Trends auf Messen: Im Westen kaum Neues – außer XXL

18.05.2018 | Frederik Dix
Trends auf Messen können aufregend sein. Oder bereits - gähn! - bekannt: Der Industrial Style wie hier beim Hersteller next125 ist wunderschön, aber alles andere als neu. (Foto: Sophie Engelhard)

Unser Autor hat versucht, aktuelle Trends auf Messen im Küchenbereich auszumachen. Und sah sich kläglich konfrontiert mit nahezu gleichen Messeständen und Küchenstilen. Ist ein Trend noch ein Trend, wenn ihm alle folgen? Die XXL-Bewegung erlöste ihn schließlich.

 

Messen sind dazu da, um Neuheiten vorzustellen. Um Trends zu setzen. Und Trends zu folgen. Wer allerdings in der Küchenbranche gewisse Trends auf Messen ausfindig machen will, stößt selten auf Neuheiten und oft auf Nachahmer – über Monate hinweg. Dann beginnt die Grübelei: Ist das, was alle Hersteller eint, noch ein Trend – oder kann man es als das berühmte Stück Kuchen bezeichnen, von dem alle etwas haben wollen und daher eben mitmachen?

 

Nobilia zeigt auf der EuroCucina 2018 gleich 2 Evergreens der deutschen Küchenbranche: Eine weiße Küche im Industrial Style. Schwarze Streben, nackte Glühlampe, ein paar Grünpflanzen - voilà! Der Küchenraum ist wunderschön, aber auch: seiner Konkurrenz sehr ähnlich. (Foto: Saverio Lombardi Vallauri)

Nobilia zeigt auf der EuroCucina 2018 gleich 2 Evergreens der deutschen Küchenbranche: Eine weiße Küche im Industrial Style. Schwarze Streben, nackte Glühlampe, ein paar Grünpflanzen – voilà! Der Küchenraum ist wunderschön, aber auch: seiner Konkurrenz sehr ähnlich. (Foto: Saverio Lombardi Vallauri)

 

 

Trends auf Messen: Der Industrial Style ist unter Küchenherstellern weit verbreitet

Der Begriff Industrial Style ist in den letzten Jahren zum Schlagwort der Branche geworden, kaum ein Herstellerstand für Küchen kommt mehr ohne filigrane Eisenrohre, schwarze Aluminiumregale, nackte Glühlampen und Küchenzeilen aus Beton und Edelstahl aus. Natürlich grifflos. Das sieht in jedem Fall gut aus und vermittelt dank mächtiger Küchenkorpusse Eleganz, Macht und Luxus.

Nur: Wenn das Italiener wie Deutsche machen, große wie kleine Namen, ist es zwar ein Trend, aber keiner, der noch Akzente setzt. Das gilt für industrielle Küchenräume ebenso wie für die berühmte Öffnung des Küchenraums hin zum Wohnzimmer. Da werden Vitrinen in Küchenzeilen integriert, Oberschränke mit Spotlights besetzt und die Farbe der Barhockerstühle zwei Meter weiter im Beistelltisch des Wohnbereichs aufgegriffen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Diese als Trends auf Messen ausgerufenen Lebensraumentwürfe harmonieren wunderbar miteinander und schaffen ein einheitliches Refugium für Wohnen, Kochen und Zusammenleben. Die Art der Ausgestaltung ist nur mal wieder: bereits bekannt.

 

 

SieMatic liefert mit der neugestalteten PURE-Serie ein unglaubliches hochwertiges Küchenmodell ab - nach dem Vorbild des Industrial Styles. (Foto: Susanne Scheffer)

SieMatic liefert mit der neugestalteten PURE-Serie ein unglaubliches hochwertiges Küchenmodell ab – nach dem Vorbild des Industrial Styles. (Foto: Susanne Scheffer)

 

 

Die Neuheiten für Trends auf Messen liegen im Detail

Fast sehnt man sich danach, dass mal wieder ein Hersteller radikal andere Trends auf Messen wählt sich damit in die Schlagzeilen aller Möbelblätter einbringt. Zum Beispiel, indem er den Küchenraum spielerisch mit Trennwänden abgrenzt, einen Stilbruch zwischen Wohn- und Esszimmer wagt oder die U-Form statt der zweiteiligen Kombi aus Kücheninsel und Küchenzeile zum neuen Trend erklärt. Nicht, weil es besonders schön aussehen würde, sondern einfach, weil es die Branche wieder etwas aufrütteln kann. Aber nein: Im Westen kaum Neues.

Kaum, weil der Unterschied bei Trends auf Messen immerhin noch im Detail zu finden ist. Ein Trost gebührt dem, der sich nicht vom ersten Blick irritieren lässt, sondern ein Auge für die aufregenden Kleinigkeiten der Einheitsküchen hat. Feine Trends, die sich kaum bemerkbar machen, und doch von einigen wenigen Herstellern aufgegriffen wurden: Kochfelder, die nahezu unsichtbar in der Arbeitsplatte verbaut sind. Die Rückkehr des robusten Bedienknebels für Induktionsherde (anstelle eines optisch eleganten und funktional eher anstrengenden Touchpads). Beleuchtete Auszüge in Kücheninseln. Verborgene Steckdosen und integrierte Soundmodule.

 

 

Nolte Küchen hat bereits 2017 viel Aufmerksamkeit mit seiner Keramikarbeitsplatte erweckt, in die nahezu unsichtbar ein Induktionskochfeld eingelassen ist. Den angehenden Trend haben auch andere Küchenhersteller wie beispielsweise Boffi aufgegriffen. (Foto: Susanne Scheffer)

Nolte Küchen hat bereits 2017 viel Aufmerksamkeit mit seiner Keramikarbeitsplatte erweckt, in die nahezu unsichtbar ein Induktionskochfeld eingelassen ist. Den angehenden Trend haben auch andere Küchenhersteller wie beispielsweise Boffi aufgegriffen. (Foto: Susanne Scheffer)

 

 

Am Ende doch noch ein Trend: XXL-Geräte

Und dann trifft man schlussendlich doch auf etwas, das man als Trend bezeichnen darf ( = eine Neuheit, die sich großer Beliebtheit beim Kunden erfreut, die „herübergeschwappt“ ist aus einem anderen Land und noch nicht von allen Ausstellern aufgegriffen wurde): Die sich aktuell abzeichnenden Trends auf Messen für Küchengeräte in XXL-Form. Man bemerkt zunächst die ungewöhnlich breiten Backöfen bei Bosch, die augenzwinkernd überschrieben werden mit „for especially large appetites“. Man staunt über Mega-Kühlschränke von Liebherr und Miele, die so klangvolle wie dröhnend mächtige Namen wie „Monolith“ und „Mastercool“ tragen. Und landet bei Kochfeldern, die die Ausmaße von amerikanischen Range Cookern annehmen, nur eben filigran, flächenbündig und „nach Belieben kombinierbar“.

Der Trend wird nicht ganz ohne Verwunderung aufgenommen: Gibt es auf einmal wieder so viele Großfamilien? Haben die Leute mehr Appetit als früher oder bewirten sie mehr Leute an ihrem eigenen Tisch? Oder tendiert der moderne Mensch dazu, eben mehr von allem zu wollen, als er hat – und auch gebrauchen kann? Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass Trends auf Messen zu XXL-Geräten in starkem Kontrast zu den feinfühligen, minimalistischen Küchenkorpussen steht, die zwar präsent im Raum, jedoch zurückhaltend in der Wirkung sein wollen. Es lebe die Vollintegration von Küchengeräten, die die XXL-Produkte hinter Designfronten und kühlen Edelstahlfinishes verschwinden lassen.

Aber: Aufregen zählt nicht. Endlich ist mal wieder ein Trend auszumachen, der sich vorsichtig seinen Weg in die deutsche Küchenlandschaft ertastet. Den noch nicht alle gutheißen und dem nicht alle folgen. Ein Trend, an dem man sich die Geister scheiden – und der es verdient hat, aufmerksam auf zukünftigen Messen verfolgt zu werden.

 

 

"For especially large appetites": Der zunehmende Appetit scheint Geräteherstellern einen neuen Trend zu verschaffen. XXL-Backöfen, -Kühlschränke und -Kochfelder waren auffallend oft zu sehen auf der EuroCucina 2018. (Foto: Susanne Scheffer)

“For especially large appetites”: Der zunehmende Appetit scheint Geräteherstellern einen neuen Trend zu verschaffen. XXL-Backöfen, -Kühlschränke und -Kochfelder waren auffallend oft zu sehen auf der EuroCucina 2018. (Foto: Susanne Scheffer)

 

Zum Autor
Frederik Dix
Redakteur

Mit Sägespäne im Haar und Holzleim an den Händen wuchs der Sohn eines Möbelschreiners praktisch in der Werkstatt seines Vaters auf, lernte früh, mit Hammer und Säge umzugehen und probierte sich an selbstgezimmerten Kunststücken, die an die arme Verwandtschaft verschenkt wurden. Dennoch sollten sich die handwerklichen Fähigkeiten in seinem Architekturstudium bemerkbar machen. Heute sieht Frederik in Küchenräumen sofort den Raum zur Verbesserung, das Zusammenspiel von Materialien – und wer das ein oder andere Stück selbst gezimmert hat.