Die EuroCucina 2016

28.07.2016 | Susanne Scheffer

Die Eurocucina ist jedes Jahr Teil der Mailänder Möbelmesse  und gilt als eins der wichtigsten Events im Küchenfachgeschäft. Hier werden neue Trends gesetzt und verkündet, hier trifft sich die Crème de la Crème angesehener Raumdesigner, Möbelhändler und Innenarchitekten.

 

Die EuroCucina als Highlight der Mailänder Möbelmesse

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Grill- und Gaskochstellen werden beim Hersteller Varenna in die Stahloberfläche der Arbeitsplatte integriert. (Foto: Varenna)

La Dolce Vita, „das süße Leben“, stammt nicht von ungefähr aus dem Italienischen und ist zum globalen Begriff einer entspannten, glücklichen Freude am Leben geworden. Das italienische Lebensgefühl spiegelt sich z.B. in gutem Essen, lauen Sommerabenden, Heiterkeit und Freude und nicht zuletzt schönem Design wider. Sowohl in Sachen Mode als auch Kunst, Kultur und Design haben die Italiener daher neben Frankreich und Skandinavien die Nase vorn – und bei jeder Modenschau oder Messe wird zuerst auf das schöne Mailand geschaut. Nach der Mailänder Fashionweek Ende Februar wendet sich die Aufmerksamkeit der Einrichter und Ausstatter jedes Jahr erneut der Mailänder Möbelmesse Anfang April zu. Die “Salone Internazionale del Mobile di Milano” gilt als die größte und wichtigste Möbelmesse weltweit und kommt auf etwa 373.000 Besucher an über 2.400 Aussteller-Ständen. Davon sind immerhin über 40.000 Privatpersonen dabei, die zum Teil weite Strecken in Kauf nehmen. Zwei Drittel aller Messebesucher stammen aus dem (größtenteils europäischen) Ausland, was für die große Internationalität der Aussteller und Wichtigkeit der Messe spricht. Alle zwei Jahre setzt man noch ein Highlight obenauf mit der Integration der EuroCucina – die fantastische Ausstellung an neuen Küchenmöbeln, Designtrends und Gerätelösungen, an der kein Küchenaussteller, Küchenstudio oder designorientierter Endverbraucher vorbeikommt.

 

Nicht in Sachen Technik, aber im Design ordentlich aufgepeppt: Der SMEG-Klassiker Fab28 wartet mit schrillen Mustern auf. Die Küchenhersteller haben sich hierfür mit dem italienischen Designerduo Dolce & Gabbana zusammengetan. (Foto: SMEG)

Nicht in Sachen Technik, aber im Design ordentlich aufgepeppt: Der SMEG-Klassiker Fab28 wartet mit schrillen Mustern auf. Die Küchenhersteller haben sich hierfür mit dem italienischen Designerduo Dolce & Gabbana zusammengetan. (Foto: SMEG)

Das sind die Küchentrends der Eurocucina 2016

Zwischen den langen Gängen der Mailänder Messehallen lassen sich deutsche, italienische, französische und britische Küchenhersteller über die Schulter schauen, führen die neuesten Techniktrends vor und plaudern mit Fachjournalisten und interessierten Besuchern über die Küche der Zukunft. Hauptsächlich wird klar: Der Fokus liegt auf immer mehr Komfort in der Küche und beim Kochen, sei es durch höhenverstellbare Arbeitsflächen, Armaturen mit Touchsensor, nahezu lautlose Geschirrspüler oder Kühlschränke mit App-Funktion, die ein Foto des Inhalts versenden können und so ihren Besitzer auf dem neuesten Stand halten. Doch nicht nur intelligent, sondern auch umweltbewusst werden die Küchen von morgen entworfen: Bei Lebensmitteln und deren Zubereitung kommen den neuesten Küchengeräten gesonderte Funktionen zu, die eine gesunde Ernährung in den Mittelpunkt rücken. Dank Dampfbackofen und Sous-Vide werden Fleisch, Fisch und Gemüse immer schonender und vitaminreicher zubereitet. Zudem wurde der erste Kühlschrank mit Kohlestofffaser-Tür entworfen, die als besonders fest und belastbar gilt und Produkte langlebiger mache. Kurzlebig und schnell wandelbar hingegen zeigten sich erneut die verwendeten Materialien: Hier setzen Küchenhersteller auf ausgefallene Designideen, so z.B. Lederfronten oder komplette Kochinseln aus echtem Stein, oder aber auf einen wilden Materialmix mit Glas, Holz und Metall.

 

Diese Küchenstile sind 2016 angesagt

Foto Eurocucina Schubladen

Verschiedene Schubladen und Mülltrennsysteme werden mit immer neuen Anordnungen in Küchenschränken verstaut. (Foto: Axel Schaffer)

Besonders beliebt waren neben den üblichen Küchentypen der klassischen, modernen und puristischen Küchen die Strömungen des Industrial Designs, des Architekturstils oder, nach wie vor, des Naturtrends. Dies spiegelte sich in den verwendeten Materialien wider, die häufig zugunsten von dunkleren und schroffen Naturprodukten ging, so z.B. Stein (v.a. Marmor), Holz (rustikale Buche, dunkle Eiche), Stahl und Rauchglas. Damit trendet automatisch auch der dunkle Küchenstil wieder häufiger als der bisherige klassische Weißton – ganz anders als aber vor Jahrzehnten nicht düster und muffig, sondern elegant, geräumig und eindrucksvoll verarbeitet und verbaut. In Szene gesetzt werden diese Küchenfronten und Arbeitsflächen dann mithilfe indirekter Beleuchtung, die sich ebenfalls als großer Trend der letzten Jahre halten und entwickeln konnte. Fast kein neuer “Trend” mehr, dafür überall erfreulich integriert hat sich die Ausweitung der Küche zum Küchenraum. Die EuroCucina und ihre Hersteller preisen die Verschmelzung von Lebenswelten aus Wohnen, Kochen und Freizeit zu einem großen Aufenthaltsort, die “Vermenschlichung” der Küche als Mittelpunkt des Zusammenlebens – und zeitgleich doch auch ihr Herausputzen als Designobjekt und Kunstwerk.

Wir haben Ihnen ein paar Impressionen aus Mailand mitgebracht: Lassen Sie sich inspirieren und verführen.

Der italienische Küchenhersteller Varenna lässt mit den großen Walnussfronten seiner Oberschränke das Küchengeschirr per Touch verschwinden. (Foto: Varenna)

Der italienische Küchenhersteller Varenna lässt mit den großen Walnussfronten seiner Oberschränke das Küchengeschirr per Touch verschwinden. (Foto: Varenna)

Auch bei Boffi setzt man auf scheinbar freistehende Gaskochstellen, die in die Marmor-Arbeitsplatte integriert sind. (Foto: Boffi)

Auch bei Boffi setzt man auf scheinbar freistehende Gaskochstellen, die in die Marmor-Arbeitsplatte integriert sind. (Foto: Boffi)

In Gold und Goldocker lackierte Fronten werden zum Trend. Die grifflosen Schränke lassen die Küche anmutig und federleicht wirken. (Foto: Axel Schaffer)

In Gold und Goldocker lackierte Fronten werden zum Trend. Die grifflosen Schränke lassen die Küche anmutig und federleicht wirken. (Foto: Axel Schaffer)

Elegante Lichtlösungen bietet David Derksen an: Ikonische Halbmonde, Zylinder oder Tuben. (Foto: Axel Schaffer)

Elegante Lichtlösungen bietet David Derksen an: Ikonische Halbmonde, Zylinder oder Tuben. (Foto: Axel Schaffer)

Intelligenten Stauraum schafft dieses Modell: Sowohl Geschirrspüler als auch Spüle können innerhalb der Kücheninsel versteckt werden. (Foto: Axel Schaffer)

Intelligenten Stauraum schafft dieses Modell: Sowohl Geschirrspüler als auch Spüle können innerhalb der Kücheninsel versteckt werden. (Foto: Axel Schaffer)

Die Küche als Kräutergarten: Jeder Hersteller findet seine eigenen Tricks, Grünpflanzen und Gewürze in Szene zu setzen. Hier eine besonders charmante Lösung als "hängender Küchengarten". (Foto: Axel Schaffer)

Die Küche als Kräutergarten: Jeder Hersteller findet seine eigenen Tricks, Grünpflanzen und Gewürze in Szene zu setzen. Hier eine besonders charmante Lösung als “hängender Küchengarten”. (Foto: Axel Schaffer)

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.