nicht nur das hochwertige Material aus Natursteinplatten, bio-zertifizierten Holzpaneelen oder extra strapazierfähigem Glas, das den Preis qualitativ wertvoller Küchen in die Höhe treibt. Auch im technologischen Wettrüsten der Küchengeräte eifern Hersteller immer stärker nach Eleganz, Design und kreativen Ideen – denn der Komfort der Käufer steht jederzeit im Vordergrund.

Selbstreinigende Backöfen (natürlich in Brusthöhe angebracht, um lästiges Bücken zu vermeiden), hocheffiziente Dampfgarer, integrierte Wärmeschubladen, energieeffiziente Induktionsherde und Kühlschränke in der Kategorie A+++, leise Geschirrspüler und im Kochfeld integrierte Abzugssysteme sind nur einige der größeren elektronischen Anschaffungen, die mittlerweile unentbehrlich geworden sind. Hinzu kommen Smoothie-Mixer, Entsafter, elektrische Pfeffermühlen und Kaffeevollautomaten. Kaum verwunderlich, dass also nicht nur der absolute Küchenpreis an sich signifikant von Jahr zu Jahr steigt. Auch die Geräteindustrie hat es geschafft, Begehrlichkeiten zu wecken.

Natürlich muss jeder für sich persönlich abwägen, welches Gerät er in welch hohem Standard benötigt, ob er Wert auf einen Markennamen oder eine besonders individuelle Prägung seiner Küchenmöbel legt. Eine hochwertige Küche ist jedoch eine lohnenswerte finanzielle und immaterielle Investition in die Zukunft – und ein gut geschulter Küchenplaner berät Sie dazu optimal nach Ihren Wünschen und Vorstellungen.

Zum Autor
Jesper Thiersemann

Unser Analytiker Jesper nutzt seine geräumige Küche mit Südbalkon gern, um abends von der Welt der Zahlen und Fakten Abstand zu nehmen und den Tag mit einem guten Essen oder einem kühlen Bier in der untergehenden Abendsonne ausklingen zu lassen. Wenn seine Jungs mit Kugelgrill und Zubehör anrücken, ist die Ruhe zwar vorbei. Aber wo ließe sich schöner Trubel und Entspannung gleichzeitig genießen als in der eigenen Küche? Eben.