Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten: Wie lange muss ich warten?

Derzeit strapazieren Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten die Nerven vieler Kundinnen, Planer und Hersteller. So mancher Küchenkäufer wartet mehr als acht Monate auf sein bestelltes Einbaugerät – und fragt sich verzweifelt, woran das liegt. Wir klären die Gründe für die derzeitigen Lieferengpässe und geben Tipps, wie man dennoch schneller an das gewünschte Gerät kommen kann. Wichtig ist es, jetzt zu handeln und nicht noch länger zu warten.

Lange Gesichter bei Kundinnen und Kunden, entnervte Kommentare aus dem Fachhandel und verzweifelte Beschwichtigung seitens der Hersteller: In der Küchenmöbelbranche läuft es derzeit nicht mehr so rund wie noch in den vergangenen zwei Jahren. Das satte Plus, das die Pandemie – und der damit verbundene Rückzug in die nun frisch renovierten Wände vieler Verbraucherinnen und Verbraucher – in die Kassen der Küchenindustrie spülte, wird derzeit von Frust und langen Wartezeiten überschattet.

Aktuell kommt es zu massiven Lieferengpässen bei Küchen und Küchengeräten. Während sich erahnen lässt, dass global vernetzte Lieferketten im Pandemiegeschehen zum Erliegen kamen und dies nun rückwirkend auch bei uns in Deutschland und Österreich spürbar wird, fehlt vielen Menschen das Verständnis, welche weiteren Faktoren zur derzeitig misslichen Lage beigetragen haben. Wir gehen der Sache auf den Grund; erklären, wie viel Zeit Sie für Küchenplanung und Geräte-Neukauf einplanen sollten und geben Tipps, wie Sie trotz Lieferengpässen rechtzeitig an Ihre Ware kommen.

Die neue Traumküche rückt derzeit in ungeahnte Ferne: Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten wachsen sich zu monatelanger Warterei aus. (Foto: KAH Hamburg)
Die neue Traumküche rückt derzeit in ungeahnte Ferne: Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten wachsen sich zu monatelanger Warterei aus. (Foto: KAH Hamburg)

4 Gründe für Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten

Es ist ein ärgerlicher Kreislauf, dem Kundinnen und Kunden derzeit gegenüberstehen. Die Gründe für die gravierenden Lieferengpässe bei Küchen und Küchengeräten sind nämlich vielfältig – und bedingen einander. Dazu zählen Materialmängel, Produktionsstopps, fehlende Arbeitskräfte und überlastete Transportketten, aber auch die stark gestiegene Nachfrage nach bestimmten Verbrauchsgütern. Krieg, Wirtschaftssanktionen und gekappte Verträge wirken sich ebenso negativ auf den globalen Wirtschaftskreislauf aus.

1 Fehlende Ersatzteile

Erst jetzt wird klar, wie fragil das Konstrukt der weltweiten Lieferketten ist, bei dem Angebot und Nachfrage sowie Lieferung und Produktion wie ein Zahnrad ineinandergreifen. Fehlt ein Teil, kommt mitunter der gesamte Prozess zum Erliegen – und zwar wortwörtlich: So warten derzeit viele Einbaugeräte halbfertig in den Hallen der Produzenten auf ihre Fertigstellung. Was fehlt, sind Materialien wie Kunststoffe und Metalle, aber auch Mikrochips zur technischen Steuerung der Produkte.

Mikrochips sind das Gold unserer Zeit: Sie werden dringend für elektronische Geräte benötigt - und fehlen in jeder Branche. (Foto: stock/ Tima Miroshnichenko)
Mikrochips sind das Gold unserer Zeit: Sie werden dringend für elektronische Geräte benötigt – und fehlen in jeder Branche. (Foto: stock/ Tima Miroshnichenko)

2 Unterbrochene Transportketten

Häufig stammen wichtige Ersatzteile oder Materialien aus Asien und Amerika. Länder, in denen der Produktionsprozess mitunter gänzlich zum Erliegen kam während des ersten Jahres der Corona-Pandemie. Bestehende Ware, die ausgeliefert werden sollte, wurde an vielen Zollstationen gestoppt. Es fehlte an Spediteuren, Containern und Arbeitern. Bereits damals wurde ein Rückstau ausgelöst, der uns nun auch in Europa einholt.

Selbst Firmen, die in Europa produzieren – so unter anderem Siemens Hausgeräte oder Gaggenau – kommen an ihre Grenzen: Einige Ersatzteile lassen sich schlichtweg nur aus dem Ausland liefern. Die Folge sind Lieferzeiten für Geschirrspüler, Kochfelder und Co., die sich bei sämtlichen Hausgeräte-Herstellern mitunter bereits auf acht bis zwölf Monate (Stand: Juli 2022) belaufen.

Zollblockaden, volle Häfen und fehlende Transportmittel verzögern die Auslieferung wichtiger (Ersatz-)Teile. (Foto: stock/ Shaah Shahidh)
Zollblockaden, volle Häfen und fehlende Transportmittel verzögern die Auslieferung wichtiger (Ersatz-)Teile. (Foto: stock/ Shaah Shahidh)

3 Fehlende Arbeitskräfte

In Handwerk und Produktion warnen Industrieverbände schon länger vor einem Arbeitskräftemangel. Seit der Corona-Pandemie mangelt es auch an Personal in anderen wichtigen Zweigen der Lieferkette: LKW-Fahrer und -fahrerinnen, Bodenpersonal an Flughäfen, Verpackungsspezialisten. Die bislang einigermaßen reibungslosen Abläufe von Produktionsketten werden dadurch empfindlich ausgebremst.

Personell ausgebremst: Für den Transport von Elektrogeräten, Möbeln und Ersatzteilen fehlen überall Arbeiter:innen. (Foto: stock/ William W. Potter)
Personell ausgebremst: Für den Transport von Elektrogeräten, Möbeln und Ersatzteilen fehlen überall Arbeiter:innen. (Foto: stock/ William W. Potter)

4 Stark gestiegene Nachfrage

In kaum einem anderen Segment machen sich die Auswirkungen auf Käuferinnen und Käufer so bemerkbar wie in der Küchen- und Möbelbranche. Das hängt allerdings auch mit einem wahren Kaufrausch zusammen: So ließ die Firma Miele verlauten, man habe im Jahr 2021 „so viele Geräte verkauft wie nie zuvor in der 122-jährigen Firmengeschichte“. Auch die BSH, zu der unter anderem Bosch und Siemens Hausgeräte zählen, blickt auf das umsatzstärkste Jahr seit der Gründung 1967.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihre Pläne zu Renovierung, Umzug und Möbelneukauf vorgezogen, als 2020/21 Reisepläne pandemiebedingt zum Erliegen kamen. Die soziale Isolation ließ die Lust am Kochen neu erblühen. Zur verzögerten Produktion und Auslieferung kam also die sprunghaft gestiegene Anfrage nach Küchengeräten und Möbeln hinzu. Ebenso gilt: Wird publik gemacht, welche Produkte nur noch schwer erhältlich sind, löst das in der Regel erst recht einen Run auf eben jene Objekte aus. Ein Kreislauf, bei dem am Ende viele das Nachsehen haben.

Backöfen, Kühlschränke und immer wieder der Geschirrspüler: Zahlreiche Küchengeräte können derzeit erst nach Monaten geliefert werden. (Foto: Miele)
Backöfen, Kühlschränke und immer wieder der Geschirrspüler: Zahlreiche Küchengeräte können derzeit erst nach Monaten geliefert werden. (Foto: Miele)

So lange muss man derzeit auf seine Küchengeräte warten

Wer nun im Jahr 2022 erst plant und kauft, blickt in gähnend leere Lagerhallen – und muss durch die gestiegene Nachfrage sowie die anhaltende Inflation mit viel höheren Preisen rechnen. Der Markt rund um Geschirrspülmaschinen lässt beispielhaft tief blicken: So mussten 2021 mehr als 100.000 Geräte zusätzlich produziert werden als ohnehin schon anvisiert, sagt Miele. Der Nachfrage werde man dennoch nicht Herr. Lieferzeiten von bis zu einem Dreivierteljahr sind keine Seltenheit. Die Folge: gestiegene Preise um bis zu 8 Prozent, lange Wartelisten und genervte Verbraucherinnen und -verbraucher, die nach Montage ihrer fertigen Küchenmöbel noch über Monate hinweg ohne Geräte auskommen müssen.

In der Industrie hört man von Lösungen, die „unter Hochdruck“ gefunden werden sollen. Zusätzliche Schichten oder die Verlagerung von Produktionsstandorten in deutschsprachige oder zumindest europäische Gefilde werden sich aber erst langsam bemerkbar machen. So mancher Backofen ist mit einer Zahl von 1.5 Millionen Stück im Rückstand. Das aufzulösen, dürfte sich noch bis weit in 2023 ziehen. Aktuell sagen erste Hersteller eine Verbesserung der Versorgungssituation im Frühjahr 2023 zu.

Die langen Wartemonate frustrieren Küchenkundinnen und -kunden derzeit weltweit. Um den größten Druck zu vermeiden, sollte man rund 8 Monate im Voraus bestellen. (Foto: stock/ Levi Meir Clancy)
Die langen Wartemonate frustrieren Küchenkundinnen und -kunden derzeit weltweit. Um den größten Druck zu vermeiden, sollte man rund 8 Monate im Voraus bestellen. (Foto: stock/ Levi Meir Clancy)

Wie viel Zeit muss ich aufgrund von Lieferengpässen bei Küchen und Küchengeräten einplanen?

Um es gleich mal vorwegzunehmen: mehr, als Sie denken. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind es gewohnt, dass bestellte Produkte innerhalb weniger Wochen geliefert werden. Mittlerweile sprechen Händler und Hersteller nur noch von Monaten oder gar Quartalen.

Von Vorteil ist die Planung im hochwertigen Küchensegment. Im Gegensatz zum einfachen Möbelhandel vergehen hier ohnehin im Schnitt rund sechs bis acht Monate von der ersten Beratungsleistung bis zur fertig montierten Küche. Das geht auf Sonderanfertigungen, individuell geplante Grundrisse und hochwertige Materialien zurück, die erst beschafft werden müssen. Nicht selten planen Käuferinnen und Käufer aber noch viel mehr Zeit für eine Premium-Küche ein. Wer eine Wohnung renoviert oder ein Haus kauft, avisiert knapp ein bis anderthalb Jahre vor Einzug bereits das Beratungsgespräch mit einem Küchenstudio.

Eine hochwertige Küchenraumplanung nimmt durchaus 6-8 Monate in Anspruch. Smart ist, wer direkt zu Beginn die Geräte bestellen lässt. (Foto: Dross&Schaffer Ludwig 6)
Eine hochwertige Küchenraumplanung nimmt durchaus 6-8 Monate in Anspruch. Smart ist, wer direkt zu Beginn die Geräte bestellen lässt. (Foto: Dross&Schaffer Ludwig 6)

Küchenplaner und Architektinnen können sich so mit Bau und Grundriss auseinandersetzen und den zukünftigen Küchenraum bestmöglich darauf abstimmen. Der rechtzeitige Kaufabschluss bietet überdies den Vorteil, von „alten“ Konditionen zu profitieren: Selbst, wenn Materialpreise und Produktionskosten drastisch ansteigen, müssen Hersteller und Händler die Auslieferung der Ware zum vereinbarten Preis an die Kundschaft garantieren.

Wer rechtzeitig plant, kann zudem auch gelassen sein, wenn’s mal wieder länger dauert mit den Einzelteilen der Küche. Geduld ist gefragt. Aktuell haben Küchen eine Lieferzeit von drei bis fünf Monaten; bei Einbaugeräten für die Küche beläuft sich die Wartezeit sogar auf sechs bis 12 Monate oder mehr. Schwierige Zeiten für alle, denen Kühlschrank oder Kochfeld plötzlich kaputtgehen. Sich umzuhören, bringt oftmals nur wenig: Die Branche hat an allen Ecken und Enden mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

Aller Frust hilft nichts: Alle Händler und Hersteller haben derzeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Einige wenige Tipps schaffen Abhilfe. (Foto: stock/ David Garrison)
Aller Frust hilft nichts: Alle Händler und Hersteller haben derzeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Einige wenige Tipps schaffen Abhilfe. (Foto: stock/ David Garrison)

Wie kommen Sie trotz Lieferengpässen bei Küchen und Küchengeräten schnellstmöglich an Ihre Ware?

Das A und O für alle, die in naher Zukunft eine Küche kaufen möchten oder planen, ihre Elektrogeräte auszutauschen: Fragen Sie rechtzeitig im Küchenstudio Ihrer Wahl an. Je eher Verträge mit Lieferanten zustande kommen, desto mehr Geld sparen Sie in den kommenden Monaten. Expertinnen und Experten prognostizieren zwar, dass die Inflation gegen Ende des Jahres wieder leicht nachlassen könnte, aber bis mindestens 2023 auf einem hohen Niveau verweilen wird. Das setzt voraus, dass sich der Krieg in der Ukraine und die Belieferung mit Gas und Öl nicht weiter zuspitzt. Geschieht das, kommen neue Herausforderungen auf sämtliche Wirtschaftszweige zu.

Allerdings hält die Nachfrage nach Küchengeräten und -möbel an, weshalb viele Produzenten bereits weitere Preiserhöhungen ankündigen. Wer jetzt kauft und später ausliefern lässt, dürfte dem Trend entgegenwirken.

Wann stabilisiert sich die angespannte Lager um Lieferengpässe für Küchen und Küchengeräte? Expertinnen sagen: Das kann dauern. (Foto: Poggenpohl)
Wann stabilisiert sich die angespannte Lager um Lieferengpässe für Küchen und Küchengeräte? Expertinnen sagen: Das kann dauern. (Foto: Poggenpohl)

Erkundigen Sie sich zudem beim Küchenstudio Ihres Vertrauens nach Produkten, die auf Lager liegen. Viele Händlerinnen und Händler haben die Situation schon vor Monaten erkannt und entsprechend höhere Abnahmemengen mit der Industrie vereinbart. So könnten Kühlschränke oder Kochfelder einer bestimmten Marke offiziell vergriffen, aber beim kleinen Händler ums Eck noch erhältlich sein.

Auch Abverkaufsküchen und Ausstellungsgeräte stellen einen attraktiven Hebel dar, um trotz Lieferengpässen bei Küchen und Küchengeräten schnell an benötigte Ware zu kommen. Die Produkte sind in der Regel maximal zwei Jahre alt und technisch auf einem sehr hohen Niveau. Zusätzlich profitieren Kundinnen und Kunden von reduzierten Abverkaufspreisen.

Was hingegen selten funktioniert: Bei mehreren Händlern und Elektronikketten bestellen und auf die schnellste Lieferzusage hoffen. Das bremst den Bestellvorgang für andere Kundinnen und Kunden aus und führt, ähnlich wie beim Reißverschlussprinzip auf der Autobahn, zu einem Rückstau. Eine Entspannung der Situation ist, laut Expertinnen und Experten, erst im Laufe von 2023 in Sicht.

Eine Möglichkeit: Küchenmöbel und Küchengeräte aus Ausstellungsverkäufen zu beziehen. Diese sind in der Regel nur wenige Jahre alt und sofort verfügbar. (Foto: Rempp Küchen)
Eine Möglichkeit: Küchenmöbel und Küchengeräte aus Ausstellungsverkäufen zu beziehen. Diese sind in der Regel nur wenige Jahre alt und sofort verfügbar. (Foto: Rempp Küchen)

Fazit: Handeln statt Frust bei Lieferengpässen für Küchen und Küchengeräte

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die derzeitige Lage die Gemüter von Kundinnen, Kunden, Händlern und Herstellern gleichermaßen strapaziert. Es mag tröstlich sein, dass alle „im selben Boot“ sitzen – und doch ist die Wut groß, wenn der Backofen nach acht Monaten in der neuen Küche noch immer als große Lücke in der Hochschrankwand klafft. Neben mehr Verständnis ist schnelles Handeln gefragt, frei nach dem Motto: Schlimmer geht es immer. 2023 erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher nochmals höhere Preise und ähnlich lange Lieferzeiten.

Tipp: Wer beim Fachhändler im Studio plant, erhält höchstwahrscheinlich präzisere und ehrlichere Angaben für Lieferzeiten als in der großen Möbelmarktkette mit massenhaften Bestellvorgängen. Es lohnt sich zudem, auf hiesige Markenware zu setzen, da deutsche Großkonzerne wie Siemens Hausgeräte und Miele ihre Produktion zunehmend an deutsche oder nahe europäische Standorte verlagern.

Wer auf die Wirtschaftskurven der vergangenen Jahre zurückblickt, ahnt, dass er noch etwas durchhalten muss. Aber man weiß eben auch: Alles hat ein Ende. Und nach Frust folgt Freude.

Genug gewartet? Wir wissen es ja: Irgendwann wird's wieder besser. (Foto: stock/ Yoss Traore)
Genug gewartet? Wir wissen es ja: Irgendwann wird’s wieder besser. (Foto: stock/ Yoss Traore)

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Frederik Dix
Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.

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