Afrikanisches Interieur in Leipziger Orangerie

10.08.2017 | Susanne Scheffer
Die Räumlichkeiten der Leipziger Orangerie sind beeindruckend: besonders in der hellen, offen Küche. (Foto: Bodo Mertoglu)

Küchen machen Räume, das beweisen wir Ihnen hier Tag für Tag. Außergewöhnliche Designideen und das Zusammenspiel von Material und Farbe sorgen dafür, dass die Küche für viele Menschen in den Mittelpunkt der Wohnung und des Zusammenlebens gerückt ist.

Es geht aber auch anders: Durch Räumlichkeiten, Wände und Böden werden auch Küchen in ihrem Erscheinungsbild definiert. Ein ganz besonderes Projekt für das Wohnhaus Sengfelder (bei Dachau) war daher der Umbau einer ehemaligen Leipziger Orangerie aus dem 16. Jahrhundert zu einem modernen Wohnraum.

 

 

Ein Hauch Afrika in einer Leipziger Orangerie: Beeindruckende Räumlichkeiten, unheimliche Tierköpfe und viel Exotik. (Foto: Bodo Mertoglu)

Ein Hauch Afrika in einer Leipziger Orangerie: Beeindruckende Räumlichkeiten, unheimliche Tierköpfe und viel Exotik. (Foto: Bodo Mertoglu)

Eine Leipziger Orangerie aus dem 16. Jahrhundert: Alt und altehrwürdig zugleich

Die Ausgangslage war nicht einfach für die erfahrenen Innenarchitekten. Marode Strukturen, bröckelnder Putz und eine kalte Raumluft, die sich aus dem nüchternen Mosaikboden und den über sieben Meter hohen Wänden speiste, sollten in eine wohnlich-warme Designlandschaft verwandelt werden. Dennoch: Das extravagante Gebäude mit den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten, schwungvollen Arkadengängen und eleganten Runddecken weckte das Interesse des Ehepaares Sengfelder, die das gleichnamige Studio für Wohnen, Kochen, Schlafen, Licht und Bad schon seit über 25 Jahren gemeinsam führen.

„Ursprünglich hieß es von Seiten des Maklers, kleine Beträge würden reichen, um die ehemalige Orangerie wieder auf Vordermann zu bringen“, verrät Rita Sengfelder und ergänzt kopfschüttelnd: „Allein für die Renovierung mussten wir aber einiges an Geld in die Hand nehmen. Der Boden beispielsweise wurde komplett abgedeckt und mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Anschließend haben wir ihn mit Fliesen in Marmor-Optik verkleidet, um das altehrwürdige Image der Orangerie beizubehalten.“

 

 

 

Schwere Ledersessel, kostbare Teppiche und Säulenhallen machen dieses Interieur zu etwas ganz Besonderem. (Foto: Bodo Mertoglu)

Schwere Ledersessel, kostbare Teppiche und Säulenhallen machen dieses Interieur zu etwas ganz Besonderem. (Foto: Bodo Mertoglu)

Afrika zu Gast in Leipzig: Mit Ledersesseln und einem echten Krokodil

Immerhin sei so die unauffällige Beheizung des hohen Raumes sichergestellt, so Sengfelder. Gar nicht unauffällig, sondern bewusst extravagant wurde dagegen das Interieur des Wohnraumes gehalten. Der Käufer des Objekts ist ein begeisterter Großwildjäger und hat sich daher für einen ungewöhnlichen afrikanischen Landhausstil mitten in der Leipziger Orangerie entschieden. Das elegante Wohnzimmer trumpft daher mit goldenen Beistelltischen, tiefen dunklen Ledersesseln, einem exquisiten Steinkamin in Altrosa sowie diversen präparierten Tierköpfen von Krokodil bis Antilope, die an der hohen Wand hängen, auf. Schwere Teppiche, Gemälde und Skulpturen runden die eindrucksvoll-bizarre Wohnlandschaft ab.

 

 

 

 

 

 

 

Eine puristische weiße Küche von eggersmann passt sich den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten an und wirkt doch sehr elegant in den alten Räumlichkeiten der Orangerie. (Foto: Bodo Mertoglu)

Eine puristische weiße Küche von eggersmann passt sich den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten an und wirkt doch sehr elegant in den alten Räumlichkeiten der Orangerie. (Foto: Bodo Mertoglu)

Eine puristische Küche mit exklusiver Beleuchtung

Ein fein geknüpftes Zebrafell als Vorleger führt in den ebenfalls großzügigen Küchenraum der Leipziger Orangerie, der allerdings im Gegensatz zum fast schon bizarr anmutenden Wohnzimmer seinerseits durch Schlichtheit und funktionale Eleganz besticht. Dennoch durfte das Wohnhaus Sengfelder hochwertige Materialien in modernem Design verbauen.

Die makellos weiße, grifflose Küche von eggersmann besteht aus einem Geräteschrank, einer langgezogenen Arbeitsfläche mit Hochschrank sowie aus einer den Raum dominierenden Kücheninsel, auf der sich Koch- und Spülbereich befinden. So kann der Kunde beim Zubereiten der Mahlzeiten in den Raum blicken oder die Küchenzeile als Anlaufstelle für den Aperitif nutzen.

Ein besonderer Blickfang ist die konisch geschwungene Dunstabzugshaube von Miele sowie die filigranen Deckenleuchten von Occhio, die die Arbeitsplatte aus gebürstetem Edelstahl darunter Spot für Spot wohnlich-warm ausleuchten. Ebenfalls von der Firma Miele sind der hochwertige Backofen sowie Dampfbackofen, die auf Brusthöhe im Geräteschrank verbaut sind. Der Hochschrank spielt mit Aluminium-Lamellen, die dem Besucher bei Bedarf per Knopfdruck den Blick auf das Schrankinnere freigeben.

 

 

Fliesen in Holzoptik kontrastieren mit den althergebrachten Original-Holzbalken. Leuchten von Occhio und Kreon. (Foto: Bodo Mertoglu)

Fliesen in Holzoptik kontrastieren mit den althergebrachten Original-Holzbalken. Leuchten von Occhio und Kreon. (Foto: Bodo Mertoglu)

 

Holz und Holzoptik im gemütlichen Bad

Auch im Bad versuchten Rita und Horst Sengfelder, das ursprüngliche Antlitz der Leipziger Orangerie mit einem modernen Wohnambiente zu verknüpfen. Die länglichen Fliesen, die Boden und Dusche auskleiden, sind somit in Holzoptik gehalten, während das echte Holz des Dachgebälks freigelegt wurde und den Blick auf die ehemaligen Baustrukturen preisgibt.

Auch hier wurden Unterschränke der Firma eggersmann sowie feingliedrige Armaturen der Firma VOLA aus München verwendet. Während der Bereich um den Spiegel von Occhio-Leuchten sanft erhellt wird, sorgen quadratische Boden- und Deckenstrahler von Kreon für ein erhellendes Ambiente des Duschbereichs.

Der Traum von Holz, Haptik und Afrika lebt mit hochwertigen Materialien weiter in dieser Leipziger Orangerie. Ein absolut gelungenes Wohnprojekt des Wohnhauses Sengfelder, in dem sich mal wieder zeigt: Küchen machen Räume – aber die Architektur eben auch den Küchenraum.

 

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.