Eine grüne Landhausküche und ihre Geschichte: gewagt und gewonnen

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Regina und Christoph Bonert suchen im Internet nach Inspiration für ihren Küchenumbau, als sie auf dem Küchen&Design Magazin auf das Bild einer grünen Landhausküche stoßen. Sofort ist klar: Der ungewöhnliche Stilmix aus Landhaus und Industrial Style soll zukünftig auch bei ihnen zuhause einziehen. Anderthalb Jahre später hat sich der Planungstraum verwirklicht – mit salbeigrünen Fronten, einem neuen Wintergarten und Möbeln, die die Lebensgeschichte ihrer Besitzer liebevoll aufleben lassen. Wir haben die Planungsgeschichte aufgezeichnet.

Die Geschichte von Regina Bonert und ihrem Mann ist ein Lehrbeispiel in Sachen Küchenplanung. Genau genommen ist es nicht nur eine Geschichte, sondern ein ganzer Erzählstrang, der durch ein berührendes Geflecht aus alten Zeiten und mutigen Neuanfängen in eine Küche mündet, die den Titel „Lebensraum“ auch wirklich verdient hat. Eine Küche, die mehr als anderthalb Jahre Entwicklungszeit in Anspruch genommen hat und nun in einem Raum steht, der Persönlichkeit und Planung behutsam miteinander vereint. Es sei „eine Geschichte der Dinge“, sagt Regina Bonert, und meint dabei die Sitzmöbel aus Studententagen oder den hochgeschlossenen Brotschrank aus einer alten Bäckerei, die sich wie selbstverständlich mit der modernen Küche in einer liebevollen Komposition arrangieren. Selbst die neue Küche erzählt bereits eine eigene Geschichte: sie wurde auf Grundlage eines Fotos entwickelt, das die Bonerts auf dem Küchen&Design Magazin aufspürten. Doch von vorn.

Vorher-Nachher-Vergleich: die weiße Küche von IKEA hat ausgedient… (Foto: privat)
Vorher-Nachher-Vergleich: die weiße Küche von IKEA hat ausgedient… (Foto: privat)
…die grüne Landhausküche verändert das Gesicht des Küchenraums nachhaltig. (Foto: privat)
…die grüne Landhausküche verändert das Gesicht des Küchenraums nachhaltig. (Foto: privat)

Inspiration für die Küchenplanung: „Trendsetter wider Willen“

Begonnen hatte im Frühjahr 2021 alles mit der Erkenntnis, dass man sich sattgesehen habe an der alten Küche. 20 Jahre zuvor war das Ehepaar Bonert aus beruflichen Gründen von Deutschland in die Niederlande gezogen und hatte sich in einem Dorf nahe Amsterdam niedergelassen. Die vormalige Küche im cremefarbenen Landhausstil sei damals der erste gemeinsame Küchenkauf gewesen, erzählt Regina Bonert, und habe jahrelang gute Dienste geleistet. Schon damals sei die Küche zum Lebensraum geworden, der dem Alltag stets eine Anlaufstelle bot. Freunde, Kollegen, Bekannte und Nachbarn seien gern gesehene Gäste, die die Küche der Bonerts stets als „gemütliches Sammelsurium“ bezeichneten.

Ein gemütliches Sammelsurium sei die Küche der Bonerts, befanden Freunde und Nachbarn.

Als sich das Paar entschloss, seine Küche zu erneuern und dafür nun auch etwas mehr Budget in die Hand zu nehmen, ahnte noch niemand, dass das gemeinsame Haus hierfür einen zusätzlichen Wintergarten erhalten würde – und dass man mit der Entscheidung für einen Stilmix aus Holz, Kupfer und grünen Fronten ein „Trendsetter wider Willen“ sein würde. Inspiration für die zukünftige Traumküche fand Regina Bonert online, unter anderem beim Küchen&Design Magazin. Ihre gezielte Suche nach grünen Küchen führte die Wahlholländerin auf eine Fotogalerie, die alles verändern sollte. Darin abgebildet: eine dunkelgrün lackierte, softmatte Landhausküche mit feiner Kassettenrahmung, die dank einer eklektischen Mischung aus Edelstahl, Kupfer und Messing sowie typischen Elementen des Landhausstils eine sehr wohnliche und einladende Aura verströmte – modern, elegant und doch gemütlich. Die perfekte Vorlage für die Küche von Familie Bonert. Einzig: Die Küche existierte so nur auf dem Papier. Das Bild war eine computeranimierte Skizze, ein sogenanntes „Rendering“. Regina Bonert beschloss, die Vorlage dennoch so detailgetreu wie möglich umzusetzen.

Dem Original erstaunlich nahe: Diese grüne Landhausküche entdeckte das Ehepaar Bonert im Küchen&Design Magazin – und befand sofort, dass ihre zukünftige Küche so aussehen solle. (Foto: Stock Adobe/ archideaphoto)
Dem Original erstaunlich nahe: Diese grüne Landhausküche entdeckte das Ehepaar Bonert im Küchen&Design Magazin – und befand sofort, dass ihre zukünftige Küche so aussehen solle. (Foto: Stock Adobe/ archideaphoto)

Erste Schritte im Planungsprozess: Eine Mischung aus Landhausstil und Industrial Style

Man sei „offen für alles gewesen“, erzählt sie, und doch hätte das Paar „genaue Vorstellungen von dem gehabt, was wir nicht wollen“: Der betont puristische, cleane Küchenstil, der derzeit überall beworben werde, sei ihnen zu kühl und glatt. Stattdessen entwickelten die Bonerts gemeinsam mit einer Architektin den Entwurf einer Landhausküche, der Gäste mit offenen Armen empfängt und eine herzliche Wohnlichkeit ausstrahlt.

Dazu trägt der geräumige Ess- und Wohnbereich bei, der sich an die L-förmige Küche sowie die vorgelagerte Kücheninsel angliedert. Ein zentral platzierter Weinklimaschrank von Liebherr verdeutlicht, dass Besucher mit Speis und Trank gut bewirtet werden: tatsächlich stehe ihr Mann, sagt Regina Bonert, nahezu täglich in der Küche und probiere neue Gerichte aus. Die Küche sei ein guter Treffpunkt für Freunde, um ihm dabei zuzusehen.

Um genügend Platz zum Arbeiten, Kochen sowie für das gesellige Miteinander zu schaffen, wurde der Grundriss der Küche nachhaltig verändert. Das Konzept sah vor, den in sich geschlossenen Küchenraum zu öffnen und – über einen offenen, verglasten Wintergarten – mit dem gegenüberstehenden Nebengebäude zu verbinden. Damit wurde zum einen die Grundfläche der Küche großzügig erweitert; zum anderen sorgte der neue Entwurf für eine lichtdurchflutete Räumlichkeit, deren Glas- und Stahlverstrebungen zusammen mit dem freigelegten Backsteinputz eine industrielle Note erzeugen. Dieses charakterstarke Gestaltungselement hatte den Bonerts schon in der Rendering-Vorlage gut gefallen.

Zwei Küchenberater, denen sie ihre Pläne vorgelegt hatten, hielten sich stark an den Grundriss der alten Küche, erinnert sich Regina Bonert. Erst das dritte Studio durchdachte den Lebensraum Küche völlig neu und bezog den neu gewonnenen Platz in die Planung ein.

Aus dem ehemals geschlossenen Küchenraum der Bonerts ist ein beeindruckendes Refugium mit angeschlossenem Wintergarten geworden. Die Stahlstreben greifen einen modernen industriellen Stil auf. (Foto: privat)
Aus dem ehemals geschlossenen Küchenraum der Bonerts ist ein beeindruckendes Refugium mit angeschlossenem Wintergarten geworden. Die Stahlstreben greifen einen modernen industriellen Stil auf. (Foto: privat)

Das dritte Studio durchdachte den Lebensraum Küche völlig neu.

Die Umbauphase der Landhausküche: Von Pinsel bis Plunder

Der Begeisterung über die neue Planungsgrundlage folgte monatelanges Warten. Der Küchenumbau zog sich, immer wieder mussten wichtige Schritte verschoben werden – zu einer Zeit, in der pandemiebedingt weder genügend Handwerker noch entsprechende Materialien verfügbar waren.

Regina Bonert nutzte die Zeit, um weiterhin selbst kreativ zu werden im Küchenplanungsprozess. Mit einem Pinsel malte sie die alten Küchenschränke an, probierte mit kräftigen Strichen verschiedene Farben und deren Wirkung im Küchenraum aus. Auch Küchenleuchten, Utensilien und Dekoration wollten bedacht werden. „Unsere Freunde hatten Angst, dass hier hinterher nichts mehr wiederzuerkennen ist und die Gemütlichkeit des Raumes verloren geht“, sagt Regina Bonert und lächelt. Man habe den Spagat zwischen Aussortieren von „Plunder“ und einer individuellen Note aber beibehalten können. Wohnlichkeit hatte für den neuen Küchenentwurf oberste Priorität.

Ein Blick ins Umbau-Chaos: Der Küchenumbau bei Familie Bonert ging mit einer völlig neuem Raumaufteilung einher. (Foto: privat)
Ein Blick ins Umbau-Chaos: Der Küchenumbau bei Familie Bonert ging mit einer völlig neuem Raumaufteilung einher. (Foto: privat)

Die grüne Landhausküche: Bis ins Detail liebevoll durchdacht

Entstanden ist ein Küchenraum, der bis ins kleinste Detail durchdacht ist und – neben der kreativen Einbringung des Ehepaares – einen erstaunlich hohen Wiedererkennungswert mit der Vorlage aus dem Internet bietet. Salbeigrüne Fronten mit einer sehr feinen Rahmung, wie sie typisch für den Landhausstil sind, erstrecken sich entlang der großen Hochschrankfront bis fast unter die Decke. Auch Kochinsel und -zeile sind in das sanfte Grün getaucht und harmonieren mit der etwas helleren Wandfarbe. Schwarze, leicht kantige Metallgriffe bieten einen schnellen Zugriff auf Auszüge und Regale und setzen einen modernen Kontrast zur traditionellen Kassettenfront. Eine graubraun marmorierte Granitarbeitsplatte („Velvet Brown“) sorgt für einen harmonischen Übergang zwischen den Stilen. Die Oberfläche ist „gezoet“, was auf Niederländisch so viel wie „gezuckert“ bedeutet und eine haptisch aufregende Patina meint.

Wie im Vorbild des Küchen-Renderings kommen entlang der Kochzeile auch Edelstahl- und Kupferelemente zum Einsatz: Zwei kupferfarbene Wangen mit dunkler Legierung umfassen die Kücheninsel wie ein Rahmen und setzen eine stilistische Klammer zwischen Industrial Style und Landhausküche. Kleine, kupferfarbene Leuchten über der Wandzeile greifen das Material erneut auf. Eine präsente Dunstabzugshaube hingegen, die man aus der alten Küche übernommen hat, schimmert in silbrigem Edelstahl. Sie harmoniert mit anderen Küchengeräten, darunter dem ikonischen Backofen EB 388 von Gaggenau mit einem Fassungsvermögen von 78 Litern.

Die Einbaugeräte bringen die Kochleidenschaft von Christoph Bonert deutlich zutage. Im Hochschrank finden sich zusätzlich eine Mikrowelle von Siemens sowie ein Dampfgarer und eine Wärmeschublade der Schweizer Firma V-ZUG, die auf Brusthöhe verbaut und mit schwarzem Spiegelglas versehen sind. Christoph Bonert gerät ins Schwärmen, als er von der Kombination aus Heißluft und Dampf, von der gradgenauen Temperaturangabe des Ofens und dem Prinzip des Sous-Vide-Garens erzählt. Das Paar erzählt von Stunden des Genusses in der gemeinsamen Küche. Man kommt kaum umhin zu bemerken, dass sie das Credo des „Lebensraums Küche“ verinnerlicht haben – und mit unermüdlicher Liebe an der Gestaltung der eigenen Küche mitgewirkt haben.

Ein Blick ins Umbau-Chaos: Der Küchenumbau bei Familie Bonert ging mit einer völlig neuem Raumaufteilung einher. (Foto: privat)
Ein Blick ins Umbau-Chaos: Der Küchenumbau bei Familie Bonert ging mit einer völlig neuem Raumaufteilung einher. (Foto: privat)

Raumumgebung der grünen Küche: Möbel mit Geschichte

Davon zeugt auch die detailreich gestaltete Raumumgebung. Wer sich im Küchenraum umsieht, erblickt einen wohligen persönlichen Anstrich, der durch Bilderrahmen, Zeichnungen und Blumen ergänzt wird. Neben dem modernen Antlitz der Küche fällt ein ungewöhnlicher Hochschrank ins Auge, der mit einer verglasten Vitrine und einer offenen Lade voller Schubfächer an das Mobiliar eines alten Dorfladens erinnert. Tatsächlich stammt der cremeweiße Landhausschrank aus der Auflösung einer alten Bäckerei, erzählt Regina Bonert. Früher wurden hierin Brötchen und Brot aufbewahrt oder feilgeboten. Man habe sich vor rund 20 Jahren in ihn verliebt und ihn seither gepflegt und beibehalten.

Blick ins Grüne: die Landhausküche von Familie Bonert ist erneut eine gemütliche Anlaufstelle geworden, die alt und neu vereint. (Foto: privat)
Blick ins Grüne: die Landhausküche von Familie Bonert ist erneut eine gemütliche Anlaufstelle geworden, die alt und neu vereint. (Foto: privat)

Ein Sessel aus Studientagen, ein Brotschrank aus einer alten Bäckerei: Ältere Objekte mit Historie sind Bestandteil des modernen Küchenraums.

Es ist nicht das einzige Utensil, das an vergangene Zeiten erinnert und zugleich viel über Familie Bonert aussagt: In jedem Wort schwingt liebevoller Stolz mit, wenn das Paar über sein selbstgebautes Häuschen erzählt, das sie damals in aufwändiger Eigenregie saniert haben. Selbst ein Sessel aus Studientagen säumt die bodentiefe Fensterfront entlang des Küchenesstischs. Das mittlerweile neu bezogene Polsterstück, das einst vom Flohmarkt stammte, bildet gemeinsam mit einer filigranen Leuchte eine einladende Leseecke. Solche Objekte erinnerten auch „an die gemeinsame Geschichte“ als Paar, sagt Regina Bonert und lächelt. Plötzlich versteht man, was Freunde der Bonerts meinen, wenn sie von der herzlichen, unverwechselbaren Atmosphäre des Raumes sprechen, in denen es „jederzeit etwas Neues zu entdecken gibt“. Man möchte sofort Platz nehmen am großen, abgeschliffenen Esstisch, der wirkt, als stünde er Nachbarn wie Freunden, Familie wie Fremden offen.

Es ist der Zauber eines Küchenraums, der mit Mut zur Veränderung und doch einem unverrückbaren Bewusstsein für den eigenen Stil geschaffen wurde: Eben schlichtweg das Paradebeispiel einer gelungenen Küchenplanung – und die Geschichte einer grünen Landhausküche, die von einer digitalen Vorlage aus mit Herz und Verstand zum Leben erweckt wurde.

Schränke mit Geschichte in einer modernen Küche – und über allem der Zauber einer individuellen Gestaltung: mit der grünen Landhausküche hat sich das Paar einen Traum erfüllt. (Foto: privat)
Schränke mit Geschichte in einer modernen Küche – und über allem der Zauber einer individuellen Gestaltung: mit der grünen Landhausküche hat sich das Paar einen Traum erfüllt. (Foto: privat)

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Susanne Maerzke
Susanne Maerzke
Kochen ist Lebensfreude, Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Auch unsere Redakteurin sieht die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich endet jede gute Party zurecht in der Küche neben den letzten Käsehäppchen und einem Glas Wein. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.

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