IKEA vs. Küchenstudio: Wo soll ich meine Küche kaufen?

02.02.2017 | Susanne Maerzke
IKEA vs. Küchenstudio: Wo soll ich meine Küche planen? Welche Vor- und Nachteile bieten sich? Wir klären auf. (Foto: KDM)

IKEA oder Küchenstudio? Auch, wenn man hier Äpfel mit Birnen in puncto Qualität und Beratung vergleicht, haben wir uns ans Werk gemacht, um unseren Lesern diese oft gestellte Frage zu beantworten.

 

Die erste, wirklich allererste Frage, die sich ein Großteil der Menschen vor dem Küchenkauf stellt, ist: Soll ich mich erstmal bei IKEA nach Küchen umschauen – oder gehe ich gleich ins Küchenstudio? Es folgt, als logische Konsequenz, die Frage, wieviel Geld man für die neue Küche ausgeben kann und will. Was viele dabei vergessen: Nicht alle IKEA-Küchen sind günstig, und nicht jede Küche, die im Studio geplant wurde, ist im Preis-Leistungs-Verhältnis gesehen teuer.

Es gibt aber noch viele weitere Faktoren, die die Wahl des anschließenden Küchenplaners beeinflussen. Wir haben Erfahrungsberichte ausgewertet und Fakten zusammengestellt, die Ihnen helfen können, sich für eine Seite zu entscheiden.

 

Vorteile beim IKEA-Küchenkauf

IKEA, der Möbelgigant aus Schweden: Preislich ist er unschlagbar. Wer günstige Küchen mit zufriedenstellender Qualität sucht, ist hier richtig. (Foto: IKEA Samara)

IKEA, der Möbelgigant aus Schweden: Preislich ist er unschlagbar. Wer günstige Küchen mit zufriedenstellender Qualität sucht, ist hier richtig. (Foto: IKEA Samara)

Natürlich ist eine IKEA-Küche in erster Linie unschlagbar im Preis. Wer auf jeden Fall weniger als 10.000 Euro für die Anschaffung einer neuen Küche eingeplant hat, sollte beim schwedischen Möbelriesen anfragen. Gute Gründe für eine preiswerte Küche gibt es viele: Wenn eine Küche nur temporär für eine Mietswohnung geplant oder hauptsächlich als Werkstatt betrachtet wird, kann es durchaus vernünftig sein, sich auf einfache Materialien und Küchengeräte zu beschränken.

Wer lieber eigenständig plant und tüftelt und auch einen komplizierten Aufbau nicht scheut, kann sich ebenfalls an eine IKEA-Küche heranwagen. Tatsächlich hat sich die Küchenplanung bei IKEA gemausert:  Der kostenlose 3D-Onlineplaner funktioniert intuitiv und verteilt Warnhinweise, wo Wasseranschlüsse beachtet und Ecken ausgespart werden müssen. Durch die vorgegebene Baureihe METOD kann man den Korpus aus Einzelteilen am PC zusammensetzen (die so übrigens auch einzeln verpackt ankommen – aber die Verpackungsdimensionen sind nochmal ein anderes Thema.)

16 Fronten stehen zur Wahl, von Hochglanz Rot über Norje Eiche bis hin zu Rubrik Edelstahl. Im Unternehmen selbst prüft man dann den eigens erstellten Plan mit fachmännischem Auge, misst nach und gibt die Küche in Auftrag. Satte 25 Jahre Garantie gibt es auf die meisten Bauteile im IKEA-Küchenkorpus – wie hoch die Kulanz bei Austausch und Erstattung sind, ist allerdings nicht bekannt.

 

 

Unzählige Pakete zum Selberzusammenbauen: Eine IKEA-Küche birgt enorm viel Eigenarbeit und Geduld. (Foto: IKEA Lagerhaus)

Unzählige Pakete zum Selberzusammenbauen: Eine IKEA-Küche birgt enorm viel Eigenarbeit und Geduld. (Foto: IKEA Lagerhaus)

Nachteile beim IKEA-Küchenkauf

Binnen weniger Wochen kann so eine neue Küche in den eigenen vier Wänden stehen – wenn, ja wenn die vielen Zwischenschritte nicht wären. Und hier beginnt, wenn man den vielen Erfahrungsberichten Glauben schenken kann, der Ärger: Zunächst schränkt das Programm recht genau ein, welche Küchenformen und -farben zulässig sind. Plant man eine verwinkelte, kleine oder in einigen Teilen ungewöhnliche Küche, sind plötzlich nur noch zwei statt 16 Fronten wählbar oder ein Werksstoff nicht lieferbar. Auch bei der Auswahl der Elektrogeräte ist man, wählt man das Komplettpaket, auf die Marken Electrolux und Whirlpool begrenzt.

Kundenspezifische Lösungen sind schwierig: IKEA ist – verständlicherweise – auf Massenware ausgelegt. Das kann eine kundengenaue Betreuung im Küchenstudio nicht ersetzen. Küchenplanungen, die auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen, sind bei IKEA nicht vorgesehen. Ab einer bestimmten Kaufsumme wird man von einem Berater unterstützt, was bei einem Küchenkauf mehr als ratsam ist.

Allzu oft tauchen ärgerliche Kleinigkeiten auf, die dem ahnungslosen Laien am Ende die ganze Küchenplanung sprengen. Mauervorsprünge, eine fehlende Hinterlüftung des Küchenschranks oder fehlende Blenden führen zu Verzögerungen im reibungslosen Aufbau oder der Benutzung der Küche.

 

Eigene Montage einer Küche: Oftmals eine Katastrophe

Ebenfalls oft angeklagt wird der IKEA Montageservice: Die Kommunikation mit Subunternehmern wird als mangelhaft empfunden; Lieferanten hätten teilweise keinen direkten Kontakt zur IKEA-Filiale und könnten Reklamationen oder Verrechnungen vor Ort nicht vornehmen. Die IKEA-Hotline-Musik mag dank Dauerschleife einigen wohlbekannt im Ohr hängen. Allerdings ist lediglich ausgesprochenen Hobbybastlern die eigenständige Montage einer Küche anzuvertrauen – bei Beschädigung falsch verbauter Küchenteile werden Garantierechte schnell ungültig.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass IKEA gute und einfache Grundlagen für die Küchenplanung bietet, aber sehr viel Eigenarbeit vom zukünftigen Küchenbesitzer erwartet. Maßanfertigungen und individuelle Sonderwünsche bleiben bis auf wenige wählbare Extras auf der Strecke, sodass jeder, der eine hochwertige Küche für die nächsten zwei Jahrzehnte plant, bei einem Küchenstudio wohl besser aufgehoben ist.

 

 

Genau auf den Prüfstand stellen können Sie Ihre zukünftige Küche im Küchenstudio: Mit einer ausführlichen Beratung und dem Erfahrungsschatz eines Küchenplaners oder Innenarchitekten. (Foto: stock)

Genau auf den Prüfstand stellen können Sie Ihre zukünftige Küche im Küchenstudio: Mit einer ausführlichen Beratung und dem Erfahrungsschatz eines Küchenplaners oder Innenarchitekten. (Foto: stock)

Vorteile eines Küchenstudios

Die Küchenbranche wächst und gedeiht dank der Küche als neues Statussymbol der Deutschen. Aber eben auch aufgrund eines wirklich guten Services: Studios planen eine Extrakapazität an Zeit und Budget ein, damit Mitarbeiter kostenlose Beratungsgespräche schon vor Abschluss eines Kaufvertrags vornehmen können. Die individuelle Beratung ist das große Plus eines Studios, das genau auf die Bedürfnisse und Wünsche von Kunden eingehen und aus der oft jahrelangen Erfahrung heraus Tipps geben kann.

In einem Küchenstudio arbeiten zudem beruflich dafür qualifizierte Leute: Küchenplaner, Architekten, Raumplaner, Innendesigner. Sie können im Gegensatz zu Einzelhandelskaufleuten Tipps für die gesamte Raumplanung geben und zu Küchenwänden, Küchenböden, Beleuchtung in der Küche und Küchenaccessoires beraten – neben der eigentlichen Küchenzeile. Auch mit ungewöhnlichen Materialien (Dekton), ungewöhnlichen Kombinationen (Holzschubladen im Steinküchenblock) oder Extrawünschen (Arbeitsplatte, auf der man kochen kann) kennen sie sich aus.

 

 

 

Eine Küche sollte man in jedem Fall vom Fachmann aufbauen - oder zumindest nachchecken - lassen. So spart man nicht nur Zeit und Nerven, sondern behält auch die volle Garantie auf alle Teile. (Foto: stock)

Eine Küche sollte man in jedem Fall vom Fachmann aufbauen – oder zumindest nachchecken – lassen. So spart man nicht nur Zeit und Nerven, sondern behält auch die volle Garantie auf alle Teile. (Foto: stock)

Küchenstudios betreuen von der Planung bis zum Einbau

Wer die Vielfalt an Farben, Materialien und Formen kennenlernen möchte, die eine Küche so bietet, kann im Küchenstudio seiner Wahl Haptik und Optik vor Ort erleben oder sich online in zahlreichen Galerien seine Favoriten heraussuchen. Dem erfahrenen Küchenplaner kann anschließend nicht nur die eigene Budgetierung vorgelegt, sondern auch jeder weitere Schritt in der Produktion und Abwicklung der Küche anvertraut werden.

Küchenstudios verfügen in der Regel über jahrelange, zuverlässige Geschäftsbeziehungen zu allen nötigen Gewerken rund um Ein- und Aufbau der Küche, also Monteure, Schreiner, Elektriker, Installateure etc. Nicht selten beschäftigen Küchenstudios sogar einen eigenen Montage-Trupp, der sich perfekt mit der Umsetzung von Küchenplanungen auskennt und auch die Eigenheiten einzelner Küchenhersteller kennt. Der reibungslose Aufbau der neuen Küche kann so zeitlich und materiell vom Küchenstudio geleitet und betreut werden, sodass alles fachmännisch umgesetzt ist.

 

 

IKEA vs. Küchenstudio: Ein kurzes Fazit

Da die Landschaft der Küchenstudios viel diversifizierter als das durchorganisierte IKEA-System ist, fällt es schwer, hier konkrete Einzelfälle für Nachteile beim Küchenstudio heranzuziehen. Mit absoluter Sicherheit geht auch hier beim Einbau manches schief, wenn aus Versehen die falschen Teile geliefert werden oder Termine unerwartet platzen. Dennoch ist der Schaden enorm begrenzbar, da man in drei bis vier Beratungsgesprächen zuvor die gemeinsame Planung in der Regel abgesteckt hat und alle Küchenstudios auch nur mit ihnen bekannten Herstellern und Monteuren zusammenarbeiten. Jeder muss im Individualfall entscheiden, wieviel Geld er in seine zukünftige Küche stecken möchte, wie personalisiert seine Küche zusammengesetzt sein soll und auf welchen Qualitätsanspruch er Wert legt.

Übrigens: Wo IKEA 25 Jahre Garantie gibt, gilt die Nachbetreuung eines Küchenstudios oft ein Leben lang. Fazit – wer die Küche zum Lebensmittelpunkt seines Hauses machen möchte und eine individuelle, einzigartige Küchenplanung erwartet, kann auch für einen Preis von 10.-20.000 Euro bereits einen professionellen Küchenplaner im Studio aufsuchen. Nach oben sind den Träumen keine Grenzen gesetzt – wer aber wiederum das Sparmaß anlegt oder mit einer einfachen Materialwahl zufrieden ist, kann auch beim schwedischen Möbelgiganten stöbern.

 

 

Zum Autor
Susanne Maerzke
Redakteurin

Kochen ist Lebensfreude, gemeinsame Zeit mit Freunden, Belohnung, Versöhnung, Hobby und Genuss. Und so sieht auch unsere Redakteurin die Küche als das Herzstück der Wohnung – schließlich stehen bei jeder Party zurecht die coolsten Leute in der Küche neben dem Kühlschrank mit kühlem Bier und den letzten Guacamole-Resten. Es lohnt sich also definitiv, sein Augenmerk auf die Ausstattung der Küche zu richten und mal bei den neuesten Trends, Geräten und Designern nachzuhaken: Auch als Gesprächsgrundlage für die nächste Feier.