Smart Home: Die Zukunft der Küchengeräte

12.09.2017 | Susanne Scheffer

Guten Morgen, Alexa! Ein Satz, an den Sie sich in Zukunft gewöhnen können. Er gilt Amazons intelligenter Sprachassistentin Alexa, die in eine zylinderförmige Lautsprecherbox (Amazon Echo) integriert ist und von dort aus Befehle per Sprachsteuerung entgegennimmt. Die Befehle werden an die vernetzten Haushaltsgeräte fast aller großen Markenhersteller gesendet und sollen diese selbständig in Gang setzen, stoppen oder kontrollieren.

 

 

Ein Satz – und alle Geräte handeln von selbst

Ein einziger Satz eröffnet also bereits die Welt des Smart Home, in der Haushaltsgeräte untereinander kommunizieren und ihre Arbeit per Knopfdruck, App oder Sprachsteuerung selbständig verrichten. Auf den von Bosch und Siemens als „Morgenszenario“ betitelten Satz Guten Morgen, Alexa! folgt beispielswiese automatisch: Das Hochfahren der Rollläden, das Anknipsen aller definierten Leuchten, das sanfte Einspielen der gewünschten Morgenmusik, das Regulieren der Heizkörper-Thermostate und das Aufbrühen einer frischen Tasse Kaffee oder Tee.

Für das Smart Home der Zukunft wurden sehr viele solcher Szenarios entwickelt. Was können und dürfen wir uns von unseren Küchengeräten also in Zukunft erhoffen?

 

Das Smart Home ist kaum visuell wahrnehmbar und doch funktional stark präsent. Haben Sie Amazons Alexa (neben der Kaffeemaschine) oder den Bosch Universalschalter (links im Fenstereck) erkannt? (Foto: Bosch)

Das Smart Home ist kaum visuell wahrnehmbar und doch funktional stark präsent. Haben Sie Amazons Alexa (neben der Kaffeemaschine) oder den Bosch Universalschalter (links im Fenstereck) erkannt? (Foto: Bosch)

 

 

Smart Home: Realisierbar per App, Knopfdruck oder Sprachsteuerung

Das Smart Home, also das intelligente Zuhause von morgen, ist das Schlagwort der Stunde. Alle namhaften großen Gerätehersteller beschäftigen sich seit Jahren damit, doch auf der IFA 2017 wurden nun endlich nicht nur Prototypen, sondern auch Ergebnisse präsentiert.

Ziel des Smart Home ist es, das Leben zuhause und das Agieren im Haushalt einfacher und sicherer zu machen. Auf die Küche bezogen bedeutet das, dass Haushaltsgeräte wie Backofen, Herd und Dunstabzugshaube bequem über dreierlei Wege gesteuert werden können: Zentral über eine herstellerbasierte App für Handy und Tablet, die alle zeitgleich benutzten Geräte und deren Einstellungen anzeigt, über einen Universalschalter (Bsp. Bosch), der bestimmte Szenarien miteinander verknüpft – oder bequem per Sprachsteuerung über Amazons intelligenter Sprachassistentin Alexa.

 

 

Deutsche Küchenhersteller kooperieren mit Amazons Sprachassistentin Alexa. Zeit, sich das kluge Gerät einmal näher anzusehen. (Foto: Amazon)

Deutsche Küchenhersteller kooperieren mit Amazons Sprachassistentin Alexa. Zeit, sich das kluge Gerät einmal näher anzusehen. (Foto: Amazon)

 

Amazons Alexa wird überall integriert

Der schlanke, unauffällige Zylinder Alexas ist bei so gut wie allen Marken in die Handlungsabläufe in der Küche integriert und soll zukünftig für eine spielend leichte Handhabung sorgen, während man manuell beispielsweise mit dem Zubereiten von Lebensmitteln beschäftigt ist – oder auf der Couch liegt. Alexa kann dann hilfsbereit durchgeben, wie lang der Geschirrspüler noch braucht, wann der Braten aus dem Backofen geholt werden muss oder welche Musik sie zum Essen abspielen soll. Außerdem ermöglicht es die Sprachsteuerung, dass Geräte wie der Ofen oder die Waschmaschine über Alexa antworten.

Wer will, kann dann fehlende Lebensmittel, Spülmittel oder andere Haushaltsgegenstände unverzüglich per Amazon Fresh oder Prime nachbestellen. Das Smart Home, es bedeutet vor allem eine rosige Zukunft für Amazon, in der der Liefergigant unzählige Datenmengen über das Nutzerverhalten seiner Käufer sammeln kann.

Eigene Ansätze zum Smart Home: Miele, Bosch, Siemens, Liebherr

Doch nicht nur mit Alexa, die auf Zuruf arbeitet und Informationen an Geräte weitergibt, sondern auch mit eigenen Anwendungen, sogenannten SmartDevices, rüsten die Hersteller von Küchengeräten auf. Wir haben uns die Zukunftspläne für die Küche von Miele, Siemens, Bosch und Liebherr genauer angesehen.

 

 

Siemens Hausgeräte: MYKIE macht‘s

MYKIE, der kleine Küchenroboter von Siemens, soll zum neuen Gefährten und Helfer in der Küche werden. (Foto: Siemens Hausgeräte)

MYKIE, der kleine Küchenroboter von Siemens, soll zum neuen Gefährten und Helfer in der Küche werden. (Foto: Siemens Hausgeräte)

 

Siemens hat dafür MYKIE (My Kitchen Elf) entwickelt, der Anweisungen zu Kochrezepten, Kühlschrankinhalt und Temperatursteuerung des Ofens geben soll. Der kleine Roboter reagiert mit Mimik, Gestik und Sprache auf seine Nutzer und soll somit nicht nur einen Kochassistenten, sondern auch einen echten Gesprächspartner in der Küche imitieren. Auch auf Musik, Videos und andere Entertainment-Programme soll man über MYKIE zugreifen können. Bisher ist der Küchenroboter jedoch noch immer ein Prototyp.

Gemeinsam mit Bosch arbeitet das renommierte Unternehmen an einem weiteren multifunktionalen Küchenhelfer: Der Scanner X-Spect informiert über Reifegrad und Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie über die Beschaffenheit von textilen Strukturen und deren Flecken. Während ersteres eine kluge Entscheidungshilfe beim Einkaufen und Hantieren in der Küche darstellt, kann der zweite Anwendungsfall helfen, die Waschmaschine energiesparend und erfolgreich einzusetzen.

 

 

Bosch: Automatisierte Tagesabläufe im Haushalt

Klein und unscheinbar ist der Bosch Flex-Universalschalter - doch es lässt sich eine Menge steuern damit im Haushalt. (Foto: Bosch)

Klein und unscheinbar ist der Bosch Flex-Universalschalter – doch es lässt sich eine Menge steuern damit im Haushalt. (Foto: Bosch)

 

Bosch arbeitet – ebenfalls gemeinsam mit Siemens – an einer 360° Innenkamera und einem Universalschalter, der sich kabellos an jeder beliebigen Stelle im Haus anbringen oder aber als „Flex“-Version tragbar überall mit hingenommen werden kann. Für diesen Flex-Universalschalter lassen sich verschiedene Szenarien programmieren, die entweder auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden können oder sich automatisiert an bestimmte Tagesabläufe halten.

Beispiel: Rollläden werden automatisch tagesgenau zum Sonnenaufgang hochgefahren. Situativ kann der Schalter aber auch jedes Mal ausgelöst werden, wenn ein Kind an den Süßigkeitenschrank geht – alle Lichter leuchten dann in der Wohnung auf. Wenn der Briefträger wiederum Post bringt, wird automatisch eine Push-Nachricht ans Smartphone versandt.

 

 

Miele: Alle Elektrogeräte auf einen Blick

Die Miele@mobile-App wählt per Klick den optimalen Koch-, Spül- und Waschvorgang aus. (Foto: Miele)

Die Miele@mobile-App wählt per Klick den optimalen Koch-, Spül- und Waschvorgang aus. (Foto: Miele)

 

Miele lässt seine Haushaltsanwendungen über die Miele@mobile-App steuern, mit der der brandneue Dialoggarer der Firma nicht nur an- und ausgestellt werden kann, sondern auch über Rezepte informiert wird, deren Backeinstellungen er dann selbstständig übernimmt. Ebenso kann über die Programme MobileControl und SuperVision der Status aller Hausgeräte mit einem unauffälligen Blick aufs Tablet kontrolliert oder bewusst bedient werden.

Somit kann der Kühlschrank bereits beim Einkaufen im Supermarkt heruntergekühlt werden, um den Energieverlust beim Einräumen der Lebensmittel auszugleichen. Die Waschmaschine empfiehlt das passende Waschmittel zum Kleidungsstück und per ShopConn@ct lassen sich Spülmaschinentabs oder Reinigungsmittel nachbestellen. Außerdem können sich die Haushaltsgeräte mit dem Programm „SmartStart“ dann von allein anstellen, wenn die Sonneneinstrahlung auf die Solarzellen des Hauses besonders hoch ist und dieser Strom genutzt werden kann – oder, wenn die Stromtarife im Netz besonders niedrig sind.

 

 

Liebherr: SmartDevice-Box kennt den Benutzer

Das "SmartDevice" wird am Kühlschrank befestigt und zeichnet dort die Gewohnheiten der Nutzer auf - also auch, wer nachts desöfteren mal zum Kühlschrank tappt... (Foto: Liebherr)

Das “SmartDevice” wird am Kühlschrank befestigt und zeichnet dort die Gewohnheiten der Nutzer auf – also auch, wer nachts desöfteren mal zum Kühlschrank tappt… (Foto: Liebherr)

 

Andere Küchengeräte-Hersteller wie Liebherr wagen sich zunächst punktuell ans Smart Home heran. Mit der Liebherr SmartDevice-Box, die am Kühlschrank befestigt wird und an das gekoppelte Smartphone oder Tablet sendet, lässt sich der Kühlschrank per FridgeCam überwachen, eine Einkaufsliste mit Lebensmitteln erstellen oder das Kühlgerät herunterkühlen.

Auch hier können Szenarien definiert werden, in denen das Gerät automatisch handelt: Kocht man jeden Abend gegen 19 Uhr und öffnet dazu mehrere Male die Kühlschranktür, merkt das Gerät sich das und kühlt die Lebensmittel bereits ein bis zwei Stunden vorher herunter, um der warmen Luft entgegenzusteuern. Bereits bekannt wiederum ist der SafetyMode, der ein Alarmgeräusch oder optisches Warnsignal an Smartphone oder Tablet sendet, wenn die Kühlschranktür zu lange offensteht.

 

 

Fazit zum Smart Home: Große Chance für die Küche

Das Smartphone spielt eine große Rolle im Smart Home. Trotz aller Vorteile sollte man Vorsicht walten lassen mit seinen Daten. Dennoch: Das Smart Home wird zukünftig eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen - zurecht. (Foto: Bosch)

Das Smartphone spielt eine große Rolle im Smart Home. Trotz aller Vorteile sollte man Vorsicht walten lassen mit seinen Daten. Dennoch: Das Smart Home wird zukünftig eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen – zurecht. (Foto: Bosch)

 

Das Smart Home ist nicht mehr (nur) die Küche der Zukunft, sondern bereits der Gegenwart. Namhafte Küchengeräte-Hersteller wie Miele, BSH (Bosch & Siemens) sowie Kühlschrankspezialist Liebherr haben ihre Hausaufgaben gemacht und präsentieren uns nun das Zuhause der Zukunft, das immer reibungsloser und automatischer funktionieren soll.

Die Chancen für die Küche, die jetzt schon in einigen Kreisen das Auto als Statussymbol abgelöst hat, sind enorm. Sie bildet oftmals den zentralen Mittelpunkt des Zusammenlebens und wird daher in ihren Smart Home-Anwendungen stärker genutzt als beispielsweise Schlafzimmer oder Bad. Wer zukünftig Gastgeber sein und dennoch alles selbst machen will in der Küche, profitiert von automatischen Anwendungen und einer kabellosen Verknüpfung der Geräte mit dem Handy; wer von Urlaub oder Arbeit aus Vorgänge im Haushalt steuern möchte, kann dies nun einfach per Klick erledigen.

 

 

Smart Home darf keine Angriffsfläche für Hacker sein

Die Applikationen des Smart Homes müssen allerdings übersichtlich in einer App auf dem Smartphone oder Tablet miteinander verknüpft sein, um den Überblick und damit die Herrschaft über die Geräte nicht aus der Hand zu geben. Auch Hersteller können sich noch nicht zurücklehnen: Sie müssen für den Fall vorsorgen, dass die empfindlichen elektronischen Geräte Angriff einer Hacker-Attacke werden und Nutzerdaten schützen. Die Daten selbst sollten ebenfalls den Datenschutzbestimmungsgesetzen unterliegen.

Mit der richtigen Verknüpfung aller Küchengeräte lässt sich aber bedeutend Zeit sparen und komfortabler leben. Dann heißt es: „Gute Nacht, Alexa!“ – und Alexa fährt automatisch alle Rollläden herunter, löscht die Lichter, fährt Musik und TV herunter und schließt die Türen. Die Küche der Zukunft, sie hat etwas von einem guten und klugen Gefährten.

 

Zum Autor
Susanne Scheffer
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.