Der “Cookit” von Bosch: Konkurrenz für den Thermomix

31.10.2019 | Charlotte Finkenstein
Der "Cookit" von Bosch ist angetreten, dem Platzhirsch Thermomix von Vorwerk endgültig Konkurrenz zu machen. In einigen Funktionen übertrumpft er den Vorreiter tatsächlich um Längen. (Foto: Bosch)

Der Thermomix von Vorwerk galt lange Zeit als unantastbarer Vorreiter der Allzweck-Küchenmaschine. Nun greift das jahrelang entwickelte Gerät „Cookit“ von Bosch an – und bietet gleich mehrere Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Lesen Sie alles zu professionellem Zubehör, der Brat-Funktion mit Röstaromen und einem voluminösen 3-Liter-Garraum.

 

 

„Cookit“ von Bosch: erste Multifunktions-Küchenmaschine nach dem Thermomix

Selbstgemacht schmeckt immer noch am besten? Das stimmt. Nur wird das „selbstgemacht“ heute anders definiert als vor 20 Jahren: Bosch, einer der größten Küchengerätehersteller der Welt, nennt es „das neue Selbstgemacht“, wenn das Unternehmen von seiner aktuellen Errungenschaft, dem „Cookit“, spricht. Selbstgemacht bedeutet heute nämlich: den zahlreichen Automatikprogrammen von Einbaugeräten zu vertrauen oder immerhin mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zu kochen.

Das ist, streng genommen, also nur zur Hälfte „selbstgemacht“, verspricht aber andererseits sehr vielen gestressten Arbeitnehmern ein schnell zubereitetes, gesundes Essen für die ganze Familie und auch weniger erfahrenen Hobbyköchen einige erfolgsversprechende Gaumenfreuden. Der „Cookit“ von Bosch ist die erste vernetzte Multifunktions-Küchenmaschine mit Kochfunktion, die das Unternehmen mit seiner 65-jährigen Erfahrung im Einbaugerätesektor auf den Markt bringt – und der schärfste Konkurrent des allseits bekannten Thermomix von Vorwerk.

 

 

Sieht aus wie der Thermomix und arbeitet wie der Thermomix - nur in einigen Funktionen eben überlegen: der "Cookit" von Bosch macht dem Platzhirsch Thermomix ordentlich Konkurrenz. (Foto: Bosch)

Sieht aus wie der Thermomix und arbeitet wie der Thermomix – nur in einigen Funktionen eben überlegen: der “Cookit” von Bosch macht dem Platzhirsch Thermomix ordentlich Konkurrenz. (Foto: Bosch)

 

 

Der Thermomix: der Vorreiter aller Küchenmaschinen bekommt Konkurrenz

Das Schlachtschiff der deutschen Küchenalleskönner-Maschinen, der Thermomix, liegt derzeit gewaltig in Schieflage. Nachdem das Gerät seit den 1960er Jahren durchgehend Erfolge feierte und der Konkurrenz mit einem guten Dutzend Patenten ein Schnippchen schlug, kündigte der Produzent Vorwerk erst im Juli diesen Jahres an, die Produktion des Thermomix künftig von Wuppertal nach China zu verlagern. Grund sei die gesunkene Nachfrage in Europa.

Möglicherweise ist ein weiterer Grund aber auch das Auslaufen der Patente, die es nun namhaften deutschen Küchengeräteherstellern wie Bosch ermöglichen, endlich ein eigenes Konkurrenzprodukt auf den Markt zu bringen – mit größerem Volumen, höheren Temperaturen und vielfältig einsetzbarem Zubehör. Der Kampf um die Gunst des Hobbykochs ist entbrannt.

 

 

Viele Jahre lang der unangefochtene Vorreiter am Markt für Küchenmaschinen: der Thermomix von Vorwerk. Erst kürzlich gab das Unternehmen bekannt, die Produktion des teuren Geräts nach China auszulagern. (Foto: Thermomix)

Viele Jahre lang der unangefochtene Vorreiter am Markt für Küchenmaschinen: der Thermomix von Vorwerk. Erst kürzlich gab das Unternehmen bekannt, die Produktion des teuren Geräts nach China auszulagern. (Foto: Thermomix)

 

 

Thermomix vs. „Cookit“ von Bosch: was beide gemeinsam haben

Alleskönner sind sie beide. Ebenso wie der Thermomix besteht der „Cookit“ von Bosch aus einem Schnellkochtopf aus hochwertigem Edelstahl, der auf einem Hartplastikgehäuse mit großzügigem Farb- und Touchdisplay aufgesetzt ist. Zu seinen Kochkünsten zählen das Zerkleinern, Mixen, Häckseln, Kneten, Rühren, Emulgieren, Schlagen, Abwiegen, Dampfgaren, Fermentieren und natürlich Kochen von Zutaten, sodass zähflüssige Kuchenteige ebenso gut verarbeitet werden können wie ein lange köchelndes Risotto.

Ebenso wie der Thermomix bedient sich der „Cookit“ von Bosch einer Rezeptedatenbank, aus der sich der Kunde zwischen Hunderten von Anleitungen für ein bestimmtes Gericht entscheiden und dies direkt auf seine Küchenmaschine vor Ort per WLAN senden kann. Erst mit dem neuesten Modell, dem Thermomix TM6, ist die direkte Verknüpfung mit der Rezeptanleitung übrigens möglich – bei allen anderen Modellen muss nach wie vor ein „COOK-KEY“ erworben werden, um an die online abgespeicherten Rezepte zu gelangen. Diesem liegt ein Abonnement zugrunde.

Hier lässt Bosch seinen Kunden mit dem „Cookit“ freie Hand: der Kunde kann unkompliziert manuell kochen und damit auch jede einzelne Funktion des Geräts nutzen. Diese sind beim Thermomix teilweise eingeschränkt auf die Verwendung von bestimmten Rezepten. Überdies bietet Bosch nach dem Kauf des Start-Ups „Kitchen Stories“ eine bunte Vielfalt an Kochanleitungen, die sich nicht auf bloße Zutatenlisten beschränken, sondern in anschaulichen Videos den gesamten Kochvorgang beleuchten.

 

 

Der große Topf, ein fester Hartplastikuntersatz und ein farbenfrohes Touchdisplay haben "Cookit" von Bosch und der Thermomix gemeinsam. Allerdings: der Topf von Bosch umfasst 3 Liter und ist damit größer sowie zum Anbraten geeignet. (Foto: Bosch)

Der große Topf, ein fester Hartplastikuntersatz und ein farbenfrohes Touchdisplay haben “Cookit” von Bosch und der Thermomix gemeinsam. Allerdings: der Topf von Bosch umfasst 3 Liter und ist damit größer sowie zum Anbraten geeignet. (Foto: Bosch)

 

 

Was unterscheidet den „Cookit“ von Bosch vom Thermomix?

Eine Schwachstelle bei den „Alleskönnern“ der Küchenmaschinen ist schon lange bekannt: das Braten gehört nicht gerade zu den Stärken des Thermomix‘. Ein Grund hierfür ist das begrenzte Fassungsvermögen des Topfbodens, das ein gleichmäßiges Anbraten von Fleisch und Fisch unmöglich macht. Mehr noch aber hängt es von der Temperatur ab, die mit dem neuesten Modell des Thermomix TM6 erstmals auf 160°C angehoben wurde und seither unter Vorbehalt der Knusprigkeit zum Braten und Karamellisieren genutzt werden kann.

Hier zieht der „Cookit“ von Bosch erstmals deutlich an seinem Konkurrenzprodukt vorbei: das Gerät erreicht Höchsttemperaturen von bis zu 200 Grad, sodass auch ein scharfes Anbraten und echte Röstaromen ermöglicht werden. Bosch betont überdies die Temperaturpräzision, mit der das Gerät arbeitet: bereits ab 37 Grad kann jede Temperaturstufe exakt überwacht werden und so auch punktgenau sous-vide gegartes Lachsfilet, fermentierten Joghurt oder saftige Steaks erzeugen.

Gekonnt spielt der „Cookit“ von Bosch zudem seine Größe gegen den Thermomix aus: der XL-Topf umfasst drei Liter Fassungsvermögen, sodass der Durchmesser der Küchenmaschine in etwa einer mittelgroßen Pfanne entspricht. Damit können Pfannengerichte gleichmäßig in der Fläche angebraten werden – und werden dabei überwacht von zwei verschiedenen Hitzesensoren, die die Temperatur am Boden sowie im Innenbereich permanent messen und anpassen. Mit einer derartigen Topfgröße können übrigens Gerichte für bis zu acht Personen gekocht werden, sodass Familien auch für mehrere Mahlzeiten planen können.

Der elegant designte, dreiteilige Dampfgaraufsatz erweitert die Kapazität des „Cookit“ um großzügige 4,7 Liter Nutzvolumen. Damit können beispielsweise bis zu 2,4 Kilogramm Kartoffeln gedämpft werden. Der herkömmliche Dampfgar-Einsatz (nicht -Aufsatz) bietet zusätzlich 1,5 Liter Volumen zum Dämpfen und Pochieren und kann dank der sehr feinen Lochkonstruktion mit optimaler Dampfzirkulation auch als Sieb benutzt werden.

 

 

Der "Cookit" von Bosch kommt mit etlichem Zubehör daher, darunter ein großflächiger Dampfgaraufsatz und professionelle Schneidewerke. Auch ein Kochbuch liegt dem Ersterwerb bei. (Foto: Bosch)

Der “Cookit” von Bosch kommt mit etlichem Zubehör daher, darunter ein großflächiger Dampfgaraufsatz und professionelle Schneidewerke. Auch ein Kochbuch liegt dem Ersterwerb bei. (Foto: Bosch)

 

 

Zubehörteile für den „Cookit“ von Bosch: schneiden und raspeln wie die Profis

Bosch hat sich mit dem „Cookit“ sofort umfangreich in seiner Fülle an Zubehörteilen aufgestellt, die je nach Bedarf in den Boden des XL-Topfes eingesetzt werden können, darunter Universalmesser zum Raspeln und Schneiden mit 18 Speed-Levels und 1.800 Umdrehungen pro Minute, 3D-Rührer und Zwillings-Rührbesen. Im Gegensatz zum Thermomix kann der „Cookit“ damit Zutaten nicht zur kurz und klein schneiden, sondern auch zu Streifen oder Scheiben verarbeiten. Hierfür können spezielle Schneid- und Raspel-Scheiben eingesetzt werden. Kleinteiliges Gemüse kann anschließend mit dem Dampfgarzubehör parallel zum Kochprozess im „Cookit“ zubereitet werden.

Zuguterletzt behält sich Bosch einen Trumpf in der Hinterhand von der bisherigen Zusammenarbeit mit sprachgesteuerten Programmen wie beispielsweise Alexa. Konnte die Sprachassistentin vom Amazon bislang bereits mit Backöfen oder Kühlschränken verknüpft werden, so kann sie künftig auch bequem Auskunft über die Prozesse des „Cookit“ an den Nutzer weitergeben. Die Home Connect-App von Bosch Hausgeräte macht es möglich.

 

 

Nachteile des „Cookit“ von Bosch gegenüber dem Thermomix

Bosch bietet in seiner Kollaboration mit den Kochvideos von „Kitchen stories“ zwar eine Vielzahl an Rezepten für die manuelle Zubereitung, kann zum Launch der neuen Küchenmaschine allerdings bislang „nur“ rund 200 Rezepte im Modus „GuidedCooking“ anbieten, bei dem der Nutzer Schritt für Schritt durch den Kochprozess begleitet wird. Dieser Punkt geht eindeutig an den Thermomix, der aufgrund seiner jahrzehntelangen Vorherrschaft am Markt bereits auf ganze Kochbücher zurückgreifen kann. Ein Kochbuch liegt allerdings dem Ersterwerb des „Cookit“ auch schon bei.

 

 

Einziger Wermutstropfen an der Küchenmaschine "Cookit" von Bosch: die mit der Home Connect-App verknüpfte Rezeptdatenbank umfasst erst 200 Rezepte mit Anleitung. Diese soll jedoch beständig erweitert werden. Nutzbar ist sie auch für die Aufzucht von Küchenkräutern mit dem Bosch SmartGrow-System. (Foto: Bosch)

Einziger Wermutstropfen an der Küchenmaschine “Cookit” von Bosch: die mit der Home Connect-App verknüpfte Rezeptdatenbank umfasst erst 200 Rezepte mit Anleitung. Diese soll jedoch beständig erweitert werden. Nutzbar ist sie auch für die Aufzucht von Küchenkräutern mit dem Bosch SmartGrow-System. (Foto: Bosch)

 

 

Produktlaunch „Cookit“ von Bosch: Frühjahr 2020

Für Anfang 2020 hat Bosch seinen Alleskönner „Cookit“ nun angekündigt, wobei die Küchenmaschine zunächst auf ihren Erfolg in Deutschland und Österreich getestet werden soll. Den Preis gibt das Unternehmen erst Ende des Jahres bekannt – man darf gespannt sein, wie das Kopf-an-Kopf-Rennen des „Cookit“ mit dem „Thermomix“ dann ausgeht.

 

>>> Informieren Sie sich bei Ihrem Küchenpartner nach dem neuen Bosch „Cookit“. Eine smarte Einbauidee ist die zusätzliche Anrichte im sogenannten „Pocket-Schrank“, bei der das voluminöse Gerät im Küchenschrank verborgen werden kann und dennoch stets zur Verfügung bereitsteht. Ansprechpartner für Ihre Küchenplanung finden Sie unter diesem Link.

 

Zum Autor
Charlotte Finkenstein

Die freie Journalistin Charlotte Finkenstein beschäftigt sich nicht nur beruflich mit Genuss: auch privat verbringt die leidenschaftliche Hobbyköchin viel Zeit in den eigenen vier Küchenwänden und erfreut damit regelmäßig Kollegen und Freunde. Nach Stationen im TV bei Kochshows sowie bei kleineren Lebensmittelzeitschriften widmet sich Charlotte nun der Technik hinter dem Essen und blickt für uns Herstellern, Geräten und Kundenversprechungen genau auf die Finger.